Türkei Teil 3

Wie feiert man eigentlich Weihnachten in der Türkei – wir haben es erlebt. Daneben sind wir im Taurusgebirge, einer wundershcönen Landschaft unterwegs. Die Menschen sind gastfreundlicher den je und Helfen uns wo sie nur können. Die Türkei in Berichten, Bildern und Fakten findest du hier.

Etappenübersicht / Tagebuch

Das Taurusgebirge – 422km


23. + 24. Dezember Weihnachten in Konya

Der Plan war es, zu Weihnachten einen Tag frei zu nehmen. Doch als ich am 23. Dezember aufwachen merke ich, dass ich kaum Motivation hatte. Maria hatte sich ein schöneres Hotel gewünscEtappenübersichtht und diesen Weihnachtswunsch wollte ich erfüllen, da sie doch treu an meiner Seite steht die ganze Zeit. So laufen wir durch das Zentrum der Stadt bis zur katholischen Pauluskirche die leider verschlossen war. Danach geht es zum anderen Hotel, dabei beginnt es mächtig zu regnen, sodass ich entscheide nicht mehr zu laufen heute. Die Anstrengungen der vergangenen Tage waren zu spüren. Also bleiben wir im Hotel und nutzen die Schwimmhalle und das Hotel Restaurant.

Am 24. Dezember gehen wir nach dem Frühstück in ein Einkaufszentrum um unseren traditionellen Starbucks-Kaffee zu Weihnachten zu trinken, das machen wir seit einiger Zeit immer so. Danach läuft nicht mehr viel zusammen, wir gehen wieder in ein anderes Hotel (Kosten) und wollten eigentlich Bowling gehen, aber Konya hat trotz der vielen Einwohner keine Bahn mehr, es sind alle geschlossen. Es regnet auch heute stark und so bleiben wir etwas einsam und ein wenig gefrustet im Hotel. Maria hat eine Lichterkette besorgt, die etwas weihnachtliche Stimmung ins Zimmer bringt und eine Kerze, fertig ist daa Weihnachtsfest. Sogar Lebkuchen und Dominosteine hat sie bekommen, das war ein Fest. Diesmal gibt es Essen ins Zimmer, denn nach raus gehen war Maria und mir nicht mehr. Etwas Fernsehen, Spielen von Skrabble über das Handy und Zukunftspläne schmieden und dann war der Heilige Abend vorbei. Etwas merkwürdig war es schon irgendwie.

Etappe: 15km / Schritte: 27 000 / Höhenmeter: 9m

Die Pauluskirche im Zentrum der Stadt

Aufbruch und Untergang in einer Stadt

Heilig Abend im Hotelbett

Etwas Weihnachtsstimmung


22. Dezember – Etappe von Kücükmuhsine nach Konya (Zentrum)

Über Tatköy, Sille und Sarayköy

Ein guter Morgen wartet auf mich. Als ich 3km vor Kücükmuhsine wieder starte, da wo mich tags zuvor der Imam eingeladen hat, scheint die Sonne. Das ist wichtig, denn auch heute ist es kalt. Nach den ersten Kilometern erreiche ich schnell das Dorf was eingefärcht in Felsen am Fusse eines Berges liegt. Die Lehmhäuser sehen intakt aus und zwei Moscheen prägen das idyllische Bild des Dorfes. In den Felsen sind Höhlen eingearbeitet, die wohl Anzeichen von früher Zivilisation sind. Über eine Brücke im Dorfzentrum, wo ich nicht ganz vorschriftsmässig über wackelige Bretter und mit etwas springen von Bauarbeitern rüber geführt werde. Danach verlasse ich Kücükmuhsine und gehe eine Schotterpiste steil bergauf. Nach dem Aufstieg über 3km und 250m Höhe, stehe ich auf einem kleinen Gipfel mit herrlichem Rundumblick. Hier liegt Haci Haydar Sultan Türbesi begraben, wer auch immer das ist. Um mich herum liegen gelbliche karge Bergketten und kleine Täler. Auch der Blick auf das Dorf zwischen den Felsen ist einmalig. Ich befinde mich auf etwa 1400m Höhe und immer noch auf dem Sufistrail nach Konya. Danach geht es ein Stück hinab auf sandigen und steinigen Wegen durch die Stille und Einsamkeit. Ein kühler Wind weht und die Sonne versteckt sich nun hinter den Wolken. Es geht nach einer Zeit noch einmal mächtig hinauf. Es ist nichts um mich herum ausser Gestein und Einöde. In der Ferne sehe ich weisse Gipfel und Gesteinshaufen. Als ich den Höchsten Punkt der Etappe erreiche bin ich in etwa auf 1740m Höhe. In der Ferne, unten in einer Senke sehe ich den Ort Tatköy. Je näher ich komme, desto mehr erinnert mich die Szenerie an das Bild von Bethlehem, was ich als Kind immer im Kopf hatte. So musste es ausgesehen haben zu Jesu Geburt, der Berg, das Dorf und die Einöde wo die Hirten ihre Herde hüten. Es war ein schöner Anblick und ich beginne zu weinen. Das passiert mir im Verlauf noch drei weitere Mal, durch die Anstrengung der vergangenen Tage lösen sich alte Steine im Herzen, ohne das ich genau weiss warum. Irgendwann erreiche ich das Dorf, was viele Lehmhäuser hat. Auf dem Dorfplatz möchte ich ein Foto vom Jerusalemway Kleber machen, als mich ein kahlköpfiger Mann in ein modernes Gebäude einlädt. Ich denke an einen Cay und das passt mir, denn es ist kalt. Doch als ich in das Gebäude komme realisiere ich, dass es sich um den Bürgermeister und seine Amtsstube handelt. Ich erkenne ihn, denn andere Pilger haben mir Fotos geschickt, als sie hier zu Gast waren. So Frage ich ihn auch nach einem Stempel, was er sehr sorgsam und würdig ausführt. Der erste Stempel in der Türkei für mich. An der Scheibe des Zimmers prangen die Aufkleber des Jerusalemway und des Sufistrail, worauf er mächtig stolz ist. Mit Hand und Fuss unterhalten wir uns ein wenig, auch wenn es nicht so leicht ist. Zwischen durch kommen immer wieder Anwohner mit Fragen oder Beschwerden die er sofort bespricht und nach Lösungen sucht. Natürlich bekomme ich einen Cay und beim Verabschieden noch Äpfel mit auf den Weg. Auch er verabschiedet sich mit den zwei typischen Kopfstössen vom mir und einem Herzlichen „Maleikum salla“. Nun folge ich einer asphaltierten Strassen wieder über ein paar Anhöhen hinweg bis zum Ort Sille. Das Dorf ist touristisch geprägt und am Sonntag gut besucht. Eine kleine Steinbrücke, die Höhlen auch hier in den Felsen und sie St.Elena Kirche sind bekannt. Die Kirche ist eine der ältesten der Welt und wurde 327n.C. errichtet von der Gattin des damaligen Kaisers. Für mich ein bewegender Moment, denn es war die erste Kirche seit langem die keine Ruine ist, sondern noch genutzt wurde. Einige Minuten verbringe ich dort im Gebet. Für mich etwas ungewöhnlich waren die muslimischen Frauen im Gotteshaus, die sich diese Kirche ansehen wollten. Nach der Zeit in der Kirche verlasse ich Sille wieder und gelange auf asphaltierten Strassen über Sarayköy nach Konya. Ich konnte die Stadt von oben sehen, 2.2Mio Einwohner liegen mir zu Füssen. Der Stadtrand war wie am Reissbrett gezogen, denn eine Querstrasse und die Häuser beginnen. Sofort dicht bebaut und immer höher werdend, verschluckt mich diese Grossstadt mit dem Getümmel und dem Lärm.

