Jordanien

Das Ziel Jerusalem rückt mit einem Mal richtig nahe. Ein erstaunlich offenes und liberales Land Jordanien führt uns auf den Berg Nebo, auf dem Mose und nun ich, das gelobte Land zum ersten Mal sehen. Durch die Wüste geht es an den Jordan. Mein Tagebuch mit Bildern und Fakten findet ihr hier.


Etappenübersicht / Tagebuch

Ins gelobte Land – 93km


10. Januar – Etappe vom Toten Meer zur Baptism Site und der Grenze

Die Grenze ist am Freitag und Samstag wegen des Sabbaths der Juden nur drei Stunden am Vormittag geöffnet. So ist klar, dass ein Laufen inklusive Landeswechsel vom Toten Meer aus nicht möglich ist. Also gehe ich vom Hotel aus der Hauptstrasse folgend in Richtung Grenze. Der Jordan ist der Grenzfluss zwischen Jordanien und Israel/Palästina und somit Militärzone. Der Strassenverlauf ist dem Fluss entlang mit einigen Kilometern Abstand. Mein Ziel ist heute die Taufstelle Jesu am Jordan und der Landeswechsel erst einen Tag später. Nach 6 Kilometer an der Schnellstrasse entlang biegt diese in Richtung Amman ab während ich weiter gerade aus laufe. Hier ist auf einmal ein riesen Militäraufgebot, was die ganze Sache ein wenig bedrückend macht. Alle hundert Meter steht ein Soldat am Strassenrand und guckt grimmig drein und alle Kilometer ein Panzerfahrzeug. Ich mache eine Tugend daraus und nehme mir vor alle freundlich zu grüssen. Die meisten sind irritiert, doch ein paar auch wirklich begeistert und wir kommen ins Gespräch. Ungefähr 7 Kilometer geht das so und insgesamt 3 mal wird mein Pass von Polizisten kontrolliert die alle sehr freundlich waren. Besonders wenn sie realisiert haben, dass ich Deutscher bin wollten sie positive Stimmung verbreiten. Dann komme ich an einer Art Grenzposten an, von dem aus ich den Jordan nur mit einem Shuttleservice und einem Guide erreiche. Es dauert eine Weile bis genug Menschen da waren, damit das Shuttle anfährt. Hier bekomme ich auch die Erklärung für das Militäraufgebot. Der Freitag ist in Jordanien wie bei uns der Sonntag der heilige Tag der Woche. Unter der Woche war das Orthodoxe Weihnachtsfest und die Kirche nutze den freien Tag für Weihnachtsrituale am Jordan. Eine riesen Menschenmenge war dort als wir ankamen. Zum Glück waren alle bereits im Gehen als wir die wenigen Meter zum Jordan gehen. Amerikaner, Syrer, Dubaianer, Spanier und Georgier machten unsere Gruppe zu einem bunten internationalen Mix. Der Jordan war heute braun und dreckig und trotz hohem Wasserstand nur ca. 6m breit. Die vermeindliche Taufstelle Jesu liegt heute fast trocken neben dem Fluss, weil dieser in der Antike mehr Wasser geführt hat. Dennoch war es faszinierend für mich das erste Mal in meinem Leben an einem Ort zu sein, wo Jesus auch war. Für mich und meinen kleinen Geist unvorstellbar, der Sohn Gottes hier. Später kamen wir noch an eine Stelle wo wir den Jordan tatsächlich berühren durften und so strecke ich meine Hand auch einmal in die braune Brühe. Direkt gegenüber war der Zugang der israelischen Seite. Nur wenige Meter trennen mich von diesem Land. Mein Pilgerstab ist das Highlight für den Mann aus Syrien und Dubai und wir kommen ins Gespräch und wie so oft sind sie begeistert von meiner Reise. Nachdem wir uns das Gebiet angesehen hatten wurden wir wieder zurück gebracht. Es gibt in dem Gebiet 7 Kirchen verschiedener Abteilungen, leider durften wir keine Besuchen. Der weise König Jordaniens hat weitere 7 Bauplätze freigegeben damit sich niemand vernachlässigt fühlt von den Kirchen. So werden es beim nächsten Mal vielleicht schon 14 Kirchen sein. Eine Moschee in der Nähe hat sich auch mit eingeschlichen. Als ich zurück auf die Strasse gelange ist das ganze Militär weg. Zur Grenze die bereits geschlossen ist für diesen Tag sind es noch 5km Luftlinie. Ich laufe noch ca. 3-4km bevor ich umkehre und zum Toten Meer zurück laufe. Der Syrer und der Mann aus Dubai nehmen mich ein paar Kilometer mit zurück bevor ich den Rest allein laufe, so wie ich gekommen bin. Interessant war noch, das die Bewohner am Abend auf dem Gehweg der Schnellstrasse Feuer gemacht haben und gegrillt haben. So musste ich einige Einladungen ablehnen bis ich wieder im Hotel ankomme. Der letzte Tag in Jordanien war nun schon vorbei. Ein sehr interessantes und offenes Land.

