Ungarn

Unsere Reise führt dem Jakobsweg rückwärts entlang bis nach Budapast. Nach einer Pause dort geht es südwärts der Donau entlang bis Kroation. Flaches Land, unendliche Weiten und Hitze machen Ungarn zu einem spannenden Teil unserer Reise. Berichte, Bilder und ein paar Fakten findest du hier.

Etappenübersicht / Tagebuch

Entlang der Donau – 386km


12. September – Etappe von Satorhely (HU) nach Gajic (HR)

Über Udvar (HU) und Dubosevica, Topolje (HR)

Am Morgen wollten wir nicht so recht in die Gänge kommen. Das ging uns bisher, vor Grenzübertritten, immer so. Also trinken wir einen Kaffee und gehen etwas gehemmt los. Unser GPS lässt uns Wege gehen die es nicht gibt und so kommt es, dass wir die ersten Meter aus dem Dorf querfeldein über ein Maisfeldlaufen. Später kommen wir über Feldwege wieder auf die Hauptverkehrsachse die uns nach ein paar Kilometer an die Grenze bringt. Links Zaun mit Stacheldraht und rechts eine ewig lange Schlange Lkws sind Zeuge davon. Im Grenzort Udvar bringen wir unsere letzten Forint unter die Leute in dem wir an einer Tankstelle Wasser kaufen. Ein freilaufender äusserst zutraulicher Dackel zeigte mir das erste Mal wirklich, die Schönheit von Hunden, ich hätte ihn am liebsten mitgenommen. An der Tanke war dann wieder eine Katze die um unser Herz buhlt. Nach etwas zögern also kommen wir doch noch an die Grenze. Die ungarische Beamtin schickt uns gleich ins Häuschen nebenan zum kroatischen Kollegen. Der befragt uns intensiv aber freundlich. Zunächst aus Dienstzwecken, doch seinem grinsen nach zu Folge, war es zum Schluss eher eigenes Interesse. Danach waren wir in Kroatien. Es war logisch genauso heiss wie zuvor, und als wir auf den ersten Feldweg einbogen, begrüssten uns die Mückenschwärme erneut. Diesmal noch etwas intensiver. Es war so krass, dass man die Schwärme bereits 20m im voraus als kleine bewegliche Wolke sehen konnte. Über Stock und Stein bahnen wir uns einen Weg bis zum ersten Dorf Kroatiens, dass uns mit Müllbergen auf den Feldern vor dem Dorf begrüsst. Das Dorf selber war gut gepflegt und wir konnten eine lange Rast im Schatten der Bäume machen. Als wir bei Kräften waren ging es weiter, einer Strasse entlang. Die Sonne brannte dort unerbittlich, doch die Mückenschwärme waren nicht mehr so stark da. Als wir die Häuser des Dorfes Topolje sahen, überholten uns zwei Radfahrer. „Seid ihr die aus Dresden?“ wurden wir begrüsst. Irritiert stottern wir ein „Ja?“. Steffi und Manuel sind mit ihren Rädern in München gestartet und hatten ein paar Stunden zuvor in Mohàcs den Stuttgarter getroffen der von uns berichtet hat. Sie hatten 14 Monate Zeit und wollen mit dem Rad nach Nepal fahren. Sie stiegen ab und schoben ihre Räder und wir unterhalten uns sehr angenehm. Am Ortsanfang trennen sich unsere Wege wieder. Es war eine interessante Begegnung. Das Dorf Topolje sah etwas ärmlicher aus als das zuvor. Doch am Ortsende fanden wir noch eine Bar die Euro als Zahlungsmittel akzeptierte. Für einen Tag hatten wir keine Kuna besorgt und hatten auch keine Wechselstube gefunden. Die Dame wahr sehr freundlich auch wenn sie kein Englisch oder Deutsch verstand. Allgemein wirkten die Menschen hier freundlicher und lächeln uns an. Wir entscheiden uns noch ein Dorf nach Gajic weiter zu gehen. Wieder Asphalt und wieder kein Schatten folgten. Mitten in der Pampa stand eine Kirche, und ich frage mich warum man sie dort hingebaut hat. Ungafähr einen Kilometer vor unserem Zielort hält ein Streifenwagen neben uns. Die Polizisten wollten nur unsere Ausweise sehen und waren damit zufrieden. Diese Kontrollen sind ein merkwürdiges Gefühl, weil ich es gar nicht so kenne. Eigentlich dachten wir über eine Nacht in der Nähe des Friedhofs nach, doch diese waren auf offenen Flächen und gut einsehbar. Also mussten wir in den Ort, doch die Kräfte schwanden zusehends. Am Ortsanfang sass eine Gruppe Dorfbewohner und unterhielten sich. Die sahen freundlich aus, also tippte ich die Frage nach einem Platz für das Zelt in den Übersetzer und hielt ihn in die Runde. Sofort ergriff eine der Damen die Initiative und führte uns zu ihrem Hof. Es war eine kleine Wiese zwischen Bäumchen und Rosen wo wir unser Zelt aufschlagen. Es gab kleine Katzen und Wellensittige die diesen Ort noch sehr sympathisch machten. Der Hof war alt, aber in Schuss und mit vielen kleinen Details versehen. Die Dame lebte mit einer anderen Dame scheinbar allein auf dem Hof. Wir hatten eine ruhige Nacht. Als wir am Morgen das Zelt verliessen, öffnet sich das Fenster der Nachbarin, was in den Hof zeigte. Kaffee? Was für eine Frage, und so bekamen wir wenig später Kaffee aus dem Fenster gereicht. Unsere Gastgeberinnen entpuppten sich als wahre Engel. Wir bekamen selbstgemachte Kekse und durften ihr Bad verwenden. Danach kam die eine Dame mit dem Telefon auf mich zu und gab mir den Hörer. Ich sprach mit ihrer Cousine die sehr gut deutsch konnte. So konnte ich unser Vorhaben und wer wir waren beantworten und die beiden Damen konnten es einordnen. Danach durften wir auf der Veranda der Sommerküche frühstücken. Kakao, Brötchen, Rüherei, Knödel, Marmelade, Joghurt, Paprika und Himbeeren gab es für uns. Besser als in jedem Hotel. Als wir aufbrachen war es eine herzliche Verabschiedung. Maria bekam noch einen Strohhut geschenkt, wegen der vielen Sonne bis Jerusalem. Und so liessen sie uns ziehen.