Etappe: 31km / Schritte: 55 800 / Höhenmeter: 550m hinauf und 60m+650m hinab

Kücükmuhsine am Morgen

Eine Szenerie wie in Bethlehem?

Beim Bürgermeister von Tatköy

Die St. Elena Kirche in Sille

Konya erreicht


21. Dezember – Etappe von Derbent nach Kücükmuhsine

Über Mülayim und Basarakavak

Der Morgen in Derbent ist sehr kalt. Die Stadt liegt auf 1240m Höhe und hat zum Glück Morgensonne die mich etwas wärmen kann. Es gibt hier sogar ausgeschilderte Wanderpfade zu einem Parcours den ich einige Kilometer bergauf folge. Zum Teil geht dieser Wanderweg steil hinauf, über Wiesen, an einem Stausee (Derbent Göleti) und Nadelwäldern vorbei. Immer weiter wird die Sicht auf die Strecke die von Gestern hinter mir liegt. Die Spitze des Aladag kommt immer näher und damit auch die Schneefallgrenze. Irgendwann erreiche ich die ersten Schneefelder, sie sind auch der erste Schnee dieser Saison. Nach einem Anstieg von 560 Höhenmetern wird es langsam kompliziert die kleinen Trampelpfade zu finden. Ein eisiger Wind gibt dem ganzen noch den Rest. Irgendwann verlaufe ich mich etwas, weil alles nun gleich aussieht. So gehe ich querfeldein einen Steilen Wiesenhang hinunter als ich den Ort Mülayim sehe von oben. Es sind anstrengende Meter im Schnee und Gras. Als ich den Ort erreiche habe ich die Schneegrenze wieder über mir gelassen. Mein Weg führt mich jedoch wieder hinauf. Also nehme ich einen Umweg in Kauf und gehe das Tal entlang. Nach 4km und ca. 380 Höhenmeter weiter unten gelange ich im Tal auf eine Strasse der ich dem Rest des Tages folgen will. Immerhin kein Schnee mehr. Es wird eine eintönige Sache. Da hier unten kein Wind weht und die Bäume kein Laub mehr haben, und auch sonst alles eher etwas dürr aussieht kann die Sonne auf meinen Kopf scheinen. Es ist das Andere Extrem zu oben, warm und die Sonne prasselt. Wirklich zwei Welten auf ein paar Kilometer. Unterwegs kommt aus einem der wenigen Baracken am Wegesrand ein Mann gerannt. Er ist mind. doppelt so alt wie ich und halb so gross. Er drückt mir ein warmes Fladenbrot (Ekmek) in die Hand, schüttelt die andere winkt und düst wieder davon. Was für ein herrlich duftendes Brot. Es war lecker, denn ich habe es sofort gegessen, ohne etwas über den Spender in Erfahrung bringen zu können. Als ich in der Nähe des Zielortes ankomme habe ich Glück, ein Mann mittleren Alters nimmt mich mit nach Konya wo Maria auf mich wartet. Er kann etwas englisch und so können wir uns unterhalten. Der bärtige Mann heisst Memmhet und ist zu meinem erstaunen Imam. Er war gerade in Derbent an der Schule um Koran zu unterrichten. Er kann fliessend arabisch, da seine Eltern Araber sind, doch er ist in der Türkei geboren. So entstand ein schöner, interreligöser Austausch ohne belehrend zu werden. Eine wirklich schöne Begegnung. Er bietet mir bei der Verabschiedung noch Hilfe an für die kommenden Tage. Bisweilen behandeln mich die Moslems mehr als ich es je getan habe, nach christlichen Massstäben. Allah will das wir gute Menschen sind, war Memmhets Antwort darauf.