Etappe: 17km (nur Jerusalemway) / Schritte: 30 600 / Höhenmeter: 50m aufwärts

 

An der Strasse wo das Militäraufgebot steht

 

Der Jordan zum ersten Mal in Sicht

 

Taufstelle Jesu

 

Sieben Kirchen bisher

 

Sunset am Abend

 


9. Januar – Etappe vom Mount Nebo ans Tote Meer

Der Tag verschont uns die ersten Minuten mit dem Regen, der Wind ist aber immer noch vorhanden, wenn auch nicht mehr so heftig wie am Abend zuvor. Wir verabschieden uns vom Pater, der uns noch vom Hügel zu winkt und dann geht es hinab. Den Nebo im Rücken, Israel und Palästina vor uns. Nachdem wir 3 Kilometer der Überlandstrasse gefolgt sind haben wir die Wahl zwischen einem Umweg und weiter auf der Strasse oder etwas kürzer aber durch schlammige Pfade, denn es hatte nun begonnen zu Regnen. Gar nicht so leicht. Wir gingen die Pfade entlang durch die Einsamkeit. Es war eine faszinierende, wüstenähnliche Umgebung die wir nun durchstreifen. Geröll, Gestein und Schlamm auf hügeligem Gebiet. Kein Baum oder Strauch weit und breit. Der Berg Nebo ist  800m über dem Meer und das Tote Meer ist der tiefste begehbare Punkt der Erde. Er liegt ca. 420m unterhalb des Meeresspiegels, so geht es für uns heute nur bergab, was mit der Zeit anstrengend wird für die Knie. Es ist schwierig zu beschreiben was wir hier sehen. Vor uns das Jordantal und hinter uns der immer grösser werdende Nebo. Von dieser Seite wirkt er wie ein richtiger Berg. Dazwischen wir, auf Wegen die mal gut sichtbar sind und mal kaum auffindbar und nur mit GPS zu erahnen, in einer Wüstelandschaft bei strömendem Regen. So geht das viele Kilometer lang und der Abstieg ist beschwerlich. Als wir die Schnellstrasse aus der Ferne wieder sehen, begegnen uns einige Hirtenkamps mit ihren Zelten,  Kamelen und natürlich Hunden die sich zum Teil direkt auf unserem Weg breit gemacht haben. So laufen wir immer wieder kleine Umwege querfeldein um die Herden nicht aufzuscheuchen. Das raubt weiter Kraft. Nach der Strasse wird das nicht besser. An einem Ort sehen wir eine Herde mit Hirten am Hang stehen, während wir an der Talsole entlang gehen. Der Hirte dirigiert uns von oben, in dem er uns „Yes“ und „No“ zuruft wenn wir abbiegen. Einem Satz verstehen ich völlig anders als Maria. Sie hört „I got you!“ und ich höre „I Love you!“ Was beides nicht wirklich Sinn macht aber unsere Charaktere ein wenig beschreibt, der Optimist (Love) und der Realist (hab dich!) einfach herrliche Situationskomik. Als wir dem Toten Meer bereits Nahe sind und wir sogar schon Jericho sehen können, werden die Hirtenkamps immer mehr. Wir gehen querfeldein und weichen den Herden aus, die quasi überall auf uns warten. Mit etwas Glück und ein paar Kletterübungen gelangen wir tatsächlich auf eine Strasse die uns zum Meer bringt. Ein Mann dreht mit dem Auto extra um, um uns seine Hilfe und einen Tee anzubieten. Durch eine ärmliche Siedlung gelangen wir schliesslich ans Meer. Die letzten Kilometer hört es auch auf zu regnen und ein paar Sonnenstrahlen geben ein schönes Bild auf dem ruhigen Wasser ab. Dennoch sind wir überrascht wie ärmlich alles ist, obwohl das Tote Meer doch so bekannt ist. In einem Hotel am Meer bekommen wir ein Zimmer, was alternativlos ist in dieser Gegend. Wir sind nach der anstrengenden Etappe wirklich Müde.