Etappe: 20km / Schritte: 36 000 / Höhenmeter: 10m

Border-Flair

Der Dackel von Udvar

Kroatien erreicht

Müllberge auch in Kroatien

Unsere Engel von Kroatien


11. September – Etappe von Dunafalva nach Satorhely

Über Mohàcs So konnten wir am Morgen direkt wieder auf den Donau Weg weiter gehen. Es ging, genauso wie in den vergangen Tagen so oft, auf dem asphaltierten Damm entlang. Rechts Bäume und keine Sicht auf die Donau und links wechselten sich Felder und Baumgruppen ab. Die Bäume sind so weit von dem Weg entfernt, dass sie tagsüber kein Schatten spenden. Als wir endlich den Abzweig zur Fähre sehen sind wir erleichtert. Es führt ein Radweg Richtung Serbien, und Maria fragt sich, warum wir diesen Weg nicht nutzen und direkter ins Nachbarland kommen. Doch wir gehen lieber weiter auf dem Jerusalemway. Die Fähre ist eine Autofähre, die uns sicher ans andere Ufer, direkt in die Stadt Mohàcs bringt. Nach einer kurzen Rast im Schatten gehen wir durch die Innenstadt, die bereits orientalisch anmutet um am Busbahnhof den wohl letzten Langos unserer Reise zu essen. Wieder viel zu viel und vollgestopft gehen wir aus der Stadt um an den Friedhöfen Wasser zu tanken. Auf den letzten Metern vor der Stadtgrenze spricht uns ein Deutscher an und fragt uns über die Reise aus. Er ist in Mohàcs geboren aber lebt seit 46 Jahren in Stuttgart. So kommt er immer wieder dahin und schaut nach seinem Haus. Wir sehen Deutsch aus, meinte er darum hat er uns abgesprochen. Wir verlassen die Donau und gehen an der Hauptverkehrsstrasse auf dem Radweg weiter. Fliegen- und Mückenschwärme machen uns das Leben nicht leicht. Manchmal kann man kaum vorwärts schauen, weil diese direkt ins Auge oder ins Gesicht fliegen. Kurz vor unserem Zielort kommen wir an einem etwas spacig aussehenden Park vorbei. Es scheint wie ein Kornkreis angelegte Wege mit einem Glaskuppel Gebäude davor, das umringt von Feldern etwas deplaziert wirkt. In Satorhely gehen wir noch in die Bar etwas trinken. Der Wirt, ein grosser, kräftig gebauter und grimmig dreinschauender Mensch war mit Abstand der unfreundlichste Mensch dieser bisherigen Reise. Etwas irritiert gehen wir weiter zum Sportplatz wo wir in der Dämmerung unser Zelt aufschlagen können. Die Nacht wird kalt aber immerhin gibt es hier kaum Mücken.

Etappe: 24km / Schritte: 43 200 / Höhenmeter: 12m

Auf Fähre – Mohàcs in Sicht

 

Autofähre über die Donau

 

Orientalisches Flair in Mohàcs

 

Space – Garden in der Pampa


10. September – Etappe von Baja nach Dunafalva

Über Szeremle

Der gute Hospitalero meinte, Pilger hätten keine Checkout-Zeit, sie dürfen gehen wann sie wollen. Das nutzen wir für ein ausgedehntes Frühstück in der Küche. Dort trafen wir Peter einen Angestellten des Hostels. Wir unterhielten uns sehr nett mit einfachem Englisch und er kochte uns als Geste noch ein paar Maiskolben. Der Ort war so friedlich, dass wir kaum gehen wollten. Die Sonne schien schon den ganzen Tag und es war wieder sehr warm draussen. Es war nach elf als ich mich verabschiedete und die Stadt verliess. Maria wollte den Bus in den nächsten Ort nehmen. Bei wenig Schatten entlang des Donaudammes trafen wir uns zwei Stunden später im kleinen Ort Szeremle. Nach dem Einkauf ging es diesmal einem Pfad entlang des Dammes bis dieser nach vier Kilometern in eine Strasse mündet. Es war etwas mühsam den Autos auf dieser einspurigen Bahn auszuweichen. Irgendwo in der Pampa kommt ein Radfahrer an und spricht uns sichtlich begeistert auf ungarisch an. Leider verstehen wir kein Wort, nur „Camino“ während er auf sein Cap zeigt. Dort war eine Jakobsmuschel zu sehen. Er ist danach einfach vergnügt weiter gefahren. Nach endlosen Kilometern auf der Strasse kommen wir endlich in Dunafalva an und schauen uns nach einem Platz für die Nacht um. Dabei erregten wir die Aufmerksamkeit eines Polizisten dem wir zweimal begegnen. Auch hier werden wir angesprochen, doch auch er kann kaum Englisch. So versuchen wir unser Vorhaben zu erklären und er lässt uns unter kritischen Blicken ziehen. Wir verkrümneln uns in die Bar um nachzudenken, denn schlafen im Park war so nicht möglich. Wir fragten den jungen Wirt (16 Jahre?) ob er eine legale Idee hat. Er verwies uns auf eine Wiese an der Donau wo das Zelten gestattet war. Wir haben diese Flächen schon häufig auf unserer Map gesehen, und dachten es sind verlassene Campingplätze. Nun begriffen wir, dass es da möglich war zu Zelten. Also gingen wir dorthin und konnten mit ruhigem Gewissen schlafen.

Etappe: 21km / Schritte: 37 800 / Höhenmeter: 8m

Baja bei Sonnenschein verlassen

 

Das Dorf Szeremle

 

Idylle am Weg

 

Legal Zelten an der Donau


9. September – Etappe von Fajsz nach Baja

Am Morgen stehen wir wieder früh auf, denn es war Regen angesagt. Zwar startet er mit einer goldenen Morgensonne doch die verschwindet direkt nach dem Einkauf und geht in Regen über. Auch hier bleibt uns vorerst nur die Flucht ins Pub und ein Kaffee. Doch auch nach einer ganzen Weile wird es nicht besser. Maria und ich beschliessen uns zu trennen. Sie nimmt den ÖV während ich den Weg zu Fuss in Angriff nehme. Eine Herausforderung diesmal ist, kein Ort trennt den Startpunkt und das Ziel. Als ich den Ort auf dem Donauradweg verlasse, regnet es noch in strömen, aber nach einer dreiviertel Stunde hört es zum Glück auf. Es wird ideales Wanderwetter, bewölkt bei 22°C. Der Weg sieht eigentlich immer gleich aus, Asphaltradweg auf dem Damm, rechts Bäume (dahinter die Donau die man nie sieht) und links Feld oder Bäume. Auf der ganzen Strecke war eine Brücke unter der ich durchlief mit ein paar Skulpturen das einzige Highlight. Sonst 28km das gleiche Bild. Als ich die Stadt Baja schon am Horizont sehen konnte, fegte ein Gewitter über mich, Wind und Regen in strömen. Als ich die Stadt über das Gewerbegebiet erreiche bin ich durchgeweicht. Zum Glück mein Rucksack nicht. Ich treffe Maria in der Stadt bei einem Döner, bevor wir in eine Herberge des ungarischen Pilgerwegs einkehren. Der Hospitalero war so angetan von uns Pilgern (sonst hat er fast nur Radfahrer und Touristen da) dass er uns mit Gebets- und Segenswünschen überhäufte. Die Herberge war ein Traum, saubere Zimmer, eine Küche und Kapelle, was will man mehr.

