Türkei Teil 1

Vor uns liegt das längste Stück im gleichen Land, denn die Türkei wird uns über 1000km begleiten. Doch zunächst wechseln wir noch den Kontinent, von der europäischen zur asiatischen Kontinentalplatte. Freundliche Menschen, spannende Geschichte und aufkommende Ängste, dieses und andere Geschichten findest du hier. Daten, Bilder und Fakten zu jeder Tagesetappe sind mit dabei.

Etappenübersicht / Tagebuch

Von Europa nach Asien – 278km


22. November – Etappe von hinter Damlali nach Yukaribey

Über Bagyüzü und Asagi Cuma

Kurz vor dem Aufstehen hatte es noch einmal geregnet, doch der Wind hier oben hatte das Zelt sehr schnell getrocknet. So gehen wir unter einem wolkenverhangenem Himmel hinab. Es ist auch am Morgen sehr still hier oben, nur ein paar Vögel und das Frauchen des Windes in den Nadelwäldern sind zu hören. Wir geniessen diese Momente der Ruhe. Die Berge sehen durch die Nadelhölzer satt grün aus und die Steine geben dem ganzen einen besonderen Charme. Als wir in Bagyüzü ankommen beginnt es zu regnen. Wir finden zum Glück einen offen Laden wo wir Proviant kaufen können und gegenüber eine Teestube. Dort wollen wir Handys laden und uns wärmen. Ein freundlicher Mann erfragt die Reisedaten und berichtet von seinem Exportgedchäft für Pinienkerne, wo er sogar Coop und Migros in der Schweiz beliefert. Hier oben wachsen keine Oliven mehr aber dafür Pinien. Er lädt uns auf einen Kaffee und Tee ein. Später nimmt sein Freund Maria noch mit zum Zielort, als wir nach einem Bus fragen. So gehe ich allein weiter und kämpfe mich ein paar Minuten durch den Regen, dann hört es auf. Es geht weiter durch die wildromantische Landschaft wieder aufwärts. Auf einem der grossen Steine in der Szenerie ist ein Bronze Abbild vom Staatsmann Atatürk. Als ich dieses fotografiere werde ich von einem älteren Mann auf dem Motorrad angesprochen. Nach einem kurzen Gespräch über Politik geht es weiter für mich. Die einspurige Strasse führt mich noch an dem Dorf Asagi Cuma und an einigen freilaufenden Kühen vorbei, bevor es anfängt zu Regnen. Nun geht es auf eine zweispurige Strasse die dennoch wenig befahren ist weiter. Kurz vor dem Zielort des Tages hört es auf zu Regnen. Ich treffe Maria wieder und wir gehen einem Cay trinken um uns zu wärmen. Auf Anfrage wo man hier übernachten kann, werden wir zu einem nahegelegenen Lokal gefahren wo man im Aussenbereich zelten kann. Für den Rest des Tages sitzen wir am Kamin in der Laube des Lokals, trinken Tee, essen etwas kleines und schauen einer Gruppe Rentner zu, wie sie ihren Ausflug hierher verleben. Es regnet immer wieder und wir sind froh um die Wärme. Unser Zelt stellen wir unter einem grossen Zelt auf und hoffen, dass trocken bleibt. Der Hund findet uns sympathisch und legt sich schnarchend neben, teils auf unser Zelt. Was für ein Tag.

Etappe: 21km / Schritte: 37 800 / Höhenmeter: 180m + 120m hinauf und 230m hinab

Der stille Morgen nach stiller Nacht

 

In der Teestube

 

Freie Weidewahl

 

Zielort erreicht


21. November – Etappe von vor Tahtaci nach hinter Damlali

Über Yabancilar

Es sind noch etwas mehr als 5km bis wir im Ort Tahtaci ankommen. Davor laufen wir der wenig befahrenen Strasse entlang, auf der uns ein paar Traktoren und Lkws überholen. Es ist kalt gewesen in der Nacht und auch der Morgen ist sehr frisch. Eine mini Moschee an einer Wegbiegung vor der ein Hund sitzt erinnert mich ein wenig an die Kapellen in der Schweiz und Österreich. Im Ort hat es einen Market der aus einem Grund geschlossen hat. Ein freundlicher alter Mann, der uns am Ortsanfang getroffen hat, hatte versucht uns diesen zu erklären, doch wir verstanden es nicht. Am Ortsende machen wir eine Rast, wo uns ein Motoradfahrer, der wie immer ohne Helm unterwegs ist, entgeistert anschaut. Es geht weiter der ruhigen Strasse folgend bergauf. Auch hier das gleiche Bild wie seit Tagen, mit Olivenplantagen und Erntehelfer/innen. Es wird zunehmend Steiler auf dem Weg ins nächste Dorf und als wir dieses erreichen merken wir sofort, dass wir auch hier nichts kaufen können. Idyllisch und urig kommt es daher, mit Gänsen auf den Strassen und Orangenbäumen in den Gärten. Zum. Glück gab es einen Brunnen, an dem wir unsere Wasservorräte auffüllen konnten. Es schmeckte sehr gut hier in den Bergen. Nun verlassen wir die Oliven und gehen im schlägelgang der Strasse entlang steil nach oben. Nadelhölzer säumen nun den Weg und steile Abhänge entlang der Strasse machen die Bergtour perfekt. Immer wieder können wir die Aussicht auf andere Berge oder den Weg der vergangenen zwei Tage geniessen. Ein paar Lkws mit Holzladung fahren an uns vorbei, aber es ist sonst sehr ruhig. Wir geniessen diese Natur einfach. Unterwegs nach oben, sehen wir einen schüchternen jungen Mann am Strassenrand sitzen, der zuschaut wie seine Pferde etwas grasen zwischen den Hängen und Steinen. Eins der beiden Tiere hatte eine Glocke um, sodass wir zunächst von einer Herde ausgingen. Später kommen wir am Örtchen Damlali vorbei. Es liegt am Hang unterhalb der Strasse, so gehe ich schnell hinab um die Wasserflaschen zu füllen. Unterwegs treffe ich den Motoradfahrer von heute Morgen wieder. Leider verstehen wir uns nicht gut und so bleibt es bei ein paar Brocken Austausch. Für uns geht es weitere 2km bergauf, bis wir den höchsten Punkt erreicht haben. Dort geniessen wir die Aussicht und entschliessen uns gleich auf die Suche nach einem Schlafplatz zu gehen. Einen Kilometer weiter finden wir eine kleine Wiese zwischen den Kiefern mit herrlicher Sicht und Abseits der Strasse. Wir warten bis es Dunkel wird und schlagen das Zelt auf. Eine herrlich stille Nacht steht uns bevor, in der es zum Glück nur kurz regnet.

