Österreich Teil 1

Von Rankweil bis nach Salzburg durchqueren wir die Alpen. Neben der traumhaften Natur den freundlichen Menschen warten einige Grenzerfahrungen auf uns. Hier findest du die Tagebucheinträge der Reise zusammen mit Bildern und einigen Fakten.


Etappenübersicht / Tagebuch

Alpenraum – 349km


4. August – Etappe von Heiterriet nach Hallwang

Über Gois, Viehhausen, Salzburg und Ittzling

gestärkt brechen wir am Gasthof Sternerwirt auf. Heute scheint wieder die Sonne mit einzelnen Quellwolken, darum gehen wir frohen Mutes durch ein längeres Waldstück. Dem Radweg entlang kommen wir bis zur Kirche Gois, wo wir die erste Rast machen. Danach kreuzen wir die Autobahn uns gehen am Flughafen entlang bis nach Salzburg. Der Weg führt uns durch einen Tunnel am Anfang der Altstadt direkt ins Zentrum am Domplatz. Salzburg ist traumhaft schön, mit den grossen Plätzen und den kleinen Gassen, sowie den vielen Menschen an Santiago de Compostella. Der Dom war nicht so goldig und hatte ein Bild der Auferstehung Jesu im Zentrum, was ihn damit für mich zu einem besonderen Ort macht. In der Stadt haben wir uns noch einen Kaffee gegönnt und eine Kugel Eis, danach sind wir durch verschiedene Quartiere raus aus der Stadt. I’m Anschluss ging es über Felder und unter der Autobahn hindurch nach Hallwang. Dort haben wir eine Frau getroffen die uns Wasser und eine O-Saft Flasche geschenkt und eine weitere die uns vergeblich versucht ein Zeltplatz bei Anwohnern zu vermitteln. Also wieder Wildes Campen hinter einem verlassenen Bauernhaus. Dort konnten wir verschiedene Tierarten in der Nacht zuhören.

Etappe: 26km / Schritte: 46 800 / Höhenmeter: 70m mit vielen Aufs und Abs

Linz, Wien und Ungarn – unsere nächsten Ziele


Das Tor zu Salzburg – Strassen- und Fussgängertunnel

Kuppel im Dom zu Salzburg

Auf dem Weg nach Hallwang

3. August – Etappe von Unken nach Hinterreit

Über Unterjettenberg, Bad Reichenhall, GmainDer Saalach weiter folgend überquerten wir kurz hinter Jettenberg die Landesgrenze und waren für ein paar Kilometer in Deutschland. Der Saalach mündet kurz vor Bad Reichenhall in den Saalachsee, der weit weniger schön war als das Tal zuvor, da dort Wasserwerke und Kiesanlagen das Bild etwas trüben. Hatten wir bis dahin noch Glück und konnten uns bei Schauern immer wieder unterstellen, traf es uns hier umso heftigr. Trotz Wald fanden wir kaum Schutz. Pitsch Patsch nass kamen wir in Bad Reichenhall an, um uns bei einem EDEKA-Kaffee aufzuwärmen. Danach ging es den Hügel rauf bis Gmain, wo wir Deutschland schon wieder verlassen. Ein Ort weiter gönnen wir uns in einem Gasthaus ein Zimmer, weil die Nacht weitere Schauer gemeldet wurden. Ein herrlicher Luxus nach dem sparsamen Verlauf. Das ungewohnte war, keine Berge mehr zu sehen am Horizont, das erste mal seit Beginn der Reise. Alpen Ade.

