Griechenland

In Griechenland geht begegnen wir den ersten Spuren des Apostels Paulus. Dazu werden wir mit einem Küstenweg verwöhnt, der uns eine abwechslungsreiche Landschaft bietet. Über Thessaloniki und Kavala geht es wieder gen Osten in die Türkei. Spannende Erlebnisse, Bilder und ein paar Daten zu den Etappen in Griechenland findest du hier.


Etappenübersicht / Tagebuch

Paulus auf der Spur – 443km


8. November – Etappe von Alexandropolis nach Feres

Über Maistros und Apalos

Nach einem ausgedehnten Frühstück am Morgen machen wir uns auf und gehen gemeinsam an den Leuchtturm, das Wahrzeichen der Stadt Alexandropolis. Danach mache ich mich heute allein auf den Weg und Maria trifft mich dann im Zielort. Der Weg führt mich an der Hauptverkehrsstrasse entlang durch die beiden Vororte Maistros und Apalos die fliessend ineinander übergehen. Es ist trotzdem gut zu laufen, denn erst habe ich einen Gehweg und später eine eigene Fahrbahn die mich sicher am Verkehr vorbei geleiten. Es hält ein Auto neben mir an, in dem ein Polizist sitzt und mir wird mulmig. Doch wie sich herausstellt, ist dieser Österreicher und spricht mich nur wegen der österreichisch anmutenden Jerusalemway Fahne an. Er ist bei der Frontex (EU Grenzpolizei) und bis 2021 hier stationiert. Er fragt mich am Ende des Gesprächs ob er mich bis zu Grenze mitnehmen soll, doch ich lehne dankend ab. Nach dem Proviantkauf im Lidl gehts weiter. Danach biege ich von der Schnellstrasse weg und komme auf eine Nebenstrasse auf der äusserst aggressive Hunde auf mich warteten. Mit einigen lauten Ansagen und Gesten konnte ich sie von mir fernhalten, nach dem das Ignorieren nicht geklappt hat. Danach gehe ich einen Weg zwischen Eisenbahnschiene und Rollfeld des Flugplatzes entlang. Es wird nun ruhiger, hier und da noch ein Gewächshaus oder eine Hütte, sonst komme ich nur an Feldern vorbei, die keine Gewächse mehr tragen. Dafür fühle ich mich wie Frodo Beutlin in den Fängen der Spinne, denn überall auf dem Weg sind feine Fäden gespannt. Es scheint, als hätten die Spinnen den Wind der letzten Tage genutzt um diese quer über den Weg zu spannen. Es juckt und ich bin eigentlich nur am Abputzen der klebrigen Fäden. Irgendwann gelange ich an einen breiten namenlosen Kanal dem ich nun fast bis an den Zielort folge. Der Weg bleibt wie er ist, gradlinig, mit festen feinen Kiesel und flach. Ein gutes Laufen ist dadurch möglich. Irgendwann erwischt mich doch eine Herde Schafe mit ihren Hunden, gegen die ich mich erneut durchsetzen muss, obwohl die Schafe 300m weiter weiden. Der Hitze macht keine Anstalten mir zu helfen und so muss ich allein durch die 8 kläffen den Vierbeiner durch. Nach einem Kilometer habe ich sie dann endlich hinter mir gelassen. Kurz vor dem Zielort Feres geht es doch noch einmal 35m hinauf bevor ich in den Ort komme. Ich sehe Grenzpolizisten Streifefahren denn das Nachbarland Türkei ist nur 5km Luftlinie entfernt. Das haben wir unterschätzt. So kommt Wildcampen nicht gut an. Morgen wollen wir in die Türkei weiter reisen und wissen, dass wir die Militärzone nur mit dem Auto passieren können. Also entschliessen wir uns nach Akexandropolis zurück zu fahren und am kommenden Tag von da aus mit dem Bus die Grenze zu passieren. Die letzte Nacht in Griechenland liegt vor uns.

Etappe: 33km / 59 400 / Höhenmeter: 35m hinauf

Alexandropolis und sein Leuchtturm

 

Optimale Bedingungen zum Laufen

 

Spinnenfäden über dem Weg

 

Letzte Pilgerkilometer in Griechenland


7. November – Etappe von Platanidis nach Makri (mit dem Bus nach Alexandropolis)

Über Paralia und Panorama

Heute war eine ausgesprochen schöne Etappe. Eine der schönsten seit langem. Nach dem wir das Zelt verträumt haben, zwischen den herrlichen Olivenbäumen ging es eine Strasse weiter in Richtung der Bergkette die wir schon seit zwei Tagen sehen konnten. Wie die anderen Tage, blieben Wolken an den Spitzen hängen, was mit der Morgensonne ein interessantes Lichtspiel ergibt. Dann biegen wir ab, auf steinige Wanderwege, die uns hinauf führen und immer auch mal wieder hinab. Uralte Olivenbäume und Mauern säumen den Weg. Nach Anstiegen bekommen wir immer wieder den Blick auf das blaue Meer. Wir haben Glück und die Wolken am Berg verziehen sich, während wir uns immer weiter durch diese einmalige Landschaft vordringen. Wir entdecken immer wieder Ruinen die Zeitzeugen einer vergangenen Welt sind. Es ist eine majestätische Stimmung zwischen den ehrwürdigen Steinen und Bäumen. Der Berg Ag. Georgius selbst thront über dem Meer und sieht aus wie von einem Bagger aufgeschüttet. Immer wieder geht es eine Windung weiter mit neuen Eindrücken. Irgendwo begegnen wir einer Kuh, die sich vor lauter Schreck ins Gebüsch stürzt. Danach führt uns der Weg hinab in eine Bucht wo das Rauschen der Wellen uns begleitet. Ein paar Soldaten stehen dort Patrouille und grüssen freundlich. Es gibt wieder einen Wasserhahn der unsere Rettung bedeutet. Nach dem kurzen Strandabschnitt müssen wir noch über einen weiteren Hügel entlang der Steilküste um einen längeren Strandabschnitt zu gelangen. Wir passieren eine weitere Ausgrabungsstätte und laufen nun einige Kilometer am Strand entlang auf einer Strasse. Dort finden wir die ersten Häuser seit langem, doch auch diese sind nur wenig bewohnt. Ein alter Hirte am Stock führt eine handvoll Schafe der Strasse entlang und der Wind und die Wellen des Meeres zur Rechen geben ihr übriges zur Idylle hinzu. Hinter uns die Berge, die nun wieder Wolken tragen, neben uns das Stahl laue Meer und vor uns sattes grün der Hügel. Ein Traum für den Pilger, so vielfältig ist es selten an einem Tag. Wir verlassen das Meer und kommen an ein Kloster. Da wo der Weg durchführen sollte war eine Mauer. Was nun? Ein paar Meter weiter finden wir eine Eisentür die offen ist. Wie Touristen gehen wir einfach rein und fragen die irritierten Bauarbeiter nach dem Kloster. Sie lassen uns glücklicherweise passieren. Danach denken vier Hunde, dass die Strasse ihnen gehört und bekläffen uns eine ganze Weile. Wir kommen am Ort Panorama vorbei, wo einige Olivfnbauern bei der Ernte sind. Danach geht es noch einmal eine 10% Steigung hinauf nach Makri und dem ersten offenen Laden nach über 50km. Wir stürmen diesen und haben Mühe mit unseren grossen Rucksäcken in den Engen Zeilen zu wenden, was die jungen Ladenhüter zum schmunzel bringt. Wir kaufen Zucker und Co für die schnelle Energie. Die Eindrücke, der Wind und das Auf und Ab haben mich geschlaucht, so dass ich entschliesse die letzten 10km bis Alexandropolis mit dem Bus zu fahren und es damit Maria gleich zu tun. Wir bekommen noch die Tickets für den Bus im Laden. Dann warten wir, während uns zwei streunende Hunde wieder ins Herz geschlossenen haben. Dann fahren wir in der Dunkelheit in die Stadt. Ein eindrücklicher Tag liegt hinter uns.