Etappe: 30km / Schritte: 54 000 / Höhenmeter: 8m

Stunden und Kilometer lang das gleiche Bild

 

Etwas Abwechslung durch Skulpturen

 

Gewitter über Baja


8. September – Etappe von Szelidi-to nach Fajsz

Über Gomolyag Kolocsa und BàtyaEs war ungewöhnlich früh als wir die Pension verlassen. 6 Uhr, dass hatten wir vielleicht erst einmal zuvor geschafft. Es war trüb und irgendwie mystisch. Der Nebel hing in den herbstlich angehauchten Bäumen. Der Weg führte uns an einem alten Herrenhaus vorbei auf die Felder. Durch den Regen der vergangen Nacht war der Boden aufgeweicht, dennoch fanden wir immer genug Grasbüschel um dem Schlamm so einigermassen zu umgehen. Gomolyag war ein kleiner Ort, in dem es zwei bis drei Häuser gab die nicht einsturzgefärdet waren, der Rest war verfallen oder hielt noch gerade so stand. Mit dem trüben Wolken wirkte der Ort etwas gruselig. An einer Bank machten wir Rast und beobachteten zwei Ziegen die aus ihrem Gatter schlüpften und sich am Gras des Dorfes zu sättigen. Als wir wieder aufbrechen gehen sie schuldbewusst zurück in ihr Reich. Nach ein paar Kilometern auf dem Feld kommen wir in der Stadt Kolocsa an. Nach einem Kaffee und Proviantkauf gingen wir weiter, denn mittlerweile hatte sich die Sonne wieder herausgekämpft. Auf dem Radweg ging es nun wieder weiter Richtung Bàtya einem kleinen Dorf. Es war nun wieder richtig heiss und so verkrümneln wir uns in den Schatten einer Beiz. Als wir die Kräfte gesammelt haben kommen wir wieder an die Donau deren Weg direkt nach dem Dorf beginnt. Es geht wieder entlang des Dammes bis in unseren Zielort Fajsz. Er kündet sich in der Nachmittagssonne am Horizont bereits einige Kilometer an. Der für Ungarn untypische  Kirchturm ragt zwischen den Bäumen hervor. Im Ort selber suchen wir zunächst die Einkaufsmöglichkeiten für den kommenden Tag und gehen dann schnurrstraks zu beiden Friedhöfen am Ortsende. Zwischen diesen und dem Donauradweg finden wir einen Platz wo wir nicht stören. Allerdings wird beim Zeltaufbau eine Armada Mücken auf uns aufmerksam. Also muss alles ganz schnell gehen. Danach ziehen drei Gewitter über uns hinweg bevor wir endlich schlafen können.

Etappe: 30km / Schritte: 54 000 / Höhenmeter: 11m

Mystik am Herrenhaus durch den Nebel

 

Kurz vor Kolocsa

 

Am Horizont ist Fajsz schon zu sehen

 

Angekommen


7. September – Etappe von Harta nach Szelidi-to

Über Dunapatja

Am Morgen verlassen wir die Wiese um das Denkmal wieder Richtung Innerdorf. Im Pub gab es den schon fast traditionellen ungarischen Kaffee zum Morgen und wir konnten das WC besuchen, was beim wildcampen eine durchaus wichtige Randnotiz ist. Als wer den Ort verlassen geht es direkt auf den Radweg der zum Glück mit genügend Abstand an der Überlandstrasse entlang führt. Bereits unterwegs sehen wir die dunklen Wolken auf uns zukommen und ein frischer Wind ermöglicht ein angenehmes laufen. Nach etwas mehr als 8km kommen wir in Dunapatja an. Der Ort ist ungewöhnlich belebt, vile Menschen gehen im Zentrum umher. Als wir die ersten Tropfen abbekommen suchen wir ein Pub um dem Regen zu entgehen. Das gelingt uns perfekt, denn kaum sitzen wir beginnt es ordentlich zu regnen. Nach dem erneuten Kaffee sieht es so aus, als würde es sich einregnen und so schnell nicht wieder aufhören. Darum beschliessen wir eine Unterkunft in der Nähe zu suchen. Eine Dusche war eh mal wieder fällig. Wir finden im Internet eine geeignete in 5km Entfernung. Gegenüber des Pubs war ein kleines Volksfest auf dem Sportplatz zu gange, da es wie immer im Pub nix zu essen gab wollten wir uns dort etwas holen. Neben den Ungarn hatten sich auch zwei junge Frauen aus Deutschland in den Pub gesellt. Mina und Hanna standen kurz vor ihrem Studiumsbeginn und machten eine Radreise von der Heimat nach Belgrad. Es war schön mal unsere Muttersprache zu hören. Später gingen wir am Sportplatz einen Burger essen, ich wollte eigentlich eine der Gulaschsuppen essen, die dort in grossen Töpfen angeboten wurden, aber der Geruch hat mich dann irgendwie doch abgehängt. Lange kein Fleisch mehr gegessen, also war es too much für mich. Wir wollten noch etwas zum Abendessen einkaufen und mussten feststellen, dass der Supermarkt früher geschlossen hatte als gedacht. So sind wir noch panisch in eine Pizzeria gegangen nur um dann beim verlassen des Ortes noch einen anderen, offenen Laden zu finden. Unsere westliche Angst, man könnte verhungern ist schon manchmal etwas lachhaft. Dann nutzten wir eine Regenpause um die 5 km zur Unterkunft zu laufen. Der ausgestorbene Ferienort (wie befinden uns ausserhalb der Saison) bescherte uns ein riesiges Haus, fast für uns allein. So konnten wir uns dem Rest des Tages erholen und dem Regen auf dem Balkon zusehen.

Etappe: 12km / Schritte: 21 600 / Höhenmeter: 9m

Der Regen droht schon auf dem Radweg

Serbien ist ausgewiesen

Regenpause auf dem Weg nach Szelidi-to

Pilgerwahn


6. September – Etappe von Dunavecse nach Harta

Über Apostag, Dunaegyhaza und Solt

Am Morgen gingen wir den Donauradweg weiter, bisher hatten wir noch keine Radler gesehen, doch nun überholte uns Guillaume aus dem Wallis. Der junge Schweizer war auf dem Weg von Zürich nach Rumänien ans schwarze Meer. Es war schön etwas deutsches zu hören, das ging uns allen dreien so. So tauschten wir uns etwas aus bevor Guillaume wieder davon brauste. In Apostag machten wir ein ausgedehntes Frühstück mit Kaffee in einer Kneipe, da diese nichts zu Essen hatten, (das haben wir schon oft gesehen) haben wir uns danach im Supermarkt eingedeckt und geschlemmt. Danach ging es bei Hitze weiter. Nach einer kurzen Strecke auf Überlandstrasse ging es gut begehbare Feldwege lang bis in den Ort Dunaegyhaza. Dort folgten wir dem Jerusalemway der identisch mit einem ungarischen Pilgerweg ist. Nach dem Ort wurde der Weg wieder schmal und überwuchert. Bei grossem Einsatz war kein Weg durch das Geäst zu finden. Also wieder zurück in den Ort und zur Hauptverkehrsstrasse. Um das angestrebte Tagesziel zu erreichen trennen sich die Wege von Maria und mir, sie läuft nach Solt während ich mich unterhalb durchschlage. Nach mehreren Kilometern auf mehr oder weniger begehbaren Feldwege gehe ich eine Strasse hinunter zur Donau. Ab jetzt folge ich wieder den Pilgerwegen. Diesmal klappt es gut. Zunächst auf Trsmpelpfaden folge ich der Donau und später wechselt der Untergrund auf den Asphalt des Radweges. Da ich auf 18km keine Menschenseele a treffe habe ich viel Zeit zum Nachdenken. Die Stille ist einfach herrlich, nur das Rauschen der naheliegenden Bäume ist mein Begleiter. In Harta treffe ich am Abend wieder auf Maria, die uns ein Abendessen besorgt hat. Auf der Parkbank geniessen wir den Abend bis wir in der Dunkelheit das Zelt auf einer Wiese in der Nähe des Friedhofes aufbauen.

