Serbien

Eine neue Welt, denn in Serbien bin ich nie zuvor gewesen. Ein uns unbekanntes Land, überrascht uns mit seiner Natur und den freundlichen Menschen. Über Novi Sad und Belgrad geht es in den Süden bis hin zum Kosovo. Bilder, Tagebucheinträge und ein paar Fakten zu den Tagesetappen findest du hier.

Etappenübersicht / Tagebuch

Neue Welt – 474km


3. Oktober – Etappe von Usce nach Raska

Über Biljanovac, Piskanja, Korlace, Zutice, Paclica, Rvati

Am Morgen nahmen wir den Bus um 7Uhr zurück nach Usce. Dort fahr Maria mit dem Bus weiter, während ich Proviant besorgte und Usce über eine Hügel verliess. Es ging einen breiten Schotterweg durch ein kleines Tal. Die Laubfärbung und die kühl-feuchte Luft machten diesen Teil des Weges zu einem herrlichen Herbstspaziergang. Durch manche Windungen ging es sanft ansteigend weiter. Der Weg endet abruppt an einem Bergwerk, wo ein paar Schienen aus dem Berg heraus führten und Seile quer über das Tal gespannt waren, an denen Grosse Eimer von der einen Seite zur anderen führten. So ging es für mich einen steilen Hang hinauf um eine Strasse zu erreichen die oberhalb von mir lag. Durch hohes Gras und Dornen ging es so steil hinauf, dass ich mich an den Pflanzen festhalten musste um nicht nach unten zu gleiten. Auf allen vieren kam ich dann an der Strasse an. Danach ging es wieder einen Schotterweg entlang. Oben versuchte mich ein besorgter Serbe auszufragen, er hat sich sicher gefragt wie ich da oben hingekommen bin. Danach ging es durch einen Wald sanft abwärts. Es war bewölkt und feuchte Luft. Hier und da traf ich Bäuerinnen die gerade Erntereste verbrannten. Überall roch es nach Feuer oder Ofen. Als ich im Tal in Biljanovac ankomme, gehe ich in eine kaum sichtbare Bar und trinke ein Bier. Der Weg führt mich danach dem Tal entlang mit kleineren Aufs und Abs an vielen kleinen Dörfern vorbei. Es wird windig und regnet immer wieder. Viele Menschen sprechen mich auf serbisch an, aber oft bleibt es bei einem Lächeln und Begrüssung stecken. In Rvati gehe ich in eine sehr markante orthodoxe Kirche, die von aussen durch ihre weisse Fassade heraussticht. Von innen ist sie jedoch fast ursprünglich. Die typisch orthodoxe Wandbemalung ist verblichen und zum Teil abgeblättert. Grobe Steine mit Gravur sind im Boden eingelassen und unter der Kuppel auf dem Boden ist ein auffällig schöner Altarstein. Das Heiligtum ist nur mit weissen Leinentüchern vom Rest der Kirche getrennt. Eine herrliche Weisheit und Erhabenheit spricht aus diesen Mauern. Als es weniger regnet verlasse ich die Kirche und gehe der Strasse weiter folgend bis nach Raska. Etwa 5km vor dem Ziel, an dem Maria auf mich wartet beginnt es richtig zu regnen. So komme ich im strömenden Regen und patsch nass an. Eine letzte kalte Nacht in Serbien wartet auf uns und so übernachten wir in einem Hotel, ganz fürstlich und warm.

Etappe: 32km / Schritte: 57 600 / Höhenmeter: 180m aufwärts und 200m abwärts

Der Herbstspaziergang beginnt

 

Kurz vor dem Bergwerk und dem Bergstieg

 

Farbtupfer im Grau

 

Orthodoxe Kirche in Rvati

 

Raska in Sicht


 

2. Oktober – Sightseeing im Kloster Studenica

Nachdem wir das Zelt zwischen den Obstbäumen verträumt haben, sind wir ins Dorfrestaurant gegangen um etwas zu frühstücken. Die Kellnerin hatte eine ungemeine Freude an uns und unseren drei serbischen Worten. Mit einem Schliwowitza zum Kaffee waren wir dann endgültig ihre Lieblinge. Danach ging es mit dem Bus durch das Tal bis nach Usce. Wir konnten vorher nicht herausfinden wie wir zum Kloster kommen, also fragen wir uns im Dorf rum. Ein paar wenige junge Menschen konnten Englisch sprechen und so fanden wir heraus, dass um 11.45 Uhr ein Bus zum Weltkulturerbe fährt. Den nutzen wir dann auch und fahren mit einem proppe vollen Kleinbus durch ein malerisches Tal. In Studenica angekommen gehen wir die wenigen Meter zur Ringmauer des Klosters. In der Mitte des Ringes thront eine ehrwürdig alte Kirche. Darum an der Mauer sind einige Ruinen zu finden und an der hinteren Seite Gebäude des aktiven Klosters. Hier und da sehe ich einen Mönch durch die Anlage gehen. Hier umringt von Mauern und kleinen Bergen, erlebe ich einen Frieden wie nur an wenigen Orten. Jeder Stein scheint Zeuge eine geheimnisvollen Gegenwart Gottes zu sein. Als wir neben dem Kloster ein Kaffee entdecken und durch Zufall erfahren, dass man dort übernachten kann, entscheiden wir uns die Nacht dort zu bleiben. Eine winzig kleine Katze und ihre hochschwangere Mutter, die sehr zutraulich waren liessen uns eh keine Wahl. Und so konnte ich das erste Mal in meinem Leben, einem orthodoxen Gottesdienst beiwohnen. Eine sehr ungewohnte Stimmung, die doch Raum lies für das Lob Gottes. Statt Glocken spielte ein Mönch eine spezielle Holztrommel um die Leute zum Gottesdienst zu bringen und statt sitzen oder knien, wurde eine Stunde lang gestanden. Am Abend wurde uns ein leckeres einfaches Essen serviert. Leider war die Gemeinschaft nicht so offen wie in den Pilgerherbergen. Jeder sass an seinem Tisch und es gab kaum Austausch.