Etappe: 28km / Schritte: 50 400 / Höhenmeter: 80m + 120m hinauf und 70m + 130m hinab

Lichtspiel am Morgen

Steilküste

Ruine eines alten Turms

Die Etappe hatte alles

Letzte Kilometer am Meer


6. November – Etappe von Glyfada nach Platanidis

Über Imros, Profitis Ilias, Kryoneri, Alkyona

Am Morgen laufen wir 10km auf der Strasse die meist geradlinig in die Landschaft führt. Kaum ein Auto fährt an uns vorbei, und so hören wir den Vögeln zu oder dem summen der Stsrkstrommasten. Links und Rechts abgeernteten Felder und sonst läst die Landschaft einen weiten Blick zu. Ein Highlight gab es. Über die Strasse3rd fliesst ein Fluss. Es war ein skurriler Anblick, als wir davor standen und überlegten wie dir rüber kommen. Es war flach genug für ein Auto, aber zu tief für uns. Also mussten wir die Schuhe ausziehen und Barfuss den Weg über den Fluss in Angriff nehmen. Nach dem Bad nutzen wir die Zeit und trocknen unsere Füsse und das Zelt an der Luft. Danach gelangen wir nach Imros. In einem Fleischerladen versorgen wir uns mit allen fleischlosen Produkten (sogar veganen Käse gab es) und rüsteten uns für den Rest des Tages. Danach gehen wir noch in eine Bar und bekommen dort Kaffee und Omelette. Es sollte die letzte Proviantmöglichkeit für 50km werden, was wir noch nicht ahnten. Danach folgten wir eine Strasse, die uns wieder an das Meer führte, wo wir einige Höcker auf und ab gingen. Dazwischen waren Orte die völlig verlassen waren und dementsprechend auch keine Bar oder Supermarkt mehr geöffnet war. Es war gespenstisch aber das Meer war toll. Zwischen den Orten Almyros und Kryoneri gab es eine kleine Kapelle die uns über einen Wasserhahn mit Wasser versorgte. Was für ein Glück, denn unsere Vorräte gingen zur Neige. Immer wieder treffen wir Hunde, die einzigen Bewohner der Dörfer so scheint es. Im dunkeln erreichen wir Platanidis und finden einen herrlichen Zeltplatz zwischen uralten Olivenbäumen.

Etappe: 31km / Schritte: 55 800 / Höhenmeter: 55m hinauf und hinab

Der lange Weg auf der Strasse

 

Barfuss durch

 

Der erste Blick aufs Meer

Bald am Zielort

 


5. November – Etappe von Genisea nach hinter Glyfada

Über Koutso, Nea Kassani, Porto Lagos und Mesi

Am Morgen fahre ich von Xanthi aus wieder nach Genisea. Maria fährt einen Ort weiter um schon votzulaufen, wie wir es vor zwei Tagen schon gemacht haben. Heute scheint die Sonne wieder und ich starte in der Ortsmitte. Ich verlasse den Ort über einen Feldweg in flaches Land. Man hätte meinen können, dass ich wieder in Ungarn bin. Nur in meinem Rücken war eine Bergkette. Ein stiller Morgen ist es, in dem ich kaum Menschen treffe. In Koutso treffe ich einige Frauen, die den Gehweg fegen oder ihre Häuser von Spinnenweben befreien, es scheint ein allgemeiner Putztag im Dorf zu sein. Weiter geht es an abgeernteten Feldern vorbei einen kleinen Hügel hinauf nach Nea Kassani. Der Ort ist wieder symmetrisch aufgebaut und durch kleine Strassen identisch Strukturiert. Nach einer Pause gehe ich auf die Überlandstrasse und folge dieser  auf einem breiten Seitenstreifen Richtung Lagos. Links sehe ich immer mal den See Vistonida und rechts das Meer. Die Landenge spitzt sich immer weiter zu. Vor Porto Lagos beobachte ich Vögelschwärme bei ihrem imposanten Formationsflügen. Dann erreiche ich den Ort auf der Landzunge zwischen Meer und See. Als ich diesen nach einer kurzen Pause verlasse, sehe ich einen Polizisten, der gerade einen Flüchtling festnimmt, der in einem leerstehenden Haus lebt. Wie gut es mir geht denke ich wiederholt. Später sehe ich das Kloster Mon Agiou Nikolaou das auf dem Wasser des Sees gebaut ist. Die beiden Inseln sind nur mit einem Steg zu erreichen. Am Zugang zum zum Kloster treffe ich auf Maria und wir können gemeinsam diesen spannenden Ort besichtigen. Es ist einer dieser friedvolle Orte, die es viel zu wenig auf dieser Erde gibt. Selbst Maria empfindet so und stellt die These auf, das Wasser schon beruhigend ist, und dann diese Atmosphäre des Klosters es noch verstärkt. Das Kloster hat eine Kirche und zwei Gebäude auf der ersten Insel. Man sieht die drei Mönche hin und wieder durchlaufen. Danach folgt ein weiterer Steg zu einer weiteren Kirche. Im Schatten einer Kiefer machen wir Rast und geniessen die herrliche Atmosphäre und diesen Frieden. Eine Katze klettet den Baum hinauf um den Vögeln näher zu kommen und ein Mönch räumt gerade Blätter Weg, Idylle pur. In der Kirche sehe ich zum ersten Mal ein Auto und Militär mit Gewehren in einer heiligen Darstellung. Irgendwann gehen wir weiter und folgen der Überlandstrasse noch 3km und verlassen sie auf einen Feldweg. Ein paar urige Behausungen stehen in einem abgesperrten Bereich, die aussehen wie Iglus nur aus Holz. Dann geht es wieder den Hang hinauf und hinab immer im rhythmischen Wechsel, bis wir den Ort Mesi erreichen. Dort können wir Proviant kaufen und gehen wieder auf und ab auf einer Strasse am Ort Glyfada vorbei um 2km weiter ein Stück weit von der nun geradlinigen Strasse unser Zelt zwischen jungen Bäumen aufzubauen. Zunächst übersehen wir stschelndes Kraut und setzen uns voll rein, aber dann finden wir noch einen Fleck ohne Schmerzen.