Etappe: 24km / Schritte: 43 200 / Höhenmeter: 80m aufwärts und abwärts


Das Pfarrhaus in Unken

Da bahnt sich was an – Wetter

Ach du Heimatland – Deutschland

It’s raining (wo) man

Schnell weiter nach Bad Reichenhall

Premiere – kein Berg am Horizont

2. August – Etappe von Waidring nach Unken

Über LoferEines der schönsten Streckenabschnitte überhaupt lag auf dem Programm. Nach Waidring biegen wir in das Tal vom Lofernbach ein, der sich romantisch durch nahezu unberührte Natur schlängelt. An einer herrlichen Kneipp-Anlage verweilen wir und geniessen das eiskalte Wasser. Wenige Bauernhöfe und kleine Kapellen zieren den Weg bis Lofer, einem b x Dorf, dass von Bergen eingekesselt ist. Nach der Rast geht es in dem Tal weiter der Saalach entlang, die sich ebenso wildromantisch durch die Szenerie windet. In diesem Tal ist die Zeit stehen geblieben. In Unken haben wir das Vergnügen in einem warmen Bett mit Dusche und WC bei einem pilgerfreundlichen und etwas verpeilten Priester zu übernachten. Aber auch in dieser Nacht hört der Kampf gegen die Mücken nicht auf. Dafür gab es am Morgen ein Frühstück in des Priesters Küche. Herrlich.

Etappe: 21km / Schritte: 37 800 / Höhenmeter: 250m abwärts


Morgenromantik in Waidringen

Der urige Lofernbach

Wald hinter Lofer

Regenpause in der Kapelle Au

Foto-shooting kurz vor Unken

1. August – Etappe von Obernhof nach Waidring

Über St. Johann i.T., Kirchdorf und ErpfendorfAm kommenden Morgen ging es Maria etwas besser und wir sind spät losgelaufen. Der erste Ort war St. Johann war ein typischer Touristenort wo alles sehr aufgeräumt erschien. Danach ging es dem Fluss Achen entlang an den Fahrradwegen. Sehenswerte Kurven, Wälder und kleine Orte machten das Laufen erträglich. Nachdem es gestern viel geregnet hat, war uns der Sonne-Wolken-Mix willkommen. Das Tal wurde immer enger, je weiter wir gingen. Am Abend in Weidringen haben wir mehrere Bauern und Hausbesitzer mit grossem Wiesen wegen eines Zeltplatzes Garten gefragt, doch die meisten waren an unserer Reise interessiert aber nicht an Hilfestellung. Also haben wir in der Nähe hinter einer Scheune campiert.

Etappe: 18km / Schritte: 32 400 / Höhenmeter: 180 aufwärts und abwärts


Tirol von der besten Seite / Erpfendorf

Überquerung der Achen mal anders

Immer wieder Wetterwechsel

Kein Platz in der Herberge und im Garten

31. Juli – Etappe von Kirchbil nach Itter (bis Obernhof mit Bus und Bahn)

Der Morgen begann mit einem Aufstieg von ca. 180m. Oben haben wir dann eine Pause gemacht und was gegessen. Als wir weiter ins Dorf zum Laden wollten ist Maria erst schwindlig geworden, dann ist sie zusammengeklappt. Nach einer Dosis Zucker und etwas Ruhe entschieden wir uns schweren Herzens auf den nächsten Camping zu fahren und einen Tag Pause einzulegen. Nach Obernhof sind wir dann etwas umständlich mit Bus und Bahn, über Kitzbühl und Wörgl gelangt. PAUSE.

Etappe 5km / Schritte: 9000 / Höhenmeter 180m


30. Juli – Etappe von Radfeld nach Kirchbil

Über Kundl, Wörgl, BruckhäuslEin letztes Mal war uns heute Bahnschiene und der Fluss Inn über Kundl bis nach Wörgl unser Begleiter. Bei Sonne und kaum Wolken wurde es wieder heiss und der Kampf gegen Mücken und Bremsen an den kleinen Zuflüssen der Inn wurde wieder einmal zur Routine. In Wörgl haben wir eine längere Pause gemacht, die Stadt war nicht sehr schön, dafür voll und lärmig. Nachdem es weiter ging, kühlte uns der Wind und Wolken etwas ab. Wir verlassen das Inntal und laufen Richtung Kitzbühler-Alpen ins Brixental. Nach ein paar kleinen Dörfern fragen wir an einem Bauernhof um einen Zeltplatz, diesmal werden wir mit wenigen Worten auf die Weide unterhalb des Hofes verwiesen. Wir haben bekommen, worum wir gebeten haben. Schnell Zelt aufbauen bevor uns die Bremsen kriegen.