Etappe: 36km / Schritte: 64 800 / Höhenmeter: 550m hinauf und 350m hinab

Der erste Schnee der Pilgersaison

Anstrengend querfeldein

Im Tal angekommen

Mit Memmhet im Auto – thanks for all


20. Dezember – von Doganisar nach Derbent (inkl. Mitfahrgelegenheit)

Über Basköy, Balki, Cigil, Yukari und Belekler

Am Morgen starte ich wieder in Doganisar und folge der Strasse. Hinter der kleinen Stadt fahren kaum Autos darauf und so kann ich den Luxus der Ruhe und des ebenen Asphalts geniessen. In Basköy war Markttag und so gehe ich ausgefallene Seitenstrassen durch den Ort um den Blicken der Anwohner zu entgehen, denn das „Angeglotzt“ werden ist bisweilen schon anstrengend. Es gelingt einigermassen und so komme ich nach dem Ort weiter auf der Strasse Richtung Balki. Ich werde von 4 Autos gefragt ob ich nicht mitfahren möchte und die Gegend wird immer einsamer. Ich erkenne auch, dass ich das Ziel Derbent wohl heute kaum erreichen kann. Also denke ich bei mir, wenn mich noch einer fragt, dann nutze ich das Angebot. 20 Sekunden später steht Ramadan neben mir. Er nimmt mich mit die ca. 10km nach Cigil obwohl er dadurch eine andere Strecke als gewohnt nach Konya fährt. Er ist ein Freund der Berge und ist erfreut als er erfährt dass ich über die Berge nach Konya laufe. Seine Hilfsbereitschaft hat mir an diesem Tag sehr geholfen. In Cigil angekommen starte ich meine weitere Teiletappe. Gerade ist wohl das Gebet zu Ende, denn das ganze Dorf ist im Aufbruch und störmt aus den Gotteshäusern in Geschäfte und Häuser. So eine Hohe Gästequote in den Moscheen habe ich auf der Reise noch nicht gesehen. Mein Weg führt mich durch das Gedränge und die Blicke des Dorfes einen Feldweg hinauf und ich kann die Stille wieder geniessen. Auf Trampelpfaden über Felder und an Sträuchern vorbei gelange ich in eine Senke mit dem Ort Yukari. Danach geht es wieder über einen steilen Anstieg hinauf der mich durch eine traumhafte Landschaft führt. Ich sehe von oben weisse Gipfel und kleinere Täler. Ein Bauer findet ganz wundervoll was ich da mache und erklärt mir den Weg nach Belekler, den ich eigentlich schon weiss. Felder, Äcker und ein kleiner Wald säumen meinen Weg bevor ich noch einmal 90m hinab muss um ins Dorf zu kommen. Es hat auffallend farbige Häuser, die aber bei genauerem Hinsehen dennoch eher rustikal gebaut sind. Danach geht es nochmals richtig steil hinauf, mit vielen Kehren gehe ich einen natürlichen Pfad bis zur Stadt Derbent. Sie ist spektakulär am Fusse des Aladag (2050m) gelegen, die grünen Wiesen und die weisse Spitze sind wirklich schön anzusehen. Im Ort finde ich eine Bus zu Unterkunft und freue mich auf das Bett.