Etappe: 33km / Schritte:59 400 / Höhenmeter: mehrfach 40m hinauf und hinab

Hinter Genisea

Vögelschwarm vor Lagos

Klosterinsel

Ein friedlicher Ort


4. November – Etappe von Toxotes nach Genisea

Über Lefki und Palaio Katrami

In der Nacht hatte es etwas geregnet aber nun war es grau in grau. Wir sehnten uns nach einem richtigen Frühstück doch im Dorf gab es nur Bars ohne etwas zum Essen. So gingen wir nach dem Einkauf im Supermarkt freiwillig auf die Schnellstrasse um an einer Raststätte unser Glück zu versuchen. Mit Erfolg. Im Raststättenflair gab es leckeren Filterkaffee und Sandwich. Die freundliche Dame an der Kasse wollte alles über unsere Reise erfahren und so ist es spät als wir weiter gehen. Zunächst folgen wir der nicht stark befahrenen Strasse weiter um einige Kilometer das erste Mal Türkei auf Strassenschildern zu finden. Dann geht es über Nebenstrasse weiter. Es ist windig und beginnt zu regnen, also schnell unsere Ponchios drübergezogen und weiter gehts auf der engen Nebenstrasse die zwischen Feldern hindurch führt. Die Wolken ziehen schnell an uns vorbei, man könnte meinen es ist ein Wettrennen. Als wir in Lefki ankommen hat es bereits aufgehört mit dem Nass und wir machen im Schatten der Kirche eine Rast. Danach geht es weiter auf den Nebenstrasse durch die flache Landschaft. Es türmen sich immer wieder Wolken auf, die aber vor uns oder hinter uns vorbei ziehen. Der Wind wird von Minute zu Minute stärker. Eine solche Begegnung mit diesem Element, hatten wir noch nicht auf dieser Reise. In Palaio Katrami machen wir eine Rast an einer Tankstelle, wo uns der freundliche junge Tankstellenwart zwei Plastestühle zur Verfügung stellt. Nach der Stärkung kämpfen wir uns gegen den Wind auf der Strasse noch bis Genisea. Dort war der Akku leer und wir wollen in die Nachbarstadt fahren um zu übernachten, denn es soll noch regnen in der Nacht. Wir setzen uns in ein sehr heruntergekommrmenes Café. Es gab keine Alternative, denn das ganze Dorf so wenig gepflegt aus. Genisea hat eine Kirche und eine Moschee, immer wieder schön, wenn das möglich ist. Im Café werden wir von Xavas angesprochen, er hat 40 Jahre in Dortmund gelebt. Etwas aufdringlich erzählt er uns seine Krankheitsgeschichte und die Probleme mit den Dirfbewohnern. Doch von ihm bekommen wir die Information wie man nach Xanti kommt. Wenige Minuten später sitzen wir im Bus zur Unterkunft und können uns auf eine trockene Nacht freuen. Vorher waren wir noch im Lidl einkaufen… Ein Stück Heimat unterwegs.

Etappe: 19km / Schritte: 34 200 / Höhenmeter: 30m

Die Türkei ausgeschildert

 

Die Kirche in Lefki

 

Wolkenrennen

 

Der Wind der Wind das himmlische Kind


3. November – Etappe von Nea Karvali nach Toxotes

Über Chrysoupoli und Paradisos

Nach der kalten Nacht wärmen wir uns mit einem Kaffee im Ort auf, bevor Maria vorfährt und ich zu Fuss die Etappe antrete. Bereits kurz nach dem Ort führt mich ein Feldweg in den Nationalpark und ein flaches Weideland. Ich laufe immer in der Nähe des Meeres entlang aber bekomme es den ganzen Tag nicht mehr zu sehen. Felder und eine Menge künstlich angelegter Kanäle prägen das Bild. Hier und da sehe ich Traktoren den Boden bearbeiten oder komme an einer Schilfwand vorbei. Ein Bauer spricht mich freundlich an und kann sehr gut deutsch sprechen. Hinter manchen Sätzen lässt er ein eigenartiges Lachen folgen, dass es mir schwer fällt ihn ernst zu nehmen. So geht es gemächlich und ruhig weiter bis ich den Ort Chrysoupoli erreiche und eine Rast mache. Maria war bishier mit dem Bus gefahren und schon weiter gelaufen, ich sollte sie später einholen. Es kamen Hinweise via WhatsApp über lauernde Hunde von ihr, sodass es für mich leichter war mich darauf vor zubereiten. Als ich den Ort verlasse komme ich an einer Müllablablagestelle vorbei, wo ein Mann dabei war die Sachen zu durchsuchen die andere weggeschmissen hatten. Einem rosa Rucksack für seine Tochter hatte er gefunden. Es war ein trauriges Bild und mir wurde wieder bewusst wie reich ich bin. Es ging über Feldwege weiter und ich kam zu den Hunden und der Herde die Maria angekündigt hatte, die Herde zog gerade davon, also war es nur ein kurzes Intermezzo mit den Hunden. Hatte der Tag noch sonnig begonnen, zogen nun dunkle Wolken auf. Auch der Wind wurde stärker. Nun wechselten sich Gemüsebeete, Weinberge und Olivenplantagen am Weg ab. Irgendwann komme ich sogar an einer Kiwiplantage vorbei, wo eifrige Männer gerade Kisten in den Lkw heften. Sowas hatte ich noch nie gesehen. Maria hinterliess mir nach einer Kurve ein Herz in einem Sandhaufen, was mich sehr rührte. Ein schöneres Lebenszeichen meiner Frau konnte es nicht geben für mich. Später erfahre ich von ihr, dass ich fünf weitere wohl übersehen habe. Puh, immerhin eins habe ich entdeckt. Zwei Männer die gerade am Wegesrand sassen, machten mich darauf aufmerksam, dass Maria hier vorhin durch gelaufen ist und fanden es wohl amüsant gleich zwei Wanderer zu sehen an einem Tag. Der Weg war später überflutet mit einer grossen Pfütze, auch davor hatte Maria mich gewarnt und einen alternative gefunden. Kurz danach treffen wir uns irgendwo in der Pampa und gehen endlich gemeinsam weiter. Wir folgten dem Fluss Nestos und die unzähligen Kanäle die zu ihm führten bis wir unter der Autobahn hindurch gingen. Danach waren wir wieder auf der Schnellstrasse der wir noch einige Kilometer folgen sollten. Vorbei am Militärgelände, einem Staudamm ist es bereits dunkel als wir die Strasse in Richtung des Zielortes verlassen. Wir werden in Toxotes wie gewohnt von bellenden Hunden begrüsst, die gleich dem ganzen Dorf sagen, dass wir da sind. Es ist Regen angekündigt und so schlagen wir in einem Hotel, das verlassen am Ortsrand steht. Es hat sicher schon bessere Tage erlebt, aber es war erstaunlich sauber und bot alles was wir brauchten für die Nacht.

Etappe: 40km / Schritte 72 000 / Höhenmeter: 80m aufwärts

Das Zelt unter den Olivenbäumen

 

Feld und Flur im Nationalpark

 

Der Himmel zieht sich zu

 

Lebenszeichen


2. November – Etappe von Kavala nach Nea Karvali

Der Tag begann mit einem Stadtrundgang. Zwei Nächte waren wir bereits hier und hatten ausser der Hotelsicht noch nicht viel gesehen. So gingen wir durch die engen Strassen der Stadt zur Kirche Theotokou und zum Mohammed Ali Haus. Von dort hatte man eine fantastische Sicht auf die Bucht und die Stadt. Wir tranken einen Kaffee und gingen weiter durch die Gassen der Altstadt bis zur Festung und wieder hinunter zum Aquädukt. Es viel uns sichtlich schwer diese wunderschöne Stadt zu verlassen. Über einige Strassen kommen wir in die nächste Bucht und einem weiteren Stadtteil mit einem herrlichen Sandstrand. Diesmal liess ich es mir nicht entgehen und ging wenigsten mal mit den Füssen in das kühle Meer. Es war ein wenig windig und etwas Wellengang, ein schöner Moment. Danach verlassen wir die Stadt entgültig über einen Hügel auf einer Schnellstrasse. Zum Teil war es sehr eng und kurvig und nicht ungefährlich. Das nächste kleine Tal durchquerten wir einen Dorf das eingefärcht zwischen den Hügeln lag und von Schnellstrassen umringt war. Auf einem fast zugewucherten Pfad geht es einen Hang hinauf und ab dann folgen wir einer breiten Schnellstrasse die zum Glück auch einen breiten Streifen für uns hat. Kilometer lang geht es an Schwerindustrie und Hügeln vorbei ohne dass es etwas fürs Auge gab. Immerhin, an einem Sonntag war hier auch nicht viel Verkehr. So erreichen wir unseren Zielort und bevor es dunkel wird, haben wir sogar noch Zeit für ein paar Pommes vom Imbis. Danach gehen wir an den Dorfrand und in die Nähe der Autobahn, wo wir unser Zelt zwischen dichten Olivenbäumen errichten. Die Nacht wird kühl und der Mond scheint hell. Das Rauschen der Autos von der Autobahn wiegt uns in den Schlaf.

