Türkei Teil 4

Nicht so wie erhofft gestaltet sich das Ende unseres Weges in der Türkei. Viele Grenzerfahrungen und Erwartungen mussten durchlebt und losgelassen werden. Ein letzter Lernprozess vor dem Finale? Bilder und Berichte von den einzelenen Tagen findest du in diesem Abschnitt.

Etappenübersicht / Tagebuch

Zurück zum Meer – 157km


31. Dezember bis 3. Januar – Tage in Mersin

Was für ein Abschluss in der Türkei. Wir wollten die Sylvester Tage geniessen und den 31. Dezember sowie 1. Januar in Mersin bleiben und uns auf unsere Weiterreise vorbereiten. So brechen wir am Morgen auf um quer durch die Stadt Mersin an der Promenade dem Meer entlang zu gehen. Es scheint heute nach dem heftigen Regen wieder die Sonne, nur riese Pfützen sind Zeuge des (Un)Wetters von gestern. Am Meer werden wir angesprochen von zwei Damen, die als Zeuginnen Jehovas am Strand missionieren. Ziemlich mutig diese beiden Frauen. Die jüngere der beiden kommt aus Aserbaidschan und die ältere etwas kräftigere aus Georgien. Die zweitere kann sogar deutsch und so können wir uns gut unterhalten. Die gleiche Art wie in der Schweiz und in Deutschland, wo die Zeugen immer mit einer sehr schwer zu beantwortenden Frage das Gespräch beginnen, brachten auch sie zu Tage. Die Frage des Tages war: Gibt es das Paradies auf Erden? Nachdem wir im Gespräch uns ausgetauscht hatten, was wir machen und warum, liessen sie ihre Gesprächstaktik beiseite und es entstand ein kurzer aber herzlicher Austausch. Was soll man Jerusalempilgern auch über Gott erzählen. 😉 Dann ging es weiter durch die Stadt und die engen Gassen. Es war eine sehr chaotische Stadt mit einem Wirrwarr aus Menschen, Autos und unübersichtlichen Gassen, bis wir unsere neue Unterkunft gefunden haben. Zu Sylvester waren wir nach dem Unterkunftswechsel wirklich müde und kaputt, sodass wir nicht mehr viel zu stande bekommen haben, ausser etwas zu Essen zu besorgen und zu schlafen. Der Neujahrstag ist in der Türkei ein Feiertag ähnlich wie bei uns Weihnachten, mit viel Lichtern und Geschenken. Nach dem Frühstück wollen wir noch schnell Geld holen, doch nach dem meine Karte im Automat verschwunden war, kam sie nicht wieder heraus, was irgendwie ins Gesamtbild der letzten Tage passte. Zwei junge Türken halfen uns noch mit der Hotline, doch auch da hiess es wir sollen zur Bankfiliale gehen, die ja am Feiertag geschlossen hatte. Also was nun? Wir gehen vor lauter Schreck einfach etwas nachholen was wir in Konya bereits machen wollten zu Weihnachten, aber da gab es das nicht. Wir gehen ein paar Runden Bowling spielen und versuchen den Rest des Tages so gut es geht zu geniessen.

Der nächste Tag (2. Januar) sollte mein letzter Pilgertag in der Türkei werden, doch da wir uns erstmal um die Bankkarte kümmern mussten wurde da nix draus. Wir gehen also zur nächsten Filiale wo wir unsere Situation erklären. Die Filialleiterin konnte gutes Englisch und machte uns von vornherein keine Hoffnungen. Nach ein paar Telefonaten und Abklärungen, stand fest, die Karte, einmal eingezogen wird sofort zerstört. Ein kurzes „Sorry“ und sie verschwand wieder. Da sassen wir nun und waren etwas irritiert und sprachlos. Alle anderen Varianten an Geld zu kommen waren deutlich teurer, doch was nützte es. Danach war es schon nach dem Mittag und ein Laufen zum Ziel Tarsus macht keinen Sinn mehr und so gehen wir noch etwas durch die Stadt und versuchen unsere Gedanken frei zu bekommen.