 

Etappe: 30km / Schritte: 54 000 / Höhenmeter: 10m

Unser zu Hause am Morgen

Pilgern an der Donau

Pilgerweg endet im Nirvana

Pilgern an der DonauSonne, Wolken und Rauschen – sonst nichtsAm Ziel der Etappe


5. September – Etappe von Dabas nach Tatarszentgyörgy (weiter nach Dunavecse mit Bus)

Am Morgen machten wir uns bei kühlen Temperaturen auf den Weg. Doch wir wurden gleich etwas gebremst, denn der Weg war sandig. Sehr feiner und tiefer Sand machten den Weg wie ein Spaziergang am Strand, nur ohne Wasser und mit einigen Kilo auf dem Rücken. Wir kamen sehr langsam voran. Wenig später kamen wir in ein dürres Naturschutzgebiet, welches nur wenig Schatten bot. Da die Wege nicht gewartet werden wurde es zunehmends undurchsichtige und etwas schwierig die Pfade zu finden. Viel Kraut überwuchert die Szenarie und die Sonne prasselte wieder unnachgiebig. Nach einigen Wirrungen verlief unser Weg ins Nichts, kein Ende in Sicht. Da wir kurz zuvor einen anderen Pfad gesehen haben, versuchen wir unser Glück mit diesem. Doch das währte nicht lang, bald befanden wir uns im kniehohen Kraut mit mörderisch stachelnden Kletten wieder. Ich war sowas von sauer und wütend, dass es nicht so klappte wie ich es wollte und schlug mit meinem Stab ins Dickicht. Als Augen zu und durch bis wir auf einem Feld landen das uns zu einer Strasse führt. Dort erstmal die stechenden Kletten von unseren Beinen entfernt und weiter gehts. Dieser Strasse sollten wir bis in den Ort Tatarszentgyörgy folgen. Zum Glück gab es dort einen Tante Emma Laden (Elimezer) und wir konnten unseren Frust mit Süsskram schmälern. Dann entschieden wir uns mit dem Bus zur Donau zu fahren um doch dem Jerusalemway zu folgen. Wir erhoffen uns dort etwas mehr Infrastruktur wegen des Pilgerweges und des Donauradweges. So tingelten wir von Ort zu Ort bis wir am Abend in Dunavecse ankamen. In der Ortsmitte finden wir einen Imbiss bei dem wir einen leckeren Vegiburger bekommen. Die freundlichen Ungarn schienen Freude an uns zu haben, als wir nach einem Schlafplatz fragen sind sofort 3 Personen damit beschäftigt jemanden zu erreichen der uns ein Bett geben kann. Dann reservierten sie für uns und gaben uns Adresse und Nummer. Wir fühlten uns gleich viel wohler als noch am Mittag. Ein Mann zeigte uns noch den Weg durch das Dorf bis wir nur noch geradeaus gehen brauchten. Was für ein Segen. Die Unterkunft war ein altes grosses Gebäude an der Donau. Der Besitzer war gleich dort und eine Frau zeigte uns die Räumlichkeiten mit den spartanischen hohen Räumen, die das Flair eines alten Schulhauses hatten. Maria fühlte sich nicht wohl, also schlugen wir das Zelt vor dem Haus auf, nachdem die Frau wieder gegangen war und nutzen die Duschen und Steckdosen im Innenbereich. Für uns perfekt.

Etappe: 12km / Schritte: 21 800 / Höhenmeter: 30m (der Rest mit dem Bus)

Los gehts auf sandigem Grund

Dürres Naturschutzgebiet

Kletten-Plage, Autsch tat das weh

Fahrt nach Dunavecse

Unsere Unterkunft


4. September – Etappe von Àlsonémedi nach Dabas

Über Felsöbesnyö und Sàri

Heute liegt eine Etappe mit kaum Zivilisation auf dem Programm. Über flaches Land und Grasfelder gingen wir urige Pfade entlang bis an den Rand von Ocsa, den Ort den wir nur in Sichtweite streifen. Gestern war es noch bewölkt, doch heute schien die Sonne wieder unaufhörlich bei etwas milderen 27°C. Darum waren Schattenplätze gefragt. Nach einer kurzen Pause in der Nähe von Ocsa folgte ein Abschnitt über einige Kilometer auf der Bundesstrasse entlang, auf der allerdings wenig Verkehr war. Nach einer scharfen Rechtskurve liefen wir einem staubigen Feldweg entlang an dem gerade die Kartoffelernte in vollem Gang war. Danach kamen wir an einem Kürbisfeldvorbei, was ich in der Grösse noch nie gesehen habe. Trotz der Hitze kam Herbstfeeling auf. Danach gaben sich wieder kleinere Wälder und abgeerntete Felder die Hand bis wir über Felsöbesnyö nach Sàri kamen. Nach einer ordentlichen Pause im Schatten bin ich die restlichen 8km bis ans Ende von Dabas allein weiter, während Maria den Bus nutzte. Dort angekommen suchten wir uns einen Zeltplatz in der Nähe des Friedhofs. (Geheimtipp weil immer Wasser vorhanden) Nach dem wir einem besorgten Anwohner entwichen sind, konnten wir das Zelt im golden Schein der Abendsonne aufrichten.

Etappe: 28km / Schritte: 50 400 / Höhenmeter: 20m

Felder und Idylle

Kürbis so weit das Auge reicht

Typische Trinkwasserhähne in Ungarn – hier in Sàri

Zelten am Friedhof


3. September – Etappe von Budapest nach Alsonémedi

Über Dunaharaszti

Es war Regen angesagt, also warteten wir noch bis Mittag in der Wohnung von Àkos und gingen dann schweren Herzens weiter. Wie in anderen Grossstädten fuhren wir auch hier bis zur Endhahaltestelle der U-Bahn um dem Rummel zu entgehen. Wir wählen eine andere, etwas kürzere Route nach Serbien, als de Jerusalemway und machen uns durch Vororte auf den Weg. Was gleich auffällt sind die vielen Müllberge an den Feldern und Wegen. Wir bahnen uns einen Weg durch eine Ebene und einzelne Häuseransammlungen bis nach Dunaharaszti wo wir eine längere Pause machten. Danach suchten wir ein Lidl am Ort sende um Proviant zu kaufen. Danach ging es wieder durch einen Wald der etwas mystisch wirkte durch seine hohen Bäume und das viele Gestrüpp am Fuss. Als es dunkel wurde erreichten wir den Zielort und stellten im dunkeln das Zelt am Rande des Dorfes auf.

