Palästina/Israel

Das Ende dieser Pilgerreise. Was bis dahin ein Traum war, wird nun Wirklichkeit. Voll gefüllt mit Erlebnissen der ganzen Reise werden die letzten Schritte zum Garb Jesu und zur Klagemauer ein wenig surreal. Dennoch wir haben es geschafft, Jerusalem das Ziel meiner Träume. Bilder, Berichte und Fakten zu den letzten Kilometern der Reise findest du hier.

Etappenübersicht / Tagebuch

Angekommen – 48km


 

15. – 19. Januar – Tage in Jerusalem

Also, ich los gelaufen bin wollte ich mir in Israel so viel ansehen. Doch ich wahr innerlich gesättigt von der Reise. So bin in ich jeden Tag in die Altstadt gegangen, oft sogar die gleichen Wege um das Flair der Stadt einzusaugen. Mit jedem mal wurde ich leichter. Wir haben zusammen die Anliegen der Menschen die uns begleitet haben am Tag zwei an der Klagemauer abgegeben, was für mich ein besonderer Moment war, aber auch entlastend war. Den Felsebdom habe ich mir ansehen dürfen, auch wenn ich es sehr schade finde, dass man als Nicht-Moslem ihn nicht betreten darf, denn ihren Glauben möchte ich so gern verstehen. Ich war ein weiteres Mal in Gezemane und auf dem Ölberg, wieder habe ich tolle Momente dort erlebt. Insgesamt vier Mal war ich in der Grabeskirche, um mich diesem Ort innerlich zu nähern. Beim dritten Mal konnte ich loslassen und spürte beim Hinausgehen eine Erleichterung. Der Ort ist das perfekte Symbol für das Ringen der Menschen nach dem Geheimnis der Auferstehung Jesu. Keine reine Wahrheit, nur ein Ringen mit dem heiligen Licht. Die Stadt selber, mit den Moscheen, Händlern, Kirchen, alten Stadtmauern ist mir ans Herz gewachsen. Ich habe im Franziskaner Kloster eine Urkunde bekommen für das Erreichen meines Zieles, mehr für mich als Erinnerung daran, dass ich alles mit eigenen Augen gesehen habe. Den Rest der Zeit haben wir geschlafen oder sind in der Neustadt Kaffetrinken gewesen. Es war unmöglich mehr zu tun. Es war eine schöne Zeit, doch die vielen Kämpfe und die Dauer-Therapie, wie Maria und ich diese Reise nennen, bleiben nicht spurlos an uns. Unsere Freundin Gabriela hat uns noch mit ihrer Freundin Nadia in Jerusalem besucht, was eine tolle Einstimmung war für unser Nachhausekommen. Am letzten Tag unserer Reise treffen wir uns noch mit Rosanna. Sie ist einige Wochen vor uns nach Jerusalem gelaufen und ist somit eine Wegbereiterin, denn ihr Tipps und Erfahrungen hat uns einiges erspart. So war es ein schöner Austausch und ein guter Abschluss der Reise. Ich möchte mein Pilgertagebuch hier beenden, die Reise wird weiter gehen, denn unsere Erfahrungen müssen verarbeitet werden. In gewisser Weise hat sie geendet, wie sie begonnenen hat: mit einem Schritt ins Ungewisse! Danke für deine Begleitung.

Der sitzt, das bin ich!

 

Erleichterung an der Klagemauer

 

Yes, I 💛 Jerusalem!