Nun wollte ich am 3. Januar nach Tarsus laufen, die nächste Nacht sollten wir in Adana sein, da am Morgen des 4. Januar der Flieger nach Amman geht. Am Morgen regnet es wieder so stark wie am Tag in Silifke und so bleibt mir nichts anderes übrig als die Waffen zu strecken und auch heute nicht zu Pilgern. Wirklich schade. Aber die Zeit ist nun einmal begrenzt auch beim Pilgern. In Adana angekommen, besorge ich mir Pappe um meinen Pilgerstab zu präparieren und flugtauglich zu machen. Hoffentlich klappt es mit der Überfahrt nach Jordanien. Danach geht es zur letzten Nacht in der Türkei. Ein verkorkstes Ende einer unglaublich schönen Zeit in diesem Land.

Etappe: 15km (auf dem Jerusalemway) /   Schritte: 27 000 / Höhenmeter: 9m

An der Strandpromenade

Blöder Geldautomat

Zuckerwatte am Meer

Ein flugtauglicher Pilgerstab


30. Dezember – Etappe von Silifke nach Celtikci (an back)

 

Der Plan war es bis zu den Korykischen Grotten zu laufen aber wie die Tage zuvor lehrte mich der Weg etwas anderes. Der Tag beginnt mit Starkregen und einer deftigen Briese Wind. Nach dem ich Proviant im Supermarkt besorgt habe bin ich bereits nass und überlege hin und her was ich jetzt tue. Irgendwann raffe ich mich auf und beginne den Weg weiter zu gehen. Er führt mich über Kreuzungen und Strassen aus Silifke hinaus. Über all sprudelt das Wasser aus Dachrinnen oder es drückt aus dem Gulli hinaus. Der Regen lässt auch nach einer Stunde keinen deut nach und so bin ich nach Etwas mehr als 5km komplett durchnässt. Ich muss die Etappe abbrechen und laufe noch bis zu Hauptstrasse und dann zurück nach Silifke wo ich den Bus nach Mersin nehme. Da wir Sylvester dort verbringen wollen, war schon vorher klar, dass ich am Abend leider vorfahren muss. Nun war es mehr als gedacht. Wirklich schade um die letzten Etappen in der Türkei, aber es ist wohl dran zu lernen. Es ist trotzdem bereits Nachmittag als ich in Mersin ankomme.

Etappe: 8km / Schritte: 14 400 / Höhenmeter: 20m

Kein Pilgerwetter

 

Nach 5km klatsch nass

 