Etappe: 34km / Schritte: 61 200 / Höhenmeter: 450m hinauf 200m hinab

Dank Ramadan in Cigil angekommen

Stiller Weg nach Belekler

Derbent am Fuss des Aladag


19. Dezember – Etappe von Aksehir nach Doganisar

Über Engili, Ilicak, Cakilar, Yaylabelen, Ilyaslar, Karaaga und Cinaroba

Der Morgen beginnt etwas diesig aber sonnig und so wird es schnell wieder warm beim Laufen. An der Felsflanke, an der Askehir errichtet wurde, geht es zunächst ein paar Kilometer entlang bis ich über Egili die Richtung wechsle und in die sanft ansteigende Ebene wechsel. An den Schattenseiten der Hänge ist es glatt weil die Strassen gefroren sind. Für mich geht es über Strassen an Feldern und Wiesen vorbei. Da es genug Auswahl gibt, entscheide ich mich manchmal für die Strasse, aber auch mal für den Feldweg die heute einigermassen trocken sind. Die gesamte Strecke geht es etwas buckelig aber sanft auf und ab und man spürt die zurückgelegten Höhenmeter kaum. So gehe ich von Ort zu Ort. Die Dörfer sind eher ärmlich und wirken traditionell. Etwas enger gebaut und mit Ziegelhäusern die mit Sandputz erbaut sind und urige alte Dachbalken haben. Viele junge Familien leben hier und auch die älteren Menschen wirken milde und freundlich. Als ich das kleine Dorf Yaylabelen schon fast passiert habe kommt mir eine Frau mit schwerer Last entgegen. Sie trägt auf ihrer Schulter eine Grosse Schüssel und scheint sich damit abzuschleppen. Als wir uns begegnen bleibt sie stehen und schaut mich genügt von der Last an und ich höre nur „Ekmek“, das türkische Wort für Brot. Mit einer Geste zeigt mir die Dame, dass ich mich aus ihrer Schüssel bedienen soll. Als ich mich etwas ziere stellt sie diese ab, erst jetzt sehe ich ihre lebendiges Lächeln und die Güte in den Augen. Sie sucht lange bis sie das beste Fladenbrot gefunden hat, reicht es mir und setzt die Schüssel wieder auf. Noch einige Meter weitere höre ich ihr lachen, weil ich sie versucht hatte zu fotografieren. Bereits einen Ort weiter musste ich das nächste Ekmek ablehnen, da ich einfach satt war. Doch es zeigt wieder einmal die Grossherzigkeit der einfachen Leute hier. Und so komme ich später in Doganisar an, auf der Suche nach einem Bus zurück nach Aksehir treffe ich eine Teerunde, wo Männer und Jugendliche zusammensitzen. Erst machen sich die 16 jährigen noch Lustig über mich, weil ich schon etwas merkwürdig aussehe, doch als sie erfahren was ich mache, kommen die Fragen nur so geflogen. Die älteren Männer sind ebenso begeistert von meinem Pilgern. Natürlich darf ich den Tee nicht bezahlen und der Bus wird für mich gestoppt. So komme ich problemlos zurück in unsere Unterkunft in der Maria auf mich wartet.

Etappe: 39km / Schritte: 70 200 / Höhenmeter: 260m hinauf

Aksehir am Morgen

Glatteisgefahr – sogar Räumfahrzeuge gibt es hier

Die Frau mit dem Ekmek auf der Schulte

Die Jungs aus Doganisar


18. Dezember – Etappe von Yalvac nach Bagkonak (Aksehir)

Über Antiochia und Altikapi

Vom Stadtrand von Yalvac laufen wir zu den Ruinen von Antiochia. Wir waren die einzigen Besucher auf dem Areal. Die Kirchenruinen der St. Pauls Kirche sind auf dem Areal der Synagoge errichtet worden wo Paulus das Evangelium predigte. Was für eine Geschichte, von der Synagoge zur Kirche und zur Ruine. Neben diesen Überresten gab es noch den Tempel des Kaisers Augustus zu bestaunen und Säulen Alleen. Danach gehen Maria und ich aus der Stadt hinaus über eine Nebenstrasse nach Altikapi. Den Hügel den wir zuvor überwinden bietet uns eine schöne Sicht auf die Umgebung. Wenig Wald, viel Felder und am Horizont weisse Gipfel sind zu sehen. Das Dorf selber wirkt sehr ärmlich und die Blicke der Bewohner verraten, dass hier nicht so oft Wanderer vorbei kommen. Danach geht es weiter durch hügeliges Gebiet und Felder. Während einer Pause baue ich ein Kreuz aus Pflastersteinen, was ich beim Gehen aus Respekt vor den Anwohnern wieder zerstöre. Danach kreuzen wir die Schnellstrasse und gelangen über Kuyucak und einer nun buckeligen Landschaft nach Bagkonak. Es war ein kühler Wind den ganzen Tag und so waren wir beide Müde. Es gab keine Unterkunft im Ort, also wollten wir in die Stadt Aksehir in der Nähe fahren. Drei Jugendliche halfen uns den Weg zur Busstelle zu finden, denn eine Haltestelle gab es nicht. 3km liefen sie mit uns bis wir an entsprechender Stelle ankamen wo in 50 Minuten ein Bus lang fahren sollte. Danach schicken wir die Jungs wieder weg. Wir warten ca. 40 Minuten bis Emir hält und fragt ob er uns mitnehmen kann. Wir sind froh. Er ist Apfelverkäufer und exportiert das Obst in 12 verschiedene Länder. Er kann perfekt englisch und hat hebräisch studiert. Er schwärmt von Israel und den Menschen dort. Er war auf dem Weg nach Ankara, dennoch bringt er uns noch in die Innenstadt von Aksehir mit einem Umweg und gibt uns noch eine Kostprobe seiner Äpfel, nach dem Maria ihm versichert hat: „We love apples!“ Es ist bereits dunkel als wir in der Stadt ankommen, so bahnen wir uns durch Kälte und enge Strassen den Weg zur Unterkunft. Geschafft.

Etappe: 25km / Schritte: 45 000 / Höhenmeter: 50m + 120m aufwärts und 50m abwärts

