Schweiz

Von der eigenen Haustür in Riggisber (bei Bern) aus starten wir auf unsere unglaubliche Reise. Ist am Anfang noch viel Bekanntes um uns Herum verlassen wir mit jedem Kilomter unsere Gewohnte Umgebung.  Hier findest du die Tagebucheinträge der Reise durch die Schweiz bis nach Oberriet, zusammen mit Bildern und einigen Fakten.

Tagebuch – Etappenübersicht

Zu Hause verlassen – 269km


2. Juli – erste Etappe von Riggisberg nach Niederstocken

Über Burgistein, Wattenwil, Blumenstein und Pohlern

Sehr erwartungsvoll und (an)gespannt starten wir zu dritt unsere Pilgerreise nach Jerusalem. Meine Frau Maria, ein Freund und ich verlassen unsere Wahlheimat Riggisberg auf Wanderwegen Richtung Burgistein. Diese Strecke sind wir schon einigemal zuvor gelaufen und es ist surreal, dass es nun losgeht. Ein unglaubliches Unterfangen. Es geht leicht auf und ab durch ein grüne Landschaft. Das Schloss Burgistein thront auf einem Hügel als wir in der nähe daran vorbei gehen. Danach geht es 270m hinab ins Gürbetal nach Wattenwil wo wir im Schatten unsere erste Rast machen. Von da an folgen wir dem Fluss Gürbe bis nach Blumenstein. Hier im Tal ist es flach und wir kommen gut voran. Hier können wir auch unsere Wasserfilter das erste mal auf der Reise testen und unsere Flaschen füllen mit herrlich frischem Wasser. Nach dem malerischen Ort Blumenstein, in dem wir eine Pilgerherberge des Jakobsweges passieren geht es über Feldwege nach Pohlern. Die Wiesen sind voll mit Insekten die uns in der Hitze des Tages dann noch etwas nerven. Neben uns türmen sich eindrücklich die Voralpen in schroffen Felsen auf. Das Stockhorn schein greifbar zu sein, so werden wir landschaftlich verwöhnt, auch wenn uns die Gegend noch gut bekannt ist. Doch unsere Kraft ist schnell zu Ende, der Weg hinab ins Tal hat uns geschlaucht und wir werden müde. Hinter Pohlern müssen wir dennoch, noch einmal 80 Höhenmeter hinauf und wieder hinab um zum langgestreckten Ort Niederstocken zu kommen. Der erste Härtetest für unsere Pilgergemeinschaft. Sebastian geht vorweg, während Maria und ich uns über die letzten Kilometer den Hügel hinweg quälen. Noch einmal 3km liegen vor uns, die wir an herrlichen alten Bauernhäusern des Stockentals verbei gehen um zu unserer Freunden Anja und Adrian zu gelangen. Bei ihnen dürfen wir die erste Nacht der Reise übernachten. Wir werden königlich verwöhnt, mit essen, Proviant, herrlichen Gesprächen und einem Pool. Wir waren noch nie so dankbar über Gastfreundschaft. Eigentlich wollen wir gar nicht wieder weg und witzeln, dass wir jetzt jeden Abend hier übernachten wollen. Dennoch zieht es uns am kommenden Tag weiter.

Etappe: 19,5km / Schritte: 30400 / Höhenmeter: 270m hinab und 80m auf und ab

 

Erste Schritte nach Riggisberg

Burgistein Schloss

Wasserfilter-Testing

 


3. Juli – Etappe von Niederstocken nach Ralligen

Über Zwieselberg, Thun, Oberhofen und Gunten

Wir können am Morgen die ersten Sachen bei unseren Freunden zurück lassen, bei denen wir gemerkt haben, dass wir sie nicht brauchen. Wie wichtig das Gewicht auf dem Rücken ist, das haben wir zunächst unterschätz. Bei morgentlich trüben Wetter, verlassen wir Anja und Adrian schweren Herzens aber mit Proviant gefüllt. Wir gehen durch ein feuchtes Waldgebiet Richtung Zwieselberg, wo es uns kurz vor dem Ortskern noch einmal wenige Meter hinauf führt. Wir merken die Anstrengung des vortags bereits stark, doch sind wir noch hochmotiviert und freuen uns auf Thun. Bevor wir dort ankommen führt uns der Weg wieder hinab bis fast zum Thunersee. Die Sonne findet nun ihren Weg durch die Wolken und strahlt warm auf uns herab. Nun beginnt ein sehr mühsamer Teil der heutigen Etappe, denn es geht fast nur auf Asphalt, der zum Laufen auf dauer wirklich anstrengend ist. Vorbei am Schloss Schadau geht es in die Innenstadt von Thun. Am Bahnhof überrascht uns unsere Freundin Gabriela mit Gummibärchen und Chips zum Aufmuntern. Das können wir wirklich gut gebrauchen. Vielen Dank. Danach machen wir eine längere Rast in der Innenstadt von Thun. Danach geht es der Seepromenade und ein paar Nebenstrassen entlang bis nach Oberhofen. In unserer Lieblingsbeiz am Thunersee (Pier17) gönnen wir uns ein Bier um dann wirklich beschwingt weiter zu laufen. (Ein Bier hatte wirklich eine unglaubliche Wirkung). Das war gut, denn bis Gunten war das Wetter noch gut, durch Waldwege und kleine Nebenstrassen ging es auf uns ab. Immer wieder hatten wir einen herrlichen Blick auf den türkisblauen Thunersee. Die letzten 5km von Gunten ab, kam jedoch ein Gewitter. Zunächst starker Wind, dann kam der Regen dazu und unser Gang wurde zunehmend langsamer. Der Wind bliess und heftig ins Gesicht und unsere Regenponchos konnten das erste Mal zeigen was sie konnten. Als wir ein kleines Waldstück verliessen, sahen wir das Dach der Brüdergemeinschaft der Christusträger von Ralligen das erste Mal. das Gewitter war vorbei gezogen, ein Regenbogen zug sich über das Gebäude. was für ein friedvoller Anblick. Klatschnass waren wir, als wir am Ziel ankamen. Die Brüder gewährten uns einen Schlafplatz im Bettenhaus, statt, dass wir auf dem Rasen zelten mussten. Was für ein Glück und schon wieder werden wir mit Gastfreundschaft verwöhnt. Am Abend gab es eine leckere Suppe und Nudeln mit Bolognese. Wir wurden durch das friedvolle Areal der Brüdergemeinschaft geführt und ich konnte in der Kapelle die ersten Gebete sprechen. Es war ein umgebauter Stall, in dessem Zentrum eine Krippe war. Darum nennt man sie auch Bethlehem. was für ein schönes Symbol für unsere Reise. In das richtige Bethlehem zieht es uns, doch finden wir es bereits jetzt. Ein aufregender Tag geht zu Ende.