 

Der Felsendom

 

Herrliche Architektur

 

Die Grabeskirche innen

 

Das Grab Jesu

 

Damascus-Gate

Stadtmauer mit Jaffa-Gate

 

Schönheiten der Neustadt


14. Januar – Etappe von Maale Adomin nach Jerusalem

Über Bethanien

Nach der Verabschiedung von meinen Gastgebern der letzten startete ich meine letzte Etappe zum Grab Jesu. Ich folgte einer Strasse aus der jüdischen Siedlung hinaus. Direkt nach den Polizeiposten gab es Warnschilder, dass ich nun in eine arabisches Dorf komme und es für die jüdische Bevölkerung eventuell gefährlich ist, hier zu passieren. Was für eine Realität. Danach kam ich in das typisch chaotische Treiben eines Dorfes hinein. Über eine Art Schrottplatz gelange ich auf eine Militärstrasse die mich wieder einige hundert Höhenmeter hinunter in ein kleines Tal führt und am anderen Ende hinauf. Dazwischen leben Beduienen die wie Fremdkörper zwischen den grossen Bauten der Vororte wirken. Über eine Strasse geht es dann in das arabische Dorf Bethanien hinein. Eine ältere Frau mit einem Kopftuch, spricht mich mit einem milden Lächeln an und erfragt den Grund dieser Reise. Ich erkläre was ich tue und sie scheint sich darüber zu freuen. „Es ist gut für den Geist, wenn man jeden Tag läuft.“, meint sie und ich ziehe von dannen. Später komme ich im Zentrum des Dorfes zur Kirche des Lazarus, der hier irgendwie begraben und von Jesus auferweckt wurde. Ein schöner Kirchenbau der von einem lächelnden Mönch bewacht wurde. Als ich beim hinausgehen nach der Gruft des Lazarus suche komme ich an einem Minimuseum vorbei. Die muslimische Frau bringt mich mit einigen Erklärung an das Grab, dass unscheinbar zwischen Kirche und Moschee liegt. Neben der Moschee liegt noch eine orthodoxe Kirche die geschlossen war, wie sehr häufig eigentlich. Vom Grab des Lazarus gibt es hinauf und nach ca. einem Kilometer komme ich an die Mauer, die Israel vom Westjordanland trennt. Vom Anblick her erinnert das ganze stark an die Berlinermauer nur wirkt sie noch etwas höher. Hohe Häuser auf beiden Seiten geben dem ganzen einen bizzarren Anblick. Ich laufe nun parallel zur Mauer durch ein palästinensisches Wohngebiet bis zu einem Checkpoint der den Charme eines Hochsicherheitsgefängnisses hat. In einer langen Reihe von Palästinenser Reihe ich mich ein und umgeben von Eisen, Stacheldraht und Kameras zwängen wir uns durch die Drehtür. Immer zu zweit oder dritt geht es in eine Schleuse in der wir unser Gepäck durch einen Scanner schieben und unsere Pässe durch einen Schlitz den Beamten zukommen lassen, die in einer Art Bunker sitzen und Befehle über das Mikrofon an uns richten. Ein Palästinenser drückt aus einem Versehen den roten Stop-Knopf vom Scanner, weil es eng war in der Schleuse.  Danach ergeht ein eine Parade von schroffen Befehlen über uns, von denen ich kein Wort verstehe. Es wird ein wenig hektisch. Irgendwann kommen dann schwer bewaffnete Beamte in den Bereich hinein und Reseten den Scanner, der daraufhin seinen Dienst wieder aufnimmt. Nach dem mein Gepäck gescannt war wurden mir noch fragen gestellt unter anderem ob ich den Knopf gedrückt hätte. Irgendwann werde ich erlöst und ich darf den Checkpoint verlassen. Es hat mich ungefähr eine Stunde gekostet und das Wetter ist in der Zwischenzeit von sonnig auf bedeckt umgeschlagen, irgendwie passend. Der Strasse folgend die gerade und extrem steil den Ölberg hinauf führt (so steil ist keine Strasse in der Schweiz) komme ich keuchend an der Pater Noster Kirche an in die ich Eintritt bezahlen soll, was ich mir nicht gönne. Zum Glück bleibt es der einzige Ort in Jerusalem wo man für ein Heiligtum Geld verlangt.