Kirche St. Paul in Antiochia

Spielerei am Weg

Together

Kurz darauf kommt Emir


17. Dezember – Etappe von Hacilar nach Yalvac

Über Gelendost, Bagilli, Madenli und Hüyüklü

Am Morgen starte ich in der Frühe in Hacilar. Die Sonne hat es noch nicht über die Berggipfel geschafft und es ist kalt. -2°C und die Pfützen sind gefroren. Auf den Gräsern haben sich Eiskristalle gebildet und machen den Winter Charme perfekt. Ich laufe also schnell um warm zu werden. Da ich an der Schattenseite der Berge entlang den See von Egirdir verlasse, dauert es 2h bis ich die Sonne sehe, die mich durchgefroren langsam auftaut. Damit habe ich hier in der Türkei nicht gerechnet. Doch die Sonne hat Kraft und wärmt mich den Rest des Tages gut. Als ich die Sonne in Gelendost erreiche, gehe ich noch über Nebenstrassen bis nach Bagilli bevor ich dort wieder der Schnellstrasse folge. Die Gegend hier ist eher flach umzingelt von Bergen und so komme ich über kleine Hügel und an abgeernteten Feldern vorbei, gut voran. In Madenli verlasse ich die Schnellstrasse die nach Konya führt um auf einer anderen Überlandstrasse direkt auf Felsen zu zusteuern. Die Strasse schlängelt sich mit ein paar Kurven eindrücklich hindurch. Zwischen den Felsen werde ich von zwei jungen Männern angesprochen die wissen wollen was ich hier mache. Es dauert eine Weile bis sie begreifen. Doch wie so häufig verstehen sie nicht, warum ich nicht ein paar Kilometer einfach mitfahre. Da ergeben sich immer lustige Gespräche. Auf der Höhe des Dorfes Hüyüklü geht die breite aber wenig befahrene Strasse nur noch stupide gerade aus. Ein kleiner Schuljunge begleitet mich noch einen Kilometer bis zu seinem Haus, nachdem er mir versichert hat, dass ich auf der richtigen Strasse nach Yalvac bin. Irgendwann erreiche ich die Stadt, die am Platz des ehemaligen Antiochia errichtet wurde. Antiochia wird mehrfach in der Bibel erwähnt und ist ein Ziel der Missionsreise des Paulus. Hier Endet die Lektion. 😉

Etappe: 40km / Schritte: 72 000 / Höhenmeter: 170m bergauf

Frostiger Beginn

Irgendwo in Gelendost

Antiochia ist nicht mehr weit


16. Dezember – Etappe von Egirdir nach Hacilar

Über Manmaltar, Yesilköy und Esenyurt

Am folgenden Tag geht es von Egirdir aus zu Fuss weiter am See. Die einzige Möglichkeit dem See zu folgen ist eine Schnellstrasse die dem Ufer entlang verläuft. So gehe ich den ganzen Tag an dieser entlang. Zur linken befindet sich der See und zur Rechten die Flanken der nahen Berge. Kurz nach Egirdir werde ich von einem Mann angesprochen, der mit einem voll bepackten Drahtesel unterwegs ist. Nach einigem hin und her verstehe ich, dass er Geld von mir haben will. Ich gebe ihm einige Lira, denn er sieht runter gekommen aus und laufe weiter. Fast 20km (4h laufen) dauert es bis ich den ersten Ort nach Egirdir erreiche. Davor bin ich zum Teil an spektakulären Klippen entlang der Fahrbahn gefolgt. Der Seitenstreifen ist schmal und so muss ich immer wieder die Seiten wechseln oder stehen bleiben um Autos auszuweichen. Doch die Strasse ist zum Glück nur mittelmässig befahren und so kann ich gut voran kommen. Nach Manmaltar wird es noch einmal eng zwischen den Felsen bevor die Strasse sich auf Seeniveau senkt und ich mehr Platz bekomme neben der Strasse. Danach geht es weiter bis nach Hacilar. Das Dorf liegt genau auf der anderen Seite von Egirdir. Ein eher trister Tag geht zu Ende. Ich spüre wieder, wie sehr der Strassenlärm einem die Energie raubt. Dennoch geschafft.