Etappe: 25km / Schritte: 40100 / Höhenmeter: 130m hinab

Erste Schritte nach Niederstocken

Thun ein guter Ort zum Rasten


4. Juli – Etappe von Ralligen nach Interlaken

Die ersten Schritte auf einer Etappe sind immer die schmerzhaftesten, dass konnten wir heute deutlich spüren. Nach dem Frühstück im Brüderhaus ging es für uns dennoch los. Auf Waldwegen und durch kühle Schatten ging es zunächst immer wieder auf und ab. Hier und da waren Häuseransammlungen und herrliche Ausblicke auf den Thunersee. Kurz vor den Beatushölen ging es noch einmal richtig steil auf steinigen Schotterpisten oder Waldwegen entlang. Es waren viele Leute an den Beatushöhlen, sogar einige mit arabischer Abstammung. Es irgendwie lustig, denn genau in die Nähe ihrer Heimat wollen wir ja laufen. Ein interessanter Moment. Der steile Aufgang zu den Höhlen, muss mit unsren schweren Rucksäcken auch noch gemeistert werden bevor wir uns wieder ebenso steil hinab begeben. Bis zur Fährhaltestelle auf Seeniveau. Die Kraft lässt bereits jetzt nach und ich erkenne bereits jetzt, dass es mit unserem dritten Etappenziel nichts wird. Eine harte Lektion für den Anfang für mich, denn eigentlich wollten wir bis Brienz laufen, doch das ist unmöglich heute. Ich war wirklich frustriert und zweifelte am ganzen Unterfangen. Wie sollen wir so je Jerusalem ankommen? Von der Fährstation laufen wir am See entlang, nun relativ flach bis Interlaken. Es ist die erste Nacht wo wir keine Unterkunft vorbereitet haben, also entscheiden wir uns für den Campingplatz und dürfen dort für eine Nacht unser Zelt aufschlagen. In der Stadt Interlaken besorgen wir uns noch Proviant um dann am Abend die Chance zu nutzen und etwas im See zu baden, der immer noch recht frisch ist. Unsere erste Nacht im Zelt steht bevor. Es klappt gut und macht Mut für die kommende Zeit.

Etappe: 13km / Schritte: 23600 / Höhenmeter: 260m hinauf und hinab

Rauf und Runter macht nicht munter.

Das trifft es genau.

Abkühlung

Home sweet Home


4. Juli – Etappe von Ralligen nach Interlaken

Die ersten Schritte auf einer Etappe sind immer die schmerzhaftesten, dass konnten wir heute deutlich spüren. Nach dem Frühstück im Brüderhaus ging es für uns dennoch los. Auf Waldwegen und durch kühle Schatten ging es zunächst immer wieder auf und ab. Hier und da waren Häuseransammlungen und herrliche Ausblicke auf den Thunersee. Kurz vor den Beatushölen ging es noch einmal richtig steil auf steinigen Schotterpisten oder Waldwegen entlang. Es waren viele Leute an den Beatushöhlen, sogar einige mit arabischer Abstammung. Es irgendwie lustig, denn genau in die Nähe ihrer Heimat wollen wir ja laufen. Ein interessanter Moment. Der steile Aufgang zu den Höhlen, muss mit unsren schweren Rucksäcken auch noch gemeistert werden bevor wir uns wieder ebenso steil hinab begeben. Bis zur Fährhaltestelle auf Seeniveau. Die Kraft lässt bereits jetzt nach und ich erkenne bereits jetzt, dass es mit unserem dritten Etappenziel nichts wird. Eine harte Lektion für den Anfang für mich, denn eigentlich wollten wir bis Brienz laufen, doch das ist unmöglich heute. Ich war wirklich frustriert und zweifelte am ganzen Unterfangen. Wie sollen wir so je Jerusalem ankommen? Von der Fährstation laufen wir am See entlang, nun relativ flach bis Interlaken. Es ist die erste Nacht wo wir keine Unterkunft vorbereitet haben, also entscheiden wir uns für den Campingplatz und dürfen dort für eine Nacht unser Zelt aufschlagen. In der Stadt Interlaken besorgen wir uns noch Proviant um dann am Abend die Chance zu nutzen und etwas im See zu baden, der immer noch recht frisch ist. Unsere erste Nacht im Zelt steht bevor. Es klappt gut und macht Mut für die kommende Zeit.

Etappe: 13km / Schritte: 23600 / Höhenmeter: 260m hinauf und hinab

Rauf und Runter macht nicht munter.

Das trifft es genau.