Nach einer kleinen Kurve sehe ich die Altstadt von Jerusalem vom Ölberg aus das erste Mal in meinem Leben. Ich habe mich sofort in diese Stadt verliebt, ein Lächeln huscht über meine Lippen und ich verbringe einige Minuten da oben und geniesse den Blick auf die Stadt. Die grossen Emotionen bleiben aus, zu voll ist mein Herz mit Eindrücken und zu müde mein Geist von den Tagen des Pilgerns. Während ich auf die Stadt Blicke sprechen mich zwei deutsche an (Vater und Tochter) und wir kommen ins Gespräch. Sie sind natürlich voller Begeisterung für diesen Moment, auch wenn sie etwas irritiert davon sind, dass ich nicht übermässig emotional wirke. Etwas später lasse ich mich von einer jungen Polin vor der Silhouette fotografieren. Ein schönes Gespräch entsteht über das erlebte. Nach einer Weile nähere ich mich doch der Altstadt und gehe eine Strasse entlang die mich zunächst direkt zum Garten Gezemane führt. Der Garten in dem Jesus am Abend vor seiner Verurteilung war, ist heute eine kleines Quadrat mit uralten Olivenbäumen. Trotz der Besucher die diesen Ort besuchen hat er einen besonderen Charme erhalten. Ich spüre einen inneren Frieden an diesem Ort und die Heiligkeit ist spürbar. Die Kirche, die direkt am Garten errichtet wurde ist eine der schönsten die ich je gesehen haben. Sie ist zwar dunkel, aber mit Mosaiken in den Gewölben übersät. Auch die drei Aktarbilder bestehen aus winzigen kleinen Fliessen, die eindrücklich zeigen was hier geschehen ist. Trotz der Menschen in diesem Raum spürte ich eine besondere Verbindung zum Licht. Der Garten mit der Kirche war um Fusse des Ölbergs genau zwischen dessem Spitze und der Altstadt, die wiederum auch auf einem Berg errichtet wurde. So gehe ich über eine Hauptstrasse hinauf in Richtung des Löwentores. Nur wenige Minuten nach dem Garten Gezemane betrete ich also durch das Tor die Altstadt von Jerusalem. Sogleich verlieben ich mich in die engen Gassen und die alten Gebäude. Ich folge dem Kreuzweg in der Stadt und bleibe bei ein paar Stationen stehen, halte inne oder bete und gehe dann weiter den enger werdenden Gassen und Treppen entlang. Die Händler der unzähligen Shops sind angenehm zurückhaltend und auch die Menge der Menschen in dem Gassen ist nicht zu viel. Im Gewirr der Stände spricht mich Anton ein Pilger an. Er ist vor 4 Tagen nach einer 1jährigen Pilgerfahrt von Santiago de Compostela über Rom in Jerusalem angekommen. Es war ein schöner Austausch inmitten des Gedränges, denn ein Pilger versteht natürlich einen Pilger sehr gut. Ein Satz der noch Balsam auf die Seele war: Es kommt nicht auf die Kilometer an und die Länge der Reise an, sondern darauf, wie dein Herz sich bereiten lässt. Diese Aussage von Anton ist mir nichts neues, doch vergesse ich es zu oft. Dann ging es weiter einer Kreuzprozession folgend bis zu Grabeskirche, dem Ziel meiner Reise. Ich habe mich auf den kleinen Platz vor der Kirche gesetzt, und habe einfach nur geschaut. Mal liegend und mal sitzend auf den kalten Platten und war einfach nur da. Kein Gefühl, keine Emotion. Die Blicke der Menschen auf mich nehme ich nur am Rande wahr und so vergehen Augenblicke. Ungefähr 30-45 Minuten bin ich auf dem Platz. Mal liege ich und schaue in den eintönig grauen Himmel, mal sitze ich und schaue auf den Eingang der Grabeskirche und die Menschen davor. Ich werde von einer jungen deutschen Frau angesprochen die sich neben mir auf den Boden setzt. Sie fragt was ich tue und etwas über die Reise. Sie hat ein hohen Einfühlungsvermögen für die Situation. Erst jetzt wird mir klar, dass ich ein wenig Angst habe hinein zu gehen, denn dann habe ich es ja gesehen. Nach dem kurzen Austausch traue ich mich doch und gehe mit Rucksack, Stock und einem gemischten Gefühl in die Kirche. Es ist der 14. Januar 13.45Uhr. Ein bizzarer Moment! Die Kirche ist baulich und gefühlsmässig für mich nicht greifbar, einige Minuten gehe ich von Kapelle zu Kapelle und kann die einzelnen Ecken nicht einfangen in mein Herz. Auch später als ich das Grab Jesu was sich im Zentrum der Kirche befindet sehe ist es schwer eine Verbindung zu dem Ort aufzubauen.  Als ich völlig geplättet die Kirche nach einer Weile wieder verlasse, stelle ich innerlich fest, dass es die gruseligste Kirche ist, die ich je gesehen habe und dennoch etwas grösseres darin wohnt. Der Moment das grosse Finale meiner Reise ist bizzar. Danach bahne ich mir einen Weg zum New Gate um auf schnellstem Wege zu Maria zu gehen die hinter der Altstadt im Hotel auf mich wartet. Es war eine Freude sie wieder zu sehen. Ich war müde und irgendwie kaputt und mein Herz war kaum noch fähig etwas aufzunehmen. Was für ein letzter Tag.