Busfahrt nach Studenica

Ringmauer und Berge

Das Innere des Klosters

Ich vor der Kirche

Kapelle von Innen


1. Oktober – Etappe von Kraljevo nach Bogutovac

Über Zica, Mataruska Banja und Mataruge

Nach einem ausgedehnten Frühstück in der Unterkunft mache ich mich spät auf den Weg. Über den Fluss Ibar dem ich später wieder folge, gehe ich der Strasse entlang die mich nach Zica führt. Bevor ich in diesem Ort gehe, komme ich an einer belebten Kaserne vorbei mit allerlei Kriegsgerät. Danach erreiche ich das Frauenkloster in Zica. Es ist eines von nur drei Klöstern in Serbien und beeindruckt mich durch die schlichte Schönheit. Die Nonnen laufen in einem Burka ähnlichem schwarzen Gewand herum, in dem allerdings ihr Gesicht zu sehen ist. Sie sehen glücklich aus, wie die ihre Dinge so tun. Die eine läuft mit Wäsche herum, die andere mit einem grossen alten Buch und wieder eine andere bringt den Handwerkern Kaffee. Ein idyllischer Ort in dem Lebendigkeit und Heiligkeit wohnen. Die Kirche war traumhaft schön im Innenbereich, allerdings durfte ich dort keine Fotos machen. Schweren Herzens verlasse ich den Ort und laufe weiter an der Strasse bis nach Mataruska Banja. Dort geht es auf Nebenstrassen weiter durch das Dorf. Es ist beschaulich, mit vielen kleinen Häusern und gepflegten Gärten. Die kommenden Berge rücken immer näher. In Mataruge treffe ich auf Maria die etwas vor gefahren war und dann losgelaufen ist. Wir verlassen die Orte und gehen nun wieder am Fluss Ibar weiter ins enge Tal hinein. Es stehen nur sehr vereinzelt Häuser an unserem Weg und die asphaltierte Strasse wird zum Schotterweg. Er windet sich herzlich durch das herbstliche Tal mal Auf und wieder Ab. Wir sind froh, denn auf der anderen Fluss-Seite zieht die Schnellstrasse ein Strich durch das Tal. Die Sonne verschwindet schnell hinter den Bergen und so gelangen wir über eine Hängebrücke in den Zielort. Sie ist sehr wackelig und wir haben bedenken, ob sie uns trägt. Umso verstörrter bin ich, als ich sehe, dass auch Autos über die Brücke auf die andere Seite kommen. In einer Bar können wir etwas zu essen bevor wir auf einer Obstwiese hinter den Gleisen schlafen gehen.

Etappe: 22km / Schritte: 39 600 / Höhenmeter: 100m hinauf und 80m hinab

Das Kloster in Zica

Kunstvoller Torbogen

Wieder Richtung Gebirge

Kurz vor dem Zielort


30. September – Etappe von Cacak nach Kraljevo

Über Trnava, Zablace, Lipnica, Mrsinci, Samalia und Jarcuiak

Die Sonne scheint bereits prächtig als ich die Stadt am Vormittag verlasse. Maria macht noch ein paar Besorgungen und kommt mit dem Bus nach. Durch endlose Strasse führt mich der Weg durch Vororte der Stadt. Lange konnte ich den Luxus eines Gehweges geniessen, bevor ich wieder am Rand der gut befahrenen Strasse laufe. Es hat immer wieder kleine Supermärkte am Rand, sodass ich trotz der Hitze mit knapp über 30°C nicht verdursten muss. Je länger ich gehe desto grösser werden die Abstände zwischen den Orten. In einem werde ich von einem Serben auf dem Fahrrad angesprochen, der seinen Fahrradkorb voll mit Paprika gefüllt hatte. Er lebte 20 Jahre in Wien und hat die Österreichische Flagge des Jerusalemweges erkannt und mich in gutem Deutsch angesprochen. Nach dem Austausch über die Reise Frage ich ihn, ob es hier besser ist als früher. Seine ernüchternde Antwort: „Nirgends ist es besser als früher.“, über die ich noch eine Weile nachdenke. Später laufe ich mehrfach an einer Mähmaschine vorbei die das Gestrüpp am Strassenrand kürzte. Die beiden sprechen mich bei voller Fahrt an. (4km/h und ich mit 5km/h) Da es laut ist, unterhalten wir uns eher schreiend. Einer der beiden Fahrer kann Deutsch und will wissen wohin ich gehe. Kraljevo! „Zu Fuss? Warum?“ Das ist ne gute Frage, dachte ich. „Ich bin Pilger.“ Danach wurde gelacht. Ich denke die Vorstellung zu Pilgern ist für Serben absurd, das Lachen wegen des Pilgerns haben wir schon ein paar mal erlebt. Die beiden waren so freundlich und reichten mir noch eine Cola aus dem Auto, bevor ich ihnen davon zog. Es ging nun immer wieder hügelig auf und ab und die Sonne war besonders heiss. Maria machte eine Planänderung und kam statt mit dem Bus mit dem Zug und wir treffen uns mehr zufällig in Samalia. Von da an gehen wir zu zweit weiter an der Strasse entlang. Kurz vor Kraljevo laufen wir noch einen Hügel hinauf an einem Kriegsdenkmal vorbei. Oben wollten uns noch ein paar Männer auf ein Bier einladen, doch es dämnerte und wir mussten weiter. So ist es bereits dunkel als wir die Anfänge der Stadt erreichen. In der Dunkelheit laufen wir durch die dichter werdenden Häuserreihen bis ins Zentrum. Dort gibt es noch einen Snack bevor wir unsere Unterkunft in Beschlag nehmen.

Etappe: 40km / Schritte: 72 000 / Höhenmeter: 120m auf und ab und kleinere Huckel

Cacak beim Verlassen

 

Die Jungs mit der Mähmaschine

 

Weiterhin das Ziel

 

Bald am Ziel


29. September – Etappe von Gornji nach Cacak

Über Mlakovac, Brdjani und Ljubic

Es ist neblig und Grau als wir unser Zelt am Morgen im Park von Gornji einpacken. Wir gehen den Hügel durch die Stadt hinauf zu einer Bar für den Kaffee. Als wir später diese verlassen, hat sich die Sonne bereits heraus gekämpft. Wir folgen ein paar Nebenstrassen durch ein Industriegebiet und verlassen die Stadt. Die Firma Swisslion hat hier eine Produktionsstätte, was wir wegen dem Namen witzig finden. Sie produzieren unter anderem die Eurocreme, die wir als Nutella Alternative hier häufig gegessen haben. Danach geht es wieder in ein enges Tal wo wir noch auf Nebenstrassen und Pfaden langgehen können. Doch zu guter Letzt müssen wir doch wieder auf die Schnellstrasse die zum Teil sehr kurvenreich und eng auf uns wartet. Wir sind diesmal mental darauf vorbereitet und schaffen auch diesen Teil der Strecke gut. Wir treffen immer wieder einen schicken, neuen und weissen BMW der von der Polizei gefahren wird und immer wieder Autos anhält um sie zu kontrollieren. Für uns hinter oder vor der Leitplanke enteressierten sie sich herzlich wenig. Wir hatten gut lachen wegen der genervt en Serben die angehalten wurden. Spätestens ab Ljubic verlassen wir die Schnellstrasse endgültig und suchen uns im Trubel der Vorstadt etwas zu Essen. Ein Markt mit ständen voller Paprika und Zwiebeln ziert den Rand der Strasse bevor wir auf Nebenstrassen immer weiter Richtung Cacak laufen. Als wir die ersten Häuser der Stadt erreichen werden wir von einem Serben angesprochen der irgendwann versteht, dass wir Deutsche sind. Mit vielen Gesten zeigt er uns den Weg in seinen Garten und ruft seine Frau. Diese ist in Deutschland gross geworden und ist später zurück nach Serbien gegangen, darum konnte sie perfekt Deutsch. Es war ein schöner Austausch mit den beiden. Die Töchter waren auch dabei aber haben kein Wort gesagt, sondern nur schüchtern gelächelt. Auch diese Familie berichtet uns über den Schmerz durch den Verlust des Kosovo und den Eindruck, dass der Westen ein sehr schlechtes Bild von Serbien hat. Das haben wir hier sehr oft gehört. Der Schwiegervater tauchte immer dann auf, wenn wir auf den Alkohol zu sprechen kamen. Es war wirklich verblüffend. So durften wir vom eigenen Schliwowitza kosten. Nach dem ersten Glas musste ein zweites her denn: „Man läuft ja nur auf zwei Beinen.“ Ein Spruch den ich von meinem Grossvater her kenne. In der Dämmerung machen wir los, denn es lagen noch 5km vor uns. Über die Strassen der Stadt gelangten wir in der Dunkelheit zu unserer Herberge in der Innenstadt. Zuvor haben wir ein herrliches Abendrot hinter den nahen Bergen bewundern können.