Abkühlung

Home sweet Home


5. Juli – Etappe von Interlaken nach Oberried

Über Ringenberg und Niederried

Da der Zeltplatz weit ausserhalb der Stadt Interlaken am See war, ging es nach dem Abbau des Zeltes zunächst in Richtung der Innenstadt. Auf Wanderwegen neben der Strasse und Nebenstrassen erreichen wir den Ort. Wegen der Erfahrung der letzten Tage besorgen wir Maria noch ein paar Wanderstöcke um sie beim Weg zu unterstützen. Dazu kam der Proviantkauf und die Aktivierung unserer SIM-Karten. Nachdem wir das organisatorische hinter uns gebracht haben, war es bereits Mittag. In der prallen Sonne geht es für uns durch die Touristenströme der Stadt Interlaken die auf dauer wirklich anstrengend sind. Als wir den Brienzersee erreichen wechseln wir noch die Seite der Aare (Fluss) um auf die richtige Seeseite zu gelangen über eine Bahnbrücke. Danach wird die Route wieder schöner. Über Nebenstrassen und Wanderpfaden geht es nach Ringenberg mit der alten Burgruine. Ein guter Ort um zu Rasten. Sebastian und ich gehen uns die Kirche und die Burg anschauen, während Maria im Schatten wartet. Auch heute ist es wieder sonnig und heiss. Danach geht es weiter an der Bergflanke entlang mal hoch und mal hinunter in der Nähe des Brienzersees entlang. In der Nähe des Ortes Niederried finden wir einen schönen Ort, an dem wir baden können. Eine Grillstelle, Bank, Bäume und eine Leiter die uns den Zugang zum See gewährt bieten sich an. Sebastian und ich nehmen ein kühles Bad im See. Er ist traumhaft blau und erfrischend. Ein echter Segen. Danach geht es weiter. Die letzen Kilometer führt uns unsere Navigation entlang der Üblandstrasse. Es ist nicht angenehm dort zu laufen, denn es gibt dort keinen Gehweg. Irgendwann haben wir auch das geschafft. Im Ort Oberried angekommen ist unser Proviant aufgebraucht, darum laufe ich noch schnell vor zum Dorfladen um etwas einzukaufen. 10min. bevor er schliesst komme ich dort an, während Maria und Sebastian noch nachgelaufen kommen. Bei der Brüdergemeinde in Ralligen hatten wir erfahren, dass es hier in der Kirche Notunterkünfte für Pilger gibt. In der Kirche angekommen fragen wir nach etwas überlegen telefonisch beim Pfarrer an. Etwas später kommt der wortkarge Mesner und weisst uns den Raum der Sonntagsschule zu. Dort hat es Herd und Betten. Im dämmern gehe ich noch eine Runde im See schwimmen. Danach haben wir eine Begegnung mit einer Fledermaus im Kirchenraum, sodass wir unser Zelt kurzerhand noch auf der Terasse vor der Kirche aufrichten. Die Nacht ist mild und wir können trotzdem gut schlafen. Nur der Klogenschlag des nahen Kirchturms reisst uns immer wieder aus dem Schlaf.

Etappe: 17km / Schritte 28 900 / Höhenmeter: 70m bergauf und 40m bergab

Noch frisch am Morgen

Interlaken endlich hinter uns

Burgruine Ringenberg

Place to be


6. Juli – Etappe von Oberried nach Brienzwiler

Über Brienz, Hofstetten und Ballenberg

Am Morgen verlassen wir früh die Kirche und den Ort Oberried. Es folgt ein leichtes Auf und Ab bis wir uns wieder auf Seeniveau befinden und am Ufer in Richtung Brienz laufen. Dort angekommen decken wir uns mit Proviant aus dem Supermarkt ein. An der Seepromenade entdecken uns drei Damen und sprechen uns wegen unseres Outfits an. Es stellt sich heruas, dass Christine, Maria und ihre Begleiterin Hospitaleros der nahen Pilgerherberge in Brienzwiler sind. Sie wollen natürlich alles über unsere Reise wissen und heissen uns herzlich in Brienz willkommen. Es war ein sehr schöner Austausch. Sie laden uns ein in der Pilgerherberge zu übernachten, was wir zunächst verneinen, aber später doch machen. Es war schön mit Menschen zu reden, die verstehen was wir da tun. danach geht es an der Promenade entlang bis zum Bahnhof, dabei durchqueren wir noch eine Ausstellung von Holzkünstlern, die schöne Holzstatuen am See aufgebaut haben. Es ist heute den ganzen Tag bedeckt und etwas diesig. Nachdem wir Brienz verlassen haben, folgen wir einer Nebenstrasse nach Hofenstetten hinauf. Oben kommt ein Wind auf und als wir das Freilichtmuseum Ballenberg erreichen beginnt es zu regnen. Also Poncho angezogen und weiter geht es. Hinter dem Museum geht es einen glitschigen Waldweg hinunter zur Überlandstrasse. Bei Starkregen folgen wir auf dem Gehweg dieser Strasse bis Brienzwiler. Es geht noch einmal hinauf bis zum malerischen Ort am Hang des Brünnigpasses. Nass kommen wir an der Pilgerherberge an und werden von Maria und ihrem Mann empfangen. Bei einem Kaffee dürfen wir uns aufwärmen. Im kleinen Garten der Herberge dürfen wir nach dem Regen unser Zelt aufbauen um unser Budget zu schonen. Am Abend essen wir gemeinsam mit den Hospitaleros und einer österreichischen Pilgergruppe, ein reger und interessanter Austausch findet dabei statt. Die älteren Damen mit dem Pilgerführer sind für eine Woche auf dem Jakobsweg unterwegs. Ein versöhnlicher Ausklang des Tages.