Also zurück nach Silifke


29. Dezember – Etappe von Mut nach Evkaciftligi (Mitfahrgelegenheit nach Silifke)

Über Elbeyli, Köseleri, Göksu, Asagi Köseleri, Kislaköy, Haydar und Hocali

Unsere Unterkunft lag am äussersten Rand der Stadt Mut und so beginnt meine Etappe durch die kleine Stadt. Ich schaffe Maria noch zum Busbahnhof, weil sie gleich weiter fährt, die letzten Monate haben geschlaucht und sie ist müde. Für mich geht es weiter im Regen des Morgens an der alten Burg vorbei aus der Stadt hinaus. Nun geht es über kleine, schmale Strassen entlang durch Olivenplantagen und über kleine Hügel, bis ich nach ein paar Kilometern auf die Hauptverkehrsstrasse gelange. Dieser folge ich weitere vier Kilometer bis zum Ort Klöseleri wo ich den breiten Fluss Göksu Nehri überquere. Er schneidet einen Nut in die Landschaft, sodass es markante Felsformationen nun das Umfeld prägen. Zunächst noch flach werden diese fast senkrechten Felswände immer häufiger und höher. Der Göksu Nehri ist der Fluss, in dem der deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa seinen Tod fand. Vermutlich ist er beim Baden ertrunken und das ganz in der Nähe. Mit dem Überqueren des Flusses komme ich auf Nebenstrassen und in eine herrliche Stille. Es hört endlich auf zu Regnen und so kann ich die herrliche Umgebung und das friedliche Sein der Natur geniessen. Vor Asagi Köseleri macht der Fluss ein paar Windungen, denen ich auf meinem Weg folge. Der Ort selber ist eher ärmlich und jedes Haus scheint irgendwie einsturzgefährdet zu sein. Danach geht es wieder ein paar Meter hinab und durch eine Ebene mit abgeernteten Plantagen verschiedener Obstsorten. Die Stille bleibt auch hier mein Begleiter und so kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen. Vor Kislaköy biege ich links auf eine Strasse ab, die typischer fürs Pilgern nicht sein könnte, denn sie führt schnurgerade nach unten und um einen höheren Anstieg wieder nach oben. Am Tiefpunkt der Senke überquere ich den Göksu Nehri erneut um mich von Hunden die einen Schuppen in der Nähe bewachen attackieren zu lassen. Ein weiteres mal biege ich ab und gehe nun auf Strassen durch Plantagen und kleine Dörfer bis zum Hocali. Immer wieder helfen mir die Anwohner in dem sie mir bestätigen, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die meisten freuen sich riesig einen Reisenden in ihren Dörfern zu sehen. Als ich in Hocali ankomme, geht es noch einen mächtigen Anstieg hinauf bis ich auf der Schnellstrasse lande, der ich nun noch einige Kilometer folge. Hier hat der Fluss eine den Rocky Mountains gleiche Felsen geschaffen die immer schroffer und imposanter werden. Für mich gibt es eine komplette Fahrbahn allein, denn diese ist zwar bereits asphaltiert aber noch im Bau. Das macht das Pilgern an Schnellstrassen natürlich leicht und so komme ich gut noch ein paar Kilometer weiter. Doch dann Beginnt es dunkel zu werden, und da kein Dorf mit sicheren Häusern in Sicht war (die Dörfer hier sind sehr verarmt) versuche ich nach kurzer Absprache mit einem Anwohner mein Glück per Anhalter nach Silifke zu kommen. Es ist Sonntag und kein Bus ist unterwegs. Nach ein paar Minuten hält ein schwarzer Bus und die hintere Tür öffnet sich, eine Asiatische Frau bittet mich herein. Innen ist der Bus ein Wohnmobil. Es wird noch ein Türke mitgenommen und es beginnt die Fahrt Richtung Silifke. Das asiatische Paar kommt aus Südkorea und ist seit einiger Zeit unterwegs durch die Welt. Bisher sind sie alles gefahren um die 24 000km bisher und sind nun auf dem Weg durch die Türkei Richtung Russland. Es war eine tolle Begegnung. Der Türke verliess uns nach einigen Kilometern wieder während wir gemächlich durch die schlängelförmige Strasse des Gebirges entlang fuhren. Mit Google Translate konnten wir uns prima unterhalten und einiges an Erfahrungen austauschen. Die liebenswerten Menschen bestätigen mir, was ich auf dem Jakobsweg bereits erfahren habe, ich habe einen guten Draht zu den Koreanern. Sie bringen mich in die Innenstadt von Silifke, wie sie in ihrem Mobil in der Nähe eines öffentlichen WCs kampieren. Wir verabschieden uns, denn ich darf mir eine Unterkunft suchen. Das gelingt mir auch in einem der preiswertesten Motels der Stadt. Zur Begrüssung stand dort nach einem Streit mit Auseinandersetzung gleich mal die Polizei im Gang, aber danach war Ruhe und ich konnte schlafen.

Etappe: 41km / Schritte: 73 800 / Höhenmeter: 240m hinauf und 250m hinab

Mut im Regen verlassen

 

Ohne Regen sicher traumhaft

 

Der Göksu Nehri wo Barbarossa seinen Tod fand

 

Eine Bahn für mich und eine für Autos

 

Meine koreanischen Helfer Teil 1

 

Und Teil 2


28. Dezember – mit dem Bus nach Mut

Mut zur Lücke muss ich diese Etappe wohl nennen, oder doch lieber mit einer Lücke nach Mut? Es ist klar, dass ich es bis Sylvester nicht zu Fuss nach Mersin schaffe. Hinzu kommt ein Pass der vermutlich schneebedeckt ist und so entscheiden wir uns nach Mut zu fahren, eine Stadt die Richtung Mittelmeer liegt. Bei der Busfahrt wird uns klar, dass es die richtige Entscheidung war, denn der Pass ist über einige Kilometer mit der weissen Pracht übersät. Es war so hoher Schnee, das keine Gräser mehr zu sehen waren sondern nur noch Bäume und Büsche. Im Busbahnhof von Mut sah es zum Glück wieder anders aus, nach dem wir die Bergkette des Taurus verlassen hatten, ging es hinab und es wurde wieder grün. Als wir aussteigen ist die Luft ganz anders, ein Geruch von Oliven steigt mir in die Nase. Es ist schon ein paar Kilometer her, als mir dieser Duft in die Nase stieg. Nach der etwa 4 Stündigen Fahrt ist der Tag auch schon fast zu Ende und so gehen wir in die Unterkunft und entspannen bei einem Abendspaziergang durch Mut.