Etappe: 27km / Schritte: 48 600 / Höhenmeter 35m

Mystischer Morgen

Balkan Life

Die Berge so nah

Dämmerung in Cacak

Die letzten Kilometer


28. September – Etappe von Kadina Luka nach Ugrinovci (mit dem Bus bis Gornji)

Über Gukos, Dici und Stavica

Der Morgen beginnt richtig kühl. Wir räumen schnell unser Zelt zusammen, denn es dauert eine Weile bis die Sonne das enge Tal erreicht. Wir kommen nach nicht mal einem Kilometer auf die Schnellstrasse, die uns den ganzen Tag nicht mehr loslässt. Zu Beginn war der Verkehr noch überschaubar und wir hatten enorme Freude an den Bergen und den kleinen Häuseransammlungen. Doch das Rauschen und dem Verkehr Ausweichen nagt an den Nerven. Immer wieder müssen wir anhalten und überlegen wie wir an Leitplanken und Felswänden vorbei kommen ohne von einem Auto erwischt zu werden. In einer Bar im Nirgendwo bekommen wir einen Kaffee und ein leckeres Omelette, bevor es weiter waghalsig voran geht. Zweimal haben wir die Chance andere Wege zu gehen, die uns zumindest für einen Kilometer etwas Ruhe verschaffen. Dafür geht es gleich Bergauf mit herrlicher Sicht. In Ugrinovci finden wir ein Restaurant wo wir einen Kaffee trinken und entscheiden, dass wir uns die restlichen Kilometer sparen. Es wird genauso weiter gehen wie den Tag bisher. Von dem kleinen Ort fährt ein Bus, den wir wenig später nutzen und zum Ziel fahren. Es war frustrierend aber nicht anders denkbar an diesem Tag. Der Verkehr und die engen Strassen haben uns überfordert. In Gornji finde wir einen Platz im Park zum Zelten. Die Menschen in Süd-Serbien sind noch freundlicher, denn wir werden immer wieder angesprochen und sie freuen sich über jedes Wort was wir auf serbisch hinkriegen.

Etappe: 17km / Schritte: 30 600 / Höhenmeter 130m hoch und runter

Schöner und kühler Morgen

Kleine Aufmunterung zwischendurch

Auch mal Abseits der Strasse

Ansonsten Schnellstrasse


27. September – Etappe von Sopic nach Kadina Luka

Über Lazarevac, Cibutcovica, Latkovic, Jajcic, Cvetanovac und Ljig

Am Morgen dauert das Trocknen des Zeltes wieder lang. Nach dem wir aufgebrochen sind, fügt sich an Sopic direkt die Stadt Lazarevac an. Nach einem Kaffee in der Bar gehen wir über die belebte Fussgängerzone bis zum Supermarkt. Nach dem wir unser Essen besorgt haben, fährt Maria 8km vor nach Cibutcovica wo ich sie später treffen will. Ich gehe über einen Markt aus der Stadt hinaus in ein Hügelgeebiet. Die Freude ist fast unendlich als ich die kleinen Täler und Höhen durchstreife. Die Sicht auf das umliegenden Land habe ich vermisst. Auch die Häuser und Menschen werden bereits kurz nach der Stadt urige und es liegt auch kein Müll mehr an der Strasse. Ich treffe einen Hund der mich wieder 2km lang begleitet, aber irgendwann kann ich ihn doch abschütteln. Als ich etwas weiter im Schatten eines Baumes raste, hält ein Wagen an, der mich vor diesem Hund warnt, denn es ist ein Pitbull. Diese Rasse hätte ich dem treu guckendem Hund nicht zugetraut, dennoch bin ich wieder über die serbische Hilfsbereitschaft erstaunt. Malerisch ging es weiter bis ich Maria ein Dorf weiter als zunächst gedacht wieder treffe. Von Latkovic geht es durch eine Ebene mit wenig Schatten aber heute wieder viel Sonne. Vor uns sehen wir die Hügel des nächsten Gebirgszuges, es macht uns Freude auf diese zu zulaufen. Als wir in Ljig ankommen kaufen wir noch das Wasser für die Nacht und entscheiden noch etwas weiter zu gehen. Am Fluss Ljig entlang gehen wir in ein enger werdendes Tal. Die Sonne ist schon hinter den Hügeln verschwunden und es eilt einen Platz zu finden. Eine Wiese die wir auserkoren hatten, wurde von einem selbstbewussten Hund verteidigt, so dass wir noch bis Kadina Luka weiter gehen. Der Sportplatz war zu einsehbar, so sind wir dann kurz vor der Dunkelheit hinter ein paar Bäumen an der Strasse fündig geworden.

Etappe: 30km / Schritte: 54 000 / Höhenmeter: zweimal 150m hinab und hinauf

Die Stadt Lazarevac

Herrliche Aussichten am Weg

In der Ebene einen Schattenplatz ergattert

Zeltplatzsuche


26. September – Etappe von Liso Polje nach Sopic

Über Brgule Veliki Crljeni und Vreoci

Vesna brachte uns noch bis zur Bushaltestelle über die Bahngleise hinweg. Dort verabschieden wir uns herzlich und laufen gemeinsam der Strasse folgend Richtung Veliki Crljeni. Nach wenigen Kilometern finden wir einen Shop in dem wir Wasser kaufen, danach geht es weiter an einem Kieswerk und anderen Unternehmen vorbei. An einer verfallenen Bushaltestelle machen wir Rast, doch diese wird jäh von einem Regenschauer beendet, bei dem wir uns nur nah aneinander stellen können. Unter einem kleinen Stück Dach, dass nicht kaputt war, warten wir bis der Starkregen vorbei ist. Danach setzten wir unseren Weg fort. Die Strasse ist neu gemacht, seit unserem Start am heutigen Tag. Ein paar Bauarbeiter glauben wir suchen den Weg nach Belgrad, als sie verstehen, dass wir in die andere Richtung wollen, gibt es nur die Empfehlung per Anhalter zu fahren, mit auf den Weg. Bei den Anfängen von Veliki Crljeni zogen wieder dunkle Wolken hinter uns auf. Diesmal fanden wir ein Kaffee und warteten dort den Regen ab. Danach ging es trockenen Fusses, immernoch auf dem Asphalt, durch den etwas ärmlich wirkenden Ort. Immer wieder müssen wir grossen Autos und Lkws ausweichen. Als wir in Vreoci dem nächsten Ort ankommen, hat sich die Sonne durch die Wolken gekämpft. Maria ist müde und fährt von dort aus ein paar Stationen weiter an den Anfang von Sopic, während ich mich an einem Gewerbegebiet an der Schnellstrasse durchschlage. Als wir wieder zusammentreffen finden wir einen Zeltplatz hinter dem Sportplatz und können dort schlafen. Die Nacht wird wieder kalt mit Temperaturen unter 10°C.