Etappe: 35km / 63 000 / Höhenmeter 140m + 60m aufwärts und 120m und 80m abwärts

Entlang der Schnellstrasse

Irgendwie geht es immer weiter

Bei Hacilar Blick zurück nach Egirdir


15. Dezember – Etappe von Isparta nach Egirdir

Über Büyükhacilar, Cobanisa und Sevincbey

Ich starte im Morgengrauen meine Etappe. Eine Strasse die mich direkt Richtung der Berge bringt. Im goldenen Schein der ersten Sonnenstrahlen bin ich überrascht die vielen weissen Gipfel rund um Isparta zu sehen. Es ist eine bemerkenswert schöne Umgebung. Zu Beginn fotografiere ich den Bergen Davraz, ohne zu ahnen, dass ich in dessen Nähe heute meinen Weg durch das Taurusgebirge fortsetze. Die Nacht war sichtlich kalt und mein Atem bildet Wolken. Ich laufe direkt auf die erste Bergflanke zu und nach dem ich das Dorf Büyükhacilar passiert habe geht es kurvenreich schnell bergauf. Ich werde ein paar mal gefragt ob ich mitfahren möchte doch das verneine ich. Der Davraz mit seinem weissen Gipfel und den 2650m Höhe baut sich vor mir auf. Ungewöhnlich ist auch die Werbung für ein Wintersportgebiet in der Nähe. Das hätte ich so nicht erwartet. Im Rücken sehe ich die Stadt Isparta zwischen den Hängen. Als ich nach 450m am höchsten Punkt des Tages ankomme macht der Weg eine Kurve und ich befinde in einer Ebene die mich entlang der Bergspitzen sanft nach unten führt. Das Panorama und die Umgebung erinnert mich stark an die Schweiz. Die frische Luft, Tannen und die Stille sind einfach einladend und schön. Mein Herz macht sich weit. Der Imposante Davraz liegt nun hinter mir und ich schaue mich immer wieder um, um nach ihm zu sehen. Vor dem Dorf Cabanisa geht es noch um eine Kurve bis ich die ersten Häuser erreiche. Es hat hier sogar einen Skyverleih, was ich richtig witzig finde. Doch sonst wirkt das Dorf eher normal, mit einer farbigen Moschee mit goldenem Dach. Ich verlasse den Ort auf der Strasse die nun wieder sanft nach oben führt. Etwa 2 Kilometer weiter werde ich von einer älteren Dame auf einem Esel eingeholt. Der ist voll bepackt und keucht recht die Strasse hinauf. Die Frau die den Esel mit einem kleinen Stock, auf ihm sitzend voran treibt, scheint wie aus einem anderen Zeitalter. Sie spricht mich mit einer plärrigen Stimme an, die für Frauen in den Bergen hier typisch ist. Sie merkt, dass ich sie nicht verstehe, aber das hindert sie nicht weiter zu reden. 10 Minuten lang trabt sie so neben mir her und redet fast ununterbrochen. Dann bleibe ich stehen um ein Foto der Berge zu machen und sie zieht weiter. Ich sehe sie noch einen Schotterweg empor reiten, während ich der Strasse weiter folge. Nun sehe ich in der ferne den markanten Berg Sevri Tepe, der wie eine dunkle Krone in der Landschaft steht. Vorbei an Plantagen über einem Trampelpfad und dann wieder auf der Strasse komme ich ihm immer näher. Nun geht es steil bergab bis in den Ort Sevincbey der am Fusse des Sevri Tepe liegt. Von da aus geht es auf die Schnellstrasse die mich hinunter nach Egirdir bringt. Unterwegs werde ich noch von einem Auto aufgehalten, was auf der Schnellstrasse stehen bleibt und mich ausgefragt. Ich hatte den Eindruck das war ein Polizist im Feierabend. Egirdir ist eine Stadt die auf einer Landzunge auf dem gleichnamigen Egirdir-See liegt. Ungefähr 2 Kilometer ragt die Halbinsel in den See. Er ist blau und umgeben von Bergen und erinnert mich so an den Thunersee. Es ist ein wundervoll idyllischer Schlusspunkt dieser tollen Etappe, als ich die letzten Kilometer am See entlang zum Ziel laufe.

Etappe: 41km / Schritte: 73 800 / Höhenmeter: 450m hoch und runter

Der Davraz am Morgen bei Isparta

Wintersport Werbung

Herrliche Bergwelt

Besuch aus einer anderen Welt

Der Sevri Tepe

Der See bei Egirdir


14. Dezember – Etappe von Kozluca nach Isparta

Über Gümüsgün

Also Cem uns bis zur Hauptverkehrsstrasse gebracht hatte und sich von uns verabschiedet, folgen wir dieser für 6 Kilometer. Es geht hinunter in einer Ebene die wir durch ein kurvenreiche Strassenführung erreichen. Die Seitenstreifen dieser Überlandstrasse ist zum Glück breit genug um ohne Probleme zu laufen, trotz des Verkehrs. Als wir im Tal angekommen sind, verlassen wir sie trotzdem um auf Feldwegen in ihrer Nähe etwas ruhiger zu laufen. Ich laufe nun vor, um das Ziel Isparta heute zu schaffen, während Maria später mit dem Bus fahren will. Unter einer Brücke scheuche ich 2 Hunde auf, die Kühe bewachen die im Schatten der Strasse ihren Stall haben. Der eine Hund ist sehr aggressiv und fletscht die Zähne, da war ich noch nicht mal annähernd an den Weidetieren dran. So entschliesse ich mich über die Leitplanken der Schnellstrasse den Weg fortzusetzen und auf der anderen Strassenseite einem Trampelpfad zu folgen. Dieser führt mich später an Tankstellen vorbei und durch ein Gewerbegebiet nach Gümüsgün. Der Ort wirkt etwas unfreundlich und so passiere ich die Häuser schnell um wieder auf die andere Seite der Schnellstrasse zu wechseln und nun einer ruhigen Nebenstrasse in Richtung der Berge zu folgen. Es ist endlich etwas ruhiger, kaum Autos und die Geräusche der Hauptstrasse verblassen schnell. Die Strasse steuert direkt auf die Bergkette zu und später steigt sie mit ein paar Kurven schnell hinauf. Die malerischen Berge machten mir Spass, und so störte es nicht, dass ich noch eine Senke hinunter musste, bevor ich wieder bergauf Richtung Grossstadt eine Flanke erklimmen musste. Das Wetter war bis dahin angenehm mit viel Sonnenschein, doch hinter dem der Anhöhe wurde es zusehends grau und windig. Ich lief die die Strasse hinab bis ich das Universitätsgelände und die Vororte der Stadt Isparta erreicht hatte. Ich konnte die Stadt sehen, ein intensives Spiel aus dunklen Wolken und Strahlen der Sonne, machte den Moment irgendwie mystisch. Von da an ging es im typischen Grossstadt Getümmel folgend bis zum Hotel. Die letzten 10km durch den Lärm, begann es zu regnen und so war ich froh als ich das Ziel erreicht hatte. Maria hatte nicht so viel Glück, da sie kein Bus gefunden hatte, musste sie auch fast den kompletten Weg auch laufen. Tapfere Heldin.

Etappe: 42km / Schritte: 70 200 / Höhenmeter: 280m bergauf und 190m bergab

Auf dem Weg vor den aggressiven Hunden

Nur noch 10km, aber aufwärts.