Etappe: 15km / Schritte: 26000 / Höhenmeter: 130m hinauf

Unglaubliche Sicht

Drahtseilakt

Brienzersee

Zelt steht


7. Juli – Etappe von von Brienzwiler nach Lungern

Über den Brünigpass und Naturfreundehaus

Unser Pilgerfreund Sebsatian muss heute eine Pause einlegen. Seine Beine schmerzen und so entscheidet er sich in Brienzwiler zu bleiben und zu gucken wie es weiter geht. Darum machen sich Maria und ich alleine auf den Weg. Hinter der Herberge verlassen wir den Ort über einen steilen Waldweg oder Treppen immer weiter hinauf. Es ist anstrengend und schön zugleich. Der Weg verläuft die ganze Zeit in einem Wald der uns in eine andere Welt versetzt. Mit Moos übersäte Steinhänge, schmale Treppen und Trampelpfade führen uns das erste mal so richtig hoch hinaus. Es riecht modrig und es ist still. Nur zwei jungen Wanderinnen begegnen wir, sonst sind wir für uns allein. Auf dem Pass angekommen gehen wir einen kleinen Umweg zu einem Aussichtspunkt. Uns bietet sich ein gigantischer Blick ins Tal. Meiringen ist zu sehen und fast noch Brienz. Wir geniessen diesen göttlichen Moment und die Aussicht. Danach geht es für uns weiter. Durch den Wald ein wenig hinab zur Passstrasse, der wir nun in der Nähe folgen bis zum Naturfreundehaus am Brünigpass. Dort machen wir eine weitere Rast. Sylvia die Wirtin ist eine sehr freundliche Frau. Ihr steht die Lebensfreude ins Gesicht geschrieben und wir kommen ins Gespräch. Angetan von unserem Unterfangen, entsteht ein herzlicher Austausch. Viele Fragen können dabei besprochen werden. Es war eine Wohltat und eine Aufmunterung nach dem strengen Aufstieg zu gleich. Sie ist einer der Engel vom Jerusalemweg, der zur richtigen Zeit erschien und unser Weiterkommen ermöglicht hat. Wir durften unsere Getränke nicht bezahlen und so gehen wir später gestärkt und mit neuem Mut weiter. Der Weg führt uns durch Wälder und Wiesen in der Nähe der Bahngleise entlang. Es geht steil hinab. An einer Stelle verlaufen wir uns etwas, und brauchen eine ganze Weile bis wir den schmalen Pfad durch den Wald finden. Es beginnt etwas zu nieseln bevor wir den Lungernsee und den Ort Lungern erreichen. Wir wählen auch hier den Zeltplatz um uns für die Nacht zu rüsten. In einer Regenpause bauen wir das Zelt auf und sind froh nun im trocknen zu sein. Sebastian kommt aus Brienz hergefahren, denn der freundliche Mann von Maria der Hospitalera fährt hin hierher. Darum sind wir wieder vereint. Am Abend spielen wir noch gemeinsam Karten im Restaurant des Campings.

Etappe: 10km / Schritte: 21200 / Höhenmeter: 700m

Brienzwiler hinter uns

Urige Pfade, so wie man sich Pilgern vorstellt.

Belohnung ganz oben

Sylvia der Engel vom Brünigpass

Kurz vor Lungern, ein Lichtblick


8. Juli – Pausentag in Lungern

Es ist der erste Pausentag auf der Pilgerreise. Die Anstrenungen der ersten Tage haben ihren Tribut gezollt. Für mich ist es eine Krise. Pausentage sind nicht sehr viele eingeplant! Auch sind wir bisher nicht so schnell voran gekommen wie ich es erhofft hatte und zweifle ich heute stark daran, ob wir jemals in Jerusalem ankommen. Ein ganze Weile sass ich in der schönen Kirche in Lungern und habe dort nach einer Einstellung zu der ganzen Situation gesucht. Ansonsten war an diesem Tag wirklich nur das Ausruhen im Vodergrund.


9. Juli – Etappe von Lungern nach Flüeli Ranft

Über Kaiserstuhl, Giswil und Sachseln

Es ist der erste Tag auf unserer Reise, den Maria und ich zu zweit bestreiten müssen. Denn Sebsatian hat starke Schmerzen in den Beinen und muss die Reise vorerst abbrechen. Er kehrt zurück nach Deutschland um sich zu erholen. Dementsprechend gedrückt war die Stimmung am Morgen. Für uns geht es dem Lungernsee entlang zum kleinen Ort Kaiserstuhl am anderen Ende des Sees. Das Wetter ist trüb und kühl. Bei 16°C lässt es sich gut laufen. Nun führt uns der Weg über Nebenstrassen an grünen Wiesen und Feldern vorbei nach Giswil. An der schönen alten katholischen Pfarrkirche machen wir unter einem alten Baum eine kurze Rast. Man spürt den Kantonswechsel den wir mit dem Brünigpass vollzogenhaben besonders in den Dörfern und den katholischen Kirchen die sich nun im Zentrum der Ortschaften befinden. Kurz nach Giswil geht es hinunter, ziehmlich steil eine Schotterpiste in der nähe der Bundesstrasse entlang in eine Ebene. Oben haben wir einen weiten Blick bis nach Sachseln, was wir ein paar Stunden später auch erreichen. Der lebendige Ort ist sehr gefpelgt und lädt zum Verweilen ein. Nach einer Pause entscheiden wir noch weiter bis Flüeli zu gehen. Dafür müssen wir erneut hinauf und so folgen wir Stufen und Anstiegen auf Wanderwegen hinauf nach Flüeli Ranft. Der Ort ist sehr alt, aber irgendwie auch nüchtern. Man spürt die Touristische ausprägung. Wir versuchen in einer Schwesterngemeinschaft unter zu kommen, aber das gelingt nicht. Die Unterkünfte hier oben sind für uns nicht bezahlbar, also gehen wir an den Ortsanfang zurück und bauen uns Zelt auf dem Grillplatz der Gemeinde auf. Unsere erste Nacht wildcampen steht an. Problemlos.

Etappe: 18km / Schritte: 32400 / Höhenmeter: 235 abwärts und 272 aufwärts

Schlechte Sicht auf Giswil

Wo soll da eine riesen Welle herkommen?