Abschied von Weihnachten und meinen Vorstellungen

Bild vom Pass aus dem Busfenster


27. Dezember – Etappe von Kilbasan nach hinter Karaman

Am Morgen fahre ich zunächst nach Karaman um von dort aus an meinen Startpunkt Kilbasan zu gelangen. In dem Dorf hatte es tags zuvor keine Unterkunft gegeben. Doch der Minibüs bringt mich nur ins Zentrum von Karaman und in der belebten Innenstadt beginne ich Leute zu fragen. Irgendwann spricht mich Salih an, der ein wenig Englisch versteht und bittet mich mit ihm zu kommen. Er bringt mich zu seinem Bruder und später noch zu seinem Cousin der einen Klamottenladen hat um die Infos zum Bus zu bekommen. Natürlich wollen alle meine Geschichte wissen und auch hier wird das Erstaunen sichtbar je mehr Details bekannt werden. Der Bus fährt erst am Nachmittag und so rattert es in meinem Kopf was ich nun tue. Salih bietet mir an die 20km nach Kilbasan für mich zu fahren. Was für ein Umstand und was für eine Hilfsbereitschaft. Ich bin immer wieder hin und weg von diesen Tugenden, die mir wildfremde Menschen entgegen bringen. Auf der Fahrt tauschen wir uns noch über den Glauben aus, auch Salih ist ein Mann der gottgerecht leben will und für ihn gehört die Hilfe für Menschen dazu. Man spürte das Licht in seinem Herzen ganz unmittelbar, es war eine echte Wohltat ihm zu begegnen. In Kilbasan angekommen verabschieden wir uns, er fährt zurück und ich laufe weiter. Nachdem ich das Dorf verlassen habe, führt mich der Weg über Schotterpisten durch flaches Land. Als die Wege erdig werden wird es Mühsam, denn der Regen der letzten Tage hat alles aufgeweicht und klebt nun als Schlamm an den Schuhen. So wird es ein freudiges Wechseln zwischen Pfaden und immer mal wieder auf der befahrenen Überlandstrasse. Hinter mir bekomme ich heute zwischen den Wolken einen Blick auf die Etappe von Gestern, der schneebedeckte Berg mit seinem strahlendem Weiss. Ich bin froh, dass ich heute nicht noch einmal so weit oben meinen Weg fortsetzen muss. Doch auch heute regnet es immer wieder und es weht dazu ein kühler Wind. An einem Feldweg zwingen mich eine Horde Hunde über das Feld auszuweichen. Als ich auf der Strasse ankomme war ich richtig dreckig. Doch Schlamm läuft sich zum Glück irgendwann ab. Immer wieder werde ich von freundlichen Menschen gefragt ob ich nicht mitfahren möchte, welch ein Zeichen der Freundschaft unter den Menschen. Es ist wirklich faszinierend. Kurz bevor ich die Stadt Karaman erreiche bekomme ich es erneut mit einem etwas aggressiven Hund zu tun, der eine Baracke bewacht und sich durch meine Anwesenheit bedroht fühlt. Es passiert oft das Hunde auf Autos nicht reagieren, aber wenn ein Mensch vorbei läuft in Kampfmodus über schalten. Mit Mühe und not halte ich ihn zurück und kann erst nach einer gefühlten Ewigkeit wieder normal die Strasse entlang laufen. Nun gehe ich durch das Strassennetz von Karaman zunächst über die Bahngleise und später durch die enger werdenden Strassen der Stadt. Ich meide das Zentrum, denn oft ist es dort sehr laut und ich werde viel angesprochen. Der Bus bringt mich erst am Abend 17.30Uhr zurück in die Unterkunft zu Maria, also nutze ich die Zeit und laufe so weit ich komme. Irgendwann komme ich ans Ende der Stadt am Krankenhaus vorbei, wo mich ein Mann anspricht ob ich nach Konya wolle. Offensichtlich spricht er englisch und so antworte ich: Ja mit dem Bus um 17.30Uhr! Er fragte warum ich nicht schon eine Stunde früher fahre, doch ich wusste nicht, dass da auch ein Bus fährt. Also lädt er mich auf seinen Roller und fährt mit mir geschwind ans andere Ende der Stadt zum Busbahnhof. Das muss ein lustiges Bild gewesen sein, ich hinten drauf ohne Helm (was hier normal ist) und dem Rucksack in einer Hand den Stock und mit der anderen sich irgendwie festhaltend. Keine Ahnung wann ich das letzte mal auf einem motorisierten Zweirad mitgefahren bin. Etwas durchgefroren war ich, und dennoch erreiche ich mit Hilfe des jungen Mannes gerade so den früheren Bus. Einfach herrlich.