Etappe: 20km / Schritte: 36 000 / Höhenmeter: 90m


Und weiter an der Bahn entlang

Netter Versuch in Wörgl, aber wir sind weiter gegangen

Bruckhäusl weiter geradeaus

Schlafplatz auf der Weide

29. Juli – Etappe von Vomperbach nach Radfeld

Über Vomp, Stans, Jenbach, Rotholz, Strass i.Z., St. Gertraudi, Brixlegg RattenbergNach einem ausgedehnten Frühstück mit guten Gesprächen brechen wir nach neun Uhr auf. Immerhin es hat kurz zuvor aufgehört mit Regnen. Bei angenehm kühlen Bedingungen liefen wir mal wieder der Bahnstrecke und der Inn entlang und kamen dabei gut voran. Nach Jenbach haben wir wieder die Seite des Inns gewechselt und sind den Radweg entlang bis Strass gelaufen. Nach einer längeren Pause dort, ging es an der Mündung des Zillertals über die Ziller entlang durch den Wald. Am Ortsanfang von Brixlegg sind wir im Matzenpark an mehreren Villen und Burgen vorbei gekommen. Nach einer Rast in Brixlegg wollten wir noch weiter bis Rattenberg. Zu unserer Überraschung war es eine sehr schöne mittelalterliche Stadt mit Burgruine. Was schön anzusehen ist, ist ungünstig für eine preiswerte Unterkunft. Darum sind wir weiter bis Radfeld. Sehr lange sah es so aus, als würde uns niemand aufnehmen können, bis wir an einem traumhaften Bauernhaus vorbei gekommen sind, an dem Sepp mit einem Bier auf der Bank sass. Nach unserer Bitte um ein Stück Wiese für die Nacht, musste er noch seine „Chefin“ Brigitte fragen und dann durften wir bleiben. Am späten Abend gab es noch selbstgebrannten Obstler und Bier, sowie ein gutes Frühstück mit netten Gesprächen. Was für ein Glück wir doch haben, und ohne zu merken haben wir unseren Tagesrekord geknackt – 27km!

Etappe: 27km / Schritte: 48 600 / Höhenmeter: 80m


Sind wir wieder auf dem Jakobsweg? 🤔

Pause in Jenbach

The Beginning of Zillertal

Rattenberger Altstadt

28. Juli – Etappe von Innsbruck nach Terfens/Vomperbach

Über Arzl, Rum, Hall in Tirol, Mils und FritzensEndlich Wolken und keine Sonne mehr, bei angenehmen 22°C. Über Arzl und Rums schlängelt sich unser Weg schön dem Hang entlang. Durch ein farbenfrohes Salatfeld laufen wir danach wieder das Inntal hinunter nach Hall in Tirol. Dort beginnt der Regen, allerdings angenehm leicht und ohne, dass er uns die Laune vermiest. Viel Mais ist in dieser Gegend auf den Feldern, etwas Abwechslung für das Auge. Doch ab Mils, ging es weiter an der Bahn entlang bis hinter Fritzens. Dort führte uns dann das Kartenapp auf eine Schnellstrasse. Zu erst konnten wir noch hinter der Leitplanke im Regen laufen, irgendwann ging das nicht mehr. Da die Strasse zu gefährlich schien, sind wir querfeldein zuerst einen Wanderpfad gefolgt, aber wegen eines Hundes dann doch über die Pitsch Patsche nasse Weide. Recht bedient hatten wir uns in das Warte-Häusel des Bahnhofs von Tafers gesetzt um abzutropfen. Für den Abend hatten wir abgemacht bei Susanne einer Pilgerin die einen Ort weiter in Vomperbach lebt zu Zelten. Um sie vorzuwarnen, dass wir in einer Stunde etwa bei ihr sind. Doch Susanne holte uns ab, wir durften bei ihr in der Wohnung schlafen und mussten das Zelt nicht im Regen aufbauen. Ein Abendessen, Dusche inkl. Handtücher, ein Bett, Zeitungen für die Nassen Schuhe, zwei Wäschen, Impregnierspray, Frühstück und ein toller Erfahrungsaustausch waren das volle Verwöhnprogramm. Sie wusste als Pilgerin eben selbst was ein Pilger braucht. Zum Schluss durfte ich sogar noch ein Paket packen, mit Sachen die wir zurück schicken wollten und sie bringt es für uns zur Post. Eine echte Sonnenseite in einem regenreichen Tag.