Etappe: 26km / Schritte: 46 800 / Höhenmeter: 15m

Neu gemachte Strasse

 

Orientierung nach dem Regen

 

Abendstimmung in Sopic


25. September – Etappe von Baric nach Liso Polje

Am Morgen fahre ich mit dem Bus nach Baric. Auf dem Weg zum Busbahnhof kaufe ich mir noch, Dank reger Hilfe einiger Freunde ein paar neue Wanderschuhe im Army-Shop. Die alten werde ich bei leichten Etappen noch etwas auslaufen, während das neue Paar mich hoffentlich bis Jerusalem trägt. In Baric angekommen bin ich wieder auf der vermüllten Hauptverkehrsstrasse. An mir rauscht der Verkehr vorbei. Doch damit ist nach 5km und der Überquerung eine Baustelle Schluss. Ich laufe nun den Rest des Tages über einen Damm der zwischen Fluss Kolubara und Autobahn verläuft. Dieses Mal ist der Weg ein Trampelpfad der mich führt. Es war nach dem vergangenen Tag einfach herrlich. Keine Menschenseele und damit auch kein Müll und kein Lärm mehr. Die Autobahn war weit genug Weg um sie kaum zu hören. So führte mich der Damm entlang an einer Müll-Deponie bei der fleissig gebaggert wurde. Danach habe ich noch ein paar Waldarbeiter gesehen und ein paar verlassene Häuser. Sonst nichts. Laut meinem GPS führt mein Weg über Gelände wo gar kein Weg eingezeichnet ist. Und ausgerechnet dort sollte ich den Fluss Kolubara überqueren. Als ich eine verrostete Brücke sah, die mir 6km Umweg erspart war ich heilfroh. Noch nie habe ich mich so über altes Eisen gefreut. Danach ging es noch ein paar wenige Kilometer bis zum Zielort Liso Polje. Wobei Ort ist etwas übertrieben, es war mehr eine sporadische Ansammlung von Häusern, die mit ein paar wenigen Wegen verbunden waren. Maria wollte mit dem Bus hier her kommen. Hier? Wo der Bus halten sollte, war auf der Karte nicht ersichtlich. So machte ich mich auf die Suche nach der Haltestelle. Die Häuser sind sehr weitläufig verteilt, sodass ich am Ende 6km zusätzlich mache bis ich die Haltestelle finde. Maria hat Probleme mit dem Bus von Belgrad hier her zu kommen, da wo er abfahren sollte, kam kein Bus. Ich konnte aus der Ferne nichts machen, also suchte ich mir an einer kleinen Kreuzung ein Gebüsch, setzte mich um zu warten. Kaum hatte ich mich hingesetzt, sprach mich ein Dorfbewohner und ein Junge an. Da beide nicht Englisch oder Deutsch konnten, ging es mit Vermutung und Hand und Fuss um Informationen zu tauschen. Als der Mann realisierte, dass ich nach Jerusalem möchte war er hellauf begeistert. Er hielt einen weiteren Dorfbewohner mit Freundin an, die ein paar Brocken Englisch konnten. So standen wir zu fünft da auf der Kreuzung und unterhielten uns rege. Ich verstand nur immer das Wort „engleski“ und „jérusalem“ mit der Betonung auf dem „a“. Irgendwann wurde mir ein Telefon hingehalten mit einer Deutsch sprechenden Person. So konnte ich erklären, dass ich auf Maria warte und das sie nach kommt. Nach einer Weile reger Diskussionen dieser sympathischen Menschen wurde mir gesagt ich solle 5 Minuten warten. Das jüngere Paar fuhr ab und ich blieb kurz allein zurück. Dann kam Michel der ältere Serbe mit dem jungen zurück. Michel und Dejan haben sich so bei mir vorgestellt, weil die serbischen Namen für uns zu kompliziert sind. Die beiden nahmen mich mit zu dem Haus in dem Michel wohnt. Dort durfte ich mich erstmal waschen, danach stand ein weiterer 14 jähriger Serbe im Haus der sehr gut Englisch verstehen und sprechen konnte. Dieser fungierte absofort als Dolmetscher. Mir wurde eine serbische Bohnensuppe serviert und Tomaten und Käse. Es war einfach lecker. Maria kämpfte derweil immer noch mit den Bussen und war immer noch in Belgrad. Michel musste noch etwas erledigen, so dass ich mit den beiden jungs auf der Terrasse, während immer mal wieder andere Menschen Hallo-sagen kamen. Es war wirklich herrlich, denn jedem schien meine Anwesenheit zu gefallen. Der Hund Lessy, ein deutscher Schäferhund war niedlich und schaute immer mal vorbei. Michel war stolz auf den Hund, genau wie auf seinen deutschen Opel den er Fuhr. Es wurde bereits dunkel als er mit seinem Bruder und einem Nachbarn auf der Terrasse erschien. Zwischzeitlich war auch die 16 jährige Ivana eingetroffen und machte die Runde komolett. Maria war nun eine Stadt weiter gekommen und Michel hatte die Hoffnung, dass sie von dort aus mit dem 20Uhr Bus ankommt. Also lief er mit mir durch die Finsternis bis zur Haltestelle. Doch in diesem Bus war Maria nicht. Kurz darauf rief sie an, dass sie mit dem Taxi unterwegs ist, also warteten wir in der Dunkelheit auf sie. 20 Minuten später war sie endlich da. Gemeinsam gingen wir zurück zum Haus, dort gab es wie zuvor für mich das leckere Essen für Maria inklusive eine zwei Runden Schliwowitza… natürlich homemade. Gegen 21.30 Uhr kam Vesna dazu, die Frau von Michel. So waren wir mit den drei Jugendlichen, dem Ehepaar zu siebent im Wohnzimmer und erzählten unsere Geschichte. Wir konnten Vesna und Michel gerade nach abhalten noch etwas grosses zu Essen zu machen, dafür gab es hauseigenen Käse und Wurstaufschnitt zu leckerem Brot. Die Jugendlichen sind irgendwann nach Hause gegangen, es waren Kinder aus der Nachbarschaft und wir durften nach dem Duschen im Wohnzimmer auf der Couch übernachten. Was für ein Tag.
Am Morgen bereitet uns Vesna noch ein herrliches Frühstück mit Omelette und Gemüse. Ein sehr schönes Gespräch über die bewegte Geschichte Serbiens entsteht, bevor wir uns spät unsmd schweren Herzens von ihr verabschieden.