Schneeketten an und los geht’s

Isparta im Licht- Schattenspiel


13. Dezember – Etappe von Basmaci nach Kozluca

Über Sariköy und Gülköy

Am andern Tag kommen wir schwer los. Wir frühstücken sehr lange, und als wir Proviant einkaufen wollen treffen wir drei junge Franzosen die mit dem Rad unterwegs nach Jerusalem sind. Ein herrliches Gespräch entsteht, in dem wir uns über unsere Erfahrung austauschen können. Sie wollen, Weihnachten in Jerusalem sein, das schaffen wir nicht. Danach dauert es noch eine Stunde bis der Bus uns zurück nach Basmaci bringt und so kommen wir viel zu spät dort an. Eine anstrengende Bergetappe steht an, also laufen wir aus der Stadt hinaus und versuchen einen Anhalter zu erwischen der uns noch ein Dorf weiter bringt. Ibrahim ein Tierarzt ist so freundlich und so können wir dann in Sariköy so richtig starten. Es geht nach dem kleinen Dorf gleich hinauf. Schlängelwege durch Wälder und Gestein. Der Boden ist weich und pappt zum Teil an unseren Schuhen. Es geht stetig bergauf mit einer herrlichen Sicht auf Basmaci, die Ebene, den Acigöl See und sogar Gimes vom Vortag. Je höher wir kommen desto karger wird es und das Gestein setzt sich durch. Oben verschwindet die Sonne hinter den Wolken und es wird kühl und luftig. Nach dem erklimmen des höchsten Punktes dieser Etappe kommen wir über eine Senke wieder hinauf nach Gülköy, einem malerischen kleinen Dorf. Die Menschen grüssen freundlichen. Der Dorfladen ist als solcher nicht zu erkennen, doch ist er vom Jerusalemweg markiert. Johannes Aschauer, der Gründer des Vereins, ist auf seiner Reise vor 9 Jahren nach Jerusalem hier gewesen. Seither ist er Bestandteil des Weges. Die Besitzer zeigen uns sogleich ein Bild von den Österreichern in Folie eingepackt, als sie hier waren. Der wärmende Cay und die warme Heizung sind einfach herrlich. Später gehen wir weiter und es geht der Strasse folgend wieder bergab. Es beginnt jetzt stark zu regnen. Über den Verein Jerusalemway habe ich Kontakt zu Cem Demir bekommen. Er hatte sich bereit erklärt uns bei sich für eine Nacht aufzunehmen. Bereits 2km vor dem Ziel kam er uns entgegen gefahren und wollte uns mitnehmen. Doch ein Pilger läuft den Weg und so wartet er im Dorf vor seinem Haus. Dieser freundliche Mann mit seiner Frau Sultan und den beiden Töchtern nahmen uns mit einer Herzenswärme auf, dass ich noch heute sprachlos bin. Wir durften sofort auf der Couch im Wohnzimmer sitzen, während wir uns mit der Hilfe von Google Translator unterhalten. Die grosse Tochter Aysenaz konnte etwas englisch und übersetzte hin und wieder einige Teile. Danach gab es ein reichhaltiges Abendessen, zusammen mit der Oma an einem Tisch war es wie früher zu Hause. Der Austausch war weiterhin bestens, das Essen sehr lecker und die Herzen aller weit und offen. Nach dem Essen stellte sich der Grossvater vor, der auch Gemeindepräsident des Ortes war. Seine Frau zeigte uns ein Fotoalbum und öffnete uns damit ein Teil ihrer Geschichte. Wir bekamen Schlüsselanhänger geschenkt, die Sultan selber gestickt hatte, und ihre Puppen die sie selber fertigte sahen wunderschön aus. Gern hätten wir ihr eine abgekauft, doch sie waren zu gross und schwer. Wir sassen noch lang im Wohnzimmer und haben uns unterhalten, besonders die Tochter hatte grosses Interesse am Leben in Europa und die Mutter war sichtlich froh, dass wir auch so unsere Probleme haben. Ein wirklich tiefer und ehrlicher Austausch. In dieser Nacht schlief ich so gut wie lange nicht mehr, in der Geborgenheit dieser Familie. Am Morgen werden wir mit einem üppigen Frühstück verwöhnt, noch einmal ein paar schöne Wortwechsel und zu letzt mit Geschenken und guten Wünschen beladen. Im Market von Cem durften wir uns noch Proviant aussuchen bevor es schweren Herzens los geht. Sein letzter Satz war: Es kommt alles aus Allahs Händen. Und wie recht er damit hat.