Etappe: 22km / Schritte: 39 600 / Höhenmeter: 200m aufwärts und abwärts Auto: 3km


Salat hinter Innsbruck

Sonnenseite am Regentag

Break in Fritzens

Unser Engel Susanne

27. Juli – Etappe von Inzing nach Innsbruck

Über Zirl und VölsNach dem Zeltabbau im Pfarrgarten sind wir der Bahn Linie entlang bis nach Zirl. Von dort aus haben wir die Inn-Seite gewechselt und gehen später zwischen in und Autobahn entlang. Die Kilometer waren durch den Lärm der vorbeirrauschenden Autos und Radfahrer echt Mühsam. In Völs haben wir uns im Gewerbepark bei Mc Donalds gestärkt bevor wir am Flughafen und der Inn entlang Innsbruck erreichen. Da die Pilgerherberge dort ausgebucht war (wir haben 7.30Uhr angerufen) haben wir in ein sehr schönes Jouth Hostel übernachtet. Am Abend war ich noch kurz in der Innenstadt die durch viele Musikanten und Menschen sehr fröhlich wirkte.

Etappe: 18km / Schritte: 32 400 / Höhenmeter: 50m


Pilger Autobahn, nur schnell weg hier.

Flugzeuge am Flughafen Innsbruck beobachtet

Eine lebendige Stadt

26. Juli – Etappe von Stams nach Inzing

Über Rietz, Telfs, Oberhofen a. I., Flaurling, HattingNach dem wir aus Stams heraus gelaufen sind, ging es auf eine Anhöhe ca. 130 Höhenmeter hinauf. Von dort hatte man einen schönen Blick auf Stams und die Stiftskirche. Hinter dem beschaulichen Ort Rietz verliessen wir den Jerusalemweg wieder und folgten im Tal entlang der Bahnlinie. Kurz vor Flaurling erwischte uns ein Gewitter mit starkem Regen. Danach ging es weiter entlang der Bahn und kleinen Flüssen bis nach Hatting. Immer wieder gab es kämpfe mit den Bremsen. Eigentlich wollten wir in diesem Ort übernachten, aber das Gefühl stimmte nicht, also sind wir nach einer Pause noch weiter in den nächsten Ort gelaufen. Am Ortsringang sind wir schnell in den Supermarkt, weil wieder ein Gewitter drohte, und es kam auch mit Macht. Also entschlossen in Inzing zu bleiben. Doch die Schlafplatzsuche gestaltet sich als schwierig. Viele Leute können oder wollen uns nicht helfen, bis uns am Ende eine ältere Dame auf den Pfarrgarten verweist und meinte, das geht schon in Ordnung. Ein Schlafplatz war gefunden.Etappe: 20km Schritte: 36 000 Höhebmeter: 150m + 50m aufwärts und 200m abwärts


Auftanken vor der Asphaltstrecke

Immer der Bahn nach

Schnell mal Online und warten bis das Gewitter vorbei ist.

25. Juli – Etappe von Roppen nach Stams

Über Haiming, SilzHeute lag noch ein heisser Tag vor uns, darum haben wir uns erneut früh auf den Weg gemacht. Das Morgenrot in Roppen verhiess uns einen guten Tag, was er aber leider nicht wurde. Kurz hinter der Kiesgrube etwas ausserhalb der Ortschaft überfiel uns eine Kompanie Bremsen. Trotz aller Abwehrbemühungen waren diese lästigen Kreaturen nicht abtuschütteln. Sie verfolgten uns bis Haiming, wo wir uns erstmal einen Kaffee gönnten. Doch auch danach liessen diese Tiere uns nicht wirklich in Ruhe. Darum gingen wir weiter an der Hauptverkehrsstrasse bis zu unserem Zielort Zams. Allerdings wieder bei Hitze und brennenden Asphalt. Die Verantwortliche des Zeltplatzes begrüsste uns dermassen unfreundlich und genervt, dass ich mich nach Roppen zurück gewünscht habe. Ein gebrauchter Tag mit dem ersten richtigen Pilgerkoller. Ab morgen soll es zumindest kühler werden.