Etappe: 20km / Schritten: 36 000 / Höhenmeter: 650m hinauf

Die Berge am Morgen

 

Mini – Moschee

 

Yabancilar

 

Aussicht zum verlieben

 

Am Zeltplatz


20. November – Etappe von Akcay nach irgendwo vor Tahtaci

Über Mahallesi und Sarköy

Nach einem ausgedehnten Materialcheck und Frühstück im Hotel fällt es uns schwer aufzubrechen. Wir sitzen noch eine Weile auf der Bank am Meer bis wir wirklich loslaufen. Das Mittelmeer verlassen wir heute und werden es nur noch zweimal kurz auf dieser Reise sehen. Wir verlassen die Stadt auf einer wenig befahrenen Strasse und biegen später auf einen Schotterweg ab, auf dem uns gleich zwei aggressive Hunde begrüssen. Als wir die hinter uns gelassen haben folgen wir dem Fluss Havran Cayi bis wir in der Stadt Mahallesi ankommen. Auf dem Weg dahin begegnen wir Hirten und ein paar freundlichen Kurden die interesse an uns und der Reise zeigen. Dann machen wir einen Panikeinkauf weil die Orte der kommenden zwei Tage nur sehr klein sind und wir vermuten dort nichts kaufen zu können. Viel Wasser, eine Menge Chips und Kekse, sowie Gemüse werden nun weiter aus der Stadt geschleppt. Bereits der nächste Ort, der durch viele Damen mit Kopftuch auffällt, scheint uns ein Bild zu geben, was uns in den Bergen erwartet. Ein deutschtürke aus Berlin erkennt die Deutschen in uns und spricht uns an. Etwas vollmundig erzählt er von seinem Hausbauprojekt hier und warnt uns vor Bären und bösen Türken in den Bergen. Wir lassen uns nicht unterkriegen und ziehen weiter. Danach geht es eine Strasse entlang die gesäumt ist von Olivenbäumen. Es führt uns Sanft den nahenden Bergen entgegen bis es dunkel wird und wir zwischen den Bäumen einem Platz zum Zelten suchen. Die Traktoren mit Erntehelfern darauf gucken uns erstaunt an, als sie an uns mit den grossen Rucksäcken vorbei fahren. Irgendwann ist das Zelt aufgeschlagen und wir betten uns zur Ruhe.

Etappe: 18km / Schritte: 32 400 / Höhenmeter: 70m bergauf

Abschied vom Meer

 

Damen bei der Ernte

 

Vor dem Panikkauf

 

Ab in die Berge


19. November – Etappe von Kücekkuyu nach Akcay

Über Altinoklu

Wir gehen am Morgen zurück auf die grosse Strasse die sich vier- bis sechsspurig ihren Weg nach Izmir bahnt. In dieser Gegend hat sie meist einen Gehweg den wir nutzen können. Häufig müssen wir dort allerdings Mülltonnen ausweichen oder über tiefe Einfahrtschneissen gehen. Irgendwann finden wir eine der typischen Teestuben und trinken einen Cay, danach fährt Maria mit dem Bus vor. Ich gehe noch einige Kilometer an der Hauptverkehrsstrasse entlang bis ich einen Abstecher in die Stadt Altinoklu mache. Bis dahin sind die Hänge der Berge komplett mit Häusern und Hotels überbaut, von denen ein Drittel belebt war. Die Stadt selber war schön, mit den typischen Gassen, den kleinen Parks und der Promenade am Meer. Die hier lebenden Türken geniessen die tourismusfreie Zeit sichtlich und nutzen den Strand zum Angeln oder für einen gedeckten Tisch direkt am Meer. Danach geht es für mich wieder auf die grosse Strasse, doch nach ein paar Kilometern ständigem Rauschen, reicht es mir und ich gehe auf Nebenstrassen einen kleinen Umweg. Auch hier stehen viele Einfamilienhäuser still oder leer und nur wenig Menschen sehe ich unterwegs. Ein deutschtürke aus Hamm spricht mich an, der viele Monate im Jahr hier ist, doch auch er wird in zwei Wochen zurück nach Deutschland gehen. In der zwischenzeit werden auch die Grünflächen der Orte für das Weiden der Kühe genutzt und hier und da macht die Polizei ihre Kontrollfahrten. In einem Vorort von Abcay gibt es einen Markttag und ganze Strassenzüge riechen nach frischem Fisch. Als ich im Zielort ankomme laufe ich die belebte Uferpromenade entlang. Trotz vieler Hotels scheint die Stadt sehr belebt und man sieht viele offene Lokale und es gibt Musik in den Gassen. Nach sechs Nächten im Zelt treffe ich Maria in unserer heutigen Unterkunft wieder. Eine Nacht ohne Kälte und Wind steht uns bevor.