Sachseln in Sicht

Flüeli ist das Ziel

Wildes Zelten weil Herberge nicht bezahlbar


10. Juli – Etappe von Flüeli nach Buochs

Über Kerns, Ennetmoos, Stans und Oberdorf

Sehr früh sind wir am Morgen aufgestanden, damit uns niemand sieht und sind bei trüben Wetter losgelaufen. In Flüeli sind wir eine enge Senke hinab zu den Kapellen des Bruders Klaus und dem Kloster. Von da aus geht es wieder Steil an einer Flanke hinauf. Es gibt hier viele Wanderwege und so verlaufen wir uns etwas und müssen einen Umweg von 3km in Kauf nehmen. Es ist eine schöne Landschaft mit kleinen Kapellen und grünen Wiesen. Irgendwann kommen wir doch nach Kerns. Von da an geht es über Hügel und Feldwege weiter in Richtung Ennetmoos und Stans. Auf dem Weg hellt das Wetter auf und die Sonne kämpft sich nach zwei Tagen wieder einmal durch, was auch unser Gemüt aufhellt. In Kerns haben wir noch Blick auf den Sarnersee und kurz vor Stans sehen wir den Viewaldstättersee. Stans ist eine traumhaft schöne kleine Stadt. Hier können wir uns mit Proviant versorgen und ich kann noch einen Schlüssel in der Post nach Hause schicken, diesen hatte ich als Unterkunfstmöglichkeit mitgenommen, die wir aber nie gebraucht haben. Vor eine Schule machen wir auf den warmen Steinen Rast, denn die Sonne hat sich nun wieder dauerhaft durchgekämpft. Etwas später gehen wir weiter. In Oberdorf geht es für uns über einen Fluss und noch einmal einen Abhang hinauf. Wir können dabei Bauern beobachten die heuen und mit ihren Traktoren im gefühlten 90° Winkel den steilen Hang entlang fahren. Danach geht es immer bergab bis wir in Buochs ankommen. Da unsere Kraft für eine lange Suche nach der Unterkunft nicht reicht, peilen wir sofort den TCS-Cmapingplatz an. Leider liegt der nicht ganz auf unserer Route und so müssen wir noch eine ganze Weile am See entlang gehen. Die Sonne ist schon hinter den Bergen verschwunden als wir unser Zelt endlich aufschlagen können. Dort treffen wir noch eine Pilgerin die Unterwegs nach Santiago de Compostella ist, die junge Frau ist wenig redseelig, dennoch tut uns der Austausch gut. Wir geniessen den Abend am See und den Luxus des Campingplatzes.

Etappe: 24km / Schritte: 43 200 / Höhenmeter: 40m + 200m hinauf und 340m hinab

Anstieg vom Flüeli Ranft

Auf dem Weg nach Stans

Stans

In Buochs am Vierwaldstättersee


11. Juli – Etappe von Buochs nach Haggenegg

Über Beckenried, Brunnen, Ibach und Schwyz

Als wir das Zelt verräumt haben geht es für uns los. An der Promenade des Seeufers und an Strassen entlang gehen wir nach Beckenried. Dort überqueren wir den Vierwaldstättersee mit der Fähre nach Brunnen. Wir können für einen kurzen Moment die Stadt Luzern aus der Ferne sehen. Die Stadt Brunnen ist voller Leute und sehr unruhig. Wir versorgen uns mit frischem Geld aus dem Automaten und Proviant aus dem Supermarkt und verlassen die Stadt auf schnellstem Wege. Dabei geht es mal hoch und mal runter vorbei am Kloster Ingenbohl. Es wirkt irgendwie gruselig und steril von aussen. Danach führt uns der Weg in eine Ebene und auf Nebenstrassen an einer Kiesgrube vorbei nach Ibach. Unterwegs treffen wir zwei polnische Pilger die den Jakobsweg entlang laufen. Es entsteht ein angenehmes Gespräch. Von unserem Vorhaben sind beide Damen sehr angetan, schon fast ehrfürchtig. Nach einer Weile trennen sich unsere Wege auf der offenen Strasse wieder, wir gehen gen Osten, die anderen beiden nach Westen. In Ibach machen wir vor eine kleinen Kirche eine Rast. Nachdem das Wetter zunächst locker bewölkt war, zieht es nun zu. Hinter dem Ort laufen wir direkt auf die Stadt Schwyz zu, die am Hang des Kleinen und Grossen Mythen schon weit vorher sichtbar ist. Über ein Industriegebiet gelangen wir ins Zentrum. Dort treffen wir eine weitere Jakobspilgerin, die uns mit Worten Mut macht, dass man sich nicht unter Druck setzen sollte. Es war ein kurzer, aber sehr schöner Austausch. Nach einer Rast entscheiden wir uns noch weiter zu gehen. Es folgt der bisher schwerste Anstieg der Reise. Innerhalb von ca. 6km legen wir 930 Hohenmeter hinter uns. Zunächst auf asphaltierten Wegen geht es später Schotterpisten hinauf. Es beginnt zu regnen und die steilen Anstiege werden immer glitschiger. Immer wieder kleine Kurven und die Erkenntnis, danach geht es immer noch weiter hinauf. Nur sehr selten bekommen wir einen Blick zurück, durch die Bäume in Richtung des Sees oder den Felsen des Mythen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir in Haggenegg an. Nass von innen, durch das Schwitzen und von Aussen durch den andauernden Regen. Wir sind in Haggenegg auf 1414m am höchsten Punkt des Schweizer Jakobsweges angekommen. Das macht mich stolz. Nachdem wir den Moment genossen haben, suchen wir die Scheune in der wir übernachten wollen. Unterwegs haben wir ein Schlafen im Stroh gefunden und uns telefonisch bei der Familie gemeldet. Etwas abseits auf einer Alm finden wir das Gebäude. Mit uns übernachten noch Katharina und Peter aus Deutschland in der Hütte. Sie haben bereits Feuer gemacht und so können wir uns aufwärmen. Es hat aufgehört mit Regnen und die Wolken geben einen gigantischen Blick ins Tal frei. Ein erhebender Moment. Vor uns liegt die erste Nacht, schlafen im Stroh. Also Nase zu und durch.