Etappe: 19km / Schritte: 34 200 / Höhenmeter: 600m hinauf 120m hinab

Die Jerusalempilger aus Frankreich

Sariköy als richtiger Start

Weinrote Erde kurz vor Gülköy

In Gülköy vor dem Shop

Im Regen angekommen in Kozluca

Zu Gast bei Freunden


12. Dezember – Etappe von Gimes nach Basmaci

Über Akpinar

An diesem Morgen komme ich spät los, weil ich die Grossstadt noch nutze um unser Zelt (Noah) nach Hause zu senden. Er hat uns sehr geholfen, doch nun sind die Nächte so kalt, dass wir es nicht mehr machen können mit dem Übernachten draussen. Danach geht es wieder zurück nach Cardak. Heute regnet es mächtig schon den ganzen Vormittag. Als ich den freundlichen Busfahrer frage, wann ein Bus nach Gimes fährt, führt er mich in eine Suppenküche nebenan und stellt mir den Fahrer vor. Es dauert noch bis dieser sich auf den Weg macht also setze ich mich zu den Leuten. Es waren dort freundliche Männer und Frauen um einen Ofen versammelt der uns alle wärmte. Ich wurde ausgefragt, vom Busfahrer, Yusuf dem Besitzer des Lokals und den Anwesenden. Sie waren überrascht, dass ich nach Gimes will und meinten wohl ich irre mich. Doch als ihnen klar wurde was ich da mache wurden sie hoch erfreut. Als sie „bir hac yapmak“ auf meinem Handy lesen, was soviel wie „Pilgern“ bedeutet waren sie fast ausser sich. Ihre Ehrfurcht war in den Gesichtern geschrieben. Yusuf schenkte mir eine warme Suppe, die er mir mit Brot in eine Tüte packt, der Cay ging natürlich aufs Haus und die Damen wiederholten sehr interessiert immer wieder Israel, no Syria, Jerusalem, als müssten sie verarbeiten was sie da hörten. Um zwölf Uhr ging es dann los. Alle Anwesenden des Lokals, abgesehen von Yusuf stiegen mit mir in den Bus. Der Busfahrer verteilte im Dorf Zeitungen, Suppen und Einkäufe an Leute die an der Fahrbahn stehen und diese Dinge aus der Stadt bestellt hatten. Zum Schluss durfte ich Pilger nicht einmal die Busfahrt bezahlen. Mit vielen Wünschen und Schulterklopfern ging es also los. Die Strasse führte mich an die Berge heran und verlief an deren Fuss eben entlang des Sees. Eine solche Stille hatte ich lange nicht. Hier und da ein Vogel oder die Glocken der Herden sonst war nichts zu hören. Ein tiefer Friede durchzog mein Geist. Es hatte aufgehört mit regnen und so ging ich durch das mystische Grau dieses Tages. Abgesehen vom Dorf Akipar sah ich nur vier Autos bis kurz vor meinem Zielort. Ein Auto hielt mit zwei jungen Männern drin. Zum Glück konnte einer Englisch und so konnte ich gut erklären was ich tat. Sie waren fasziniert, sofort waren Selfies angesagt. Man erklärte mir den Gruss der Türken mit dem Einklatschen und den zwei Kopfstössen noch mal genau und wir verabschiedeten uns. Danach war ich am Ende des Sees Acigöl angekommen und bog nach Rechts am um nach wenigen Kilometern in die Stadt Basmaci zu kommen. Da wir dort keine Unterkunft gefunden habe, geht es weiter nach Dinar. Ein junger Türke nimmt mich mit dem Auto mit. Sein älterer Begleiter spricht deutsch, weil er vierzig Jahre in Dortmund gearbeitet hat. Dann beziehen wir unsere Bleibe.

Etappe: 25km / Schritte: 45 000 / Höhenmeter: 20m

Yusuf der Besitzer der Suppenküche in Gimes

Der ganze Klan unterwegs nach Gimes

Die leckere Suppe

Der mystische Weg nach Basmaci


11. Dezember – Etappe von Kaklik nach Gimes

Über Bascesme, Bozkurt und Cardak

In Kaklik am Morgen gehe ich über die Gleise und folge einer angenehm asphaltierten Strasse, die jenseits der Schnellstrasse an Felder vorbei führt. Das Wetter wird nach anfänglich lockeren Wolken schnell dich bewölkt und grau. Zu meinem grossen Erstaunen, entdecke ich in der Ferne einen Berg mit weisser Zipfelmütze. So hätte ich mir die Türkei nicht vorgestellt. Es ziehen von hinten immer wieder dunkle Wolken Vorhänge empor, die eine Weile Nieselregen mitbringen und dann wieder aufhören. Zum Glück gibt es keinen Starkregen. Der Wind ist kalt, sodass ich viel mit der Mütze herum laufe. Ab Bascesme geht es der Schnellstrasse, meist auf einem Trampelpfad neben der Fahrbahn. Mich trennt eine Baumreihe vom Autolärm, sodass es gar nicht so laut ist. Dann erreiche ich die Stadt Cardak die sich lang an einer Strasse entlang zieht. Der Regen ist die letzten Kilometer nicht weniger geworden, dennoch zieht es mich weiter. Nach der Stadt biege ich links in eine Ebene um den Acigöl (See) herum. Es ist einfach nur flach und gelb. Eine eigenartige Stimmung. Ringsumher eine Bergkette in der Ferne und neben der Strasse nur gelbe Erde oder verdorrtes Gras. Kein Baum, kein Strauch nichts. Es geht ca. 14km lang auf der Strasse die nicht sehr befahren ist und man sieht schon von Anfang an das Ziel Gimes am Horizont. Ein paar Polizisten die sich fragen was ich hier mache, kann ich mit meiner Routine beschwichtigen, sonst ist einfach nur Stille bis zum Ziel. Es war so schön und gleichzeitig ein wenig ungewohnt in dieser Ebene. Den Sehr mit seiner Moorgebiet konnte ich nur als weisse Linie erkennen und erahnen. Als ich in Gimes ankomme, setzte ich mich in die Bushaltestelle und hoffe auf einen der mich zurück bringt. Kaum sitze ich, nimmt mich ein Mann in seinem Fiat mit zurück nach Cardak. Von da geht es nach Denizli zur Unterkunft.

Etappe: 40km / Schritte 72 000 / Höhenmeter: 330m

Am Morgen der Blick zurück nach Kaklik

Ungewohnt, in der Türkei weisse Spitzen

Die Ebene vor dem Ort Gimes