Etappe: 24km / Schritte:

43 200 / Höhenmeter: 1100m bergab

 

Der Weg zum Toten Meer

 

Blick Richtung Jericho

 

Querfeldein auch mal klettern

 

Strasse zum Meer

 

Licht am Ende des Tages

 


8. Januar – Etappe von Madaba auf den Mount Nebo

Am Morgen werden wir doch noch einmal mit Sonnenschein überrascht und starten so zumindest trocken in den Tag. Doch der Wind ist sehr kalt und hat mächtig an Fahrt aufgenommen. Zum Teil müssen wir Ausfallschritte machen, wenn uns eine Böe erwischt. So verlassen wir die Stadt Madaba über ruhige Strassen und lockere Bebauung die zunehmend abgeernteten Feldern weicht. Der Weg führt uns nach ein paar Kilometer in ein kleines Tal hinab, vorbei an Pferden und Schafställen. Dort hört die Strasse auf und wir gehen dem GPS nach auf Pfaden die in der Landschaft gar nicht sichtbar sind. Das Tal ist eng und schroff und man fühlt sich in einer anderen Welt, obwohl nur wenige hundert Meter dazwischen liegen. Vorbei an einem trockenen Flusslauf und an einem Abhang entlang bahnen wir uns den Weg durch dieses Tal. Die Landschaft erinnert durch Stein und Geröll bereits an das gelobte Land in meinen Vorstellungen. Am hinteren Ende des Tales erkennen wir Ruinen und ein paar Zelte mit Herden auf die wir mit unserem Map zu steuern. Es sind die Ruinen alter Kirchen die man dort sehen kann. Als wir auf dem kleinen Gipfel ankommen machen wir eine Pause. Eine Hundefamilie hat uns ins Herz geschlossen und folgt uns eine Weile. (Dame, Herr und Junior) Vom Gipfel aus kenn man eine gelbliche leblose Hügellandschaft sehen die im grau der diesigen Luft verschwindet, was sehr eindrucksvoll aussieht. Danach machen wir uns weiter bergauf, wieder auf einer Strasse Richtung dem Mount Nebo. Ein Hirtenkamp mit aggressiven Hunden hat sich direkt an der Strasse aufgebaut. Die Hirten mit ihren typischen Palästinensertüchern auf dem Kopf, halten die Tiere von uns fern in dem sie Steine in ihre Richtung werden. So kommen wir unbeschadet an den Herden vorbei. Je näher wir dem Ziel kommen, desto näher kommen auch die Wolken und auch der Wind wird immer stärker. Noch eine kurze Senke an der Schnellstrasse der wir nun folgen und da sehen wir den Gipfel des Nebos, der sehr unspektakulär aussieht. Ein kleiner Höcker mit einer Kirche drauf. Doch die Sicht auf die Ebene ist gigantisch. Als wir den Eintritt bezahlt haben gehen wir die letzten Meter und dann breitet sich das Gelobte Land, das Jordantal vor uns aus. Es verschwindet im Grau der Wolken und