Etappe: 19.5km / Schritte: 35 100 / Höhenmeter: 930 aufwärts

Fährfahrt nach Brunnen

Da gehts später rauf

So ca. 6km lang

Schlafen im Stroh

versöhnlicher Abschluss


12. Juli – Etappe von Haggenegg nach Einsiedeln

Über Alpthal und Trachslau

Der Morgen begrüsste uns mit einem herrlichen Blick. Es war erhebend über die Gipfel der Alpen zu sehen und die Sicht zu geniessen. Das Schlafen im Stroh ist so einigermassen gut gegangen. Die Bäuerin hatte uns noch ein Frühstück gebracht und so konnten wir uns gestärkt auf den Weg machen. Die Schritte am Morgen wahren mühsam, denn die Anstrengung des Vortages lag uns noch in den Knochen. Zurück zum Pass von Haggenegg ging es für uns heute nur bergab. Zunächst sanft über Schotterpisten an Feldern und Wäldern vorbei. Hier und da war mal ein Bauernhaus zu sehen sonst war es schön ruhig und beschaulich. Später kamen dunkle Wolken und es beginnt zu regnen. Im Tal angekommen, geht es nach einem steilen Abstieg nun sanft bergab. Doch der Regen wird heftig. In Alpthal verkrümmeln wir uns in die alte düstere Kirche um dem Regen für ein paar Minuten zu entgehen. Als es weniger wird, wagen wir es und gehen weiter. In der Nähe des Hauptverkehrstrasse folgen wir dem engen Tal Richtung Trachslau, dabei ziehen wir uns den Poncho immer wieder an und aus, weil der Regen nun wechselhaft ist. In Trachslau machen wir eine Pause in der Bushaltestelle. Nun wird das Tal breiter und luftiger und wir laufen weiter über Nebenstrassen an einem kleinen Kloster vorbei, dass sich romantisch auf einer Wiese einfügt. Von hier aus sehen wir bereits die Türme des Klosters von Einsiedeln. Etwas später kommen wir auch dort an. In Einsiedeln gehen wir uns ersteinmal Proviant kaufen und machen eine Rast. Danach entscheiden wir hier zu bleiben, denn Marias Füsse machen nicht mehr mit. Der Aufstieg gestern war zu viel. So gehen wir gemächlich hinauf zum gigantischen benediktiner Kloster und erkundigen uns nach einer Unterkunft für Pilger. An einer Rezeption mit einer freundlichen jungen Dame bekommen wir ein Zimmer zugewiesen. Alte Betten und Schränke aus Hartholz und ein Kreuz an der Wand geben dieser Unterkunft ein echtes Pilgerflair. Hier treffen wir Thomas aus der Schweiz und Adolf aus Österreich. Beides Pilger mit unterschiedlichen Zielen. Thomas ist auf der Suche nach Kontenplation und schon einige Wochen unterwegs durch die Schweiz auf dem Jokobsweg. Anton, ein gefühlt zwei Meter hoher älterer Mann möchte eine Lücke in seinem Jakobsweg schliessen zwischen Einsiedeln und Frankreich. Besonders mit Anton entsteht ein sehr schönes Gespräch. Sein freundliches Lächeln und die positive Ausstrahlung verzaubern mich. Mit seinen weissen Haaren und den kleinen Falten im Gesicht wirkt er für mich wie ein Zauberer, der mir neuen Mut ins Herz zaubert. Ein Satz von ihm in unserem Gespräch bleibt mir hängen: „Der Weg ist das Ziel, das ist blödsinn. Jeder Weg braucht ein Anfang und ein Ziel, sonst wäre es kein Weg!“ Es war eine tolle Begegnung mit den beiden. Am Abend besuche ich noch das Abendgebet der Benediktiner in der gigantischen Kirche von Einsiedeln.

Etappe: 13km / Schritte: 23 400 / Höhenmeter: 600m abwärts

Unsere Hütte in Haggenegg

Morgen in den Bergen

Das Mythenmassiv hinter uns

Das Kloster in Einsiedeln

Eine Klosterstube wie aus dem Bilderbuch


13. Juli – Etappe von Einsiedeln nach kurz vor Eschenbach

Über Pfäffikon und Rapperswil

Wir verlassen unseren neuen Pilgerfreund Adolf und das imposante Kloster in Einsiedeln. Auf einer Nebenstrasse geht es nun auf und ab durch eine interessante Hügellandschaft. Die hohen Berge der Tage zuvor im Rücken. Aus der Ferne können wir die Stadt Zürich erahnen während wir uns durch die malerische Landschaft bewegen. Durch Wiesen geht es in eine Senke, dort fliesst die Shil. Den Fluss überqueren wir über eine altertümliche Brücke um direkt danach der stark ansteigenden Strasse auf den Etzelpass zu folgen. Oben befindet sich die Klause und eine Kapelle des St. Meinrad. Nun geht es durch einen Wald stetig bergab über urige Wanderpfade mit vielen Wurzeln. Wir treffen einige Pilgergruppen die sich auf dem Weg nach Einsiedeln befinden. Als sich der Wald lichtet bekommen wir einen herrlichen Blick auf den Zürichsee, Pfäffikon und Rapperswil. Es geht für uns weiter steil bergab, zum Teil auch über Stufen und Steigen bis in die Stadt Pfäffikon wo wir an einem Brunnen rast machen. Nach der Stärkung gehen wir in der Stadt weiter in Richtung des Sees, wo wir danach über eine Landzunge zu einem Holzsteg kommen, der uns den Weg über den See ermöglicht. Viele Menschen nutzen das angenehme Wetter bei nicht zu hoher Hitze aber Sonnenschein für einen Spaziergang darüber. Der See scheint an dieser Stelle sehr flach zu sein. In Rapperswil angekommen, entscheiden wir uns weiter zu gehen und nicht die Herberge dort zu nutzen. Die Stadt wird schnell hinter uns gelassen und die Häuser vereinzeln sich wieder. Es geht wieder etwas hinauf über Wanderwege, durch kleine Wälder und über Wiesen bis kurz vor Eschenbach. Wir fragen Anwohner einer Eselfarm nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Sie können uns keinen Platz zum Zelten geben, aber sie verweisen auf einen Gemeindegrillplatz in der Nähe. Wir bekommen noch Pet-Flaschen mit Wasser gefüllt und sind dankbar für die Hilfe. Auf einem Höcker an einem Waldrand schlagen wir bei einer Bank und dem Grillplatz unser Zelt auf. Neugierig beäugt von den Kühen des Feldes nebenan, geniessen wir den Sonnenuntergang und den Abend.