Etappe: 23km / Schritte: 41 400 / Höhenmeter: 20m

Der Weg auf dem Damm

 

Viel Freude über etwas Eisen

 

Auf der Suche nach der Bushaltestelle den hier getroffen

 

Eine nette Familie mit dem Schliwo auf dem Tisch

 

Neuer Fotograf

 

Am Morgen vor der Abreise


24. September – Etappe von Beograd (Belgrad) nach Baric

Über Ostruznica, Umka und Mala Mostanica

Nach dem ich im Apartment gefrühstückt hatte begann es zu Regnen. Maria wollte noch einen Tag in Belgrad verweilen, dennoch ging ich los. Ich bahnte mir einen Weg durch den Trubel der Stadt, entlang einer Hauptverkehrsstrasse. Ich komme nur schleppend voran, da ich immer wieder von Ampeln aufgehalten werde. An einer der Brücken die ich Tags zuvor von der Festung aus gesehen habe gelange ich an den Radweg der am Fluss Save entlang führt. Es regnet und ist durch den Verkehr immer noch extrem laut. Später gelange ich an eine Art Strandpromenade, bei der im Sommer wohl viel los ist. Ein Café am andern, doch nur noch jedes 10te hatte offen. Ich war mit ein paar wenigen älteren Männern der einzige der dort noch entlang lief. Nach einem Bier in einem der offenen Lokale ging es weiter am Fluss entlang. Als ich die Promenade verlasse bin ich froh, denn jede Dusche, jeder Mülleimer, jede Lampe und was sonst noch alles, war von Coca Cola, Nivea und Co gesponsert. Nach dieser Markengehirnwäsche wär etwas Normalität nicht schlecht. Doch die kam nicht. Als ich entlang einer Strasse die Stadt Belgrad hinter mir lasse, komme ich in eine trostlos Gegend. Es leben dort vermutlich Roma, denn ich komme an kärglichen Hütten vorbei zwischen denen die Wäsche durch den Regen noch nässer wird. Ein paar wenige Menschen sind am Holzhacken oder suchen in Müllbergen nach Dingen. Auch als ich das Quartier verlasse liegt überall neben der Strasse Müll. Es ist irgendwie erniedrigend wenn man sich durch Müll seinen Weg bahnt, wenn neben die Autos und Lkws vorbei ziehen. Viele Kilometer laufe ich so durch den Regen, der sanfter geworden ist, aber nicht aufhört. In Umka angekommen, sehe ich einen ärmlichen Ort in dem die Menschen sehr frustriert wirken. Zum Glück verlasse ich hier die Hauptstrasse und laufe auf einer Nebenstrasse einen Hang hinauf. Dort ist es ruhiger und auch der Müll wird weniger. Ich vermute man hat dort eine gute Aussicht, doch durch die extrem hohe Luftfeuchte sieht man nur 100m weiter. So gehe ich durch mystisch anmutendes Gelände hinauf nach Mala Mostanica. Dort geht es schnell wieder hinab bis zum Zielort Baric. Ich finde die Bushaltestelle schnell und muss auch nur ein paar Minuten auf den Bus warten der mich zurück nach Belgrad bringt. Eine letzte Nacht im Apartment liegt vor uns.

Etappe: 33km / Schritte: 59 400 / Höhenmeter: 145m aufwärts und abwärts

Start in Belgrad

 

Belgrad auf der anderen Seite

 

Partymeile ganz ruhig

 

Mystisch


23. September – Pausentag in Belgrad

Wie in jeder Hauptstadt machen wir einen Ruhetag. Es bietet sich an, denn oft passt die Infrastruktur gut. Nach langem schlafen und einem ausgedehnten Frühstück gehen wir gegen Mittag in die Stadt. Ein Outdoorladen soll uns Ausrüstung verschaffen, doch der ist zu klein und hat die meisten Dinge nicht die wir brauchen. Also gegen wir noch ein wenig durch die Stadt bis zu einem Einkaufzentrum in der Nähe der Festung. Auch die Sport- und Outdoorläden da haben leider nichts für uns. Dafür gab es einen Legostore der mein Herz hat höher schlagen lassen. Danach geht Maria zurück ins Apartment während ich noch durch die Stadt zur Festung und zur grossen Kirche laufe. Der Lärm und die Unruhe machen einen echt müde und so war ich froh im Apartment anzukommen.

Parlament in Belgrad

Basler-Tram in Belgrad

Falafel-Sandwich

Legostore

Festung in Belgrad


22. September – Etappe von Batajnica nach Beograd (Belgrad)

Es lag mal wieder die Hauptstadt Etappe vor mir, das bedeutet viel Industriegebiet. Zunächst schlängelte ich mich jedoch über Felder unterhalb der Autobahn durch. Danach stand eine nicht fertig gebaute Strassenbrücke vor mir. Was für ein Sinnbild, dass auch unsere Wege einmal apruppt enden. Nach einigen Kilometer komme ich an einer verbrannten Feldfläche vorbei, deren schwarzer Boden skurril zum blauen Himmel stand. Nun muss ich doch wieder an der Hauptstrasse entlang durch die besagten Gewerbegebiete. Einziges Highlight dort, waren die vielen Polizisten bei den Verkehrskontrollen, die ich freundlich grüsse. Über einen Vorort komme ich an einen Aussichtsturm der sehr gut besucht ist. Von dort aus kann ich die Stadt Belgrad sehen, die sich im Dunst vor mir ausbreitet. Ich gehe steile Treppen hinab in eine kleine Altstadt und weiter an die Uferpromenade der Donau. Sehr viele Menschen gehen dort entlang oder nutzen eines der Imbiss oder Cafés. Irgendwo im Gewühl spricht mich Alex auf meine Jerusalemway-Flagge am Rucksack an. Er konnte gut Englisch und so entsteht schnell ein sehr freundschaftliches Gespräch über Religion, Geschichte und das Reisen. Er berichtet auch viel über Orte die noch vor uns liegen, und weckt damit erneut meine Freude am Pilgern. Wir laufen bis zum Zentrum der Stadt Belgrad an der Donau entlang gemeinsam. In einer Bar trinken wir noch ein Bier, bevor wir über die Brücke der Save, des Zuflusses der Donau, die Altstadt erreichen. Dort trennen sich unsere Wege wieder. Ich laufe zu unserem Apartment, dass Maria organisiert hat. Unterwegs beim schlängeln durch das Häuser Labyrinth treffe ich sie sogar und wir gehen den Rest gemeinsam. Verglichen mit den anderen beiden Hauptstädten, Wien und Budapest, ist Belgrad sehr laut und hektisch. Auch gibt es viele heruntergekommene Ecken. Es ist sehr kontrastreich, zwischen Reich und Armut sind manchmal nur ein paar Meter. Auch gibt es im Zentrum einige halb eingestürzte Gebäude.