Etappe: 30km / Schritte: 54 000 / Höhenmeter: 110m hinauf

 

Salih brint mich nach Kilbasan

 

Blick zurück auf den Vulkan von Gestern

 

Karaman erreicht zu Fuss

 

Streetart in Karaman


26. Dezember Etappe von Süleymamhaci nach Kilbasan (inkl. Mitfahrgelegenheit)

Über Ückuyu und Dinek

Auch am Tag darauf regnet es. Ich fahre zunächst nach Cumra weil ich dort Informationen haben möchte, über Rückreise Möglichkeiten am heutigen Ziel Ort, denn übernachten ist in den Dörfern bei dieser Kälte nicht ratsam. Doch kein Bus fährt zum Zielort oder zurück. Da wir nun einen Termin für unser Ende in der Türkei Adana haben und es wohl eher unrealistisch ist, dass ich es komplett zu Fuss schaffe, lasse ich mich ein wenig weiter fahren und überspringe so eine Etappe in etwa. Ich starte also überraschend in Sülemanhaci, einem kleinen Dorf am Fusse des einstigen Vulkan Karadag. Doch ausser grau ist nicht viel zu sehen. Als ich starte ist es kalt und ein wenig Schneeregen der sich einstellt. Ich verlasse den Ort auf einer Strasse um dann einem Schotterweg zu folgen der mich sanft nach oben bringt. Nach nur 3 Kilometer habe ich die Schneefallgrenze erreicht, ab nun wird es immer mehr Schnee. Der feine Schneefall und das Weiss verzaubern die Landschaft und mich. Doch die Sichtweite ist nicht sehr hoch. Ich mache in den Schnee die ersten Spuren, abgesehen von ein paar Hundespuren. Irgendwann biege ich ab und der Weg wird schmaler und kurvenreich steil bergauf. Ich muss aufpassen, dass ich die Orientierung nicht verliere, denn hier findet mich niemand. Stille, Kälte und Weiss, das ist alles um mich herum. Immer wieder tauchen Konturen von Sträuchern oder Steinen auf und ziehen an mir vorbei. Der Schnee ist nun wanderschuhoch und es wird zunehmend anstrengender hinauf zu laufen. Irgendwann erkenne ich eine Spitze und nach 9km habe ich das Gebiet der 1001 Kirchen erreicht. In dieser Region sollen extrem viele Kirchenruinen liegen, die Zahl ist unbekannt. Auf ca. 2000m Höhe befinde ich mich hier und sehe eine Strasse der ich noch etwas folge bis ich bei den Ruinen ankomme. Keine Spur war darauf zu sehen. Als ich die ersten Ruinen sehe, wollen gerade ein älteres Ehepaar nach unten fahren und fragen mich, ob ich mitkommen möchte. Als ich ablehne (ich wollte die Ruinen noch ansehen) fängt die Frau an zu lachen. Sie halten mich wohl für verrückt. Nun sehe ich mir einen kleinen Teil der Ruinen an die mystisch erscheinen im ihrem weissen Kleid. Ich bin wirklich fasziniert von dieser Schönheit und dem skurrilen Bild, denn bei 1001Kirchen dachte ich an mehr Sonne. Doch der 2. Weihnachtsfeiertag brachte die weisse Bescherung. Ein kleiner Schneemann musste sein, doch dann wurde mir kalt. Ich war eigentlich gar nicht ausgestattet für ein solches Wetter. Ich ging zurück auf die Strasse und folgte den Reifenspuren des Ehepaares hinab. Es erleichterte mir die Orientierung ungemein. Kurz vor dem Ort Ückuyu sah ich die beiden wieder und die Frau musste wieder lachen. Der Mann mit Jackett und Schnauzer war gerade fertig mit dem Aufziehen der Schneeketten. Diesmal wollte ich mitfahren, denn der Schnee und die Kälte hatten Kräfte geraubt. So führen wir durch die Schneelandschaften. Die Frau mit ihrem lebendigen Lachen war wirklich ansteckend, ich fühlte mich wohl. Wir verstanden uns nicht, dennoch war eine gute Atmosphäre zwischen uns. Nach ein paar Kilometern wurde der Schnee etwas weniger und die Ketten konnten wieder ab. Sie brachten mich bis Dinek nach dem ich gesagt hatte, dass ich weiter laufen werde. Sie wollten mich sogar bis Karaman bringen obwohl sie wo ganz anders wohnten. Es war super süss die beiden zu sehen, es wurde nur geplappert und gelacht und dazwischen das Gedudel der türkischen Musik. Für mich gibt es nach Dinek noch etwa 10km der Strasse entlang bis Kilbasan. Hier regnet es nur und ist eher trist. Auf Höhe des Dorfes bringt mich ein junger Mann bis Karaman an den Busbahnhof weil er weiss wann die Busse fahren. Die Hilfsbereitschaft der Menschen hier ist grandios. Ich bin immer wieder sprachlos und Dankbar. Das alles wäre in der Schweiz oder Deutschland auch möglich? Immer wieder denke ich darüber nach.