Etappe: 14km / Schritte: 25 200 / Höhenmeter: 2x 65m bergauf und bergab

Der Hafen von Kavala

 

Das Aquädukt in der Stadt

 

Letzte Blicke auf die Altstadt

 

Sandstrand und Meer


1. November – Etappe von Komnista nach Krinidis

Über Agios Christophoros und Kalamonas

Wir sitzen lange am Frühstück und geniessen es, trotzdem sind wir noch traurig wegen der Nachricht gestern. Als ich mich auf dem Weg zum Bus mache, erfahre ich, dass erst in anderthalb Stunden einer zurück fährt. Also warte ich im Hotel und dann gehts los. Der Bus bringt mich an den Ortsanfang von Komnista. aus Zeitgründen entscheide ich mich gegen den langen Aufstieg über die Klöster und gehe in der Ebene entlang. Einer Strasse folgend, die zwar nicht sehr befahren ist, aber dennoch irgendwie öde wirkt. Es geht 8km bis zum Ort Agios Christophoros, dort kaufe ich mir etwas süsses gegen die Trauer, biege ab und folge wieder einer langen Strasse, die sanft bergab durch die Ebene führt. Irgendwann treffe ich einen Hirten, der auch seine liebe Mühe hatte seine Hunde zurück zu halten. Er hatte eine neongelbe Jacke an und lächelte verschmitzt, als ich ihn vorbei an den Hunden erreichte. Ein typisches Gespräch entsteht, dennoch spüre ich eine Verbindung zwischen uns. Das Händeschütteln und der Schulterklopfer taten gut. Weiter auf der Strasse erreiche ich den Ort Kalamonas, der irgendwie gespenstisch wirkt. Kein Mensch zu sehen und durch das grau der Wolken sicher noch begünstigt. Schnell verlasse ich den Ort um in dir nächste Hundevorstellung zu geraten. Es sind 6 Hunde die eine Herde Schafe verteidigen die geschätzt 200m weiter weiden. Mit ein paar lauten Ansagen meinerseits, lassen sie wenigstens genug Abstand fürs Weiterlaufen. Nach einiger Zeit immer weiter auf dem Asphalt komme ich einer Bergreihe näher, bei der sich auf einer Kuppe eine Ruine befindet. Die Paulus-Stadt Philippi ist ein Archeologisches Areal auf das ich mich schon sehr lange freute. Doch bevor mich der Jerusalemweg dahin führt, sollte ich noch an einer Kirche vorbei gehen, die zu Ehren der Lydia errichtet wurde. Lydia war die erste Christin Europas und lies sich von Paulus bei Philippi taufen. Es war eine schöne Kirche mit einem Taufstein im Zentrum, was bei orthodoxen Kirchen eher untypisch ist. Danach bekomme ich einen Anruf von Maria, sie ist mit dem Bus zum Areal Phillipis gekommen und ihr wurde gesagt, dass es 15 Uhr schliesst. Ich beeile mich los zu kommen und erreiche den Eingang um 14.45 Uhr, doch ich darf das Areal nicht mehr betreten. Eine kurze Diskussion und ich war am Ende. Wütend stapfte ich davon, denn durch das Areal wäre ich geradewegs weiter gekommen. So musste ich einen 2km Bogen schlagen. Die Wut kochte und ich war masslos enttäuscht, ausgerechnet Philippi. Als ich Maria hinter der Stätte in Krinidis treffe, habe ich die Schnauze von allem voll und breche den Pilgertag ab. Gemeinsam fahren wir nach Kavala vor, ich werde vor lauter Frust diese fehlenden 15km nicht mehr nachholen.

Etappe: 26km / Schritte: 46 800 / Höhenmeter: 180m hinab

Agios Christophoros

 

Auf der endlosen Strasse

 

Kirche der Lydia

 

Taufbecken im Innern der Kirche


31. Oktober – Regentag in Kavala

Die Nacht begann es zu regnen und hörte auch am Morgen nicht auf. So war es eine Premiere, als wir das Zelt bei strömendem Regen einpacken und uns ins Dorf verkrümmeln. Ein Bäcker hat offen und so holen wir uns dort einen Kaffee und Gebäck und überlegen, was zu tun ist. Es macht bei dem starken Regen keinen Sinn zu laufen und so entschliessen wir einen trockenen Ort zu suchen. Wir erkundigen uns nach dem Bus und fahren bis Kavala vor. Eine echt schöne Stadt. Doch wir sind Müde, und trinken einen Kaffee und essen nur etwas, bis wir im Hotel einchecken können und verbringen den Rest des Tages dort. Es regnet den ganzen Tag, mal mehr und weniger bis zum Nachmittag. Wir bekommen die traurige Nachricht, dass unsere Katze Lilli seit Tagen zu Hause verschwunden ist und danach haben wir erst recht auf nichts mehr Lust. Ein trauriger Tag.

Starkregen

 

Mit dem Bus nach Kavala


30. Oktober – Etappe von Amphipolis nach Komnista

Über Nea Mesolakkia, Rodolivos, Porti und Iliokomi

Nach dem wir das Zelt verpackt haben, schleichen wir durch die Hügel um nicht doch noch von Hirtenhunden entdeckt zu werden die wir hier und da kläffen hören. Es gelingt. Durch Olivenhaine und karge Steinwüsten ging es über einen Hügel und wieder hinunter um in das Dorf Nea Mesolakkia zu kommen. Wir machten den Umweg für Proviant und Informationen. In einem Dorfladen fanden wir beides. Drei sehr bemühte und herzliche Griechen, waren erst überrascht von unserem Besuch und dann extrem gastfreundlich. Mit ein paar Brocken versuchten wir uns zu verständigen. Wir bekommen einen Kaffee von einem der drei Herren spendiert und durften uns auf ihre Plastestühle vor dem Gebäude setzten es war herrlich neben den drei freundlichen Herren und die Sonne wärmte uns auf. Irgendwann wurde mir das Telefon gereicht und eine freundliche Damenstimme begrüsste mich auf Deutsch. Es war wie so oft auf der Reise, die wichtigsten Fragen wurden geklärt und die Anwesenden kommen nicht mehr aus dem Staunen heraus, als sie die Höhrer zurück bekommen. Später wurde die Dame noch einmal hinzugezogen als wir Informationen über die Busse haben wollten. Als wir die erhalten hatten, gingen wir froh von dannen. Maria fuhr nun mit dem Bus weiter und ich verlies den Ort in eine sehr ruhige Etappe. Zunächst ging es in einer Ebene mit einigen Olivenplantagen und Baumwollfeldern immer wieder leicht auf und ab. Der Weg war mit groben Sand oder Schotter belegt. Nach ein paar Kilometern wurde die Erde wieder rötlich und die Steine überall grösser. Da ging nun bergauf einer kleinen Talkante entlang an dessen Fuss ein leeres Flussbett lag. Einmal überquere ich dieses und gehe auf der anderen Seite weiter. Ich trockne das Zelt auf einer steinigen Fläche und geniesse dabei die Aussicht und die Stille. Nichts ausser das leise säuseln des Windes und ein paar Vögel. Auf holprigen Wegen geht es weiter, das Laufen ist wirklich mühsam doch die Umgebung bleibt atemberaubend schön. Ich komme an einer alten Ruine vorbei, wo herrlich verzierte Fensterbogen zu erkennen sind. Nach einem Abstieg und Anstieg erreiche ich den Ort Rodolivos, denn ich schnell durchquere. Eine stämmige Frau, mittleren Alters mit blonden Haaren guckt mich im vorbeigehen an, als wäre ich ein Alien. Ich Grüsse einfach, wie immer wenn ich unsicher bin. Nach dem Ort geht es wieder weiter hinauf. Ich passiere ein paar Viehställe, wo die Herden zum Glück unterwegs sind und ich ohne Gebell durchkomme. Später zwischen Oliven und auf einem holprigen Pfad kommt mir Vasilis mit dem Traktor entgegen. Als er auf meiner Höhe ist, spricht er mich im feinsten Englisch an. Es war ein schönes Gespräch. Er ist in dem Dorf aufgewachsen und wohnt nun in der Stadt 35km (Drama) entfernt. Seine Kinder wohnen in Brüssel und Montpellier und er bewirtschaftet hobbymässig die Olivenplantage seines Vaters der hier Bauer war. Mit seinen Lachfalten, dem braunen Gesicht, seinem Fischerhut und den Gummistiefeln sah er einfach sympathisch aus. Nach dem Gespräch war es nicht mehr weit bis Porti wo ich Maria treffen sollte. Doch zuerst legte ich mich mit 8 Hunden an, die eine Herde Ziegen begleiteten und einen Stall bewachten. Der Hirte war sichtlich überfordert. Doch irgendwie gelang es mir da durch, hatte ich nun langsam auch Routine darin. In Porti wollten Maria und ich etwas essen, als wir in die Beiz gehen, sitzt da die Frau aus dem vorherigen Ort, die mich so kritisch beäugt hat. Sie hat Maria bereits vorher informiert gehabt, dass ich komme, weil zwei Personen mit einem Rucksack, die müssen zusammen gehören. Sie war viel netter als der erste Eindruck vermuten lies, und so unterhielten wir uns ein wenig bevor wir zum Essen übergingen. Sie übersetzte der Wirtin noch unsere Bestellung und verabschiedete sich. Nach dem Essen ging es weiter, Auf und Ab bis wir über Iliokomi nach Komnista gelangen. Dort finden wir auf einem Feld nicht weit der Häuser einen Platz für die Nacht.