Etappe: 23km / Schritte: 41 400 / 90m aufwärts 120m abwärts

Alle Wege enden irgendwo

 

Aussichtsturm vor Belgrad

 

Blick auf Belgrad

 

Stadtzentrum


21. September – Etappe von Indija nach Batajnica

Über Alt Pasua und Neu Pasua

Am Morgen verliessen wir Novi Sad nun endgültig, in dem wir uns den Weg zum Busbahnhof bahnen. Unterwegs spricht uns Ivan an, ein Serbe in unserem Alter, der sich für unser Unterfangen interessiert. Er berichtet über das Leben in Serbien und seine Liebe zu gutem Essen. Er selbst ist im Vertrieb für fineFood und kommt dadurch natürlich viel herum. Am Busbahnhof trennen sich unsere Wege, denn er muss dringend nach Belgrad. Unser Bus hat leider Verspätung und ist proppe voll. Ich lasse mich dennoch bis Indija kutschieren und Maria fährt weiter bis zu meinem heutigen Ziel Batajnica. Im Ort wo meine Reise gestern endet beginnt sie also mit Verspätung wieder. Ich verlasse Indija über einen Feldweg um der Hauptverkehrsstrasse etwas zu entgehen. Als ich  diese dann nach ein paar Kilometern doch erreiche gehe ich 5km lang im Strassengraben, weil der Verkehr hoch frequentiert war. Nicht das schönste Gefühl sich seinen Weg dort, durch Müll und Schutt zu Bahnen. Hinter einer Leitplanke entlang, habe ich mich noch über eine Brücke die Gleise überquert, bis ich dann endlich den Ort Alt Pasua erreiche. Dort beginnt ein Radweg, der mir das Gehen an der grossen Strasse erleichtert. Schöner ist es nicht geworden, denn an einem Gewerbegebiet vorbei und immer das Rauschen der Lkw und Pkw an meiner linken Seite zehren an den Nerven. Das Gewerbegebiet zieht sich bis weit in den nächsten Ort Neu Pasua hinein. Dort überqueren ich dann die Bahngleise und Folge diesen bis zum Zielort. Den Gleisen bin ich seit Wien nicht mehr gefolgt so war es eine kleine Abwechslung, auch wenn ich nie einen Zug vorbei rauschen sah. Der Weg war ein Trsmpelpfad der neben den Schienen durch ein paar Felder verlief. Der Zielort  Batajnica war verglichen mit den Orten zuvor eher ärmlich und dreckig. Überall lag ein wenig Müll und die Strassen waren recht kaputt. In der Nähe des Bahnhofes treffe ich Maria, die bereits einen Platz zum Zelten ausgespäht hatte. Also gehen wir an das Ende des Ortes und schlagen unser Zelt auf einem abgeernteten Feld auf. Die Nacht wird kühl, aber nicht so kühl wie vor Novi Sad.

Etappe: 26km / Schritte: 46 800 / Höhenmeter: 15m

Alt Pasua

 

Der Weg bei den Gleisen

 

Kontrastreicher Balkan


20. September – Etappe von Petrovaradin nach Indija

Über Karlowitz und Maradik

Am kommenden Morgen fahren wir mit dem Bus zum Endpunkt des gestrigen Tages. Nachdem aus dem Bus gestiegen sind ging es in den Ausläufern von Petrovaradin direkt stetig und sanft bergauf. Es folgten malerische Hügel und kleine Weinberge die uns verzauberten. Nach den eher flachen und maislastigen Gegenden eine echte Augenweide. Nach 4km sollten wir laut unsere MapApp eigentlich an einem Wasserfall sein, den wir nicht fanden. Danach führte uns der Weg wieder stetig bergab bis nach Karlowitz, einem malerischen Ort mit vielen Kirchen im Zentrum. Maria fährt von dort aus zurück ins Apartment, während ich weiter gehe. Nach Karlowitz geht es wieder zunächst sanft auf einer Asphaltstrasse bergauf. Als ich den Campingplatz erreiche und den angrenzenden Nationalpark geht es auf Schotterwegen steiler hinauf. Ein schöner Wechsel aus Wäldern, Weinbergen und schönen Aussichten beginnt. An dessen Ende sehr ich mein Ziel des Tages bereits  19km vorher. Vor mir liegt eine flache Ebene die ich nach sanften Abstieg erreiche. Nach ein paar Kilometern komme ich zunächst in Maradik an, einem sehr einfachen Ort mit vielen Bauern. Als ich diesen nach einer Rast verlasse laufe ich an vielen Apfelplantagen vorbei. Hier und da wurde auch Mais sehr gründlich geerntet. Die Sonne scheint den ganzen Tag, doch nicht mehr so stark und brennend wie zu Beginn der Reise. Als ich in die Nähe meines Zielortes über staubige und sandige Wege kam, meinte es ein Bauer etwas gut mit den Pflanzen. Eine Sprenkleranlage goss von der rechten Seite des Weges über den Weg die auf der linken Seite stehenden Pflanzen. Nur diese! So war der Weg, der auch für Fahrräder gedacht war völlig aufgeweicht und schlammig. Nach dem meine Schuhe eingesaut waren, war der Boden so glitschig, dass ich ausgerutscht und hingefallen bin. Die linke Seite meines Körpers war voll Schlamm. Ich hatte noch 4km nach der Schlammparty und so trocknete die Sonne diesen schnell und ich konnte ihn grob abputzen. Im Ort Indija angekommen gehe ich zum Busbahnhof wo ich einen Bus erwartete, der mich nach Novi Sad bringt. Nachdem einige Busse nach Belgrad passiert waren, ging ein Mann herum der alle Leute fragte: „Novi Sad?“ Alle die nickten nahm er mit. Der Bus war scheinbar kaputt, also fuhr er uns mit einem Taxi zurück. Es war ein komisches Gefühl, als die Orte, durch die ich heute gelaufen bin so schnell an mir vorbei flogen. Doch ich durfte da aussteigen, wo ich wollte, also war ich am Abend schnell wieder im Apartment und bei Maria.

Etappe: 37km / Schritte: 66 600 / Höhenmeter: 90m + 150m je auf und ab

Gemeinsam gehts los in Petrovaradin

 

In Karlowitz trennen sich die Wege

 

Weinberge mit Sicht

Dann wird es wieder flach

Schlammbad vor Indija


19. September – Etappe von Novi Sad nach Petrovaradin

Nach dem Anstrengenden Tag zuvor war ich recht schlapp und wollte am liebsten im Apartment bleiben. Leider war es auf Nachfrage für die kommende Nacht belegt. Also erstmal bis 11Uhr gefaulenzt und in die Stadt gegangen. Kaum habe ich mir die erste Kirche angesehen ruft mich die Vermieterin des Apartments zurück, dass sie uns ein anderes anbieten kann, ganz in der Nähe. Wir nehmen es gleich für zwei weitere Nächte. Mit diesem Goodnews machen wir noch ein paar Besorgungen und bahnen uns einen Weg  durch die Stadt zur Donau. Die überqueren wir nach Petrovaradin, um von der Burg aus einen herrlichen Blick auf Novi Sad zu bekommen. Danach folgen wir dem lang gestreckten Ort bis fast ans Ende. Bei einem Kaffee entschliessen wir es für heute gut sein zu lassen. Wir waren beide müde und wollten Morgen an dem Punkt weiter gehen. Also mit dem Stadtbus zurück ins neue Apartment. Abends habe ich noch alleine eine Runde durch die lebendige Stadt gedreht. Herrliche Gebäude im Schein der Lampen.