dennoch ist es ein ergebender Moment. So wie einst Mose, sehe ich heute das erste Mal in meinem Leben das heilige Land, was Gott den Israeliten versprochen hat. An guten Tagen sieht man von hier Jerusalem, doch wir sehen gerade so noch das tote Meer. Vorbei am Monument mit der Schlange, das an die biblische Geschichte im alten Testament erinnert gehen wir in die Kirche. Sie ist aus Holz auf den Grundmauern einer byzantinischen Kirche errichtet worden und ist ein Mix aus Gotteshaus und Museum für Mosaike und Säulen. Es wird immer windiger und die Wolken verhängen nun die Sonne. Es gibt auf dem Berg ein Kloster der Franziskaner, dort klingeln wir, denn wir hatten vorher bereits da angerufen um nach einer Übernachtung zu ersuchen. Leider öffnet uns niemand. Kurz überlegen und Toilettengang, danach der Impuls noch einmal probieren. Diesmal finden wir einen Angestellten der uns Öffnet und ein Zimmer gibt. Der Pater hatte verstanden wir kommen erst die nächste Nacht. Wir wurden mit Tee und Obst versorgt und die Ölradiatoren wurden angeschmissen, gerade rechtzeitig, denn danach begann es zu regnen. Froh in den kalten Räumen Schutz vor dem Nass gefunden zu haben ruhen wir uns aus. Später kommt der Mönch vorbei und stellt sich vor und lädt uns um 19uhr zu einer Suppe ein. Das Angebot nehmen wir an und so sitzen wir etwas später in der Küche des Miniklosters. Bruder Rafael hatte mittlerweile einen Jogginganzug an, statt der typischen braunen Kutte und auch ein weiterer Mönch war da und kochte etwas für uns. Wir waren dankbar für die unkomplizierte Gastfreundschaft, doch so richtiges Interesse hatten die beiden geistlichen nicht. Viele Fragen von mir wurden knapp beantwortet und sie haben auch nicht so richtig verstanden, warum man nach Jerusalem läuft und nicht den Bus nimmt. Eine witzige Geschichte habe ich dennoch erfahren. Pater Rafael ist ein 72 jähriger Italiener aus Napoli und ist deshalb ins Kloster gegangen weil die Priester Süssigkeiten verteilt haben als er klein war. In atmen Verhältnissen war das paradisisch für ihn. Also wollte er als junger Mann dahin wo es scheinbar endlos Süsses gibt. Unerwartet aber irgendwie nachvollziehbar. Danach kuscheln wir uns ins Bett unserer einfachen Unterkunft und hören dem Sturm zu während wir einschlafen.

Etappe: 13km / Schritte: 23 400 / Höhenmeter: 200m + 50m bergauf und 90m bergab

 

Steinwüste hinter Madaba

 

Unsere Hundefamilie

 

Angekommen

 

Blick auf das gelobte Land

 

Monument auf dem Nebo

 