Etappe: 17km / Schritte: 30 600 / Höhenmeter: 20m auf und ab

Goodbye Budapest

Bis zur Dämmerung gelaufen


1. September – 3. September – Ruhe- und Orientierungstage in Budapest

Im Youth Hostel haben wir in einem 6 Bettzimmer geschlafen. Da die drei jungen Damen am Abend in den Ausgang sind und erst am Morgen 8.30Uhr wieder da waren, haben wir eigentlich nur zu dritt darin geschlafen. Nach einem gemütlichen Frühstück mit anderen Gästen haben wir das Hostel verlassen und ich habe mir bei meinem ersten Besuch eines Barbiers eine pilgerfreundliche Frisur und Bartpflege bekommen. Danach waren wir noch die Basilika der Hauptstadt angesehen und zu Àkos gefahren. Dieser freundliche Mann ist selbst Pilger und hatte uns angeboten bei ihm zu übernachten. Es war eine dieser herzerwährmenden Begegnungen in denen sich Menschen aus völlig unterschiedlichen Richtung sich treffen und sofort eine Bindung entsteht. Bei ihm sind wir eine Nacht länger geblieben, weil wir uns wohlgefühlt haben. Wir haben die Zeit genutzt um uns zu sammeln und neu zu orientieren. Den Weg noch einmal ordentlich durch geplant und nach Lösung für unsere Unterschiedlichen Bedürfnisse gesucht. Die beiden Abende auf dem Balkon mit der herrlichen Sicht auf Budapest und in den Kneipen der Stadt waren eine echte Wohltat. Die Gespräche waren besonders toll, weil Àkos viele unserer Pilgererfahrung nachvollziehen konnte, und er hat uns Mut gemacht zum weiter gehen. Ein weiterer Engel auf unserem Weg, ohne dem es wohl schwer geworden wäre. Danke Àkos.Beim BarbierEine goldige BasilikaUrige U-Bahnststion in BudapestBlick von Àkos seinem Balkon am MorgenBlick von Àkos seinem Balkon am AbendBig City-Life


31. August – Etappe von Zsàmbék nach Budapest

Über Pàty und Budakeszi

Nach einer guten Nacht packen wir, sicher im Wissen der Anwohner unser Zelt zusammen. Wir laufen den Hang hinab in die Stadt um dort zu frühstücken. Nach dem Schmaus aus dem Supermarkt gab es noch einen Kaffee in der Bar, nicht zuletzt um unsere Handys aufzuladen. In dem Etablissement waren bereits einige Herren am Bier trinken, denn es war Samstag. Wir entschieden uns heute getrennt nach Budapest zugelangen um unser weiteres Vorgehen zu bedenken. Maria nutzte den öffentlichen Verkehr und ich wollte es zu Fuss schaffen. Gestärkt ging es aus dem Ort auf einen Feldweg, der 12km nicht enden sollte, ohne einen einzigen Schatten. Kein Baum weit und breit nur Weite, Mais und Sonnenblumen die passend die Köpfe hängen liessen. Als ich klatschnass geschwitzt in Pàty ankomme, nehme ich den ersten Laden im mich abzukühlen. Nach einem Eistee den ich geext habe und dessen Flasche mir die gute Frau aus dem Laden zum entsorgen wieder abnahm, ging es weiter. Der Ort erstreckte sich sehr lang, vorbei an zwei Kirchen in einen Wald, dort gab es zumindest Schatten. Zum überqueren diverser Zäune musste ich immer wieder kleine Leitern nutzen. Der Wald war so trocken, dass jede Scherbe oder gar Funken ein Desaster ausgelöst hätten. Es zog sich ewig hin, Hügel rauf und runter. Die letzten 1.5km war der Weg so schmal, dass ich von Geäst und Pflanzen weichgeklopft wurde. In Budakeszi laufe ich zunächst durch ein Gewerbegebiet und dann durch eine Häusersiedlung wieder stetig den Berg hinauf. Danach anschliessend folgt ein parkähnlicher grosser Wald mit vielen Wegen. Erstaunlich gute Wegmaarkierungen sowie Jogger und Radfahrer kündigten die Grossstadt an. Oben angekommen zeigt sich mir zwischen vielen Menschen ein gigantischer Blick auf die Stadt Budapest. Ab jetzt geht es nur noch bergab, zum Teil steil, bis zur Innenstadt. Ich war mehrfach durchgeschwitzt und meine Schweissränder waren zu sehen, so war es kein Wunder, dass die Menschen im Zentrum mich ansehen wie einen Alien. Maria war in derzeit bereits im Youth Hostel eingecheckt, völlig fertig komme ich später dort an.

Etappe: 36km / Schritte: 64 800 / Höhenmeter: 250m + 340m aufwärts und 200m + 360m abwärts

Die unendliche Weite und Stille vor Pàty

Schöne Gartentore vor Budapest

Eine der Leitern im Wald

Blick auf Budapest

Geschafft – in der City angekommen

Eingang zum Youth Hostel


30. August – Etappe von Tarjan nach Zsàmbék

Über Vasztèly und Màny

Nach dem morgendlichen Trocknen des Zeltes sind wir aufgebrochen. Nach Tarjan folgten wir einem Radweg der sehr gut saniert war. Asphaltiert mit ein paar Unterstanden zum Rasten. Die waren auch wichtig, da die Strasse sonst kaum Schatten bietet und es sehr warm war. In jedem zweiten Schatten machen wir Rast und ziehen unsere Shirts ab, die klatschnass in der Sonne trocknen. Vorbei geht es an einem Weiler, an dem viele kleine Ferienhäuser stehe, Richtung Vasztèly immer leicht hügelig auf und ab. Nach der Pause dort, mit Wasser bom Friedhof, weil es weit und breit nichts anderes hatte, führt der Weg den Hügel hinauf. Ein drohendes Gewitter bringt Wind und etwas Abkühlung. Es erreicht uns aber zum Glück nicht, sondern zieht knapp hinter uns vorbei. Danach laufen wir auf staubigen Pfaden bis nach Màny. Dort haben wir hinter der Kirche einen Pizzaladen entdeckt und uns gestärkt. Das nächste Gewitter kam und so warteten wir die paar Regentropfen ab um weiter zu gehen. Am Ende des Ortes nahmen, wir wieder den Bus für die letzten 4km nach Zsàmbék zu fahren, was zwischen mir und Maria die Spannungen verschärfte. Ich würde gern alles laufen und sie hat nicht so viel Kraft dafür. Im Ort wollen wir am Rand einen Schlafplatz suchen, was ungewöhnlich schwierig war, denn da wo Waldwege im GPS eingetragen waren, gab es lauter Häuser. Keine Alternative weit und breit. Es verlief dem Hang nach oben und es begann Dunkel zu werden. Neben einem Weinberg und Obstgarten fanden wir eine schwer einsehbare Stelle wo wir unser Zelt aufschlagen. Perfekte Sicht ins Tal und sternenklare Nacht machten den Abschluss versöhnlich. Die Häuser in der Umgebung waren bewohnt mit lauter Musikern, sie sangen uns mit ihren Lieder mit unterschiedlichen Stilen aus allen Himmelsrichtungen in den Schlaf.

