Die Liebe ist stärker als der Tod

Es ist Ostern! Vor nicht allzu langer Zeit war ich am Ende meiner Pilgerreise am (vermeidlichen) Ort des Geschehens in Jerusalem angekommen. Die Bilder sind mir noch frisch und lebhaft vor Augen. Die Grabeskirche war so ganz anders als ich sie erwartet hatte und doch hat sie etwas vom Geheimnis des Lebens in mir gezeigt, dass ich bisher ignoriert habe. Sie ist so zum Siegel, ja zum perfekten Abschluss der Reise geworden. Die Stadt Jerusalem und all ihre heiligen Orte strahlen eine innere Schönheit aus, die sich oft hinter Rissen und Begrenztheit verstecken.

Kind, steh auf!

Spinnst du? Manchmal frage ich mich das schon. Wenn sich meine Gedanken verlieren und Bilder, Gedanken vor meinen Augen verschmelzen. Dennoch spüre ich, dass sie nicht destruktiv sind, sondern lebensfreundlich sind. Sehr oft stehe ich gestärkt aus ihnen auf und kann meinen Alltag in neuer Qualität beginnen. So ist es geschehen vor ein paar Tagen. Doch der Wert liegt nicht in dieser Erfahrung, sondern was diese Momente in meinem Herzen auslösen. Aber lest selbst.

Raum und Zeit

Keuchend und völlig ausser Atem komme ich am obersten Punkt des Laufes an. Vor mir breitet sich das Tal aus und ich lasse meinen erschöpften Körper ruckartig auf eine Holzbank plumpsen. Der Atem strömt immer noch kraftvoll in meine Lungen und macht Brustraum weit und frei. Ein tiefer Friede durchströmt mein Herz, als ich auf die kleinen Lichter in der Ferne sehe. Was für eine Weite, was für eine Zeit.

Zurück im Alltag

Viele Menschen fragen mich derzeit wie die Eingewöhnung nach dem langen Marsch nach Jerusalem ist. Immer wieder komme ich bei der Suche nach einer Antwort darauf ins stocken. Bin ich schon angekommen? Oder wieder unterwegs? Irgendwie exemplarische Fragen in der Zeit nach dem Weg nach Jerusalem.

Aus Gottes Hand

An einer Schnellstrasse verabschieden wir uns von dem freundlichen Mann der uns so viel Gutes getan hat. Er und seine Familie hat uns am anderen Tag bei sich aufgenommen und Gastfreundschaft zelebriert, ohne sie dabei zu einem Gott zu erheben. Bei der Umarmung drückt er mir an jener Strasse noch ein letztes Geschenk in die Hand, zeigt mit dem Finger nach oben in Richtung des Himmels und sagt: Aus Allahs Händen. Aus Gottes Hand! - wiederhole ich für mich selber, um das erlebte besser zu begreifen.

Die Inspirationen des Weges

Ich bin zurück! Zu Hause, im Alltag, im Gewohnten und doch erlebe ich gerade, wie etwas in meinem Leben aufbricht. Es ist als würde der Weg nach Jerusalem mit jedem Schritt, weg vom Ziel in mein gewöhnlichen Leben, seine neue Kraft entfalten. Eine andere als die, die ich unterwegs gespürt habe. Er inspiriert mich zu einem neuen Zugang zu Gott. Es ist als würde ich Gott neu kennenlernen.

Eh, mach mich mal locker!

Die letzten Tage war ich ein wenig sprachlos, wenn ich ehrlich zu mir bin. Denn das Ende der langen Zeit in der Türkei hatte ich mir ein wenig glorreicher vorgestellt. Das Ziel Mersin zu Fuss zu erreichen ging daneben und auch sonst lief es nicht mehr rund. Der Weg hat mich auf eine ganz besondere Etappe gebracht. Eine die für mich schwerer nicht sein kann.

Gedanken zum Fest

Es ist der 22. Dezember, der 4. Advent in diesem Jahr und noch zwei Tage bis Weihnachten. Auf meinem Weg zu Fuss von der Haustüre nach Jerusalem, laufe ich gerade die letzte Etappe vor der Grossstadt Konya in der Türkei. Es ist eine der anstrengenden Etappen, die mich über karge sandige Berge führt. Genauso habe ich mir das immer vorgestellt denke ich bei mir.

Werde Licht

Auf meinem Weg nach Jerusalem spielt das Licht eine grosse Rolle. Es begrenzt den Tag und damit den Zeitraum meinem Ziel näher zu kommen. Besonders in der abgebrochenen Winterzeit kann es zwischen Sonnenaufgang und Untergang schon mal knapp werden das Tagesziel zu erreichen. Doch auch die Lichter der Weihnachtszeit sagen mir, das Ende meiner Reise ist nicht mehr fern. Was bleibt also aus diesem Spiel von Licht und Dunkelheit?