Etappe: 32km / Schritte: 57 600 / Höhenmeter: 20m

Strasse nach Izmir

 

Afterworkparty

 

Das herrliche Leben ohne Touristen

 

Markttag


18. November – Etappe von Behramkale nach Kücekkuyu

Nach einem traumhaften Sonnenaufgang über dem Meer gehen wir frohen Mutes los. Bald ziehen Wolken auf und alles erscheint im Grau. Der Tag hält für 20km immer das Gleiche bereit – links Berge und davor Olivenplantagen, rechts Meer und davor Olivenplantagen und dazwischen Häuser, Hotels und Pensionen. Leider nichts zum Einkaufen und so verzehren wir unsere letzten Vorräte. Überall sah man Leute am Bäume verschneiden oder Olivensammeln. Oft schlagen die Männer an die Äste der Bäume oder sägen sie ab, während Frauen darunter auf den Planen sitzen und die Oliven einsammeln. Eine Toilettenschüssel mit Meerblick war eins der wenigen Highlights. Es Regnet zweimal kurz, bevor wir in der Stadt Kücekkuyu ankommen. Es ist recht kühl und so wärmen wir uns nach dem Einkauf bei einer Tasse Kaffee auf. Die Katzen in den Städte erfreuen uns immer wieder, besonders an tristen Tagen. Danach folgen wir noch 4 Kilometer der Überlandstrasse nach Izmir, die wir schon in Canakkale mal gesehen haben. Dort nutzen wir dann eine Lücke zwischen den Hotels, die nun seit der Stadt das Bild prägen, um zwischen Oliven an einem Hang zu übernachten.

Etappe: 24km / Schritte: 43 200 / Höhenmeter: 20m hoch und 60m runter

Sonnenaufgang im Meer

 

Der Weg entlang der Olivenbäume

 

WC mit Sicht

 

In Kücekkuyu


17. November – Etappe von Tuzla nach hinter Behramkale (Assos)

Über Kizilkecili, Camcalabak, Balabanli, Kektas und Korubasi

Am Morgen trennen sich unsere Wege und für mich geht es gleich wieder aufwärts. Vorbei an einer Herde mit geduldigem Hirten komme ich mit jedem Höhenmeter in eine völlig andere Welt oder anderes Zeitalter. Die Häuser und Hütten wirken wie vor 500 Jahren. Aufgetürmte Steinwände mit Blätter oder Bretterdächern oder urig alten Dachziegeln. Auch die ersten Dörfer sahen sehr altertümlich aus. Hirten und Menschen beim Holzhacken oder sammeln von Holz komplettierten das Bild. Einzig kleine alte Traktoren und eine Neubausiedlung waren wie Fremdkörper in der Szenerie. Es ging stetig bergauf und ich habe noch nie so viele Schafe auf einmal gesehen. Immer wieder Grüssen mich erstaunte Anwohner und Hirten, die bei dem Wort „Assos“ nicken und mich ziehen lassen. Als ich auf die etwas grössere Strasse erreiche überholt mich Maria mit dem Bus kurz vor dem Ort Balabanli. Ich passiere den Ort und laufe schnell weiter bis Korubasi, da es nun wieder bergab geht. Unterwegs hält ein Auto an und ein freundlicher, überraschend zurückhaltender Mann fragt mich im besten Englisch ob er mich mitnehmen kann. Ich erkläre, dass ich zu Fuss unterwegs bin und danke aber für das Angebot. Am Ortseingang von Korubasi sehe ich ein nettes Lokal, wo ich das erste mal Rast machen möchte und einen Kaffee trinken will. Als ich den bei der freundlichen Dame geordert habe, sehe ich den Mann von eben wieder. Er stellt sich mir als Besitzer des Lokals vor. Seine ganze Familie kommt aus Aserbaidschan und sie leben seit 20 Jahren hier. Die zwei Söhne und die Tochter strahlen genauso mild wie er und haben ein symphatischen Glanz in ihren Augen. Er verkauft Olivenöl in der Gegend und fragt ob ich Hunger habe. Da ich heute Morgen gut gefrühstückt habe, verneine ich das. Doch er will mir eine Kostprobe geben und so bekomme ich einen Teller voller Käse, Olivenöl, Pasten und Chilli serviert. Natürlich ohne Geld von mir anzunehmen. Also geniesse ich die Kostbarkeiten und mach mich dann auf den Weg. Zwei Kilometer nach dem Dorf wünscht er mir noch im Vorbeifahren alles Gute für die Reise. Ich darf danach für einen Kilometer eine alte Römerstrasse entlang gehen, die so holprig ist, dass mir der Erfolg den die Römer damit hatten ein Rätsel bleibt. Wieder nach einigen Kilometern komme ich in Behramkale, dem früheren Assos an. Maria wartet am Anfang des Ortes auf mich und wir machen uns auf durch die Gassen hinauf zum historischen Teil. Nach einem Omlett im Restaurant geht es die letzten Meter hinauf, wo alte Häuser und Ruinen auf uns warten. In den Gassen sind Stände, in denen jeder das Gleiche verkauft. Olivenöl, Waffen aus Holz und Tücher wechseln nur den Stand. Oben stellen wir fest, dass wir Eintritt bezahlen müssten für die Ruinen des Athentempels und sparen uns das, aufgrund der knappen Kasse. Ein paar Ruinen gibt es ja doch zu sehen und einen herrlichen Blick bis ans Meer. Danach gehen wir zurück, an der Moschee vorbei um über die Strasse weiter zu gehen. Nach 3 Kilometer mehrheitlich bergab kommen wir wieder an das Meer und die Hotels, von denen die meisten geschlossen sind. Nach einer Weile finden wir am Hang neben der Strasse einen Platz für unser Zelt mit Meerblick. Wir nutzen diese einmalige Chance und bleiben dort.