Etappe: 19km / Schritte: 34 200 / Höhenmeter: 150m auf- und abwärts

Morgenstimmung in Tarjan

Pilgerautobahn oder Radweg

Unendliche Weite – unendliche Hitze – Ungarn

Many am Abend


29. August – Etappe von Tata nach Tarjan

Über Woj und Vértestolnau

Nach einer unruhigen Nacht trotz guter Unterkunft ging es am nächsten Morgen weiter. Wir folgten dem Weg zum Supermarkt und zur Post, doch diese war zwar offen und besetzt, doch es war nicht möglich Briefe zu versenden. Den Grund konnten wir nicht übersetzen. Danach ging die Stadt Tata nahtlos in den Ort Woj über, der mit vielen kleinen versteckten Läden ein guter Ort für Pilger war. Bei wieder Temperaturen über 30°C folgte ein langer gerader Abschnitt aus dem Ort hinaus, bis wir den Hang hinauf gehen. Das erste Mal seit einiger Zeit wo es mal nicht nur flach ist. Dem Jakobsweg rückwärts folgend gehen wir an Weinbergen vorbei in einen Wald. An den Häusern in der Nähe des Waldes wollte uns zuerst eine besorgte Anwohnerin erklären wie wir nach Budapest laufen müssen, sie sprach Englisch, doch sie interessierte es kaum, dass unser GPS den Weg wusste. Sie wollte uns einen anderen Weg führen. Später treffen wir einen Deutschen aus Nürnberg in den Hängen. Der pensionierte Mann findet Ungarn so toll, dass er 5 Monate im Jahr dort verbringt. Danach ging es steil bergauf durch den Wald bis zur Ruine einer Kirche. Auch danach ging es sehenswert an Hängen entlang durch Stille und Weite bis nach Vértestolnau. Eine Augenweide und Entspannung für den Geist nach so viel flachem Land. In dem lang gezogenen Ort war Maria am Ende ihrer Kräfte. So legten wir die letzten 4.5km mit dem Bus zurück. In Tarjan angekommen, warten wir bis zum Anbruch der Dunkelheit um auf einem Feld in der Nähe des Dorfes zu übernachten.

Etappe: 14.5km / Schritte: 26 100 / Höhenmeter: 320m + 50m aufwärts und 280m abwärts

Nach Woj der Blick Richtung Weinberge

Kirchenruine St. Peter im Wald nach Woj

Der Pfad zwischen den Hügeln vor Vertéstolna

Schlafplatz in Tarjan


28. August – Etappe von Nagyigmánd nach Tata

Über Mocsa

Dieser Tag geht unter die Kategorie Lernprozess ein. Früh sind wir aufgebrochen um dann irgendwie die Zeit im Supermarkt und beim Frühstück zu vertrödeln. Als wir dann Nagyigmànd auf der Überlandstrasse verlassen wird es schon langsam warm. Nach 3km wollen wir dem Jerusalemweg folgen, doch der Pfad ist übervoll mit grossen Pfützen wo kein durchkommen scheint. Also nehmen wir einen deftigen 5km Umweg in Kauf und folgen der Strasse weitere 5km. Nicht sehr schön, wenn die Autos an einem mit 100km/h vorbei sausen, aber es hat einem gute Grünstreifen den wir nutzen können. Danach verlief der Weg wieder an Feldern entlang, wo Mais und Sonnenblumen sich abwechseln. Doch das bringt auch wenig Schatten mit sich und das an heissesten Tag der Woche mit 34°C im Schatten. Nachdem wir die Felder hinter uns gelassen haben gehts wieder weiter auf der Überlandstrasse bis zum Ort Mocsa in dem wir Rasten und Proviant kaufen. Und nun begann das Schicksal uns eine kleine Lektion zu erteilen, denn nachdem wir den Ort verlassen hatten ging die Pfützendynamik wieder los. Hinzu teilte sich der Weg in zwei Varianten, also wir nach einem Slalommarathon auf unser GPSmap schauten, stellten wir fest, dass wir das Abbiegen für die andere Variante gerade verpasst haben. „komisch gar nichts gesehen!“. Also ging es weiter immer geradeaus im Slalom den Pfützen entlang. Es sammelten sich immer mehr Fliegen und Getier um uns herum die durch unseren Schweiss und die Schwüle zwischen den Bäumen angezogen wurden. Irgendwann verlief sich der Weg und war zugewuchert, kein durchkommen mehr, nichts als Blätter, Gras und Geäst. Frustriert traten wir den Rückzug an, die 2.3km zurück. Zwischendurch schauen wir immer wieder ob sich die andere Wegvariante finden lässt, doch da wo sie laut GPS sein müsste, ist nichts als Sträucher. Es gab noch eine weitere Idee, dass der Weg etwas weiter vorn abbiegt und sich das GPS um 800m irrt, doch als wir dort wieder ankommen ist uns das zu unsicher. Wir kapitulieren und gehen zurück nach Mocsa wo wir vor ein paar Stunden bereits waren. Im Ort angekommen, spricht uns ein Ungar das erste mal an und bietet uns frisches Wasser an. So abgekämpft und durchgeschwitzt wie wir waren, genau das richtige. Wir bekommen eiskaltes Sprudelwasser für unsere Flaschen und zum trinken. Der nette ältere Herr konnte ein wenig deutsch und hatte ein mildes Lächeln hinter seinem Schnauzer. Balsam nach der Plage des Tages. Wir sind dann noch mit dem Bus nach Tata gefahren, weil wir dort ein Zimmer reserviert hatten. So neigt sich ein denkwürdiger Tag zu Ende, an dem wir uns im wahrsten Sinne des Wortes verrannt haben.

Etappe: 26km (5km Umweg und 10km verirrt inkl.) / Schritte: 48 600 / Höhenmeter: 15m

Der Weg ist kein Weg

Also Strasse laufen

Danach wieder übers Feld mit weniger Pfützen

Durchgeschwitzt – trocknen mal andersDreieinigkeit in MocsaDort haben wir Wasser bekommen