Etappe: 9km / Schritte: 16 200 / Höhenmeter: 90m aufwärts und abwärts

Tripp durch Novi Sad

 

Turm in Petrovaradin

 

Blick auf Novi Sad

 

Novi Sad by Night


18. September – Etappe von Backa Palanka nach Novi Sad

Über Begec und Futog

Wir mussten am Morgen eine Weile im Zelt ausharren bis der Regen aufhört. Dann ging es schnell raus und das Zelt zusammen geräumt und wieder auf den Weg. Der führte uns an einer Müll-Deponie vorbei, was ein sehr komisches Gefühl mit sich brachte. Der Anblick des Wohlstandmülls macht mich traurig. Als wir diese skurrilen Berge hinter uns gelassen haben, geht es auf eine stark befahrene Hauptverkehrsstrasse. Am grünen Rand der Strasse, der zumeist mit Schräglage und Unebenheiten diente, war das Laufen echt anstrengend. Die 6km kamen uns ewig vor. Als wir kurz vor Ende dieses Abschnittes an einer Tankstelle vorbei kommen sind wir froh. Etwas Nervennahrung und Kaffee sowie eine Pause schenkten uns Kraft. Nachdem wir die Strasse endlich verlassen können, laufen wir auf einem Damm-Weg der Donau entlang, ohne sie je zu sehen. Wie immer verhindern die Bäume eine Sicht auf den Fluss. So ging es angenehm bis zum Ort Begec. Es war bereits 15 Uhr als wir dort eintreffen und ich hatte noch einige Kilometer vor mir und so trennten sich Maria und meine Wege am Ortsanfang. Sie fährt mit dem Bus nach Novi Sad während ich zu Fuss weiter gehe. Auch nach dem Ort gehe ich dem Radweg der Donau entlang weiter. Der Asphalt ermöglicht einen schnellen Gang und so erreiche ich ohne Probleme den langgedtreckten Ort Futog in dem ich die Donau einmal sehen kann. So langsam machten sich aber meine Füsse bemerkbar und schmerzen. Doch ich musste schleunig weiter, da es irgendwann Dunkel wird und ich auf den beleuchteten Strassen der Stadt Novi Sad sein wollte. Also nur eine kurze Rast und weiter. Am Radweg ging es weiter bis in ein Industriegebiet, wo dieser in eine Strasse überging. Die ist ohne Gehweg mit viel Verkehr etwas mühsam zum Laufen. Nachdem ich mich bis zur Stadt gequält habe führt mich mein Weg durch verschiedene belebte Viertel. Dort geht das Laufen trotz Schmerzen besser, weil mein Auge viel Ablenkung hat. Am Stadion vorbei gehe ich durch das traumhaft schöne Zentrum der Stadt Novi Sad. Zum Schluss gelange ich zum Appartement wo Maria bereits auf mich wartet. Es war die längste Etappe dieser Reise. Als ich ankomme ist es schon finster und ich habe die meisten Kilometer geschafft dieser Reise. In der Nacht verarbeiten meine Füsse das ganze und Schmerzen immer wieder. Ich nenne das auf dieser Reise, Verarbeitungsschmerz. Funktioniert wie bei der Seele ausgesprochen gut.

Etappe: 43km / Schritte: 77 400 / Höhenmeter: 16m

Der Weg führt an der Müll-Deponie vorbei

 

Pause auf dem Donauradweg

 

Furtog schnell passiert

 

Am Abend angekommen


17. September – Etappe von Bac nach Backa Palanka

Über Mladenovo

Am Morgen nach dem Frühstück starten wir im Sonnenschein in den Tag. Marias und meine Wege trennen sich, denn heute soll es noch einmal heiss werden. So nimmt sie den Bus bis zum Zielort. Zunächst gibt es etwas Verwirrung denn wir wandern zum falschen Ende des Ortes. Die zwei Tage Pause haben uns völlig aus dem Konzept gebracht. Zum Glück fällt es mir noch auf und ich schlage doch noch die richtige Richtung ein. Zunächst führt mich der Weg über Feldwege bis an eine Strasse. Dieser folge ich dann sehr lang. Die Umgebung wechselt dabei von Büschen, zu abgeernteten flachen Feldern und wieder zu Büschen und Bäumen. 15km (3h) weiche ich so immer wieder Autos aus und Laufe durch diese Tristesse. Einen Mann habe ich gesehen der mit verschenkten Armen mir entgegen schaute, kaum gegrüsst hat, und diese Haltung viele hunter Meter danach immer noch nicht verändert hat. Was er da tat, abgesehen von mich angaffen, weiss ich bis heute nicht wirklich. Als ich dann nach endlosen Minuten in Mladenovo ankomme, gibt es ein ganz anderes Bild. Vor dem ersten Gebäude des Ortes begegnen mir viele Traktoren, deren Fahrer freundlich Grüssen. Ein Bauer kommt gerade vom Feld und redet mich auf serbisch an, er kann kein Wort Englisch oder Deutsch. Mittlerweile antworte ich immer auf englisch und vermute was er hören will. Auf dem Weg nach Novi Sad, das versteht er und fragt irgendwas mit Bicycle. Dann mache ich ihm klar, dass ich zu Fuss unterwegs bin. Ein aufbauender Klopfer auf die Schulter und weiter gehts. Kaum komme ich am ersten Gebäude, Getreide Silos, des Ortes vorbei, kommt Michael aus dem Gelände gerannt und fragt mich aus. Er kann Deutsch sprechen, weil er ein paar Jahre im Gastgewerbe in Kroatien gearbeitet hat, da lernt man Deutsch. Nach einem regen Austausch gehts auch da für mich weiter. Im Ortskern gehe ich in eine Baracke die eine Bar darin beherbergt um einen Kaffee zu trinken. Der Wirt war begeistert von mir und wollte die Details meiner Reise auf Englisch erfahren. Als ich später den Ort verlasse versuchen Schulkinder ihr Glück, aber scheitern ganz niedlich nach dem ersten „Hello“. Nachdem ich wieder allein in der Stille bin wird mein Herz froh und Dankbar über diese Reise. Der Weg verläuft staubig und mit vielen kleinen Kurven bis nach Backa Palanka. Der Ort ist lebendig und voller Menschen. Die Ortsstrasse quillt über von Cafés, Bars und Läden. Dort treffe ich Maria am Abend wieder. Nach einem Abendessen vom Bäcker gehen wir zusammen noch weitere 5km aus der Stadt hinaus um nach dem Industrie Gebiet und in der Nähe der Donau zu campen. Eine regenreiche Nacht liegt vor uns.