Etappe: 31km / Schritte: 55 800 / Höhenmeter: 290m hinauf und 70m hinab

Einer der freundlichen Familie aus Aserbaidschan

 

Holprige Römerstrasse

 

Die Gassen von Assos

 

Der Weg zum Meer


16. November – Etappe von Dalyan nach Tuzla

Über Kösedere und Barbedere

Nach einer hellen Nacht, durch den Mondschein bedingt, geht es los. Kurz nachdem wir unser Zeltlager hinter uns gelassen haben gehen wir von der Strasse weg auf eine Huckelpiste, die uns dennoch durch ein schönes Hügelgebiet führt. Man sieht aus der Ferne hohe Berge und ein paar Täler im Dunst. Irgendwann verebbt der Kulturweg in dörrem hohen Gras und Disteln. Wir kämpfen uns durch und gehen bei erster Gelegenheit zurück auf die Strasse. Wir entscheiden uns dieser zu folgen, statt dem Jerusalemweg zu gehen der weiter den Pfaden folgt. So laufen wir wieder entlang kleiner Bar und Hotelansammlungen dem Meer entlang, was wir auch hin und wieder zu Gesicht bekommen. Wir trinken in einer der Baracken, wo ältere Türken Karten spielen einen Cai (Tee) und laden unsere Handys ein wenig. Danach laufen wir noch einige Kilometer in dem Stil. An einem Market ist ein verlassener Gemüsestand mit Sofas, den nutzen wir um das Zelt zu trocknen und zu chillen. Danach laufe ich allein weiter während Maria mit dem Minibüs nach Tuzla fährt. Es geht für mich der Strasse weiter entlang nun langsam bergauf. So schaffe ich stetig ein paar Höhenmeter. In Kösedere steht eine herrliche Moschee vor dem Ambiente der Berge. Im Ort ist Markttag und somit ein reges treiben und gewimmel an Menschen und Autos. Der Muezzin ruft zum Gebet, doch mich treibt es weiter aus dem Dorf heraus hinauf nach Barbedere. Auf dem Weg dahin sah ich am Strassenrand einen herrlichen Garten mit Blumen und Gemüse in sorgfältig gepflegten Reihen. Ein Frau mit offenen lockigen Haare durchstreifte den Garten und hatte dabei ein sympathisches Strahlen auf dem Gesicht. Unter der Laube, sass ein Mann mit einem Buch in einem Sessel, auch er, mit seinem grauen Schnauzer, sah zufrieden aus. Wir sollten die schönen Seiten mehr geniessen dachte ich mir. Das Dorf Barbedere war in eine Bergfalte eingefärcht und sah sehr traditionell aus. Eine Frauen mit Kopftuch sassen am Ortsrand in Zelten und verkaufen Waren. Danach wurde es wieder flacher und ich kam in eine Ebene mit unzähligen Herden Schafe oder Ziegen. Sie waren anzahlmässig kleiner als sonst und brauchten darum keine Hunde. Hier und da waren auch Mann und Frau zusammen unterwegs. Am Wegesrand sassen 8 Frauen in einem speziellen Schleier und einem Ring auf dem Kopf, wie ich es nur von Bilder aus Saudi-Arabien kenne. Die Damen kamen dann später auf Motorädern oder in Autos ihrer Männer wieder an mir vorbei. Die letzten Kilometer vor Tuzla waren mit interessanten rötlichen Felsen umsäumt aus denen leicht dampfendes Wasser trat. Am Ortseingangsschild wartet Maria auf mich. Wir plündern den Shop, wo zwei herzige Männer versuchen uns Infos über Bus und Übernachtungen zu geben, und gehen weiter raus aus dem Ort. Dort sind viele Olivenplantagen in denen wir ein Platz finden.