Etappe: 17km / Schritte: 30 600 / Höhenmeter: 2x 150m hinauf und 2×150 hinab.

 

Start – der Ölberg bereits in Sicht

Blick Richtung Bethanien

 

Die Mauer in der Stadt

 

Die Stadt zum ersten Mal gesehen

Geschafft!

Der Garten Gezemane

 

Kirche in Gezemane

 

 

Löwentor in die Altstadt

 

In den Gassen

 

Kreuzweg

 

Siegerfoto

 

Die bizzarre Grabeskirche

 

Der Blick nach oben – ich kann es nicht glauben!


13. Januar – Etappe von Jericho nach Maale Adomin

Am Morgen verlasse ich das Kloster recht früh um in der Stadt nach einem Kaffee zu suchen, aber alle Geschäfte haben zu. Also breche ich auf und verlasse die Stadt über einem Trampelpfad an einem Gefängnis vorbei. Dann geht es auf eine Strasse die mich steil hinauf führt, bereits nach wenigen hundert Metern habe ich eine fantastische Aussicht über Jericho. Die Strasse verläuft schlängelartig an gelben Bergen vorbei die sich wie Giganten aus der Ebene herauf drängen. Von der Strasse aus kann ich in eine Schlucht schauen an deren Fuss der Fluss Wadi al Qualt sich hindurch gearbeitet hat. Die Dimension der Felsen und der Tiefe erinnert mich an die Rocky Mountains auch wenn ich diese noch nie gesehen habe. Wenig später gehe ich in diese Schlucht hinab am mir das Kloster St. Georg anzusehen. Oben an der Strasse versucht mir ein Palästinenser noch Tücher zu verkaufen oder ein Foto mit einem Kamel. Ich kaufe ein Glas Orangensaft, was auch angeboten wird, dabei streiten sich zwei der drei Männer, wer mir den Saft verkaufen darf. Und so entscheide ich mich, von einem, den Orangen- und vom anderen den Granatapfelsaft zu kaufen. Beides war sehr lecker und hat mir neue Kraft gegeben. Danach ging es steil hinunter zum orthodoxen Kloster, das direkt an und in die Felswand der Schlucht gebaut wurde. War es auf dem Berg oben, alles noch sehr gelblich und karg war unten am Fluss eine kleine Oase. Palmen und sattes grün füllten die Schlucht und machten diesen bemerkenswerten Ort noch eindrücklicher. Nach dem ich mich satt gesehen hatte an der Schönheit, ging es Stufen hinauf die mich am Kloster vorbei die Felswand hinauf führen. Danach folgte ich der Schlucht auf engen Pfaden. Immer wieder war der Wadi al Qalt zu sehen und seine grünen Ufer, die wie eine Linie durch das Gestein führte. Hier oben gab es künstliche Kanäle, die das Kloster versorgten und die Herden an bestimmten Stellen tränken. Hin und wieder liessen diese Rinnen mit Wasser es zu, dass auch hier oben ein Baum wächst, während es sonst nirgends Leben zu sehen gab. Auf der anderen Schluchtseite treibt ein Hirte seine Herde an Abhängen entlang und