Etappe: 38km / Schritte: 68 400 / Höhenmeter: 12m

Letzter Blick auf Bac und die Ruine

 

Staubiger Weg vor Backa Palanka

 

Mladenovo


15.-16. September – Ruhetage in Apatin und Batsch

Den Sonntag in Apatin verbringen wir mit Wäsche waschen, alles musste mal wieder rein sein. Sonst haben wir lang geschlafen und eine kurze Runde in der Stadt gedreht. Das Highlight für mich war der Besuch, der ersten orthodoxen Kirche in der ich je war. Ein interessanter Raum mit ganz anderer Stimmung als ich es von Kirchen her kenne. Es tat gut mal nichts zu tun.
Am Tag darauf gehen wir in den Telekomladen und besorgen uns Neue Simkarten für Serbien. Danach versuchen wir uns im Öv-Netz, was gar nicht so leicht ist. Keinerlei Informationen sind an der Haltestelle zu finden, doch mit Nachfragen bekommen wir Infos von den freundlichen Menschen. Es gelingt uns bis nach Batsch zu kommen. Das ist der Ort, in dem wir gewesen wären wenn wir einfach weiter gelaufen wären. Damit wir keine Zeit verlieren haben wir uns entschieden vor zu fahren. Ein schöner Ort mit einem Kloster und einigen Kirchen. Morgen geht es wieder zu Fuss weiter.

Rathaus Apatin

 

Orthodoxe Kirche

 

Ganz anders als ich Kirchen kenne

 

Popcorn – Stände am Abend

 

Busbahnhof in Sombor

 

Kloster in Batsch


14. September – Etappe von Backi Monostor nach Apatin

Früh am Morgen gehen wir in den sehr modernen Supermarkt im Ort und holen uns Frühstück und Proviant. Nach einem Kaffee (türkischen Kaffee) in der Bar gehen wir aus dem Ort heraus. Nach wenigen Kilometern sollen wir den Fluss Tisa-Dunav überqueren. Doch von der Brücke die es mal gab, standen nur noch Pfeiler. Neben an schaute uns ein Mann interessiert zu wie wir ratlos dastehen. Er winkt, erst jetzt realisieren wir, dass er auf einer einfachen Fähre sitzt. Mit manneskraft bringt er uns auf die andere Seite. Dort lädt er beim Gehen ein Auto ein, was er auch hinüber bringt. Nach einer kurzen Weile durch einen schattigen Wald biegen wir in ein 8km langes Naturschutzgebiet ein. Auf dem ganzen Weg gab es keinen Schatten. Als erstes kreuzen in nur 20m Entfernung ein eleganter Hirsch mit seinem Reh im vollen Galopp unseren Weg. Als ein paar Minuten später das Gleiche mit einem Wildschwein und seinen drei Frischlingen passiert wird mir etwas mulmig, denn darüber habe ich schon trübe Berichte gelesen. Doch sie interessieren sich zum Glück nicht für uns. Zum Schluss sagt uns noch ein Fuchs ein „Hallo“ und verschwindet wieder. Auch nach dem Verlassen des Naturschutzgebietes geht es ohne Schatten weiter auf einer Asphaltstrasse. Hier müssen wir nun bis Apatin regelmässig den Autos ausweichen. Über einen Industriehafen gelangen wir in die Stadt. Wir gehen etwas essen, bevor wir unser Nachtlager in der Innenstadt beziehen. Für zwei Nächte wollen wir uns hier erholen. Als wir dort ankommen ist eine serbische Hochzeitsgesellschaft in froher Stimmung. Nach ein paar Verwirrungen bekommen wir unser Zimmer. Wir können bis spät in die Nacht den Liedern der Hochzeit lauschen, bis wir eingeschlafen sind.

Etappe: 20km / Schritte: 36 000 / Höhenmeter: 14m

Morgenstund in Bocki Monostor

 

Witzige Fährfahrt

 

Geht auch mit Auto. 😛

 

Naturschutzgebiet ohne Schatten

 

Balkan – Flair in Apatin


13. September – Etappe von Gajic (HR) nach Backi Monostor (SRB)

Über Draz und Batina (HR)

Als wir die netten Damen aus Gajic verlassen haben gehen wir frohen Mutes auf der Strasse weiter in den nicht weit entfernten Ort Draz. Die Sonne wurde schnell wieder heiss, so waren wir froh als wir nach dem Örtchen an Strassen mit Bäumen gelangten, die Schatten spenden. Es ging seit langem mal wieder eine Anhöhe hinauf, an Weinbergen und Obstplantagen vorbei. Oben war es wieder flach und Schatten arm bevor wir eine schöne Pflasterstrasse hinunter nach Batina gehen. Von dort aus sehen wir bereits die Grenze zu Serbien. 200m vor der Grenze legen wir noch im Schatten eines Baumes eine grössere Rast ein. Kraft holen für den Grenzübertritt, der immer mit viel Anspannung verbunden ist. Etwas orientierungslos irre ich zwischen den Grenzposten umher bis mir ein Polizist mit strengem „Hey“ zeigt wo es lang geht. Unsere Pässe wurden kurz gescannt und weiter ging es. Über eine Brücke der Donau kamen wir nach Serbien, wo wieder ein Posten auf uns wartete. Ein humorvoller Serbe kontrollierte unsere Pässe und erkundigte sich nach unserer Reise. Als er meinen Pilgerstab sah, wollte er wissen was das ist. Nach kurzer Erklärung meinerseits fragte er mich: „Do you are Gandalf?“ Und „Can you do some tricks with that?“ Das verneinte ich wehement. Als er das Ziel unserer Reise erfuhr, war er etwas irritiert. „Well“ lange Pause (Schluck) „When you want to go to Jerusalem, than go to jerusalem!“ Er wollte uns nicht aufhalten und gab uns mit einem grinsen die Pässe wieder. Erleichtert gingen wir die ersten Meter durch Serbien. Nun lag eine längere Strecke über Feldwege erleichtert stellten wir fest, dass diese sehr gut begehbar waren. Als wir die ersten Ausläufer des Zielortes erreichten hören wir das uns bekannte Hundegebell. In Serbien nix Neues. Als wir ein paar heruntergekommene Industriebauten passiert hatten kommen drei Hunde von hinten direkt auf uns zugerannt. Wir wurden unruhig als sie immer näher kamen, unsere Neins waren nicht sehr überzeugend, dennoch liefen sie mit treuen Blicken an uns vorbei. Später trafen wir sie wieder und sie schienen unsere Gesellschaft zu mögen, weil sie immer in unserer Nähe blieben. Als wir in den Ort kamen, war einer immer noch bei uns und lief die ganze Zeit neben uns. Sein Blick war so treu und liebevoll. Als wir im beschaulichen Dorf ankommen registrieren wir, dass es viele streunende Hunde gibt. Die Menschen hier sind sehr freundlich und Grüssen während sie einen erstaunt ansehen. Wir finden eine Bank und können Geld abheben. Nach dem wir eine Pizza in einer Bar gegessen haben, machen wir uns auf die Suche nach einem Zeltplatz. Bei Vollmond bauen wir das Zelt in der Nähe vom Sportplatz auf und schlafen. So richtig Ruhe wird nicht, erst hören wir Musik aus allen Ecken, später kleffen die Hunde um die Wette mit den Geräuschen der Rehe. Am Morgen gegen 4Uhr beginnen die Hähne den neuen Tag anzukündigen.

Etappe: 20km / Schritte: 36 000 / Höhenmeter: 70m aufwärts und abwärts

Draz in Sicht

 

Border – Flair Richtung Serbien

 

Serbien erreicht

 

Treuer Begleiter

 

Erster Zielort im neuen Land