Etappe: 31km / Schritte: 55 800 / Höhenmeter: 300m hoch und 180 runter

Pause auf dem Sofa

Kösedere

Alte Brunnen auf dem Weg

Felsen vor Tuzla


15. November – Etappe von Troia nach Dalyan

Über Kalafat, Üvecik, Camoba und Geyikli Hafen

Wir packen am Morgen das Zelt zusammen und folgen der Strasse noch nach Kalafat wo wir auf eine Kieselpiste gelangen. Dort geht es zunächst an Feldern und Äckern vorbei durch ein sanftes Hüfelgebiet. Hier und da sieht man die Hütten oder Ställe der Hirten und deren Bewohner. Ein aufwändiges Bewässerungssystem ist angelegt, deren Kanälen wir entlang gehen oder überqueren. Es ist gleichzeitig auch ein Kulturweg der Türkei und so sehen wir immer wieder auch kleinere Ruinen. An einer kleinen Burgruine machen wir eine Rast. Die Sonne scheint heute wieder und es ist blauer Himmel. Danach werden die Aufs und Abs wieder stärker und das Land durch Steine und Büsche karg. Irgendwo auf verschlungenen Pfaden treffen wir auf eine Hirtenunterkunft mit fleissigem Hund. Wir gehen einen kleinen Umweg und schleichen uns an ihm vorbei, dabei komme ich mir vor wie ein Indianer, der sich anschleicht. Als wir den Hund umschifft haben hören wir direkt vor uns eine Herde, auch da versuchen wir mit einer List unbemerkt vorbei zu kommen. Wir gehen querfeldein an einem Olivenhain vorbei um auf eine Strasse zu gelangen. Doch kurz bevor wir diese erreichen, kommen wir direkt in ein Gehöft wo uns wieder Hunde erwarten. Diesmal gibt es keinen Weg als durch. Und wir schaffen das mit Bravour. Danach folgen wir der Strasse bis nach Üvecik. Im Dorfkern setzten wir uns zu den Männern in der „Dorfbar“ und trinken einen Cay (türkischen Tee). Wir beobachten wie der Muezzin in die Moschee geht und seine Gebetseinladung singend ausspricht. Dann gehen zweidrittel der anwesenden Männer zum Gebet. Nach einer Weile kommen sie und noch weitere wieder Paarweise wieder hinaus, im Gespräch und gehen zum nächsten Tee über. Eine herrliche Szenerie des Dorflebens wie man es sich vorstellt. Wir erfahren vom freundlichen Teeausschenker wann die Busse fahren, also trennen sich die Wege von Maria und mir für die nächsten 8km. Ich laufe weiter einige Aufs und Abs durch eine idyllische Landschaft. Windräder säumen den Weg und Gemüsefelder mit Tomaten und Paprika ziehen genau wie Kiefernwälder an mir vorbei. Durch den kleinen Ort Camoba komme ich wieder ans Meer wo Maria auf mich wartet. In Geyikli Hafen (der Ort ist im Landesinneren) treffen wir einen Türken, der Maria schon vor meiner Ankunft angebaggert hat. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, dennoch etwas zu zutraulich. Er schenkt uns Wasser und Köfte, wir kommen ins Gespräch und müssen irgendwann weiter. Der Strandstrasse folgend lassen wir viele saisonbedingt geschlossene Hotels hinter uns. Es geht immer so weiter Hotel, geschlossene Bar und Olivenbäume wechseln sich ab bis wir durch Dalyan hindurch einen Platz für das Zelt suchen. Zwischen Ruinen von Alexandria Troas und Olivenbäumen machen wir es uns bequem.