27. August – Etappe von Kisbér nach Nagyigmànd

Über Ete

Ungarn ist echt weitläufig. Über viele einsame Schotterwege oder Landstrassen und kleinere Ortschaften, die nicht mehr 2-3km entfernt liegen wie in der Schweiz und Österreich, sondern 10-15km. Als wir den Ort Kisbér an den letzten Häusern verlassen, fällt uns das Jerusalemway-Schild am Gartenzaun eines Hauses auf. Kurz darauf spricht uns der Herr des Hauses auf meine Jerusalemway-Fahne am Rucksack an und berichtet mit ein paar wenigen deutschen und mehr ungarischen Worten, dass drei Leute zu Gast waren bei ihm. Er erzählte uns auch die Geschichte von der verlorenen Kamera, die ich bei Hannes schon einmal gehört habe, also ist klar das er mit seiner Gruppe im März hier war um den Weg zu markieren.
Bereits kurz nach dem Ort fing der Pfützenslalom wieder an, so dass es mühsam war voran zu kommen. Dazu war der Tag heiss und die Sonne prasselte bei 33°C auf uns herab. Bei wenig Schatten nutzen wir immer wieder hohe Sträucher um zu Rasten. Als wir in Ete am Dorfplatz angekommen sind machen wir eine grössere Rast im Schatten eines Baumes. Nach einer Weile kommt eine Mitarbeiterin vom Gemeindeamt und erklärt uns mit Hand und Fuss, dass es da ein WC und frisches Wasser hat. Welch ein Segen zu dieser Stunde. Gut eine Stunde später gelangen wir über die Felder an einen alten Pferdehof, der weit und breit die einzigen Gebäude waren. Das herrliche Gut hatte sogar einen eigenen Friedhof. Die Schotterpiste wurde zum Asphalt, dann zu Beton und zu guter letzt zu feinem Sand, in dem Traktoren ihre Spuren hinterliessen. Die Sonne knallte weiter von oben, aber es gab immer wieder schattige Bäume. Die letzten 3km zum Ort verliefen auf der Überlandstrasse. Nicht mein Lieblingsterrain aber es war zum Glück wenig Verkehr. Als wir endlich völlig abgekämpft im Ort ankommen, müssen wir uns beeilen denn die Geschäfte schliessen gleich und uns fehlt besonders das Wasser. Nach dem Kauf in letzter Sekunde konnten wir dem Ort nach einem Schlafplatz erkunden. Am Ende schliefen wir auf einer grossen Wiese in der Nähe des Sportplatzes.

Etappe: 23km / Schritte: 43 200 / Höhenmeter: 20m immer wieder hoch und runter

Nächste Runde Pfützenslalom

Ungarn unendliche Weiten

Hier können wir unsere eigenen Spuren hinterlassen

Letzte Kilometer Asphalt


26. August – Etappe von Pannonhalma nach Kisbér

Über Tàp, Tàpszentmiklos und Barsonyos

Nach einer trockenen Nacht in einem Bett sind wir am Morgen aufgebrochen. Der langgezogene Ort Pannonhalma begleitet uns noch eine ganze Weile bis wir einen Pfad im den Wald einschlagen. Es ist diesig und schon fast neblig, dadurch erinnert die ganze Szenarie an den Herbst, obwohl es noch schwül ist und die Temperatur bei 28°C recht hoch. Nach dem der Schotter auf dem Weg weniger geworden ist wurden die Pfützen und Schlammlöcher grösser. Diese Tatsache beschäftigte uns den ganzen Tag noch. An einer Stelle des Weges war das Schlammloch so gross, dass für uns die. alternative auf dem Feld attraktiver ist und wir dort durch den Matsch laufen. Auch nach diesen 400m müssen wir immer wieder ausweichen oder den besten Weg auf dem Weg suchen. Nach unserer Rast in Tàpszentmiklos sind es eher grosse Pfützen oder kleine Seen die uns einen Slalomlauf anfordern. Dann beginnt es zu Regnen, was die Sache nicht viel besser macht. Durch Felder und Mini-Wälder geht es etwas hügelig bis nach Barsonyos, wo wir uns an der Bushaltestelle unterstellen können. Dort entschieden wir uns schweren Herzens mit dem Bus nach Kisbér zu fahren, da die Kraft am Ende war. Etwas ratlos sind wir dann dort angenommen, und wussten nicht so recht was wir suchten, Unterkunft oder Wiese, Supermarkt oder Imbiss. Darum sind wir etwas im Ort herum geiirt als Maria von Atila angesprochen wird. Auf die Frage wie er uns helfen kann, sagten wir, dass wir einen Garten und was warmes zum Essen suchen. Er führte uns zu einem Restaurant in dem der Besitzer gut deutsch konnte. Atila, war ein Polizist aus dem Dorf und konnte uns kein Stellplatz für das Zelt geben, aber das Restaurant war erstmal eine grosse Hilfe für uns. Der Besitzer kam später aus dem Dorf zu uns und konnte tatsächlich sehr gut deutsch. Von campen wie die „Nomaden“ hielt er nichts, aber er konnte uns eine Unterkunft im Dorf organisieren, die wir später auch nutzen. Du gute Dame mit ihrem grossen Hund, die nur 100m vom Restaurant entfernt wohnte stellte uns eine kleine Feriewohnung zur Verfügung. Ende gut, Alles gut!

Etappe: 19km / Schritte: 34 200 / Höhenmeter: 40m immer wieder rauf und runter

Sieht aus wie in meiner KindheitWaldweg PannonhalmaLangsam wird es pampigPfützenslalomIn Barsonyos hört der Regen auf


25. August – Etappe von Györ nach Pannonhalma

Über Nyul, Nagyécsfalu und Ecs

Nach der Gewitternacht und dem denkwürdigen Tag zuvor haben wir erstmal lange gebraucht um unsere Sachen zu trocknen. Das ging den Radfahrern genauso und so kamen wir mit Anke aus Hamburg ins Gespräch, die gerade mit dem Rad auf dem Weg nach Budapest war. Es entstand ein echt schöner Austausch während unsere Zektplanen in der Sonne trockneten. Die gute Anke hatte Kaffee dabei uns so konnten wir dank ihr auch den Koffeinpegel erhöhen. Zum Schluss gestellte sich noch Andreas dazu. Er war aus der Schweiz und ebenfalls mit dem Velo unterwegs um Vögel zu beobachten. So gab es ein tolles Gespräch über Natur, Kultur und Erlebnisse. Er und Anke philosophierten noch etwas über Radfahrerdinge und schienen glücklich damit. Andreas hatte henne froid daran, dass er mit uns schwiizerdütsch reden konnte, und wir fanden es so schön mal wieder den Dialekt von zu Hause zu hören. Nachdem wir trocken waren (einigermassen) sind wir Richtung Stadt aufgebrochen. Die Mühsame Suche für Übernachtungen der letzten beiden Tagen haben uns zu denken gegeben, darum haben wir bei einem Kaffee Rat gehalten. Über den eigenen Schatten springen und vorher reservieren, also schauten wir und fanden einen Platz für die kommende Nacht. Als wir fertig waren, war es kaum noch zu schaffen bis dorthin zu laufen, also sind wir wieder quer durch die Stadt Györ gelaufen zum Bus der uns vor bis Nyul gebracht hat. Die abenteuerliche Fahrt mit dem proppe vollen alten Bus war kinoreif. Danach folgten wir den Strassen zu Fuss aus dem Ort über Schotterpisten durch Felder und Wald. Die Orte in Ungarn wirken anders als bei uns, oft scheint für Strassen kein Geld da zu sein, dann läuft man um eine Ecke und ein völlig neuer moderner Kindergarten steht da, um wieder etwas weiter an verfallenen Häusern vorbei zu gehen. Später kommen wir in Pannonhalma an, der Ort kündigt sich durch das grosse Benediktinerkloster auf dem Hügel schon einige Kilometer an. Nachdem wir das Zimmer bezogen haben, wollten wir noch etwas essen, was diesmal nicht ganz so einfach war, da viele Lokale nicht mehr da waren. Zum Schluss haben wir einen Imbiss gefunden der uns Langos gemacht hat, da kamen Erinnerungen an die Urlaube in Ungarn während meiner Kindheit hoch.