Etappe: 18km / Schritte: 32 400 / Höhenmeter: 80m


Verheissungsvoller Beginn

Man findet sie überall

Hauptstrasse bei Silz

24. Juli – Etappe von Zams nach Roppen

Über Anreit, Rifenal, Kronenburg, Saurs, ImsDie Etappe ging gleich mit einem steilen Anstieg von 250 Höhenmeter los, bis hinauf nach Anreit und weiter zur Seilbahn nach Rifenal. Am Ende des Ortes hatten wir einen mystischen Blick auf die vor uns liegende Kronenburg. Bis dahin war es allerdings noch mit kleineren Auf und Abs 30min. Gehzeit. Kurz vor der Wallfahrtskirche von Kronenburg sind wir einem älteren Ehepaar begegnet die liebend gern Pilger am Abend bei sich aufnahmen, doch es war zu früh am Morgen, dass es für uns in Frage kommt. „Wir finden die Pilger auch so!“ sagten die beiden auf die Frage ob sie im Pilgerführer als Adresse stehen. Nach Kronenburg ging es rege weiter mit den Aufs und Abs, darum entschieden wir uns von der Pilgerroute abzuweichen und im Tal an der Inn weiter zu laufen. Bei 34°C auf dem Asphalt nicht schön, aber etwas weniger anstrengend. In Ims im Gewerbepark nutzten wir die Chance um uns neu einzudecken, zwei Gürtel (für mich ein Damengürtel weil mir sonst keiner passte) waren auch dabei. Weiter an der durch einen kleinen Canion bis nach Roppen. Dort haben wir zunächst an einem Haus nach Wasser und einem Platz zum Zelten gefragt. Das Wasser gabs (zum Glück, das Brunnenwasser und Leitungswasser war nicht gut) und einen Tipp, bei der Bauernfamilie neben an zu fragen. Als sich dort nichts rührte, wurde uns doch ein Zeltplatz zu Teil bei den zuerst angefragten. Eine Grossmutter die wir zwischendurch getroffen haben brachte uns Radler und 6l Wasser zum Waschen. Die andere Familie versorgte uns zum krönenden Abschluss noch mit einer reichhaltigen Proviant-Tüte. So gut habe ich lange nicht gegessen. Zum Schluss sassen wir voll gefüllt mit Leckereien, satt und zufrieden vor unserem Zelt. Was für eine Hilfsbereitschaft und Güte.

Etappe: 24km / Schritte: 43 200 / Höhenmeter: 300m aufwärts und abwärts


Wallfahrtskirche Kronenburg am Morgen

Hinter Ims am Inn

Völlig Platt jeden Schatten suchen

Tolle Begegnungen in Roppen

23. Juli – Etappe von Flirsch nach Zams

Über Verill, Grins, StanzDie Etappe beginnt mit einem Anstieg von ca. 380m bis hinauf nach Verill einem kleinen Ort am Hang gelegen. Wir sind heute bereits um 6Uhr auf dem Weg um der Hitze zu entgehen. Das Gelingt auch eine Weile im schattigen Wald sehr gut. Später kommen wir durch den Zintwald vor Grims der eigentlich gesperrt ist wegen Erdlawinengefahr. Die die Alternative mehrere Kilometer Umweg bedeutet widersetzen wir uns der Warnung des Bürgermeisters und gehen den verbotenen Weg entlang. Etwas mulmig war uns schon als wir die riesen Steine und die Erdrutsche sahen, doch alles ist gut gegangen. Hinter Grins ging es nach Stanz hinauf, einem Dorf voller Schnapsbrenberein. Von dort aus steil bergab Richtung Zams, wo wir nach ein paar Kilometern brennendem Asphalt am Inn ankommen. I’m Supermarkt sprechen wir Erika nach einem Zeltplatz an, sie bietet uns an in ihrem Obstgarten zu übernachten. Ein Freund von ihr fährt uns sogar als Taxi bis zu ihr nach Hause. Erika und Hubert zwei Landwirte wollten eigentlich noch heuwenden auf der Alm, aber Hubert wollte mit uns vorher noch einen Obstler und ein Bier trinken, das war ein Befehl dem wir folgen mussten.