Etappe: 28km / Schritte: 50 400 / Höhenmeter: 70m hoch und wieder runter

Steht einfach so rum

Üvecik

Hotelfront hinter uns

Bei den Ruinen schlafen wir


14. November – Etappe von Canakkale nach Troia

Über Kepez und Güzelyali

Am andern Tag geht es Maria besser, dennoch wird sie mit dem Bus fahren, während ich mich zu Fuss auf den Weg mache. Ich gehe durch die Gassen der Altstadt die wie immer keine Altstadt ist, da man die historischen Gebäude durch neuere Ersetzt hat. Dennoch ist es schön und hier und da komme ich an einer Moschee vorbei. Sogar eine Synagoge und eine alte Kirche sind zu finden. Später geht es wieder an die Strandpromenade, wo ich eine gepflasterte Friedenstaube finde die wie das Logo vom Jerusalemway erscheint. Danach beginnt es in Strömen zu regnen. Ich kämpfe mich tapfer durch und kann die grosse Moschee von Kepez mystisch aus den Regenwolken aufsteigen sehen. Als ich sie erreiche, wird der Regen sanfter. So geht es weiter am Strand des Vorortes entlang bis ich zu Feldern komme auf denen allerlei Gemüse angebaut wird. So laufe geht es an Zäunen, Brunnen und Gieskannen vorbei in den nächsten Ort Güzelyali. Er ist lsnggestreckt mit gut sanierten Häusern. Am Ende gehe ich an einem Militärzonen vorbei die man hier häufig findet. Stacheldraht, Kameras und verbotsschilder kennzeichnen diese. Kritisch werde ich von den wachhabenden Soldaten beäugt, auch das nichts neues. Danach wird es ruhiger, ich lasse die letzten Hotelanlagen hinter mir und gehe hinauf an der Steilküste entlang. Immer wieder eine Bucht und kleine Fischerboote, sonst Gestein und Gebüsch an der holprigen Strasse. Die Autofahren scheinen besorgt und ich werde häufig gefragt wo es hingeht und ob sie mich mitnehmen sollen. Auch sehe ich immer wieder Streifen der Jandarma (Polizei). Ich werde auch angesprochen doch die erste kann kein Englisch sprechen so erkläre ich mit Händen, dass ich nach Troia will. Die zweite Verstand mich gut und liess mich nach ein wenig Befragung weiter ziehen. Die dritte Begegnung mit den Beamten war dann noch ulkiger, denn man war nicht bereit mich weiter gehen zu lassen. Ich kann euch bis heute nicht erklären warum. Auch mein vorsichtiger Einwand, dass ich mir vorgenommenen habe zu laufen, half nichts. Sie wollten, dass ich zu ihnen einsteige und dann bringen sie mich nach Troia. Osman ein Türke mittleren Alters hat das mitbekommen, er konnte sehr gutes Englisch. Er mischt sich ein und diskutiert eine Weile mit den Beamten bis er auf mich zukommt und sich vorstellt. Er bringt mich nach Troia, er hat es den Beamten versprochen. Ich nehme heute an, dass sie jemanden in dem Gebiet gesucht haben, und ich als Waldläufer dort einfach im Weg war. Also steige ich zu Osman ins Auto und er nutzt die Zeit mit mir etwas sightseeing zu machen. Er ist geschichtlich sehr bewandert und erzählt mir von Schlachten die hier geschlagen wurden. Dazu zeigte er mir aus dem Auto Buchten, Bunker und Kanonen. Wir unterhielten uns prächtig, bis er mich im Dorf Tevfikiye, was heute in der neben der antiken Stadt ist direkt am Eingang zum Museum ab. Maria dachte natürlich, ich bin noch eine Weile unterwegs. Also schaute ich mir allein die „alten Steine“ (so bezeichnet Maria das immer) an. Es war ein gigantisches Erlebnis für mich. Zu sehen wie die Steine vor meinem inneren Auge zum Leben erwachen und durch alte Stadttore und Theater zu wandeln ist schon eine einmalige Erfahrung. Es zeigt irgendwie auch, wie hinfällig aller menschlicher Stolz ist. Gleich zu Beginn wollten zwei junge Männer ein  Foto mit mir, durch meinen Pilgerstab schien ich wohl in die Szenerie zu passen. Auch die Reisegruppenführer fanden mich witzig und ich wurde immer wieder Gandalf oder so angesprochen. Eine Asiatin, spricht mich auch auf die Muschel am Rucksack an und will wissen ob ich nach Santiago de Compostela laufe. Es waren allgemein sehr viele Asiaten unterwegs, die mit Bussen abgefahren kamen. Ich drehe drei Runden durch den historischen Ort bis dieser um 17uhr die Pforten schliesst. Dann kommt auch Maria mit dem Bus und wir machen uns gemeinsam auf die Suche nach einem Zeltplatz. Wir werden am Rand des Dorfes auf einem Acker hinter Bäumen fündig. Als wir im Zelt liegen bemerken wir dass wir nur 500m entfernt von Troia nächtigen. Was für ein Tag.

Etappe: 25km (und 7km Auto) / Schritte: 45 000 /  Höhenmeter: 2x 80m hoch und runter

Kirche in Canakkale

Moschee von Kebez

Osman mein Reiseleiter

Troia

Ein Überfall der Asiaten


13. November – Pausentag in Canakkale

 

Am Morgen machen wir uns nach einem sehr guten Frühstück auf den Weg. Ein kleiner Rundgang durch die Stadt, sollte es werden bevor wir loslaufen. Doch Maria hatte Magen-Darm-Probleme und wir wollten kein Risiko eingehen. Also nach Apotheke und Teekauf geht es zurück ins Hotel und ein Tag im Bett soll uns neue Kraft schenken. Es war herrlich einfach rum zu liegen.

Requisite aus dem Hollywoodfilm

Ein gigantisches Pferd

Medizin für beide


12. November – Etappe von Burhanli nach Eceabat (Fähre nach Canakkale)

Über Abcas

Wir bauen das Zelt ab, was wir abseits der Strasse auf einem Hang errichtet hatten und gehen zurück auf diese Piste. Die Strasse wird heute fast immer bis zum Ende der Etappe unser Begleiter sein. Da unsere Vorräte fast aufgebraucht waren erkundigen wir uns im Dorf nach einem Laden, doch alle die uns genannt wurden liegen hinter uns. Ein Restaurant hat offen und so gehen wir Richtung Meer. Wir bekommen ein typisch türkisches Frühstück mit Burek, Pommes und Brot. Wir dürfen auch noch zwei Wasserflaschen abkaufen und ziehen los. Die Strasse ist eng und führt immer in Sichtweite des Meeres entlang. Einmal gehen wir einen Weg seitlich der Strasse, dort führt es uns ca. 1km nach oben bis wir im Gestrüpp verenden und den Weg zur Strasse zurück suchen. Danach ging es weiter auf den Asphalt. Kaum ein Haus zu sehen, wurde die Strasse mal vierspurig und wieder zwei spurig. Wir laufen auf dem Seitenstreifen oder quetschen uns den Leitplanken entlang an den Autos vorbei. In Abcas steht ein Denkmal für gefallene Krieger und unweit davon eine Rekonstruierte Festung am Meer mit einer Moschee. Dazwischen finden wir in einer Baracke einen Obst- und Gemüsehändler bei dem wir glücklicherweise auch Wasser finden. Entlang der Küste kommen wir noch am Berg Poyraz und an zwei Buchten vorbei bis wir endlich Eceabat erreichen. Dort gehen wir schnurstracks zum Hafen um die Überfahrzeiten zu klären. Die Dardanellen sind eine Meerenge die, die europäische von der asiatischen Kontinentalplatte trennen. Bei Eceabat ist sie ca. 1.5km breit und bis zum Bosporus die engste Stelle. Nach dem wir uns die Wartezeit mit einem Kaffee versüsst haben geht es auf die Fähre. Für die Türken hier ganz normal, für mich etwas besonders. Ein Schritt und wir waren nicht mehr Europa. Nach einer halben Stunde Fahrzeit betreten wir Asien und die schöne Stadt Canakkale. Hüben wie drüben erinnern Kriegsdenkmäler an gewonnene Schlachten in der Enge. Wir beziehen unser Hotel und stossen auf unseren Erfolg an. Fast alles zu Fuss nach Asien. Verrückt.