Etappe: 23km / Schritte: 41 400 / Höhenmeter: 240m hinauf und 640m abwärts

Blick zurück auf Einsiedeln

Hügelig romantisch gehts weiter

Oberhalb von Pfäffikon mit Blick auf die Landzunge und Rapperswil

Langer Holzsteg nach Rapperswil

Hier sagen wir den Kühen gute Nacht


14. Juli – Etappe von Eschenbach nach nach Wattwil

Über St. Gallenkappel und Ricken

Am Morgen gehen wir gemeinsam nach Eschenbach. Es ist Sonntag und alle Geschäfte haben geschlossen. Es ist das erste Mal wo wir das bewusst wahrnehmen. Im Dorf hat es ein sehr sauberes öffentliche WC wo wir uns nach dem Wildcampen etwas waschen können. Hier trennen sich Marias und meine Wege. Sie ist müde und Ko und darum nimmt sie einen Bus nach Wattwil während ich mich zu Fuss weiter auf den Weg mache. Die Landschaft nach Eschenbach veränderte sich zunehmend, nach dem der Zürichsee im Rücken verschwand. Die Hügel wurden wieder steiler und die Gräben tiefer. Überfeldwege gelange ich nach St. Gallenkappel, ein Ort mit einer grossen Kirche in der ich ein paar Minuten raste. Es geht nun stetig immer weiter hinauf. Die einsamen Strassen und Wege, laden zum Nachdenken ein. Ich werde immer Mal wieder von Radfahrer überholt, nur wenige Autos passieren mich. Heute ist es wieder warm und sonnig. In Ricken habe ich meinen höchsten Punkt der Etappe erreicht, nach dem Ort kann ich Wattwil bereits sehen. Der Ort ist in Felsen eingefärcht und strahlt in der Sonne. Nun geht es für mich wieder Feldwege entlang über die Flur schnurrgerade auf den Ort zu, während sich die Strasse in Terpentinen hinunterschlängelt. Wattwil hat eine Burgruine die ich mir noch ansehe, bis ich den Ort vollends erreiche. Ich treffe Maria am Bahnhof wieder und wir entscheiden hier zu bleiben. Im ehemaligen Kloster, dass ich beim Ankommen bereits gesehen habe dürfen wir nach telefonischer Absprache übernachten. Die Anlage wird heute von zwei Priestern und dem Verein Fazenda genutzt. Dort finden Jugendliche mit einer schwierigen Vergangenheit mit einer Aufgabe und einer Struktur zu gesunden. Es ist ein herrlich friedlicher Ort der mich ganz ausfüllt. Lange bete ich in der Kapelle und bei einem Kaffee unterhalten wir uns mit dem Priester, den Menschen vor Ort und aus der Stadt. Es ist ein Gespräch wo es nicht nur um unsere Reise geht sondern auch um Gott und die Welt, was ich heute sehr angenehm empfunden habe. Der friedvolle Ort lässt mich aufatmen und ich bekomme neuen Mut für die Reise. Ich werde ihn wohl nicht so schnell vergessen. Ein Segen. Es wird eine der friedvollsten Nächte auf der Reise bisher.

Etappe: 22km / Schritte: 39 600 / Höhenmeter: 320m aufwärts und 570m abwärts

St. Gallenkappellen

Pilger Kapelle am Weg

Blick auf Wattwil

Die Fazenda ein ehemaliges Kloster

Klosterhof in Wattwil


15. Juli – Etappe von Wattwil nach Schönengrund

Über St. Peterzell

An einem trüben, kühlen und feuchten Morgen brechen wir auf. Als wir Wattwil verlassen geht es gleich über Wiesen steil hinauf. Die Wege sind ungewohnt markiert, denn man findet hier hin und wieder Wegweiser mitten auf einer grossen Wiese, die in eine Himmelsrichtung zeigen, Wege sind nicht zu erkennen. So beobachten wir Katzen bei der Mäusejagd oder passieren einzelne urige Bauerngehöfte, während wir uns immer weiter nach oben schieben. Es wird immer wärmer, je später es wird. Nachdem wir einen ersten Hügel überwunden haben, geht es in die nächste grüne Senke. Hier das gleiche Bild, einzelne Häuser, die jetzt bereits aussehen wie aus der Appenzeller Werbung, sonst nur Trampelpfade. Einmal wollen wir einer grossen Strasse ausweichen, werden aber von Hunden blockiert und laufen querfeldein durch hohes Gras. Danach geht es wieder bergauf durch einen kleinen Wald bevor wir Schönengrund unseren Zielort sehen. Es ist ein ruhiger, schon fast unspektakulärere Tag. In Schönengrund gehen wir auf einen Zeltplatz und richten uns ein. Am Abend schafft es die Sonne noch hinaus und wir können im trockenen unsere Nacht verbringen.