Etappe: 18.5km / Schritte: 33 300 / Höhenmeter: 380m + 200m aufwärts und 780m abwärts.


Morgenstund in den Bergen

Aussicht im „verbotenen“ Wald

Orientierung in Grins

Der Obstgarten von Erika und Hubert

Der Obstler und ich. 😋

22. Juli – Ruhetag – Etappe von Pettneu nach Flirsch

Nach der schweren Etappe zuvor haben wir unseren Ruhetag eingeschoben. Wegen der Erfahrung des letzten in Lungern CH wollten wir wenigstens etwas laufen um nicht aus dem Rhythmus zu kommen. Also sind wir dem Fluss Rosanna weiter gefolgt bis Flirsch. Kurz und gut bei ca. 30°C. Die kommende Woche rollt eine Hitzewelle über Österreich, das wird uns beschäftigen.

Etappe: 5km / Schritte: 9 000 / Höhenmeter: 20m


Weiter gemächlich durchs Tal

21. Juli – Etappe von Klösterle nach St. Anton a. A. (mit Bus nach Pettneu)

Über Langen, Stuben, Rauz, St. ChristophHeute lag die Königsetappe vor uns. Von Klösterle ging ein Steiler Anstieg von 150m bis oberhalb des Ortes. Von da an führte der Weg stetig steigend oberhalb des Tals entlang. Das Wetter meinte es gut mit uns, bei angenehmen 18°C und im ersten Drittel des Aufstiegs leichter Nieselregen, erleichterten uns den Start. Ab Stuben folgt ein weiterer steiler Anstieg auf einer breiten Schotterpiste am Rauzbach entlang. Vorbei an Unmengen stillstehender Seilbahnen (nur im Winter ist betrieb) folgten wir der kargen Steinlandschaft bis St. Christoph auf 1793m Höhe. Nach einer Rast mit Kaffe am Gipfel führte uns der Weg nocheinmal steil nach oben über eine Wiese, an den höchsten Punkt des Jakobsweges überhaupt. Stolz war ich auf uns. Danach folgt ein scheinbar endloser Abstieg durch einen Kiefernwald bis zum Fluss Rosanna. Dort geht der Weg spektakulär an Felsen vorbei bis St. Anton. Die teuren Unterkunftspreise zwingen uns bis Pettneu mit dem Bus zu fahren. Ab dem Gipfel war wieder tolles Wetter mit viel Sonne. Der Busfahrer war sehr interessiert an unserer Reise und befragte uns beim Aussteigen. Ich sage immer: „So Gott will, sind wir in 6 Monaten in Jerusalem.“ Natürlich will Gott das, glaubt mir.“, war seine prompte Antwort. Wir schaffen das, war er sich sicher. Ein schöner Abschluss eines legendären Tages.

Etappe: 18km / Schritte: 32 400 / Höhenmeter: 790 aufwärts und 580 abwärts / Höchster Punkt 1860m


mächtig Bergauf nach Klösterle

Rückschau ist immer schöner, als wenn man dran ist.