ich staune über die Geschicklichkeit der Ziegen die rasant über die Steine springen. Irgendwann überquere ich den Fluss an einer seichten Stelle, wo ich über Steine Balanciere um auf die andere Seite zu kommen. Dann verlasse ich die Schlucht mit dem Fluss und muss erneut einen steilen Anstieg in Kauf nehmen. Hier Grenzt die Wüste an und das sieht man auch. Ich treffe vier junge Frauen aus Dänemark die hier einige Zeit im Land verbringen, wir tauschen uns etwas über die Erfahrungen aus, bevor es weiter aufwärts geht. Ein Blick zurück und ich habe eine herrliche Sicht auf die Wüste die nun vor mir liegt. Als ich die Spitze des Berges erreicht hatte, komme ich in die Nähe der Schnellstrasse von Jericho nach Jerusalem. Auf Pfaden parallel zur Fahrbahn passiere ich einige Beduienen Kamps mit ihren Tieren. Die Menschen hier grüssen sehr höflich, aber interessieren sich wenig für mich. Ein paar Mal endet der Weg irgendwo und ich improvisiere bis ich die letzten zwei Kilometer an der Schnellstrasse direkt entlang gehe. Von dort aus gehe ich auf einem Gehweg der Strasse zu den Vororten der Stadt Jerusalem. Ich passiere eine Polizeistation und ab diesem Moment ist alles hebräisch angeschrieben. Der ganze moderne Gewerbepark ist voll von hebräischen Unternehmen und auch der 5km entfernte Ort Maale Adomin. Alles wirkt relativ neu und wird durch Polizeiposten an Strassen überwacht. Der Siedlungsbau der Israeliten wirkt bizzar. Der Ort Maale Adomin ist ein künstlicher Ort der komplett neu errichtet wurde im Gebiet des Westjordanlandes. Seine moderne Architektur und die sauberen Strassen sind ein echter Kontrast zu dem, was ich zuvor gesehen habe. Da ich zu müde war um nach Jerusalem zu laufen, wollte ich hier übernachten, doch es gab kein Hotel oder keine Pension im Ort. Die Menschen hier waren auch nicht sonderlich hilfsbereit und so wusste ich sehr lange nicht was ich tun soll. Es sah nach einer Nacht im Park aus, bis ich bei Airbnb doch noch ein Bett gefunden habe, als es dunkel ist, komme ich bei der Familie an die mir ein leeres Zimmer mit Bett zur Verfügung stellt. Etwas Bizarr war, dass der Mann vor seinen beiden Kindern mit einer Pistole herum lief. Die Familie war aus Amsterdam und ist vor 4 Jahren hier her gezogen, weil religiöse Juden hier ein besseres Leben haben als in Europa. Was für eine ernüchternde Erkenntnis.

Etappe: 28km / Schritte: 50 400 / Höhenmeter: 230m + 250m + 380m hinauf und 220m + 240m hinab

 

Das Kloster St. George

 

Blick zurück zum Kloster und Wadi al Qalt

 

Ziegen beim Klettern

 

Die Wüste und ich

Schnellstrasse nach Jerusalem

 