7. Januar – Etappe Amman nach Madaba

Über Um al Kudum, Um al Burak, Al SamikAm Morgen starten wir am Stadtrand von Amman und verlassen diese entlang einer Schnellstrasse. Die hat zum Glück wieder eine Nebenstrasse direkt neben der Hauptfahrbahn sodass wir gut und bequem laufen können. Nach einem Kilometer genehmigen wir uns an der Tankstelle noch einen Kaffee. Der Freundliche Verkäufer, ein freundlicher junger Mann, kann super englisch und so können wir uns ein wenig austauschen über das Leben in Jordanien. Danach geht es für uns weiter und wir folgen nach dem Rechtsabbiegen einer Nebenstrasse die uns nach einem Anstieg in das Dorf Um al Kudum bringt. Die Landschaft ist weiterhin hügelig, Olivenbäume und karges Gestein wechseln sich hier ab. Die Menschen grüssen uns und wir hören sehr oft: welcome to Jordan. Eine Einladung zum Kaffee lehnen wir ab, dafür freuen sich die Ladenbesitzer umso mehr als wir Äpfel kaufen in ihrem Markt. Danach kommt ein erneuter steiler Anstieg zum Ort Um al Burak. Der Fahrer des Müllautos reicht uns eine neue Flasche Wasser aus der Fahrerkabine und wünscht uns alles Gute. Wir kommen an einer Moschee vorbei die zwischen den Dörfern mit einer goldenen Kuppel glänzt und den typischen leuchtturmartigen Minatett hat. Nach dem Anstieg wird es windig und die Luft kühl. Die Sonne prasselt aber dennoch recht stark an diesem Tag weiter. So gehen wir immer wieder Strassen entlang, vorbei an Häusern und Hügeln, sowie Felde und Steppe. Kurz vor der Stadt Madaba werden wir noch von Kindern um Geld angebettelt die es schwer haben unser Nein zu akzeptieren. Doch das ist schon fast vergessen, als wir den Stadtrand erreichen und uns einige Anwohner etwas gutes tun wollen. Neben Mitfahrgelegenheiten, die wir ablehnen, bekommen wir wieder Es Wasser geschenkt und auch ein paar Einladungen zum Essen. Doch wir bahnen unseren Weg weiter in Richtung Stadtmitte, vorbei am Werk von Coca-Cola ins grösser werdenden Gewimmel der Stadt. Die Taxifahrer werden hier etwas hartnäckig und verwickeln mich in Gespräche, doch auch hier kann ich mich irgendwann durch setzen. Als wir im Zentrum ankommen, gehen wir kurz in unser Hotel um danach die Innenstadt anzusehen. Nach einem leckeren Essen besichtigen wir noch die kath. Kirche of John the Baptist. Es ist bereits Dunkel und der Kirchturm witzig beleuchtet. Die Kirche hat eine bunt beleuchtete Krippe Aussen und auch der Altar wurde zur riesen Krippe umgebaut. Man konnte auf den Glockenturm geben über eine abenteuerliche Treppe, von dem man über die Lichter der Stadt blicken konnte. In den Katakomben der Kirche hat man eine Amorither Siedlung gefunden, also war dort ein kleines Museum eingerichtet. Ein Brunnen, alte Gemäuer und Höhlen waren da zu finden. Die Gegend bist bekannt für viele alte byzantinische Kirchen die man ausgegraben hat, und in denen man eine Menge Mosaike gefunden hat. Danach war unsere Tour für diesen Tag beendet. Als wir zurück zur Unterkunft gehen, regnet es bereits. Für die kommenden zwei Tage war das Wetter auch schlecht angesagt.

Etappe: 24km / Schritte: 43 200 / Höhenmeter: 150m + 50m hinauf und 40m und 70m hinab

 

Das Land hinter Amman

 

Um al Kudum

 

Leuchtturm-Moschee

 

Madaba im Zentrum

 

Mosaik von Jerusalem in den Katakomben

 