Etappe: 25km / Schritte: 45 000 / Höhenmeter:150m hoch und runter

Einmal abseits der Strasse geht es hinauf

 

Das Meer ist unser ständiger Begleiter

 

Abfahrt, wir verlassen Europa

 

Volle Kraft voraus nach Asien

 

Canakkale


11. November – Etappe von Gelibolu nach Burhanli

Über Sütlüce

Nun machen wir uns endlich zu Fuss auf den Weg durch die Türkei. Es war am Abend noch etwas Trauerarbeit, ob der verpassten Kilometer nötig. Die Intensität der Emotionen lässt mutmassen, dass dahinter noch etwas mehr steckt. Wir besorgen uns am Morgen noch die SIM-Karten und laufen nun aus der Stadt. Einer Strasse in der Nähe des Meeres geht es gleich hügelig Auf und Ab. An den letzten Häusern entdeckt uns ein freundlicher Hund der uns wieder einige Kilometer folgt. Als unsere Strasse zu einem Pfad wird und irgendwann verendet im Gestrüpp gehen wir auf die nahegelegene Schnellstrasse und deren komfortabelen breiten Seitenstreifen. Der Hund folgt uns noch immer treu mit einigem Abstand. Als wir die Schnellstrasse durch ein Abbiegen hinter einem Hügel verlassen, können wir ihn endlich abhängen. Für uns geht es auf einer Schotterpiste weiter wo wir das Hundeabwehrgerät das erste Mal an einem wild kläffenden Hund ausprobieren können – es funktioniert. Später überraschen uns Schafe, deren Köpfe neben dem Weg uns neugierig anschauen. Die Umgebung ist mit Ackern und einigen Büschen sonst überschaubar. Nach kurzen Augenblicken kommt der Rest der Bande mit dem Hirten und den Hunden ums Eck. Wir machen den Weg frei für die Tiere und stellen uns nicht weit auf den Acker. Die Hunde sind wie immer erbost uns zu sehen, doch der Hirte kommt zu uns und fragt uns ein wenig aus. Sein Auftreten ist typisch in seiner etwas schmuddeligen Kleidung und dem dünnen Hirtenstock. Doch die Hunde werden ruhig, sobald der Hirte mit uns redet (diese Beobachtung habe ich schon mal gemacht). Ein richtiges Gespräch kommt wegen der Sprachbarriere nicht zustande. So gehen wir bald getrennte Wege. Ganz in der Nähe wird eine neue Strasse gebaut, deren Baustelle wir einige Male passieren. Zuletzt durch einen Tunnel der uns direkt danach auf dem Weg einen Hang hinauf führt. Dort gelangen wir dann in den Ort Sütlüce. Wir bekommen gleich mehrere Einladungen zum Tee am Ortsanfang. Zum Schluss sitzen wir bei einer Gruppe türkischer Bauern von denen einer sehr gut deutsch sprechen kann. Ehad mit seinem freundlichen runden Gesicht übersetzt seinem Kumpel Hassan alles. Es entsteht ein schönes und interessantes Gespräch. Wir erfahren, dass die Neue Strasse zu einem Projekt gehört wo eine 2.5km lange Brücke über die angrenzende Meerenge (Dardanellen) gebaut wird. Es wird die zweitlängste der Welt. Er prophezeit uns Regen, der kommen soll, und es ist ihnen zu gönnen. Trotz der guten Kohlernte die wir beobachten konnten im Dorf, war es viel zu trocken. Der November ist hier eigentlich verregnet bei 12°C. Wir verlassen den Ort an der kleinen niedlichen Moschee und freundlich grüssenden Menschen vorbei. Kaum haben wir das letzte Haus hinter uns gelassen und gehen auf Erde und Schotter einen Weg hinab beginnt es zu tröpfeln. Ehads Prophezeiung geht schneller in Erfüllung als er selber gedacht hat. Dann kommt ein lauter Donner und es ergiesst sich Massen von Wasser über uns. Das Gewitter war vorher nicht zu sehen und war plötzlich über uns. Innerhalb von 10min. und 700m waren wir Nass bis in die Socken. Unsere Regenponchios konnten nur mit Mühe das gröbsten anhalten. Unsere Schuhe nahmen nicht nur das Wasser auf sondern auch die nasse Erde die nun an dem Füssen klebt. Nach dem Regen gelangen wir wieder auf die Schnellstrasse, der wir nun bis zum Ende der Etappe folgen. Durch die wiederkehrende Sonne sind wir schnell trocken und auch das Spritzwasser der Strasse ist schnell verflogen. Die vierspurige Strasse idr ist zwar befahren doch durch den üppigen Seitenstreifen gut zum Pilgern geeignet. Wir passieren noch zwei weitere kleine Dörfer bis wir vor einer Tankstelle des Zielortes einen Hügel erklimmen um einen ruhigen Platz zum Zelten zu ergattern