Etappe: 34km / Schritte: 61 200 / Höhenmeter: 350m hinauf und 250m hinab

Die Sonne geht auf in den Bergen

 

Zelt trocknen mit Aussicht

 

Alte Schönheit

 

Porti und Maria in Sicht


29. Oktober – Etappe von Stavros bis hinter Amphipolis

Über Asprovalta, Riviera, Logkari, Sykia und Nea Kerdylia

Am Morgen stehe ich früh auf um die paar Meter zum Strand zu gehen und den Sonnenaufgang zu beobachten. Die rote scheibe schiebt sich mystisch hinter dem Nebel nach oben empor. Noch nicht sehr oft in meinem Leben hatte ich das Vergnügen einen Sonnenaufgang am Meer zu beobachten. Nach dem wir das Zelt auf der Terrasse getrocknet haben, noch einen Kaffee getrunken haben und den Schlüssel bei der freundlichen Vermieterin abgegeben haben, ging es endlich los. Zunächst folgen wir der Strandpromenade bis Asprovalta. Sie ist kaum besucht ausserhalb der Saison und auch nur drei-vier Cafés hatten noch offen. Nach dem wir Proviant in einem versteckten Supermarkt gekauft haben, setzen wir uns in eines der offenen Cafés und geniessen die Atmosphäre. Dann gehen wir an den Strand, denn als Pilger kommt man da nicht allzu oft hin. Uns viel es schwer richtig los zu laufen und dennoch musste es irgendwann weiter gehen. Am Ende der langen Promenade verlief der Weg direkt am sandigen Strand entlang. Das war so mühsam, dass wir freiwillig den Weg an der Hauptverkehrsstrasse wählten. Sie hatte zum Glück einen breiten Streifen und wenig Verkehr. Die Orte entlang des Strandes wirkten nun wie ausgestorben. Kaum Menschen und die Bars waren alle geschlossen. So folgten wir dieser Strasse viele Kilometer lang und hatten immer wieder einen schönen Blick auf die ruhige See. So langsam wurde uns Bange wegen dem Wasser, aber als wir in Nea Kerdylia ankommt, finden wir noch einen offenen Kiosk. Der Besitzer selber war überrascht, das Kundschaft kam und dann gleich so viel Wasser und Co kaufte. Nun waren wir beruhigt. Ab diesem Ort verliessen wir das Meer und Ehe wir uns versagen, waren wir schon wieder in den Bergen. Wir kommen an einer riesen Statue eines Löwen vorbei und verlassen danach die Strasse auf eine Schotterpiste, die uns stetig bergauf führt. Kein Meer war mehr zu sehen, nur Hügel. Wir kommen an einer Ausgrabungsstätte vorbei bis wir den Ort Amphipolis erreichen. Den verlassen wir gerade Wegs wieder und suchen uns 2km weiter auf einem Feld einen Schlafplatz mit Blick auf die Schnellstrasse. Die Nacht wird unruhig, denn in der Nähe Weiden Ziegen und deren Hunde sollten uns nicht entdecken. Wir hatten Glück.

Etappe: 27km / Schritte: 48 600 / Höhenmeter: 85m hoch und 50m runter

Sonnenaufgang am Meer

 

Entlang der verwaisten Strandpromenade

 

Selten – Pilgern am Strand

 

Steinerner Löwe


28. Oktober – Etappe von Nikomidini nach Stavros

Über Loutra Volvis, Nea Apolonia, Kokkalou und Nea Madytos

Es war ein trüber vernebelter Morgen. Der Hochnebel stand so dicht, dass es alles Grau in Grau wirkte. So gingen wir die ersten Meter über sandige Wege. Ein orthodoxer Gesang aus dem Megafon der Kirche des angrenzenden Dorfes begleitet uns eine Weile und macht die Stimmung noch misteriöser. Wir passieren ein paar Schafställe die in der Ebene, zusammengeschustert aus Restmaterial, standen. Die Wachsamen Hunde begleiteten uns ein paar hundert Meter mit Gebell und Geknurr begleitet. Der Alte Hirte war überfordert damit seine Tiere zurückzuhalten und entschuldigte sich mit winkenden Gesten. Irgendwann entdeckten wir den Volvi-See der wie eine graue Scheibe neben uns erschien. Über den Weg kommen wir in den Ort Loutra Volvis, der direkt am See lag. Wir erwarteten einen Ferienort und irgendwie sah es auch so aus, nur war er vermüllt und mit lauter ärmlich gekleideten Menschen bewohnt. Später realisieren wir, dass man dort Flüchtlinge „geparkt“ hat. Diese Langeweile und irgendwie Hoffnungslosigkeit ging einem durch Mark und Bein. Kein Einheimischer, nur die Flüchtlinge unter sich. Beim verlassen des trostlosen Ortes folgte uns ein streunender Hund den wir nicht abschütteln konnten. Er schien suizidgefährdet zu sein, denn auf der Hauptverkehrsstrasse der wir nun wieder folgten sprang er die Autos an, die mit 90km/h vorbei zogen. Wir konnten gar nicht hingucken und sahen ihn schon durch die Luft fliegen, sehr unangenehm. Auf Höhe der Stadt Nea Apolonia trennen wir uns. Maria wartet auf einen Bus der an der Strasse vorbei kommen soll und ich laufe weiter in den Ort. Der Hund konnte sich wohl nicht entscheiden, denn er verschwand zum Glück daraufhin von der Bildfläche. Nach dem belebten Ort folgte ich wieder sandigen und steinigen wegen durch die Ebene. Der See war weit entfernt auf der linken Seite und mit jedem Kilometer kam eine Hügelkette in der Front näher. Den nächste Ort Nea Madytos am Ende des Sees erreiche ich auf stillen und sonnigen Wegen, die viel Platz zum Nachdenken lassen. Danach wird es wieder hügelig, die Sonne verliert an Kraft und es geht stetig bergauf. Die Hänge werden wieder karg und mit wenigen Büschen. Es gibt immer wieder stellen, wo der Weg gesäumt ist von Geäst. Gerade an dieser stelle begegnet mir nach einer Kurve eine Herde Ziegen. Sie schrecken hektisch zurück und werden vom Hirten auf dem Pferd wieder angefeuert weiter zu gehen. Ich stelle mich an den Rand und beobachte das hektisch bunte treiben beim Vorbeiziehen des Pulks. Ein Hund, der erstaunlich ruhig war, setzte sich neben mich und beäugte die Szenerie eben so. Als ich weiter ging kam ein weiterer Hund entgegen. Er hatte eine Glocke gefunden, die er im Maul trug und eilig der Herde hinterher brachte. Er klang noch lange nach. Nicht weit von dem Hirten, baute sich auf einem Hügel gelegen die Ruine der Rendia Burg vor mir auf. Hinter ihr eine Wand der Hügelkette sodass ich mich fragte wie ich dort Richtung mehr kommen soll. Als würde ich mich vor der Ehrwürdigkeit dieses Baus verneigen, ging ich immer tiefer in ein enges Tal von Fessel Fuss sich die Burg erhob. Dahinter wartete ein Märchenwald auf mich, mit Bäumen die eine Menge zu erzählen haben. Kreuzritter, Osmanen und nun ich, die an ihnen vorbei ziehen. Es war Eng, eine Strasse, der Bach Richios und mein Pfad führten hindurch. Als es dämmert und die Enge sich öffnet stosse ich wieder auf eine Herde Ziegen, diesmal ohne Hirten. Dafür waren die 8 Hunde, die das Heer allein durch die Ebene führten, umso beflissener. Einmal entdeckt wurde ich umzingelt. Jeder Schritt und jede Bewegung wurde bellend und schnaubend disqualifiziert. Ich beugte mich und blieb einfach stehen, während die Ziegen, die das alles gar nicht interessierte vorbei ziehen. Hier und da an Halmen kauend und blöde drein guckend, zog die die Szenerie in die Länge. Die Hunde wurden ruhiger, doch jede Bewegung wurde registriert und bekläfft. Als die Herde vorbei war, fasste ich Mut und ging los. Drei Hunde verfolgten mich noch eine Weile mit lautem Gebell und dann zog wieder Ruhe ein. Ungefähr 20min. hat mich das Ganze gekostet und so ist es stock Dunkel als ich in Stravos bei Maria ankomme. Die Unterkunft ist mit Meerblick (ungewollt) aber das bekomme ich erst am Morgen zu sehen.