Maale Adomin


12. Januar – Etappe Grenze nach Jericho

Am Morgen fahren wir mit dem Taxi Richtung der Grenze Jordanien und Israel. Am Tag zuvor bin ich fast bis dahin gelaufen (nur 2km fehlten) doch die Grenze war wegen das Samstags heute nur 3h geöffnet und so musste wir in diesem Zeitraum passieren. Der Taxifahrer brachte uns durch das bazarmässige Treiben bis zur Polizeistation wo in tristen Gebäuden die Touristen abgefertigt wurden. Nach dem der Pass kontrolliert war mussten wir die Ausreisegebühr bezahlen, wovon wir im Internet zuvor gelesen haben. Was auch immer da bezahlt werden muss wenn wir gehen. Danach wurden wir aufgefordert in den Bus zu gehen und das Gepäck zu verstauen und danach als der Bus voll war, bekommen wir die Pässe wieder. Zu unserer Überraschung mussten wir jetzt noch den Transport bezahlen inklusive unseres Gespräcks. Niemand hat das uns vorher gesagt und billig war das auch nicht. Dafür, dass man keine andere Wahl hat, empfinde ich das als ziemlich dreist, zumal man erst damit konfrontiert wird wenn man sitzt und die Pässe bereits kontrolliert wurden. Ein blödes Ende in Jordanien, was uns sonst verwöhnt hat mit Offenheit und Freundlichkeit. Der Bus fährt über die King Hussein Brücke über den Jordan in das Westjordanland. In einem wüsten ähnlichem Gebiet werden wir den Bus verlassen um durch die Kontrolle der israelischen Seite zu gehen. Taschenscanner und ein paar Fragen und schon waren wir durch. Auch hier wieder die Erfahrung, dass der deutsche Pass uns Privilegien gibt, denn andere Nationalitäten wurden deutlich schärfer und genauer befragt und kontrolliert. Nach den Kontrollen im Nirgendwo des Grenzgebietes mussten wir wieder einen Bus aus dem Militärgebiet nehmen. Diesmal steigen Maria und ich in unterschiedliche, denn ich will Richtung Jericho, während sie nach Jerusalem vor fährt, wo wir uns zwei Tage später treffen wollen. Der Bus bringt mich direkt  zur nächsten Kontrolle, dieses Mal unter palästinensischer Flagge. Die Herren dort sind allerdings hoch erfreut mich mit als Deutschen zu sehen, dass ich mehrfach beglückwünscht werde und mit viel Hochachtung behandelt werde. Ich verlasse zu ihrem Erstaunen das Gebäude ohne in den Bus zurück zu kehren sondern auf der Strasse Richtung Jericho zu laufen. Es ist ein warmer Tag, mit viel Sonne und so gehe ich beschwingt Richtung Innenstadt. Jericho ist eine chaotische kleine Stadt mit vielen Geschäften und lebhaftem Gehupe. Auf dem zentralen Kreisel ist ein grosser Weihnachtsbaum aufgebaut, was mich sehr erstaunt. Ich bahne mir den Weg in Richtung der Hauptmoschee wo ich von freundlichen Ladenbesitzern zum Tee eingeladen werden. Auch hier scheinen alle über meine Abwesenheit froh zu sein. Danach gehe ich in das Franziskaner Kloster, dass durch seine auffallende Weihnachtsdeko ins Auge fällt, Krippe, Weihnachtsbäume, Kugeln und Weihnachtsmänner überall. Man gewährt mir ein Bett im Keller des Seitengebäudes für die Nacht. Die Brüder sind viel beschäftigte Menschen, denn immer wieder kommen Reisegruppen die von ihnen geduldig durch das Areal geführt werden. Somit bleibt aber auch keine Zeit für mich Pilger. Ich besuche eine Messe von einer australischen Reisegruppe in der schönen Kirche des Klosters. Die Nonnen, die jeder Gruppe Produkte aus ihrem Kloster auf einem kleinen Stand präsentieren sind sehr freundlich und wir kommen ins Gespräch. Aus Frankreich kommen sie ursprünglich, aber leben seit 30-40 Jahren im Heiligen Land. Auch am Abend ist mächtig Betrieb im Kloster, neben einer Taufe zieht die aufwändige Weihnachtsbeleuchtung immer wieder muslimische Menschen auf den Hof des Klosters. Ich bin dankbar für das Bett und gehe wenig später schlafen.

Etappe: 7km / Schritte: 12 600 / Höhenmeter: 5m

 

Mit dem Taxi zur Grenze

Strasse nach Jericho

Das Kamel am Stadion

 

Die Kirche zum Guten Hirten im Franziskaner Kloster

 

Abgefahrene Weihnachtsdeko im Klosterhof