Oben stolz wie Bolle

und wieder runter, nun bei Sonne

20. Juli – Etappe von Außerbraz nach Klösterle

Über Dalaas, Wald a. Arlberg

Der Tag beginnt sonnig und freundlich. Nachdem wir unser Zelt zusammen geräumt hatten, sind wir in den nächsten Dorfladen um uns mit Proviant einzudecken. Nach der Stärkung sind wir noch ca. 100m weiter gelaufen und kommen an der Kirche von von Innerbraz vorbei. Davor war eine grössere Gruppe Radfahrer die ebenfalls Rast machten. Es war ein lebendige, quirlige Gemeinschaft die durch die Lautstärke ihrer Unterhaltung auffiel. Als wir vorbei gehen wollen rufen sie laut: „Kaffee, wollt ihr Kaffee?“ Ich irritiert: „Öh ja, warum nicht?!“ Prompt sassen wir in einer Gruppe älterer Holländer die uns mit Fragen durchlöchern (gleichzeitig) und jede Antwort mit Jubel quittieren. Nach der lebendigen Begegnung mit den Radfahren (noch nicht mal 1km nach dem Nschtlager) konnten wir endlich richtig losgehen. Der Weg führte uns durch Dalaas immer weiter in das enger werdende Klostertal. Wir folgen dem Flusslauf des Alfenz und überqueren ihn immer wieder bis wir Klösterle erreichen. Dieser Ort hat gar kein Kloster, uns kein Platz für uns auf dem Camping. Nach der ersten Verunsicherung finden wir noch einen Platz in der Pension.

Etappe: 18.5km / Schritte: 33 300 / Höhenmeter: 490m aufwärts


Immer aufwärts im Klostertal
der Alfrenz unser ständiger Begleiter
Klösterle ohne Kloster

9. Juli – Etappe von Röns nach Außerbraz

Über Thüringen, Ludesch, Nüziders, Bludenz

Durch Wiesen und Wälder auf Pfaden entlang führte uns der Weg nach Thüringen und Ludesch. Wir begnen kaum Menschen und so können wir die Stille und die Landschaft geniessen. In Ludesch selbst öffnet ein älterer Herr ganz hektisch das Fenster seines Zimmers und ruft uns zu, dass wir die falsche Richtung auf dem Jakobsweg gehen. Wir konnten ihn beruhigen, als wir sagen, dass wir rückwärts unterwegs sind. Oft sagen wir nur, dass wir den Jakobsweg rückwärts laufen, denn wenn wir von unserem ganzen Unternehmen berichten, dann braucht es häufig eine längere Erklärung, weil man es uns sonst nicht glauben würde. Auch heute scheint die Sonne wieder und es ist warm geworden. Hinter den beiden Orten verengte sich das Tal spürbar und so war die Hauptverkehrsstrasse und die Zugschienen nie weit weg. Wir laufen glücklicherweise durch die Wälder an der Schattenseite des Hangs entlang und so bleiben wir vielerorts von der Sonne verschont. In der wunderschönen Stadt Bludenz haben wir eine längere Rast gemacht. Die herrliche Kirche und die kleinen Gassen der Bergstadt sind malerisch und laden zum verweilen ein. Danach verläuft unsere Route immer tiefer ins Klostertal hinein. Noch einmal 300 Höhenmeter hinauf, vorbei an kleinen Gehöften, Kapellen liegen nun hinter uns. Bevor wir unser Zielort Ausserbraz erreichen geht es wieder hinunter in das schmale Tal, an dessem Fuss der Ort zwischen felsigen Bergen eingefärcht liegt. Wir begegnen ein paar Leuten und versuchen eine Übernachtung auf einer Wiese zu ergattern, doch heute ist das nicht möglich. Die meisten verweisen uns auf nahegelegene Hotels oder Pensionen. Am Ortsende finden wir ein Hotel mit Campingplatz und schlagen im sicheren Terrain unser Zelt auf. Der Platz ist kaum besucht und so können wir uns ausbreiten. Im engen Tal wird es schnell dunkel und so schlafen wir an diesem Tag früh ein.