6. Januar – Etappe Amman

Amman ist eine Stadt die mittlerweile auf 19 Hügeln errichtet worden ist und das bekamen wir heute zu spüren. Wir wollten heute die Stadtetappe erledigen um Morgen dann den Lärm verlassen zu können. So ging es wieder an der Zentralmoschee vorbei zur Marienkirche. Die hatte sogar für uns geöffnet was nicht so häufig war in der letzten Zeit. Vom Baustil her ähnlich wie die Kirchen bei uns, dennoch sehr speziell mit der arabischen Schrift an den Wänden. Danach ging es durch ein paar einladende Strassen bis zu einem kleinen Künstlerviertel wo die Wände mit Bildern verziert waren. Dort gehen wir einige Stufen steil hinab in das ältere arabische Viertel. Es ist voll und eigentlich alles in Allem ein riesiger Bazar. Händler blockieren den Gehweg mit Waren aller Art, die Strassen sind verstopft und es sind überall Menschen und hupende Autos. Wir versuchen ein Kaffee zu finden mit Toilette doch das ist aussichtslos also gehen wir zurück zum Künstlerviertel und trinken in einer urigen Stube einen Kaffee und essen ein Eiergericht. Ein WC gab es zum Glück auch. Danach stürzen wir uns wieder in das Getümmel und die engen Gassen. Vorbei an Moscheen und unzähligen Händlern geht es wieder bergauf, sehr sehr steil. Unglaublich dass hier Autos durch die Gassen fahren. Ein Blick zurück und ich sehe eine Wand aus Häusern vom gegenüberliegenden Hügel. Was für eine faszinierende Stadt. Irgendwann reicht es uns und wir bahnen uns den Weg durch die Strassen zurück, der Lärm und die vielen Informationen machen einen müde. Ich spüre im Allgemeinen eine grosse Müdigkeit, die Eindrücke der letzten Monate waren schon recht viel und das heilige Land liegt noch vor uns.

Etappe: 15km / Schritte: 27 000 / Höhenmeter: 2 mal 150m hinauf und hinab

 

Marienkirche

 

Zwei der 19 Hügel

 

Häuserwand

 

Künstlerkaffee

 


5. Januar – Planmässiger Pausentag in Amman

Da uns die letzten Grenzübertritte schon so geschlaucht hatten, wollten wir den grossen Sprung nicht unterschätzen und hatten einen Tag im Bett eingeplant. So schliefen wir lange und ausgiebig bis wir am Nachmittag noch wenige Kilometer in die Stadt gehen. Am Bankenviertel mit den Hochhäusern zum Parlament und der Zentralmoschee. Direkt auf der gegenüberliegenden Seite war die Orthodoxe Kirche. Faszinierend, wenn Moslems die Moschee verlassen sehen sie die Kirche und anders herum. Aber scheinbar ist das hier kein Problem. Weiter ging es am Gerichtshof vorbei und dann in ein Einkaufszentrum (Mall) in der wir uns noch mit Essen versorgten. Danach ging es zurück ins Bett. Jordanien ist ein Königreich in dem ca. 60% Palästinenser leben. Die Stadt Amman hat 4 Mio Einwohner im Grossraum untergebracht, das ist knapp die Hälfte der gesamten Bevölkerung des Landes. Vor 100 Jahren lebten hier noch 5000 Menschen. Ein faszinierend offenes Land wie mir scheint.

Zentralmoschee und Kirche direkt nebeneinander

 

Bankenviertel

 