Etappe: 40km / Schritte: 72 000 / Höhenmeter: 90m hoch und runter

Nebliger Morgen mit orthodoxem Gesang

 

Hinter Nea Apolonia – Wege auf Sand oder Schotter

 

Ziegenherde mit Hirten zu Pferde

 

Imposante Burgruine


27. Oktober – Etappe von Hortiatis nach hinter Nikomidino

Über Gerakarou und Lagkadikia

Der Morgen beginnt frisch und sonnig. Es dauert immer länger bis uns am Beginn des Tages wärmer wird. Wir entscheiden uns eine etwas andere Route zu nehmen als der Jerusalemweg um schneller in einen Ort Einkaufsmöglichkeit zu kommen, da unser Proviant rar war. So nehmen wir Pfade die schneller ins Tal führen sollen. Irgendwann passen wir nicht so recht auf und folgen dem Weg weiter obwohl wir abbiegen sollten. Als wir es merken sind wir schon 1.5km weiter unten. Da der Weg auf der Karte nicht eingezeichnet war, wollten wir blind und grobe Richtung den Pfaden folgen die vor uns lagen. Das ging eine Weile sehr gut, wir fanden sogar eine lebende Schildkröte im Gras zwischen dem stacheligen Büschen. Eine echte schüchterne Schönheit die ihren Kopf nie ganz raus streckte. Irgendwann verlor sich der Weg und wir liefen querfeldein. Zwischen Stacheln und Bäumen, Felsen und Bächen, war das eine echte Herkulesaufgabe. Hut ab vor den Pilgern die vor 500 Jahren gereist sind. Das GPS hatte auch Mühe mit den Richtungen und so schieben wir eine leichte Orientierungskrise. Nach ewigem Überlegen und etlichen Versuchen, finden wir auf einen Weg der eingezeichnet ist und können diesem wieder routiniert folgen. Was für ein Glück. Nun können wir die interessante Landschaft mit der roten Erde besser geniessen. Sie erinnert mich ein wenig an Roja auf dem Jakobsweg in Spanien. Irgewann gelangen wir auf eine asphaltierte Strasse die uns ins Tal führt. Kurz vor dem Ort Gerakarou werden wir mit fröhlicher Balkan Musik begrüsst. Sie übertönt sogar die aggressiven Hunde des Hirten, die sich vor uns und der Herde aufbauen. An einem Fabrikgebäude war ein Fest im Gange. Klapptische und Bänke waren mit Menschen gefüllt und das Essen wurde in Paptellern serviert. Eine Musikgruppe spielte auf Flöten, Zupfinstrumenten und Ziehharmonikas die typischen Klänge. Wir wurden herangewunken und wir sollten etwas essen. Da es nur Fleischwaren gab, lehnten wir ab. Es gab Cola und Wasser zum mitnehmen und einen Schnapps. Der schmeckte mild und rauchig und ich konnte meine Begeisterung wohl nicht verstecken. Also führten mich die Herren, von denen keiner ein Wort Englisch oder Deutsch konnte in die Fabrik und zeigten mir ihre kleine Schnappsbrennerei. Die Zinkgefässe dampften und der Brennvorgang war im vollen Gange. Da ich in der Sonne noch einige Kilometer laufen wollte, lehnte ich jedes weitere Schnappsangebot ab und wurde mit vielen Schulterklopfern verabschiedet. Danach gingen wir einer Hauptverkehrsstrasse entlang, die einen breiten Seitenstreifen hatte, bis in den Ort. Wir machten noch kurz Pause im Schatten, bevor wir der Strasse weitere 3.5km folgten und in Lagkadikia Proviant kaufen. Am Ortsrand kommen wir noch mit paar stylo Südländern ins Gespräch bevor wir diesen auf sandigen Wegen verlassen. Im Zielort suchen wir Wasser zum kaufen für die Nacht, doch wegen der Feiertags hatte alles geschlossen. Eine freundliche Wirtin verkaufte uns dann doch noch ein paar Flaschen. Nun konnten wir den Ort beruhigt verlassen um in der Nähe des Flusses (ohne Namen) einen Zeltplatz zu finden. Wieder hatten wir Mühe, denn wir scheiterten an unserem Perfektionismus. Die Dämmerung zwang uns dann aber doch zu einer Entscheidung. Zwischen Feldern und den drei Dörfern schlafen wir in dieser Nacht ein.

Etappe: 26km / Schritte: 46 800 / Höhenmeter: 550m abwärts

Unerwartete Begegnung

 

Rote Erde und blauer Himmel

 

Brennerei hautnah

 