Etappe: 23km / Schritte: 41 400 / Höhenmeter: 150m + 300m aufwärts und 200m abwärts


Röns ein traumhafter Ort zum Sein

Über Thüringen nach Jerusalem

Herrliche Berge rund ums Klostertal

18. Juli – Etappe von Oberriet (CH) nach Röns (AT)

Über Rankweil und Satteins

Von Oberriet ging es am Morgen auf ebenem Gelände bis zur Zollstation und der Rheinbrücke. Unsere freundliche Gastgeberin Marlies und Tochter Angela hatten uns noch ein reichheiltiges Frühstück gemacht uns so brechen wir gestärkt auf. Die Tochter geleitet uns noch bis zur Brücke bevor wir uns verabschieden. Es war ein eigentümliches Gefühl, das erste Mal auf der Reise die Schweiz zu verlassen, auch wenn es mit Österreich sicher noch deutschsprachiges Land ist. Die ersten Kilometer im „neuen“ Land verliefen flach, über Schotter oder Asphalt, direkt in Richtung Rankweil. Die geradlinigen Streckenabschnitte ohne Schatten waren bei sehr warmen Temperaturen eine Qual. Dennoch veränderte sich die Umgebung merklich, denn im flachen Rheintal sahen wir das erste Mal seit langem Maisfelder und Salat, der in seinen Reihen grüne Striche in die Landschaft zog. In Rankweil angekommen, wurden wir mehrfach von sehr freundlichen und aufgeweckten Österreichern auf unser Reiseziel Jerusalem angesprochen. Das hat richtig Spass gemacht. Auch die Jerusalemway-Route war deutlich auffälliger zu sehen. Als wir durch das Zentrum der Stadt gingen schrie uns ein älterer Herr hinterher: „Ey Jerusalemweg Pilger!“. Maria und ich waren sichtlich überfordert mit der Offensive: „Meint der uns?“. Auch junge Männer fragten uns nach der Reise aus, sie machten gerade eine Pause auf der Baustelle. Nach der Ortschaft ging es gemächlich aufwärts, asphaltiert und später auf Schotter nach Satteins. Die 195 Höhenmeter waren für uns kein Problem. Gleich an einem der ersten Häuser des Ortes ruft uns Roswita aus ihrem Garten zu sich heran. Wir berichten von dem Vorhaben und sie ist bedeistert. Nur wenige Minuten später sitzen wir mit einem Kaffee und ihrem Mann Peter auf der Terasse und unterhalten uns. Ich höre viel von der Region Vorarlberg und den Bergen die wir bei dem schönen Wetter sehen konnten. Schwerem Herzens verabschiedeten wir uns nach einer Weile wieder, denn es war noch Zeit und wir wollten noch weiter. Der erste Eindruck der Österreicher war überwältigend. Weitere 120 Höhenmeter hinauf, durch Wälder und Wiesen kommen wir ins Dörfchen Röns. Es hatte sich zauberhaft in die Landschaft eingefügt und wirkte so, als hätte man es seit Jahrhunderten nicht berührt. Wir waren sehr Unsicher, doch wir wollten die Menschen fragen ob wir nicht irgendwo auf der Weide unser Zelt aufschlagen dürften. Gestärkt durch die freundlichen Begegnungen des Tages, fragen wir das ertse Bauernpaar am Ortsanfang. Sie werfen sich einen Blick zu und dann geht es los. Magrit führt uns zum Haus und zeigt uns eine Wiese im Garten. Unsere Wasserflaschen werden gefüllt und während des Aufbaus vom Zelt lernen wir die Grossmutter Heidi kennen. Ihr Lächeln war so heiter und eindrücklich, dass es einem nach der ganzen Anstrengung gleich viel besser geht. Wir werden eingeladen das Bad zu benutzen und später sitzen wir nich bei Magrit, ihrem Mann Michael und dem Sohn Tobias am Tisch und unterhalten uns zum Abendessen. Die offenen und freundlichen Menschen, die Gastfreundschaft und Herzlichkeit waren unbeschreiblich wohltuend. Wir reden über das Leben als Landwirt, die Unterschiede zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich und natürlich über das Pilgern. Denn Röns liegt direkt am Jakobsweg. Zum krönenden Abschluss gab es noch ein Stück Kuchen von Heidi. Besser und schöner hätte uns Österreich nicht empfangen können. Was für ein Start.

Etappe: 23km / Schritte: 41 400 / Höhenmeter: 190m + 120m aufwärts und 150m abwärts

Die Grenze Rheinbrück
Erster Grenzübertritt der Reise
Rankweil
Herrliche Natur im enger werdenden Tal
Röns – fast am Ziel