Modernes Einkaufszentrum


4. Januar – Flug nach Jordanien Amman

Der 8. Landeswechsel (ausgenommen der kleinen von Deutschland und Kroatien) in 6 Monaten ist etwas besonderes, denn wir fliegen ihn. Durch den Krieg in Syrien sind wir dazu gezwungen und auch das Geld und die Zeit werden knapp. Am Morgen geht es mit dem Taxi zum Flughafen und wir gehen zum ersten Check-In Schalter und es geht schon mal gut los, denn man versichert mir, dass es nicht möglich ist meinen Pilgerstab mitzunehmen, den ich so schön verpackt hatte. Doch zum Glück stellen wir fest, dass wir am falschen Schalter waren und wir das andere Terminal nehmen müssen, also schnell hinüber gelaufen und dort klappt es dann zum Glück. Man waren wir aufgeregt, denn geflogen sind wir schon eine Ewigkeit nicht mehr, auch vor der Pilgerreise. Der erste Flug bringt uns von Adana nach Ankara wo wir unser Gepäck erneut aufgeben müssen. Doch auch dort wird der Pilgerstab anstandslos aufgegeben und sogar als zerbrechlich eingestuft. Mit unseren restlichen Lira plündern wir die Kiosk und so komme ich zu meinem letzten Simit der Türkei, Kaffee und einem Ballentins. Nach einigen Wochen ohne Alkohol macht mich der erste Schluck schon dösig also lassen wir es lieber und nehmen den Rest mit. Nach einer zweiten aufwändigen Kontrolle von Maria (willkürliche Stichprobenkontrolle) können wir nach Amman fliegen. Bereits beim Landeanflug sieht die Welt ganz anders aus, man sieht viel gelben Sand und ganz andere Bauten. Der moderne Flughafen grüsst mit Weihnachtsbäumen und wir bezahlen die Visagebür. Der Grenzbeamte hat wieder eine riesen Freude an uns und fragt uns sinnlos aus und knallt uns jordanische Sätze an den Kopf die wir übersetzten sollen. Nachdem wir das überlebt haben bekomme ich nach einer kurzen Schrecksekunde sogar meinen Pilgerstab zurück. Der war irgendwo separat geparkt und nicht mit dem Gepäck auf dem Band. Als wir nach einer kurzen Verschnaufpause den Flughafen verlassen werden wir sofort von jemandem nach einem Taxi gefragt, was wir annehmen. Der Mann verweist uns an einen anderen Mann der mit uns über den Parkplatz läuft. Soweit so gut, dann wird es skurril. Scheinbar wartet er auf einen Fahrer der nach ein paar Minuten kommt, da wir keine anderen Taxi sehen, denken wir, dass dieser Vorgang normal ist. Es kommt ein Mann angefahren und will uns mitnehmen. Man sagt uns, auf Anfrage nach dem Taxometer, dass es ein Uber ist. Wir verhandeln den Preis und steigen ein. Bereits beim verlassen des Geländes wird der Fahrer unruhig. Er umgeht die Schranke der Parkgebühren und dreht eine weitere Runde auf dem Flughafenparkplatz. Beim zweiten Versuch da runter zu kommen wird er von einem Polizisten angehalten, den er mit einer Täuschung einfach stehen lässt. Bei dem ganzen Prozedere telefoniert er und wird immer lauter und hektischer. Als der Polizist ihn dann doch noch stellt, sagt er zu uns wir sollen nichts sagen. Beim Gespräch mit dem Beamten nutzen wir die Gunst der Stunde steigen aus und nehmen unser Gepäck. Danach will der Beamte wissen was passiert ist und wir stehen ihm Rede und Antwort. Wie sich herausstellte, ist Uber illegal. Nach einer Zeugenaufnahme führt er uns zum Taxistand mit den Taxis die man kaum als solche erkennt weil sie nur eine kleine Aufschrift an den Türen haben. Er wird noch von der Bande der Uber-Fahrer aufgehalten und wir sehen zu, dass wir weg kommen. Der Taxistand ist wie ein Bazar, ein Mann nimmt unser Ziel auf und dann schreien sich die Taxifahrer an bis einer den Zuschlag bekommt. Der Preis ist vorher klar, kein Taxometer und dann geht es los. Der Fahrer ist ein ruhiger besonnener Mann, was uns gut tut nach der ganzen Aufregung. Er fährt uns zu unserem Hotel in der Stadt. Wir sehen IKEA und Starbucks mit arabischen Schriftzeichen und in Englisch angeschrieben, das gleiche gilt für Strassenschilder. Es wirkt wie eine andere Welt, selbst die Moscheen sehen merklich anders aus und der Baustil erinnert mich an kleine Leuchttürme. Im dunkeln erreichen wir das Hotel und sind einfach nur froh, dass wir diesen Grenzübertritt geschafft haben.

Warten auf den Flug nach Ankara

Da unten ist Syrien und der Krieg

Wo ist der Pilgerstab?

Pilger komplett

King Alia Flughafen

Amman @ Night