 

Etappe: 25km / Schritte: 45 000 / Höhenmeter 680m hinauf und 150m

 

Weisse Pracht und kaum Sicht

 

Ruinen 1001 Kirchen in weiss

 

Der erste Schneemann der Saison

Meine lachenden Engel


25. Dezember Etappe von Konya nach Alemda

Über Abditolu und Dedemoglu

Auch der erste Weihnachtsfeiertag war verregnet. Doch ich wollte die nächsten Schritte Richtung Jerusalem tun. So gehe ich schwerenherzens los. Die ersten 18km laufe ich relativ gerade aus der riesigen Stadt Konya heraus. Immer an einer Strasse entlang und immer im Regen. Danach gehe ich über eine Brücke um die Schnellstrasse zu überqueren und nun geht es über Felder. Schon bei den Ausläufern von Konya habe ich immer wieder Hunde-Rudel gesehen mit bis zu 12 Tieren. Oft haben sie von der Ferne geklefft wenn sie mich sehen, aber sind nicht weiter ran gekommen. Manchmal haben sich am Strassenrand einige zum Schlafen im Regen auf das Feld gelegt, erschrocken durch meine Anwesenheit musste ich dann eine kleine Auseinandersetzung hinnehmen. Aber es ist immer gut gegangen. Zwei Dörfer passiere ich so auf meinem Weg an den Feldern vorbei. Immer der kaum befahrenen Strasse entlang. Als es spät wird versuche ich ein paar Autos anzuhalten. Nach Alemda gelingt mir das. Ein Mann um die 50 Jahre, will mich nach Konya zurück bringen. Eigentlich wollte ich in die andere Richtung, aber mangels wirklicher Alternativen nehme ich das dankend an. Er hält noch in einem Dorf um etwas abzuholen, als Dank für die Geduld bekomme ich ein Stück Pide zum snacken. Unglaublich diese Gastfreundschaft, als er die Plastetüten eingeladen hat fährt er mich nach Konya, wo ich den Weg zurück zur Unterkunft nun noch laufen kann. Was für ein verregneter Tag hier auf dem Jerusalemway.

Etappe: 38km / Schritte: 70 200 / Höhenmeter: 19m

Regen Regen Regen

 

Konya verlassen

 

Abditolu