Etappe: 13km / Schritte: 23 400 / Höhenmeter: 2x 340m aufwärts und 2x 390m abwärts

Wattwil hinter uns

Einfach so…

Weiter aufwärts

Noch nicht ganz das Ziel

Aber hier in Schönengrund


16. Juli – Etappe von Schönengrund nach Jakobbad

Über Urnäsch

Es dauert etwas, bis wir unser Zelt abgebaut haben und aufbrechen. Wir sind müde und kommen nur langsam in den Rythmus. Der Weg verwöhnt uns heute mit einer traumhaften Hügellandschaft und Sonnenschein. Die bringt auch die Hitze wieder mit, der wir die letzten Tage entgehen konnten. Viele Wiesen die wir heute überqueren werden gerade geheut, sodass wir den Weg manchmal kaum finden und raten oft wo es lang geht. Der Duft der Wiese nach Gras ist eindrücklich, es geht rauf und runter, mal durch Wälder und Wiesen. Wir treffen hier eine Jakobspilgerin, die unterwegs nach Genf ist. Nach einem kurzen Austausch trennen sich unsere Wege schnell wieder. Wir sind froh als wir Urnäsch endlich erreichen, dort können wir im Schatten eines Brunnens rasten. Wir bleiben eine ganze Weile dort und ruhen uns aus. Dabei verüssen uns ein paar Ziegen die Zeit. Das Gehege ist angrenzend und so beobachten wir die Tiere (klein bis gross) und haben viele Freude an ihren Kunststücken und ihrem Interesse. Nach einer Weile geht es durch das Reka-Feriendorf hindurch aus dem Ort hinaus. Sofort geht es wieder über eine Wiese steil hinauf, auf den nächsten Hügel. Nun geht es wieder durch Wald und Flur bis wir St. Jakobbad erreichen. Vorher sehen wir das kleine Kloster am Fusse des Kronbergs, welches sich idylisch ins das Ambiente einfügt. Wir entscheiden hier zu bleiben. Unsere Kraft ist am Ende, es ist warm und es gibt hier einen Campingplatz. Wir dürfen uns platzieren und freuen uns, als die Sonne verschwindet und es etwas kühler wird. Das Ende eines landschaftlich idylischen Tages.

Etappe: 13km / Schritte: 23 400 / Höhenmeter: 390m und 240m aufwärts sowie 300m und 250m abwärts

Wegsuche hinter Schönengrund

Pilgeridylle auf 1000m

Appenzell wie man es sich vorstellt

Maria und die Ziegen

Kloster in Jakobbad


17. Juli – Etappe von Jakobbad nach Oberriet

Über Gonten, Appenzell, Eggerstanden und Kobel

Heute war die letzte Etappe in der Schweiz. Nach dem wir unser Zelt versorgt hatten, entschied sich Maria dazu mit dem Zug nach Appenzell vorzufahren, während ich den Weg zu Fuss weiter ging. Ich folgte der Hauptstrasse die mich an Gonten vorbeiführte. Es ging durch ein kleines Tal an dessen Flacke ich mal hoch und runter enlang gehe. Auch heute ist das Wetter wieder sehr schön und warm. In Richtung Appenzell wird die Umgebung etwas flacher und luftiger. Ich erreiche die Stadt an der Hauptstrasse entlang und treffe mich mit Maria in der Innenstadt am Marktplatz. Die Stadt mit ihren Blumen, Fachwerkhäusern und Geschäften ist wirklich etwas besonderes. Eine schöne lebendige Stimmung. Leider geht es Maria nicht besser, also nutzt sie auch für den nächsten Abschnitt den öffentlichen Verkehr. Beim verlassen der Stadt Appenzell überquere ich den Fluss Sitter und begebe mich nun dem Tal folgend Richtung Eggerstanden. Es ist heiss und der Weg eine Schotterpiste die wirklich nur geradeaus über die Felder führt. Kein Schatten weit und breit für einige Kilometer. Im Ort angekommen suche ich Zuflucht in der modernen Kirche des Dorfes. Danach geht es weiter auf dem Asphalt und etwas später gehe ich einen Wanderweg durch einen Wald. Ich komme an einer romantischen kleinen Kapelle vorbei mit einer Quelle davor. Es geht immer weiter hinauf. Ich treffe für eine ganze Weile keinen Menschen mehr, was einmal sehr angenehm ist. Oben angekommen entfaltet sich ein herrlicher Blick über das Rheintal vor mir. Von hier aus kann ich bis St.Gallen sehen und sehe auch mein Ziel Oberriet bereits. Jenseits des Reins liegt Österreich, der nächste Abschnitt unserer Reise vor uns. Doch beim Abstieg über Kobel habe ich meinen Weg nicht gefunden. Mehrere Male endet mein Weg im Dickicht und einmal sogar an einer steilen Klippe, weil ich querfeldein einen Weg gesucht habe. Ich hatte etwas Glück, denn es ging steil einige Meter hinunter. Nach einer ganzen Weile finde ich einen anderen Weg und finde dank diesem aus dem Wald hinaus ins Tal auf eine Strasse. Nach der Tortour verlief es reibungslos. Etwas zerkratz von den Dornen und dem Geäst komme ich wenig später in Oberriet am Bahnhof an. Dort treffe ich wieder auf Maria. Wir gehen zusammen zu Marlies einer Freundin, die uns für die kommende Nacht aufnimmt. Ein Abendessen, Wäschewaschen und ein Bier auf der Terasse, was für ein Luxus nach den Strapazen des heutigen Tages. Es wird ein schöner Austausch mit Marlies und ihrer Tochter Angela die uns wirklich herzlich versorgen. Das war nun das Ende unserer Zeit in der Schweiz. Morgen steht der erste Landeswechsel an. Wir sind gespannt.

Etappe: 23km / Schritte: 45 000 / Höhenmeter: 200m abwärts, 250m aufwärts und 610 abwärts

Psst Appenzell habe ich erreicht
Herrlicher Ort das Appenzell
Weiter gerade aus durch das Tal
Rheintal mit Österreich in Sicht
Endstation Oberriet

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