Etappe: 23km / Schritte: 41 400 / Höhenmeter: 2x 70m auf und ab

Die Herde auf dem Acker

Sütlüce

Gewitter ist hinter uns

Vor dem Zielort


10. November – Panik und Busfahrt nach Gelibolu

Die Nacht hatte ich kaum ein Auge zu gemacht. Am Abend hatte ich noch Nachrichten erhalten, die mich vor den Hunden in der Türkei, speziell Herdenhunde warnten. In meinem Kopf war ein schlechtes Kino mit allen Vorurteilen und schlimmen Szenarien entstanden was ich nicht mehr aufhalten konnte. Wir waren vorbereitet, denn Dank der Hilfe des Jerusalemway-Vereins lag ein Hundeabwehrgerät 75km entfernt in Gelibolu. Es sendet Akustische Signale im Wellenbereich aus, die wir Menschen nicht hören, aber Hunde als schwer unangenehm empfinden. Als Maria und ich am Morgen darüber redeten, entschieden wir uns nach ewigem Hin und Her vorzufahren. Denn die Angst zieht unserer Erfahrung nach das an, wovor sie sich ängstigt. So gehen wir wieder Hinaus zum Busbahnhof, wo uns ein türkischer Mann sofort mit einem der beliebten Minibüs vermittelt. Diese Kleinbusse sind eine Art Sammeltaxi und fahren überall rum. Sie haben ein Ziel und wenn man winkt am Strassenrand dann halten sie und nehmen einen mit. So gelangen wir nach Gelibolu und dem Hundeabwehrgerät was glücklicherweise wirklich in einem Hotel hinterlegt ist, welches wir gar nicht nutzen. Dann gucken wir wieder blöd aus der Wäsche, denn auch hier haben die Geschäfte Sonntags zu. Keine SIM-Karte kaufen oder anderes. Maria brauchte ein Apotheke doch auch diese waren alle zu. Eine Frau in einer Pizzeria beobachtet uns und fragt wie sie helfen kann. Als sie verstehen, das die Apotheken geschlossen sind, gibt sie Maria eine Tablette gegen den gereizten Darm. Als wir das Lokal verlassen spricht uns ein junger Mann an, der das Gespräch mitbekommen hat und führt uns zu einer Apotheke die offen ist. Sie liegt 1.5km ausserhalb des Stadtkerns von Gelibolu, die hätten wir nie gefunden. Wieder haben uns die Menschen einfach so geholfen. In der Apotheke bekommen wir, was wir benötigen und laufen zurück. Nach dem wir uns gestärkt haben wollen wir am Stadtrand ein Zeltplatz suchen, als uns ein älterer Türke in perfektem Norddeutsch anspricht. Er lädt uns auf einen Schwarztee ein. Wir erfahren, dass er an Bord der MS Berlin gearbeitet hat, die auch als das Traumschiff bekannt ist. Er kommt sogar mal als Statist in einen der Sendungen vor. Er ist viel herumgekommen und erzählt einige Anekdoten aus seinem Leben. Zwischenzeitlich setzt sich ein Freund von ihm, der kein Wort Deutsch versteht, dazu und guckt einfach rum. Danach geht es wie gedacht zur Zeltplatzsuche die sich schwieriger als erwartet entpuppt. Irgendwo hinter einer Ruine und nicht weit der Schnellstrasse betten wir uns im Dunkeln dann doch noch zur Ruhe.

Trotz gutem Frühstück, die Panik siegt

Im Minibüs nach Gelibolu

Interessanter Supermarkt

Interessanter Supermarkt

Unser Traumschiffmitarbeiter und sein Kumpel


9. November – Grenzübertritt Türkei nach Kesan

Das uns Grenzübertritte irgendwie schlauchen, das haben wir gemerkt. Diesmal kommt hinzu, dass wir die Grenze nur mit einem fahrenden Vehicle passieren können, da auf türkischer Seite eine Militärzone liegt die das durchqueren mit dem Fuss verbietet. So verbringen wir noch den halben Tag in Alexandropolis bis wir mit einem Fernbus Richtung Grenze steuern. Hinter jeder Grenzseite müssen wir aussteigen und kurz warten, aber sonst ist der Übertritt problemlos. Wir kommen am Abend in Kesan der ersten grösseren Stadt in der Türkei an, da uns durch die Zeitverschiebung ein weiteres Mal eine Stunde geklaut wird. Vom Busbahnhof waren es noch 2.5km in das Stadtzentrum. Es war ein rechtes Gewimmel an Verkehr und Menschen. Viele gucken uns mit grossen Augen an, Kinder winken uns aus Fenstern und eigentlich alle grüssen, wenn man ihnen einmal zuwinkt. Es dämmert schon, als wir merken, dass das Hotel nicht da ist wo es sein sollte und ohne Gandy Karte können wir nicht im Internet nachsehen. Wir gehen ein wenig umher und gucken blöd aus der Wäsche, als uns ein Mann anspricht. Mit drei Worten Englisch und den Hotelnamen erklären wir unsere Situation. Er versucht den Weg zu beschreiben, doch wäre das nicht genug will er uns dahin fahren. Sein Auto war irgendwo im Gewühl der Kreuzung einfach parkiert. Seine Frau eine freundlich lächelnde Muslima macht einladende Gesten. So fuhren wir die 500m durch den dichten Verkehr direkt vor die Tür des Hotels. Was für ein toller Einstieg mit den Menschen hier. Wir bedanken uns und beziehen unser erstes Quartier in diesem Land.

Warten im Kaffee auf den Bus

Grenzübertritt geschafft

Erste Eindrücke

Scheint Mode zu sein #