Zeltplatz gefunden. Glück gehabt


26. Oktober – Etappe von Thessaloniki nach Hortiatis

Es war das Wochenende vor dem Nationalfeiertag der Griechen und dem entsprechenden wurde die Stadt volksfestartig belebt. Ich wollte noch ein zwei Sehenswürdigkeiten ablaufen, aber das war aufgrund der vielen Absperrungen und Menschen nicht möglich. Also treibt es mich weiter raus Richtung Universitätsgelände, wo ich zum Glück noch einen offenen Minimarkt für Wasser finde. Dann geht es eine Strasse des Hang hoch und ich biege ein weiteres Mal ab und schwupps war ich aus der Stadt und finde mich in einem Kiefernwald wieder. Es war faszinierend wie schnell der Wechsel von Grossstadt zu herrlicher Natur von statten ging. Ab diesem Moment ging es für viele Kilometer immer Bergauf. Mal etwas steiler und mal flacher, durch verschlungene Wege. Es hatte so viele Wanderwege in diesem Naherholungsgebiet, dass ich mein Handy gar nicht mehr wegsteckte um nicht irgendwo falsch abzubiegen. Es war schattig und ging immer höher, bis ich die Stadt 12km entfernt noch einmal an einem Aussichtspunkt Sehe. Goodbye Thessaloniki. Ein alter Grieche, der unter einer Winterjacke kein Shirt trug, sprach mich an. Als er versteht was ich mache, redet er auf mich ein, in griechisch, und erklärt mir den Weg lang und breit zu meinem Zielort. Der Versuch auf meine GPS Map zu verweisen scheiterte. Nach der Aussicht ging es weiter hoch, aber es wurde buckliger und die Wege zum Teil schmaler. Immer wieder Auf und Ab und hinter der nächsten Hügelfalte von vorn. Ich begegnete Radfahrern und Motocross-Bikern die auf unmöglichen Wegen fuhren, und vor denen ich mich mit einem halben Sprung zur Seite retten musste. An einer Talseite passiere ich den Ort Exochi, den ich aber nie erreiche. Meinen Zielort sehe ich schon 4km vorher, muss aber noch zwei kleine Täler passieren. Das Gebirge ist nun steinig und mit dürrem Gestrüpp überseet. Ziegenkot sind Zeichen für die Hirten, die ihre Herden durch die Hänge führen. In Hortiatis wartet Maria auf mich in einem Café. Auch ich stärke mich bevor wir den Ort verlassen um ein Zeltplatz zu suchen. Das war heute wieder schwierig, erst waren da Ställe, Hunde und Hirten, die uns die besten Plätze verwehrten, dann war nur Stein und Hang zu finden. Ein paar Kilometer weiter fanden wir doch noch eine schöne Wiese, die geschütz war vor neugierigen Blicken. Das weiche frische Gras war ideal.

Etappe: 22km / Schritte: 39 600 / Höhenmeter: 640m hinauf und 180m hinab

Schwups war die Millionenstadt verschwunden

 

Exochi auf der anderen Seite des Tals

 

Waghalsige Biker

 

Hortiatis in Sicht


 

25. Oktober – Pausentag in Thessaloniki


Es war klar, dass wir einen Tag in der Stadt verbringen wollten. Nicht nur das Meer, was wir das erste Mal auf der Reise zu Gesicht bekommen war mir wichtig, sondern auch die biblische Bedeutung. Die Paulus-Stadt wollte ich genauer anschauen. So gingen wir am Morgen Richtung Hafen und dann an den weissen Turm. Dies Befestigungsanlage hatte man nach der Rückeroberung von den Osmanen weiss getüncht. Davon war nichts mehr zu sehen, aber der Name ist geblieben. Von da oben hat man eine tolle Sicht und im Innern war ein Museum. Die Stadt hat 1917 gebrannt und einen grossen Teil der Altstadt verloren. Ein paar Ruinen erinnern daran. Die älteste Kirche Europas, der Brunnen an dem Paulus gewesen sein sollte, und die Paulus gestiftete Kirche über dem Dächern der Stadt habe ich mir angesehen. Vom Geist der Paulus-Zeit war wenig übrig, dafür ein fröhlicher Trubel der die Stadt erfüllte. Unser Apartment war zentral gelegen und wir durften auf die Dachterasse des Besitzers, die an sich schon genug Sightseeing bot. Geschlemmt wurde natürlich auch. Ein schöner Tag geht zu Ende.

Grossstadt-Rummel

 

Der (nicht) weisse Turm

 

Älteste Kirche Europas?

 

Antike und Moderne

 

Kirche des St. Paulus

 


24. Oktober – Etappe von Axiochori nach Thessaloniki

Über Akropotamos, Kastanas, Kato Gephyra, Athanasios und Sindos

Eine Freude am Morgen, denn das Zelt war trocken. Kein Tau, nichts, so konnten wir schnell zusammen packen und loslaufen. Wir waren am Vortag auf einem Feld auf dem Hügel gelandet und diesen ging es jetzt wieder runter. Als wir nach wenigen Kilometern die Ausläufer von Akropotamos erreichten sahen wir zwei Männer an einem Bus stehen. Hier sollte ja nach Auskunft von Gestern ein Bus für Maria nach Thessaloniki fahren. Die beiden Männer bestätigen das, und so trennen sich die Wege von uns zweien schon mal etwas früher. Als ich allein das Dorf passiere und am Shop etwas Proviant zu kaufen, werde ich von einer älteren Dame abgefangen die mit ihrer Freundin auf der Terrasse sitz. Es gibt ein Stück warme Pizza und zwei gekochte Eier. Besser kann der Tag nicht starten, als mit do viel Freundlichkeit. Ich verlasse das Dorf auf einer Nebenstrasse die schnell zu einer Schotterpiste wird. Hier in Griechenland sind die Hunde wieder aggressiver als im Kosovo oder Nordmazedonien. An vielen Ecken werde ich heftig angebellt oder muss mich mit drohenden Ausdrücken Platz auf dem Weg verschaffen. Nach vielen Kilometern durch Felder und Olivenplantagen hindurch, komme ich an ein paar Bretterbuden vorbei. Die drei angeleinten Hunde drehen völlig durch und erhängen sich fast, als ich das Grundstück passiere. Später gelange ich an eine Strassenunterführung die mit Wasser vollgelaufen ist. Mit Ach und Krach gehe ich am Rand entlang der schlammig einen Durchgang ermöglicht. Es dauert ewig bis ich durch bin, nur um danach zu bemerken, dass es mit einem mini Umweg auch trocken gegangen wäre. So ist das Leben eben manchmal. Danach komme ich in einen Wald. Die Bäume sind wirklich wieder einmal etwas höher und der Weg wird zusehends schwieriger. Himmbeersträucher (Stachelt schön) und anderes Gestrüpp wuchern alles zu. Irgendwie quäle ich mich dort 2km durch, um am anderen Ende wieder von 5 Hunden bekläfft zu werden die aus irgendeinem Grundstück geschossen kommen. Danach geht es über Kieswege bis nach Kato Gephyra. Am Ortsanfang hat ein Bauer eine riesen Freude, dass es ein Tourist hier ins Dorf schafft und so kehre ich in eine schattige Beiz ein und gönne mir ein Bier. Es war warm und der Schatten tat gut. Danach folgte ich der Hauptverkehrsstrasse die mich an mehreren Vororten geradeso vorbeiführt und ich später wieder auf einer Schotterpiste lande. Es gab kaum Schatten und das änderte sich auch nicht so schnell. Der Weg führte mich geradewegs in die Industriezone von Thessaloniki. Die letzten Kilometer rauschten die Lkws und Autos nur so an mir vorbei. Es ist jedes Mal eine Herausforderung vor Grossstädten diesen Gürtel zu durchqueren. Als ich den Busbahnhof von Thessaloniki erreiche, hören die Industriebauten auf, aber lärmig bleibt es. Viele Autos und Menschen sind unterwegs. So bahne ich mir den Weg durch die Stadt und komme auch an einigen fragwürdigen Ecken vorbei. Ein paar Strassenzüge waren mit chinesischem Exporthändlern überseet, die ihre Ware bis an die Strasse geparkt hatten. Irgendwann komme ich dann noch an der Unterkunft an und treffe auf Maria. Es war meine längste Pilgeretappe überhaupt und ich habe noch nicht mal das Meer gesehen.