Etappe: 10km / Schritte: 18 000 / Höhenmeter: 30m aufwärts und abwärts

Der Stadtpark in Nyul unser Startpunkt

Dreams Café, die Ungarn haben Humor

On-Leine

Pannonhalma mit dem Kloster oberhalb


24. August – Etappe von Jànossomorija nach Györ (mit ÖV und Anhalter)

Was für ein verrückter Tag. Am Morgen ging die Suche bereits los und hörte bis zum Abend nicht auf. Das Problem beim Wildcampen ist das fehlende WC. Nachdem wir unser Zelt verträumt hatten ging die Suche los. Während wir in der Schweiz immer ein öffentliches gefunden haben, sind wir in Österreich zum Bäcker oder ähnliches gegangen. Nun in Ungarn war es schwierig, trotz Bäcker. Nach dem wir das hinter uns gebracht hatten, wurde Maria auf dem Weg zum Supermarkt von einer Biene gestochen. Nach der Versorgung des Stichs, war es schon spät und heiss, also entschieden wir einen ungewollten Pausentag zu machen und mit dem Öv ans Ziel zu fahren. Das war nicht so leicht, die Haltestellen wenig Informationen bereit halten und die Züge und Busse am Samstag nicht oft fahren. Zwei Stunden später nach Kaffee und Eis ging es endlich los. Tickets gab es beim Schaffner der kein Wort Verstand und uns einfach ein Ticket verkauft hat was vermutlich viel zu teuer war. Nach dem Umstieg ging es mit einem Bus holprig weiter bis in den Zielort. Zu unserem Frust gab es dort auch keine freie Pension oder Pilgerherberge. Im Pilger Zentrum hatte man für meine Bitte um ein Stück Wiese nur ein „No“ und keine Hilfe übrig, trotz Übersetzung von Peter und Anna, die wir dort an der Kirche getroffen haben und die Englisch und Deutsch sprechen konnten. Diese beiden Engel waren auf der Rückreise ihres Urlaubs nach Budapest und boten uns an zum Camping oder sonst wohin zu fahren. Das nahmen wir dankend an, und liessen uns nach Györ einer grösseren Start schauffieren – dort wird es doch ein Bett für uns geben. Doch weit gefehlt, als wir das erste Hotel ansteuern ist es voll. Die gute Rezeptionistin versucht noch weitere 6 Hotels für uns anzurufen, die alle ebenfalls gefüllt sind. Puh, was nun? Die letzte Idee war ein Campingplatz in der Stadt. Dort hatte es zum Glück noch Platz, also 3.5km quer durch die Stadt, die wegen eines Festes extrem belebt war zum Zeltplatz. Der etwas grössere Garten mit drei improvisierten Gartenhäuschen in denen sich die Sanitäreneinrichtungen befanden war etwas eigen, aber wir hatten einen Platz. Nach dem typischen Pilgeraufgaben (Zelt, Dusche, Wäsche) sind wir noch mal in die Stadt gelaufen, die am Abend sehr voll war. Nach etwas Asianudeln und Bier waren wir müde und gingen ins Bett. In der Nacht wüteten zwei heftige Gewitter über uns hinweg. Stark Regen, ohrenbetäubende Donner und tageshelle Blitze machten die Nacht sehr unruhig. Gegen 8Uhr lies der Regen nach. Das Zelt innere war trocken, alles was davor im Vorzelt war etwas nass, Glück gehabt. Doch das trocknen und säubern dauert lang, also ist es 11uhr als wir den Zeltplatz verlassen. Ein sehr improvisierter Tag, an dem wir fast die ganze Zeit auf der Suche nach einer Bleibe waren. Krass.

Kein Laufen, nur fahren und Suchen.

Kirche des St. Jakobs in LébényHerrliche Eingangstür zur KircheBelebte Stadt GyörDas 4 Sterne Camping 😂Györ am AbendMal eine ruhige Gasse gefunden in der Stadt


23. August – Etappe von Gols (AT) nach Jànossomorija (HU)Über Mönchsdorf, Halbturn und Vàrbalog Nachdem wir das Zelt eingeräumt hatten sind wir ein letztes mal in den Supermarkt „Billa“ gegangen, der uns durch ganz Österreich begleitet hat, um unsere letzten Euros zu nutzen. Danach ging es an Weinbergen vorbei Richtung Mönchsdorf. Als wir den Ort verlassen wollen, hupt es hinter uns. Ein Auto fährt an den Strassenrand und nach etwas Irritationen springt Regina vom Vorletzten Tag heraus. Sie hatte gerade ihrer Freundin Brigitte im Auto von uns erzählt und prompt, sieht sie uns laufen. Sie waren unterwegs zu einer Gartenausstellung im Nachbardorf und nahmen uns daraufhin die 2km im Auto mit. In Halbturn angekommen verabschiedeten wir uns herzlich und gingen weiter. Nach dem Ort führte eine lange gerade Strasse an Maisfeldern vorbei zur Grenze. Warm ist es geworden die letzten Kilometer in Österreich. Die gelangweilten Polizisten machten keine Anstalten uns zu kontrollieren, also sind wir von einem Schritt auf dem nächsten in einem neuen Land. Und das erleben wir gleich auf den ersten Metern, denn die Häuser sind bewohnt, aber deutlich kleiner als in Österreich und bei weitem nicht so modernisiert. Die letzten Schilder in deutsch mit etwas lustigen Artikeln und Satzstellungen. Danach ginge es zunächst über über ein Strasse die erst im Bau ist weiter. Ungarn präsentiert sich so wie ich es mir immer vorgestellt habe, sehr trocken, heiss und dadurch staubig. Als wir nach dem ersten Ort die Strasse (die im Bau ist) verlassen, gehen wir auf Pfaden durch ödes Land. So wiederum habe ich mir immer Pilgern vorgestellt, weit und breit nichts, nur du und der Weg. Als wir in Jànossomorija ankommen wird im Supermarkt Proviant gekauft. Da die einzige Pension im Ort belegt ist, und die Menschen eher zurückhaltend auf unsere Anfrage reagieren entschliessen wir uns am Ortsrand am Feld zu übernachten. Bei durchstreifen des Ortes werden die Hunde hinter den schweren Eosentoren immer wieder aktiv und wecken andere Hunde. So kommt man nicht ohne ein Hundekonzert durch den Ort. Etappe: 24km / Schritte: 43 200 / Höhenmeter: 2m

Wir verlassen den letzten Ort in Österreich

Nächster Landeswechsel vollzogen

Trocken und staubig, was für ein Beginn

So habe ich mir Pilgern vorgestellt

Zielort: Jànossomorija