Etappe: 48km / Schritte: 86 400 / Höhenmeter: 25m

Akropotamos am Morgen

Eine Herausforderung ohne Sinn

Ein bisschen Schatten vor Thessaloniki

Speckgürtel einer Grossstadt

Blick am Abend von der Dachterasse


23. Oktober – Etappe von Polykastro nach Axiochori

Über Aspros

Wir lassen uns Zeit am Morgen denn der Tag hat gestern geschlaucht. Polykastro ist ein grösserer schöner Ort und wir nutzen gleich die Infrastruktur für die organisatorischen Dinge am Anfang eines jeden Landes. Wir kaufen uns neue Sim-Karten und informieren uns über die Busse für Maria. Die Verkäuferinnen im Mobilladen sind völlig baff als sie erfahren was wir machen. Erstaunt fragen sie immer mehr Sachen über die Reise. Beim Busbahnhof haben wir weniger Glück, aus der Dame am Schalter waren keine brauchbaren Informationen zu holen. Also laufen wir nach dem Mittag los. Es ist wieder warm und die Sonne hat nichts an Kraft verloren, auch wenn die Nächte und der Schatten schon sehr kühl sind. Es geht durch flaches Gebiet an wenig befahrenen Strassen entlang. Es geht sanft und wirklich unmerklich nach oben. Zumindest haben wir am Ende der Etappe 55 Höhenmeter absolviert ohne es zu merken. Wir kommen unterwegs an einigen Baumwollfeldern vorbei. Die kleinen flauschigen Wolken fliegen überall herum. In Aspros angekommen, machen wir die ersten richtig guten Erfahrungen mit den Griechen. Kaum haben wir den Ort betreten, der auf der Karte viel kleiner wirkte werden wir von einem Rentnerpaar angesprochen die auf der Terrasse sitzen. Der Mann spricht Deutsch und so gibt es gleich die Information, dass es erst ab dem übernächsten Dorf ein Bus hat, der alle halben Stunden nach Thessaloniki fährt. Das waren hundertmal mehr Infos als die Dame am Busbahnhof. Drei Meter weiter schenkt uns ein weiterer Herr zwei Granatäpfel, mit dem Hinweis, dass wir sie ja brauchen können. Nach dem wir Wasser für die Nacht gekauft haben geht es weiter. Durch die Stunde Zeitverschiebung nach der Grenze können wir Abends etwas länger laufen, trotzdem ist es Dunkel als wir im Zielort ankommen. Wir schleichen uns durch die Strassen des Dorfes und werden erst weit nach diesem fündig. Doch die Routine hilft, dass wir auch in der Dunkelheit das Zelt schnell aufgebaut haben. Ein herrlicher Sternenhimmel setzt dem ersten richtigen Tag in Griechenland den schönen Schlusspunkt.

Etappe: 28km / Schritte: 50 400 / Höhenmeter: 50m hinauf

Polykastro bei Tag erkundet

Flachland? Trotzdem ging es 50m rauf

 

Weisse Baumwolle

 

Kurz vor Axiochori

 


22. Oktober – Etappe von Gevgeljia (NMK) nach Evzoni (GR) (mit dem Bus nach Polykastro)

Wie immer lassen wir uns Zeit bei einem Grenzübertritt. Es sind nur 3km Luftlinie, aber durch die Lage der Grenzposten liegen noch ein 9km Weg vor uns, bis wir in Griechenland sind. Wir wollen noch ein Packet mit Dingen zurück schicken die wir nicht mehr benötigen, so ist unser erster Weg zu einer Post. Die Damen und Herren dort, wirken etwas überfordert mit dem Versenden ins Ausland, mit vereinten Kräften und ein paar Hinweisen von Maria zur Zollinhaltserklärung sollte es gut kommen. Es sah lange so aus als würden sie, vergessen die aufzukleben, nach Marias Hinweis hiess es nur: It’s ok, this is our job! Mit einem Lächeln des betreffenden Postbeamten. Danach verlassen wir den Ort über eine Schnellstrasse. Eine Hundedame folgt uns 2km und wir können sie nicht abwimmeln. Wir haben schon einige Male daran gedacht, einen Hund mitzunehmen, doch Schrecken uns der Aufwand für die Unterkünfte und die Einreisebestimmung für Tiere in der EU immer wieder ab. Kurz vor der Grenze beobachten wir eine Dame, wie sie durch waghalsiges Klettern an der Fassade die Fenster putzt. Ein freundlicher Austausch beginnt, der mit einer Einladung zum Kaffee endet. Doch wir wollten noch eine Ecke weiter und waren etwas spät dran und lehnten ab. Wir baten aber noch darum, die Hunddame zu übernehmen, die immer noch in unserer Nähe wartete, da wir sie nicht mit über die Grenze nehmen konnten. Das war mehr als Witz gemeint, doch egal was diese freundliche Dame machte, es funktionierte. Die Begleiterin wurde nie wieder gesehen. Es war heiss und wir genehmigten uns 500m vor der Grenze noch ein Essen, bevor wir Nordmazedonien nach Griechenland verliessen. Wir hatten den Inneren Balkan geschafft. Ein erhebendes Gefühl, da wir ja so viele Schauermärchen über diese Region gehört hatten. Nach etwas Suche fanden wir einen Weg aus dem Grenzstrassengewirr und kamen durch einen kleinen Wald und über Felder nach Evzoni, unserem ersten griechischen Ort, den wir je betreten haben. Im Dorf begrüsste uns ein angepflockter Esel und wenige freundlich grüssende Menschen in den Gärten. Auf unserer Map war eine Naturschutzzone eingezeichnet und wir waren uns nicht sicher ob wir uns das Zelten erlauben dürfen. Gleichzeitig war es schon so spät, dass wir es nicht mehr in den nächsten Ort schaffen. Im Zentrum fanden wir einen Miniladen und versorgten uns mit Wasser. Dazu fragten wir den sehr gut Englisch sprechenden Besitzer nach einer Übernachtungsmöglichkeit im Ort. Er telefniert kurz und sagt, dass im Hotel am Dorfanfang noch etwas frei sei. Also laufen wir die 1.5km nach draussen um zum beschriebenen Ort zu kommen. Doch nun wird es kurrios. Die Dame des Hauses hatte kein Zimmer. Etwas ratlos standen wir da. Die Köchin bot uns an, dass wir bei ihr übernachten können, allerdings müssten wir warten bis sie fertig ist und Zeit hat. Wir erkundigen uns ob wir auch auf der Wiese vor dem Gebäude zelten könnten, weil wir jetzt recht müde waren und nicht noch lange warten wollen. Sie meint, sie bespricht das mit dem Chef, der in wenigen Minuten kommen soll. In der Zwischenzeit genehmigten wir uns den ersten echten griechischen Ouzo. Als der Patron kommt verneint er unsere Bitte, weil die Polizei wegen der Flüchtlinge hier oft Patrouille fährt und er keinen Ärger will. Das verstehen wir. Zwei Uhr Nachts wird ein Zimmer frei wir können da übernachten. Zwei Uhr? Nee. Wir kommen auf das Angebot der Köchin zurück, die zunächst zusagt und dann ein paar Minuten später sehr kurz und apruppt absagt. Und nun? Es ist stock dunkel bereits und wir wissen nicht wohin. Also wollen wir nach Polykastro fahren um dort nach einem Hotel zu suchen. Maria findet bei Booking.com etwas. Darum bitten wir um ein Taxi. Als sie fragen was wir vorhaben, rufen sie im Hotel an und behaupten es sei ausgebucht. Uns kommt das spanisch vor und wir beharren auf dem Taxi. Wenige Minuten später fahren wir durch die Dunkelheit zum Hotel was uns natürlich herzlich empfängt, denn unterwegs gab es die Buchungsbestätigung. Was da in dem anderen Hotel abgelaufen ist können wir nur so deuten, dass der Patron unsere Lage nutzen wollte um sein volles Haus um eine weitere Nacht zu vermieten. Während wir auf zwei Uhr warten, hätten wir sicher noch bei ihm gegessen. Glücklich und am Ende sinken wir ins Bett. Noch mal gut gegangen.

Etappe: 13km / Schritte: 23 400 / Höhenmeter 50m

Yes! Griechenland wir kommen.

Yes! Griechenland wir kommen.

Der Esel im ersten Dorf

 

Abendstimmung beim Weg zum Hotel des Patrons

 

Ouzo was anders hilft nicht mehr